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ROCK HARD FESTIVAL 2005 – TAG 2

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Ort: Gelsenkirchen - Amphitheater

Datum: 15.05.2005

Der Sonntag

Man kann doch echt froh sein, wenn man jemanden kennt, der vier Bushaltestellen vom Festival-Gelände entfernt wohnt. So konnte man gelassen beobachten, wie am frühen Vormittag ein ordentlicher Regenguss niederprasselte. Als ich dann wiederum erst zur zweiten Band das Amphitheater enterte, hatten sich die Regenwolken schon wieder verzogen und auch am zweiten Tag sollte es, trotz teilweise dunkelster Wolkenbänke, trocken bleiben.

So begann für mich der Sonntag mit den schwedischen Rockern WOLF. Diese verschreiben sich seit 10 Jahren dem klassischen Heavy Metal und huldigen dabei musikalisch und auch äußerlich den 80er Helden IRON MAIDEN, MALMSTEEN und auch KING DIAMOND. Der Großteil der Songs kommt von den Alben „Evil Star“ und „Black Wings“ und schon von Beginn an konnte das Quartett für diese doch frühe Stunde gut Stimmung machen. Das einzige Manko war dann die etwas lädierte Stimme von Sänger/ Gitarrist Nick, der sich dafür auch dauernd entschuldigte. Ansonsten rockten und posten die Schweden, dass man sich wahrlich in die guten Zeiten zurück versetzt fühlte. Das wurde mit viel Jubel honoriert, doch am Ende der 45 Min. merkte man dann doch, dass bei Nick stimmlich nicht mehr viel zu holen war, und so gönnte ihm jeder die verdiente Pause.

Melodisch ging’s dann auch gleich weiter. Mussten THRESHOLD vor zwei Jahren an gleicher Stelle aufgrund eines dicken Gewitters ihren Gig abbrechen, so ging diesmal alles glatt. Dafür, dass sich die Band kurz vorm Festival zum ersten Mal seit gut 6 Monaten wieder traf, kamen die Songs doch ziemlich tight rüber. Bloß Sänger Mac hatte das ein oder andere Mal einige Schwierigkeiten mit den Lyrics, so dass die mehrstimmigen Passagen doch etwas durcheinander klangen. Und das, obwohl man sich für diese Art Notfall extra noch die Textblätter mit auf die Bühne genommen hatte. Dennoch ließen sich die Fans vom Fronter gerne zum Mitklatschen animieren, und die restlichen Musiker machten durch ihr spielerisches Können doch einiges wieder wett. Ein solider Gig, doch sollte man sich das nächste Mal besser vorher noch mal treffen damit auch wirklich alles zusammen passt.

Die einzige wirkliche Brachial-Keule an diesem Tag hielt das Schweden-Schlachtschiff UNLEASHED bereit. Prompt wurde es auch gut voll vor der Bühne, und als die Band in einem wirklich ordentlichen Sound los legte, ging es auch davor gleich gut ab. Besonders gut kamen die alten Kracher wie „Into the Glory Ride“ und Neverending Hate“ an, wobei auch neuere Sachen wie „Winterland“ gut abgefeiert wurden. Bei den Klassikern „Victims of Hate“ und „To Asgaard we fly“ sah man selbst auf den Tribünen die Matten fliegen. Mehr als einmal bildete sich ein ordentlicher Pogopit und fast jeder Refrain wurde lauthals mitgesungen. Sichtlich angetan von der Resonanz grinste der Sänger auch bis über beide Ohren und gönnte sich zum Ende hin erst mal einen ordentlichen Schluck aus seinem riesigen Trinkhorn. Klar, haben es die Death Metal-Veteranen schwer sich gegen die jungen Wilden zu behaupten, doch in so einer Verfassung sind die Mannen um Front-Schwergewicht Johnny einfach nicht aus der Szene wegzudenken!

Nach dem schwedischen Vorschlaghammer waren nun die alten Recken PRETTY MAIDS an der Reihe. Viel gehört hat man von den nicht mehr ganz jungen Herren in letzter Zeit nicht, und so zehrt man immer noch vom großen Erfolg der 80er. Trotzdem haben es die Jungs um Front-Sirene Ronnie immer noch gut drauf und richtig Spaß auf der Bühne. So zockte man ein Best of-Set vom feinsten, wobei natürlich die viel umjubelten „Future World“, „Back to Back“ und vor allem „Red, Hot and Heavy“ nicht fehlen durften, bei welchen die Gesänge der Fans fast die der Band übertönten. Die Truppe rockte auch ganz ordentlich und vor allem der Basser bangte, was das Zeug hielt. Da ließ sich selbst Rock Hard-Oberhäuptling Götz nicht lumpen und sorgte persönlich für den Gerstensaft-Nachschub. Etwas nervig waren allerdings die übertrieben Gesangs-Spielchen von Ronnie. Jeder weiß doch, dass der Typ gut singen kann, da braucht man das nicht noch extra unter Beweis zu stellen. Einen etwas faden Beigeschmack bekam der eigentlich gute Gig dann, als die Band sich von dannen machte ohne spontan einige Autogramme zu geben oder mal das ein oder andere Wort mit den Fans zu wechseln, von denen doch einige auf die Dänen warteten. Schade.

