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RIO REISER SONGPREIS 2006

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Ort: Stadum-Fresenhagen

Datum: 18.08.2006 - 19.08.2006

Freitag

Fresenhagen, das kleine Örtchen in Nordfriesland, früher Wirkungsstätte von TON STEINE SCHERBEN und RIO REISER, wurde wieder einmal Ort musikalischer Höhepunkte. Am 18. und 19. August sollten dort die zehn Besten des RIO-REISER-Songpreises auftreten. Ein Grund mehr, endlich einmal den weiten Weg Richtung dänische Grenze anzutreten. Bei strahlendem Sonnenschein ging es los, je weiter man allerdings gen Norden kam, umso düsterer wurde der Himmel und kurz vor Flensburg goss es wie aus Eimern. Beim RIO-REISER-Haus angekommen, suchten wir uns einen netten Platz auf dem improvisierten Zeltplatz unter einem Baum (das Ordnungsamt hatte das Zelten eigentlich untersagt). In Anbetracht dessen, dass der Himmel aussah, als ob es ewig weiter regnen würde, eine ganz gute Entscheidung. Nachdem alles stand und wir uns ins Auto verzogen hatten (das man gleich neben dem Zelt parken konnte, so dass man nicht wie bei anderen Festivals seine Klamotten 3 km schleppen musste), kam Peter Möbius (der Bruder von Rio) vorbei und begrüßte jeden persönlich und erklärte, wie das Wochenende ablaufen würde. Eine nette Geste.

Gegen 19 Uhr begann der Einlass in „Winnetous Garage“. Viele Leute waren noch nicht da, was wohl zum einem am Wetter lag und zum anderen an der Tatsache, dass das Festival erst eine Woche vorher auf der Homepage angekündigt wurde und sich vorher Gerüchte rankten, ob es denn nun stattfinden würde oder nicht. Der Abend wurde durch „Ich leb doch“, einen Song Rios eröffnet, der gleichzeitig das Motto des diesjährigen Songpreises preisgab. Der Songpreis wurde dieses Jahr zum vierten Mal verliehen. Die bekanntesten Gewinner aus den letzten Jahren sind sicher JULI (2003), was schon zeigt, dass der Songpreis Türen öffnet.

Als erste Band trat eine Band aus Bayern auf, die es noch nicht wirklich lange gibt. Den Namen ZEITZEUGE gaben sie sich beispielsweise erst einen Tag zuvor. Dass der Auftritt in Fresenhagen ihr erster war, merkte man dann auch. Etwas unsicher standen sie auf der Bühne und begannen ihren Auftritt mit einem Instrumentalstück. Sehr schnell konnte man aber das Potenzial dieser Band erkennen. Kluge deutsche Texte. Leider sahen sie etwas provokanter aus, als sie dann auf der Bühne wirkten. Aber das wird schon noch!

Als Zweites betrat JOHANNA ZEUL die Bühne. Dass sie den diesjährigen Songpreis gewinnen würde, wussten wir zu dem Zeitpunkt natürlich noch nicht. Dass sie es drauf hat, merkte man allerdings schon nach den ersten 2 Minuten. Eindringliche Texte, auf eine sehr charmante und teilweise abgedrehte Art vorgetragen. So nahm man ihr bei „Raubtier“ sofort das Tier auf der Bühne ab. Bei anderen Liedern machte sie dann wieder auf „kleines Mädchen“.

Als vorletzter Künstler am Freitagabend sollte TEX auftreten. Der Berliner beherrschte die kleine Bühne in der Scheune sofort. Mit Akustikgitarre und meist geschlossenen Augen sang er seine Lieder und die Menschen, die ihn sich sitzend vor der Bühne ansahen, waren sichtlich angetan. TEX lieh übrigens der Band JULI den Namen, sie benannten sich nach seinem gleichnamigen Lied. Beim letzten Lied „Halt Dich an Deiner Liebe fest“ kamen DORFDISKO dazu. Gemeinsam mit der Kölner Band sang er das Lied zu Rios Ehren.

DORFDISKO selber spielten ihr Programm mit sehr viel Professionalität. Die Band um den charismatischen Sänger Daniel hat mich an dem Wochenende am meisten beeindruckt und ich bin mir sicher, dass man von ihnen noch deutlich mehr von ihnen hören wird (demnächst z.B. als Support von KLEE). Pünktlich nach dem Musikprogramm hörte es dann auf zu regnen, so dass ich zufrieden in mein Zelt kriechen und sogar richtig ausschlafen konnte. Ungewöhnlich für ein Festival!

