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ROCK IM PARK 2011 – TAG 1

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Ort: Nürnberg – Zeppelinfeld

Datum: 03.06.2011

Warum fahre ich zum 500 km entfernten Rock im Park nach Nürnberg, wenn doch das Rock am Ring viel näher läge? Vielleicht, weil schon MADSEN sangen, dass auf den kleineren Hochzeiten die schöneren Bräute sind oder weil am Zeppelinfeld keine Fernsehkameras mit den Fotografen um die Gunst der Musiker buhlen? Oder weil die Wettervorhersagen für Franken fast immer besser sind als für die Eifel? Auf jeden Fall war die (natürlich weitestgehend identische) Bandauswahl so überzeugend, dass es für mich in diesem Jahr eine Rock-im-Park-Premiere geben sollte. Zu fast noch nachtschlafender Zeit ging’s um 7.00 Uhr Richtung Bayern, wo nach dem Check-in im Hotel (ja, man wird nicht jünger, außerdem bin ich schon ohne Stimme zum Festival hingefahren und spätestens am Samstag war dann auch klar, dass ich eine fette Erkältung hatte) mehr als 80 Bands darauf warteten, gut 55.000 rockwütige Süddeutsche und Zugereiste zu beschallen.

[PI!]

Dank der hervorragender Logistik der Festivalmacher waren wir pünktlich zur ersten Kapelle des 16. Rock im Park an der Alternastage, wo [PI!] einen netten Alternative-Start hinlegten. Die vier Jungs aus Dresden haben sich 2008 zusammengefunden und präsentierten vor noch überschaubarer Kulisse (über das im Vergleich zu den üblichen [PI!]-Konzerten sicherlich deutlich größere Interesse freute sich Sänger Rany Dabbagh allerdings sehr) Songs ihres Debütalbums „A Perfect Beginning“, das am 24.06.2011 das Licht der Plattenläden erblicken wird. Die Vorabsingle „Radio“ gibt’s bereits zukaufen und war auch Teil des energiegeladenen Sets beim RiP. Mit dem Titeltrack „Perfect Beginning“ schaltete der Vierer kurzfristig einen Gang zurück, blieb jedoch den krachenden Sounds verbunden, ehe mit „Save Your Legs“ noch mal Gas gegeben wurde. Ein gelungener, 20-minütiger Start bei strahlendem Sonnenschein, der auch den ganzen Tag über unser treuer Begleiter blieb.

CALIBAN

Gleicher Ort, aber musikalisch eine ganz andere Baustelle: CALIBAN sorgten 20 Minuten später für heftiges Metalcore-Geknüppel, für das sich ganz offensichtlich jede Menge Leute interessierten. Trotz der mittäglichen Stunde war schon gut was los an der Alternastage und der liebliche Kindergesang, der die halbe Stunde der Westfalen eröffnete, wurde ganz schnell Lügen gestraft als Sänger Andreas Dörner mit amtlichem Gegrowle loslegte. Zu „24 Years“ wurde die erste Wall of Death des noch jungen Festivals angeordnet und auf Andreas’ Frage „Wollt ihr sterben“ skandierten die Fans mehrmals pflichtschuldig „Wall of Death“, bevor es an die Umsetzung gehen konnte. Mit „Nothing Is Forever“ ging’s vergleichsweise melodisch weiter, was auch am cleanen Gesang von Gitarrist Denis Schmidt gelegen haben könnte. Im Mai hat der Fünfer eine Cover-EP namens „Coverfield“ rausgebracht, auf der neben TYPE O NEGATIVE „My Girlfriend’s Girlfriend“, THE BEATLES „Helter Skelter“ und AT THE GATES „Blinded By Fear“ auch RAMMSTEINs „Sonne“ vertreten ist, das es auch am Zeppelinfeld zu hören gab. Hier zeigte sich, dass CALIBAN-Fans wohl auch RAMMSTEIN mögen, zumindest wirkten viele Anwesende sehr textsicher, ehe sie zu „I Will Never Let You Down“ vom 2007er „The Awakening“ noch mal richtig steil gehen konnten.