Als ob mein am Vortag eingefangener Sonnenbrand (ich frage mich immer noch, wie das trotz starker Bewölkung passieren konnte) nicht schon reichen würde, riss nun Wolkendecke auf und verpasste dem Amphitheater für über eine Stunde ein fettes Sonnenbad, wobei ich mich auf ein schattiges Plätzchen zurückzog, um mir die nächste Band anzuschauen.
Weiter ging’s im Reigen der Melodic-Bands mit den Überfliegern MASTERPLAN. Konnte man mit der letzten Platte und auch auf Tour gut abräumen, so war die Band diesmal nicht in der Lage diesen Level zu halten. Keine Frage, die Combo besteht aus wirklich guten Musikern, doch ein wirkliches Band-Feeling kam live nicht rüber. So zockte jeder für sich und die Axt-Fraktion überließ Sänger Jorn den Job des Stimmungsmachers. Dieser präsentierte sich in einer guten Verfassung und so kamen Songs, wie „Wounds“, „I’m not afraid“ oder die Singles „Back for my Life“ und „Enlighten me“ wirklich gut rüber. Nur kam bei mir die Frage auf, ob man Vocal-technisch nicht doch etwas Hilfe vom Band bekam, so sahen die Backing-Chöre doch mehr als einmal verdächtig nach Playback aus. Zusammen mit der One-Man-Show des Sängers kam der Gig nicht wirklich so dolle rüber, und so war ich nicht wirklich böse, als man mir mitteilte, dass die Herren von SENTENCED nun für ein Interview bereit stünden.

Eigentlich war ich schon etwas verwundert, dass die legendären Thrasher OVERKILL schon verhältnismäßig früh ran mussten. Schon vor Beginn waren laute „OVERKILL“-Rufe zu vernehmen, und dass die Amis eigentlich locker nen Headliner-Slot verdient gehabt hätten, stellte man in den folgenden gut 60 Min. mehr als eindrucksvoll unter Beweis. So bretterte man gleich los wie die Feuerwehr. „The Mark“, „Rotten to the Core“, „Elimination“, „Thanx for Nothing“, ein Kracher nach dem nächsten wurde in die richtig abgehende Meute gefeuert. Die gesamte Band um Front-Kreischer Bobby Blitz lieferte einen der besten Gigs ab, den ich je von ihnen gesehen habe. Selbst der ganz frische Neu-Drummer Ron hämmerte seine Parts so solide runter, als hätte er in den letzten 20 Jahren nichts anderes gemacht. Apropos 20 Jahre: Plötzlich stapfte wieder einmal Götz auf die Bühne und unterbrach den Sturm der Band. Der Glatzen-Rocker hatte eine Überraschung im Schlepptau, denn der deutsche Vertreter des Fanclub „Skullcrushers“ war angetreten und überreichte dem sichtlich gerührtem Band-Leader eine Trophäe zum 20-jährigen Platten-Jubiläum. Das schien die Band gleich noch mal mehr zu motivieren, und als OVERKILL dann den Smasher „(We don’t care what you say) Fuck you!“ ins Amphitheater knallten, gab es auf dem ganzen Gelände eigentlich kein Halten mehr. Fuck, nach so vielen Jahren noch so einen Gig runterreißen. Das wäre wirklich einem Headliners würdig gewesen! Respekt!