Samstag

Da das Programm am Samstag erst gegen 20 Uhr starten sollte, bekam man den Tag mit schlafen, lesen und in der Sonne liegen herum. Das Wetter hatte sich zum Glück beruhigt. Viel zum Ansehen ist in Fresenhagen nicht vorhanden und mit dem Auto rauszufahren, hatte ich keine Lust. Hätte ich das mal getan, dann wäre mir vielleicht mein Startproblem am Sonntag erspart geblieben…

Als es endlich soweit war, war die Halle schon um einiges voller als am Vorabend, was sicherlich auch mit dem Bekanntheitsgrad der Bands zu tun hatte. Als erste Band eröffneten SOLAR die Bühne. Die Tochter von R.P.S. Lanrue (ehemals TON STEINE SCHERBEN) und ihre drei Bandkollegen spielten guten deutschen Rock ohne besondere Höhepunkte. Vielleicht lag es auch an der schlechten Abmischung des Sounds: So kam die Stimme von der sehr charismatischen Sängerin leider viel zu kurz.

Als Zweites trat der schon etwas bekanntere GYMMICK aus Nürnberg auf der Bühne. Er begeisterte mit Stücken wie „Böse Möbelstücke“ und sehr viel Entertainment drumherum. So dichtete er zum Beispiel den Hit von TOKIO HOTEL „Durch den Monsum“ zu „Durch den Konsum“ um. Ein klassischer Liedermacher mit hohem Unterhaltungsfaktor, den man sich unbedingt einmal ansehen sollte, wenn er in der Nähe spielt.

Gleich danach betraten JAMMIN INC. die Bühne. Die 11 Mann starke Ska Truppe aus Braunschweig stand am Abend zuvor als Vorband bei GENTLEMAN auf der Bühne. Mit viel Tempo flitzten die Jungs über die Bühne und taten alles, damit es auch den Beinen derjenigen zuckte, die sonst nicht viel für Ska übrig haben. Geschafft haben sie es!

STROM UND WASSER regten als vierte Band an diesem Abend die Menschen in Winnetous Garage zum Nachdenken an. Mit „Akustik – Punk – Kabarett! – das Extremste, was unter der Bezeichnung „Liedermacher“ so eben noch gelten kann!” beschreiben sie sich selbst auf ihrer Homepage und das trifft den Nagel auf den Kopf. Viele politische Anspielungen und dazu gute handgemachte Musik.

Wer aus Hamburg und Umgebung kommt und sich ein wenig für Musik interessiert, kommt an SVEN PANNE nicht vorbei. Der Liedermacher mit Piano stand als Nächstes auf der Bühne. Nur mit Keyboard, Reibeisenstimme und seinem unglaublichen Mimikspiel zog er das Publikum in seinen Bann.

Jetzt war es endlich an der Zeit, den RIO-REISER-Songpreis zu verleihen. Das große Geheimnis wurde gelüftet, als Peter Möbius den „Pokal“ – einen Leuchtturm – auf die Bühne brachte. JOHANNA ZEUL hatte es geschafft. Ob sie etwas für die breite Masse wird, bleibt abzuwarten; wer auf deutsche, kluge Texte steht, sollte sich den Namen unbedingt merken. Überreicht wird der mit 5000 Euro dotierte Preis übrigens auf der Popkomm am 22.09.2006 in Berlin.

Als vorletzte Band des Festivals traten dann mit mittlerweile 2-stündiger Verspätung (der Zeitplan hinkte etwas hinterher) TEMPEAU auf. Viele Leute waren in erster Linie wegen der drei Hamburger dort und dementsprechend war die Stimmung. Auch die Stimmung auf der Bühne war sehr ausgelassen. Sie spielten einen guten Mix aus alten und neuen Songs und zwischendurch gab Jan die ein oder andere Anekdote zum Besten. TEMPEAU in Höchstform. Hinterher verschwanden sie dann allerdings auch sehr schnell von der Bildfläche und wurden nicht mehr gesehen.

Mittlerweile war es halb zwei und die Halle leerte sich zusehends. Die letzte Band TIEFENRAUSCH hatte kein leichtes Spiel um diese Uhrzeit. Die wenigen Leute, die noch dort waren, hatten bei den Ska-Punk-Tönen aber ihren Spaß und feierten noch eine Stunde lang. Ich strich allerdings nach 3 Songs die Segel und zog mich in mein Zelt zurück.

Am nächsten Morgen nur schnell Zelt eingepackt, im Auto verstaut und losgefahren… Denkste. Die Autobatterie hatte das Wochenende nicht überstanden und verweigerte ihren Dienst. Ein Starterkabel zu finden war kein Problem – jemanden, der sein Auto zum Überbrücken zur Verfügung stellt, schon eher. Ein Dank an die „Gemeinschaft“, die sich sofort auf mich stürzte, um zu helfen… Ein freundlicher Mann aus Leck half mir dann doch und ich konnte meinen Heimweg mit vielen neuen Musikempfehlungen und vielen Fotos im Gepäck antreten.

Copyright Fotos: Juliane Duda

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