MORNING PARADE

Auf der Centerstage hatten derweil MORNING PARADE Aufstellung genommen und bewiesen Dance-Appeal. Das komplett schwarz gekleidete Quintett aus Harlow/ Essex wird in der Heimat als die neue Brit-Pop-Hoffnung gehandelt und existiert seit Mitte 2007. Auf eine Langrille müssen wir momentan noch warten, aber der Live-Vortrag der Jungs vom britischen Eiland war derart überzeugend, das man den charismatischen Sänger und Gitarristen Steve Sparrow und seine Kollegen Chad Thomas (Gitarre), Phil Titus (Bass), Ben Giddings (Keys) und Andy Hayes hinter der Schießbude unbedingt im Auge behalten sollte. Sehr energiegeladen, druckvoll und dancefloor-orientiert wurde auf der großen Bühne gerockt, bevor „Born Alone“ das Set gefühlvoll ausklingen ließ. Der Bandname MORNING PARADE leitet sich übrigens aus einer Beobachtung ab, die Steve während seiner Zeit als Fabrikarbeiter gemacht hat. Frühmorgens ist nach seinem Dafürhalten nämlich eine Mischung von Menschen unterwegs, die entweder auf dem Weg zur Arbeit ist oder gerade aus den Clubs nach Hause strömt. Sparrows „Morning Parade“, für die MORNING PARADE gleichermaßen (und sehr überzeugend!) Musik machen.

Setlist MORNING PARADE
Under The Stars
Headlights
Us & Ourselves
A&E
Born Alone

KELLERMENSCH

Fliegender Wechsel zurück an die Alternastage, wo KELLERMENSCH aus Dänemark mit großem Gefolge die Stage mit Beschlag belegt hatten. Mitsamt Streichern und Orgel hatten sich die sechs Herrschaften überwiegend streng gescheitelt in Schlips und Kragen in Nürnberg eingefunden, um ihre experimentelle Rockmusik zum Besten zu geben. Der Opener „Do’t Let It Bring You Down“ vom selbstbetitelten Erstling, der Ende Juni in Deutschland bei Vertigo erscheinen wird, waberte angenehm düster-treibend aus den Boxen, ehe es beim stoisch-krachenden „Rattle The Bones“ wütenden Schreigesang zu hören gab. Gänsehaut war bei „The Day You Walked“ angesagt, bei dem insbesondere die Streicher hervorstachen, die von wunderbarem Gitarrengefrickel begleitet wurden, bevor die Orgel ihren großen Moment bei „Black Dress“ hatte. Wenig später war dann die Violine gefragt, bevor es bei den KELLERMENSCHen wieder ordentlich krachte. Den Ausputzer machte das coole „Moribund Town“, wobei der Gesang nicht unwesentlich an Bryan Ferry von ROXY MUSIC erinnerte – wenn denn nicht gerade mit aller Macht geschrien wurde. Sehr gelungen und definitiv weiter unter meiner Beobachtung! Der eigenwilligen Bandnamen haben die ebenso eigenwilligen Nordmannen 2006 übrigens der deutschen Übersetzung von Dostojewskis „Notes from the Underground“ entliehen. Warum auch bei der Namensgebung sprachliche Grenzen einhalten, wenn man sich musikalisch um keine Genrebeschränkungen schert?

THE NAKED AND FAMOUS

Erneuter Stellungswechsel zur Centerstage, wo Gäste aus Neuseeland aufgelaufen waren. THE NAKED AND FAMOUS sind momentan wohl der heißeste Import aus down under, der mit seinem Electro-Pop-Debüt „Passive Me, Aggressive You“ nicht nur die heimischen Charts stürmte. Die Single „Young Blood“ gehört auch hierzulande in jede gut sortierte Indie-Disse und durfte natürlich auch auf der Rock-im-Park-Setlist nicht fehlen. Zuvor gab’s jedoch noch jede Menge weitere Songs des Silberlings auf die Ohren, die durchweg umgehend in Ohr und Bein gingen und die zahlreich erschienene Indie-Gemeinde ruckzuck in Bewegung setzte. Selbst bei einem traurigen Song wie „No Way“ (so von Sängerin, Songwriterin und Keyboarderin Alisa Xayalith angekündigt) kam man irgendwann nicht mehr umhin, im Rhythmus mitzuwippen uns spätestens bei „Girls Like You“, das überwiegend vom zweiten Bandgründer, Gitarristen, Produzenten und Songwriter Thom Powers gesungen wurde, gab’s kein Halten mehr und es wurde erneut ausgelassen getanzt. Mit dabei hatten Alisa und Thom, die THE NAKED AND FAMOUS 2008 aus der Taufe gehoben und dafür ihr Studium am Music and Audio Institute in Auckland ausgegeben haben, natürlich ihre dreiköpfige Kapelle, mit der es wie bereits erwähnt zum großen „Young Blood“-Finale kam, bei dem dann endgültig kein Bein mehr still stand.