Nach so einem Metal-Feuerwerk war es nun Zeit etwas runterzukommen. Die finnischen Goth-Metaller SENTENCED würden an diesem Abend ihre Abschieds-Festival-Tour beginnen, und so war ich sehr auf die Jungens gespannt. Wird man oft doch als etwas heaviere HIM-Version belächelte, zeigte man diesmal aber mehr als deutlich, wo der Hammer hängt. So knallte man gleich mit dem Death-Instrumental „Where Waters fall frozen“ los, um dann mit dem göttlichen „Excuse me while I kill myself“ die ersten Fans zum Mitsingen zu bringen. Die Finnen lieferten wirklich einen tollen Gig ab, der eigentlich alle Hits der letzten zehn Jahre beinhaltete („Noose“, „Ever-frost“, „No one there“, „Sun won’t shine“ u.a.) und sogar das bislang eher selten dargebotene „The Rain comes falling down“ wurde mal wieder ausgepackt. Aus der „Vor-Ville-Zeit“ hatte man leider nur den Klassiker „Nepenthe“ im Gepäck. Während die Band rockte und selbst bei ruhigeren Tracks moshte, was die Nackenmuskeln hergab, lag das Hauptaugenmerk natürlich auf dem charismatischen Fronter. Dieser bot wieder mal eine richtig gute Leistung, hatte allerdings mit einigen hartnäckigen und schmerzhaften Feedbacks zu kämpfen. Das störte die gut mitgehende Masse überhaupt nicht und so wurde wie Hölle gebangt, und selbst die (den Shirts nach zu urteilen) härtesten Metaller sangen jeden Refrain lauthals mit. Es wurden sogar nicht wenige Crowd-Surfer gesichtet. In dieser Form ist es wirklich mehr als bedauerlich, dass es SENTENCED bald nicht mehr geben wird, dennoch oder gerade deswegen konnte man sich eigentlich keinen besseren Zeitpunkt aussuchen.

Lief das Festival sonst absolut nach Zeitplan, so kam nun zum Ende der Ausreißer. So benötigte die ACCEPT-Crew lange 45 Min. um alles in die richtigen Bahnen zu lenken, wobei man locker 20 Min. damit zubrachte, die Monitor-Lautstärke richtig einzupegeln. Doch dann ging es endlich mit einem richtigen Knall los. Unter knallenden Pyros enterten die Band mit „ Starlight“ die Bühne, um dann eine Best-of der ersten vier Alben loszulassen. „Im a Rebel“, „Living for tonight“, „London Leatherboys“, „Princess of the Dawn“, Klassiker um Klassiker wurde vom Stapel gelassen. Da fühlte man sich doch glatt in seine Früh-Metaller-Zeiten zurückversetzt. Die Metal-Gemeinde honorierte das mit voller Mosh-Action und kaum einer der mehr als 5000 Leute im Rund saß mehr. Ganz wie in alten Tagen posten die alten Recken und jeder Song saß, als hätte man sich nie getrennt. Auch Udos Vocals saßen wie ein Eins, was aber kein Wunder ist, spielt man doch in seiner eigentlichen Band U.D.O. doch auch immer wieder die Klassiker. Dennoch war es irgendwie seltsam. Man wurde einfach den Eindruck nicht los, dass man mehr zusammenspielt, weil es von einem erwartet wird und nicht weil man richtig Bock drauf hat. So wirkte das Posing mehr als nur gestellt und zwischen den Musikern selbst war auch selten Kommunikation oder ein richtiges Miteinander zu sehen. Eine echte Band sieht anders aus. Auch die Ansagen des Sängers wirkten mehr wie Standard und waren im ganzen doch sehr mager gehalten. Das störte die Meute aber recht wenig und so wurden ACCEPT nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Den Höhepunkt des Abends gestaltete am Ende natürlich einer DER Metal-Songs überhaupt „Balls to the Wall“. Da ging dann noch mal alles, aber anschließend war man dennoch nicht wirklich so ganz böse, dass es nun geschafft war. Und dies galt wohl für die Metals auf und vor der Bühne.

Zum Ende muss man den Kollegen vom Rock Hard wieder einmal attestieren, ein einwandfreies Festival aufgezogen zu haben. Ablauf, Orga, Security, Sound, Preise und sogar das Wetter, alles war mehr als im grünen Bereich. Nur im ganzen gesehen war das Billing dieses Jahr nicht so stark wie in den letzten Jahren. Und auch diesmal wurde deutlich, dass die Veteranen wie z.B. JON OLIVA und ACCEPT bzw. U.D.O. mehr und mehr Schwierigkeiten haben sich gegen die jungen Wilden wie u.a. THE HAUNTED, SONATA ARCTICA und AMON AMARTH zu erwehren. Dennoch zeigen Bands, wie OVERKILL und auch PRETTY MAIDS, dass man es nach über 20 Jahren noch gut krachen lassen kann. So können Veranstalter und Besucher mehr als zufrieden auf ein gelungenes Wochenende zurückblicken. Hat Spaß gemacht!

Für 2006 sind bislang schon BRAINSTORM, SOILWORK und die legendären BOLT THROWER bestätigt. Vor allem letztgenannte Combo macht das Festival schon jetzt zu einem Pflichttermin an Pfingsten nächsten Jahres!

Copyright Fotos: Torsten Hellge

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