ASH

Auch die nordirischen ASH agierten mit ordentlichem Schwung und zelebrierten ihren Indie-Pop mit viel Spielfreude. Auf dem Zettel stand ein gitarrenverliebter Abriss der mittlerweile 18-jährigen Bandgeschichte, der mit „A Life Less Ordinary“ startete. Das eingängige „Arcadia“ gehört zu den jüngeren Babys der Iren, die am 13. Juni 2007, kurz vor der Veröffentlichung ihres Albums „Twilight of the Innocents“, bekannt gegeben hatten, zukünftig nur noch Singles zu machen, die dann auf Compilation-CDs zusammengefasst werden sollen. Das Thema „Baby“ war auch noch in anderer Hinsicht von Bedeutung, da es an den Drums eine Neubesetzung gegeben hat, da der bisherige Amtsinhaber Nachwuchs bekommen hat. Jetzt schwingt ein gewisser Alan die Drumsticks, der heuer erstmals auf einem Festival mit ASH unterwegs war. Nach dem gefühlvollen „Shining Light“, folgte mit „Oh Yeah“ fettes Geschrammel, bevor es mit „Kung Fu“ und „Orpheus“ so richtig in die Vollen ging. Auch „Return of The White Rabbit“ zeigte sich hochenergetisch, um schließlich mit „Burn Baby Burn“ einen knackigen Abschluss hinzulegen.

Setlist ASH
A Life Less Ordinary
Arcadia
Shining Light
Walking Barefoot
Oh Yeah
Kung Fu
Orpheus
Return of The White Rabbit
Burn Baby Burn

HURTS

Weitere Gäste mit Wohnsitz jenseits des Kanals waren HURTS, die mit ihrer Platte „Happiness“ im letzten Jahr bei uns Platin holen konnten. Außerdem gab’s in Deutschland für das extravagante Duo bestehend aus Theo Hutchcraft und Adam Anderson, die beide zuvor bei DAGGERS und BUREAU aktiv waren einen Bambi (2010 – Bester Shootingstar) und einen Echo (2011 – Bester Newcomer international). Kein Wunder, dass sich die Jungs, die mit großer Begleitkapelle angereist waren, freuten, wieder in good old Germany zu sein. Das brachten sie auch mit ein paar deutschsprachigen Sätzen zum Ausdruck, während der stylische Synthie-Pop der wie immer gut gekleideten Herren aus Manchester, die HURTS 2009 gegründet haben, für sich sprach. Den Anfang machte nach einem Intro „Silver Lining“, bei dem Damen in schwarzen Umhängen, deren Optik und Habitus auch jeder Gothic-Show würdig gewesen wären, schwarze Fahnen schwenkten, bevor es mit „Wonderful Life“ das erste Highlight der HURTS-Diskografie gab. Wie es sich für perfektes Eighties-Styling gehört, waren Sound und Show perfekt unterkühlt, wenngleich der Titeltrack „Happiness“ durchaus eine gehörige Portion Drive mitbrachte. Das schmachtende „Blood, Tears And Gold“ ließ an OMD denken, während auf der Stage die ersten Lichtspielereien starteten, die gegen 17 Uhr im hellen Sonnenlicht allerdings noch nicht wirklich zur Geltung kamen. Fast schon opernhaft wurde es mit „Evelyn“. Glücklicherweise ließen es HURTS bei der Nummer auch noch krachen, sonst wäre es doch ein bisschen zu viel des Guten gewesen, aber trotz Coolness stehen Pathos und große Gefühle bei Hutchcraft und Anderson natürlich ganz hoch im Kurs. Nur so kann großer Electro-Pop á la „Sunday“ halt entstehen und was wäre „Unspoken“ ohne all die Melodramatik? Mit dem Klaviergeklimper und dem an eine Arie erinnernde „Verona“ war’s dann aber auch genug und es konnte mit „Devotion“ wieder in die Vollen gehen. Mit dem KYLIE-MINOGUE-Cover „Confide In Me“ wurde es aus was für Gründen auch immer einen Tacken lauter. Höhepunkt des einstündigen Sets war mit Sicherheit „Stay“, das auch gut mitgesungen und -getanzt wurde. Der besondere Erfolg der Nummer in Deutschland (Platz 3 der Single-Charts) erklärt sich vielleicht auch dadurch, dass die Musik für den Abspann des Films „Kokowääh“ von und mit Til Schweiger verwendet wurde. Für das rhythmusbetonte Finale hatten sich HURTS die erste Singleauskopplung „Better Than Love“ aufbewahrt, mit der sie noch einmal zum Tanzen einluden.

Setlist HURTS
Silver Lining
Wonderful Life
Happiness
Blood, Tears And Gold
Evelyn
Sunday
Unspoken
Verona
Devotion
Confide In Me (KYLIE-MINOGUE-Cover)
Illuminated
Stay
Better Than Love

THE KOOKS

Meinen persönlichen Great-Britain-Hattrick auf der Centerstage vervollständigten schließlich THE KOOKS aus Brighton. Beim Rock im Park zählt der Vierer um Sänger und Gitarrist Luke Pritchard zu den alten Bekannten, war man doch bereits 2007 und 2009 vor Ort. Auch der Anhängerschaft des gepflegten Indie-Geschrammels braucht man die Band nicht näher vorzustellen. Entsprechend viel war auf dem Zeppelinfeld los und es ging auf der Stage umgehend ans Eingemachte. Mit „Always Where I Need To Be“ vom 2008er „Konk“ gab’s denn ersten Klassiker auf die Ohren, dem noch so mancher Pflichttitel einer jeden guten Studentenparty folgen sollte. Etwa „You Don’t Love Me“ vom Debüt „Inside In/Inside Out“ aus 2006 oder auch „Ooh La” und „She Moves Her Own Way” von der gleichen Scheibe. Allesamt Songs, mit denen die Crowd bestens bei Tanzlaune gehalten wurde, ehe es mit „How’d You Like That“ zu Pianoklängen eine Spur ruhiger zur Sache ging. Der Song wird auf dem dritten Studiosilberling „Junk Of The Heart“ erscheinen, der am 12. September in die Läden kommen soll. Mit „Do You Wanna“ war gleich im Anschluss wieder Party angesagt und auch „Naive“ ging umgehend ins Bein. Gleiches galt auch für „Shine On“, das zwar einen Slow-Motion-Start hinlegte, alsbald aber wieder in den Füßen kitzelte. „Saboteur“ bot mit Luke am E-Piano ebenso wie das flotte „Is It Me?“ weitere vielversprechende Ausblicke auf den neuen Longplayer der sieben Jahre alten Indie-Band, bevor die Dance-Party nach einer guten Stunde langsam zu Ende ging.

CHAPEL CLUB

Aber das war’s natürlich noch nicht mit den Bands vom britischen Eiland. Auf der Clubstage in der Arena der Nürnberger Versicherungen agierten bereits CHAPEL CLUB, die Anfang des Jahres ihren Erstling „Palace“ mit großem Erfolg an den Mann und die Frau gebracht hatten. Immerhin bis auf Platz 31 der englischen Charts kletterte die Platte, von der es in der dunklen und noch recht leeren Halle u.a. das melancholische „Bodies“ zu hören gab. Das Quintett könnte kaum britischer klingen, woran neben der Instrumentalarbeit die dunkle Stimme von Lewis Bowman ganz wesentlichen Anteil hatte. Für meinen Geschmack hätten die Jungs gern ein bisschen mehr Enthusiasmus zeigen dürfen, irgendwie wirkte der Fünfer während der gesamten Show etwas ausgebremst. Vielleicht lag es daran, dass in der immerhin gut 6000 Personen fassenden (die gesperrten Ränge nicht mitgerechnet) Location sich nicht eben viele Zuschauer verlaufen hatten; möglicherweise ist es aber auch einfach der schwermütige Style der Herrschaften, der auch beim finalen „The Shore“ trotz knackiger Drums wieder ganz klar zum Tragen kam. Alles in allem nicht uninteressant, aber eventuell als Konserve besser als in der Live-Darbietung.

IN FLAMES

Deutlich mehr los war da zur gleichen Zeit an und auf der Alternastage, wo IN FLAMES ihr (Un-)wesen trieben. Die Melodic-Death-Metaller aus Schweden ließen es ordentlich krachen und konnten jede Menge Fans vor der Bühne begrüßen, wo ich passend zu „Leeches“ vom 2006er Erfolgslongplayer „Come Clarity“ eintraf. Mit dem melodiösen „Take This Life“ vom gleichen Album sprach Sänger Anders Fridén eine blitzschnelle Aufforderung zum Tanz aus, die gern angenommen wurde, ehe es mit „My Sweet Shadow“ unter dem Backdrop mit dem Cover der am 17.06.2011 kommenden zehnten Langrille „Sounds of A Playground Fading“ zum Abschlussgebolze kam. Bei dieser Nummer vom 2004er „Soundtrack To Your Escape“ wechselten erneut schnelle und langsame Passagen, bevor um kurz nach 20.00 Uhr die Verstärker der Skandinavier stromlos gesetzt wurden.

KRAFTKLUB

Auf der Centerstage waren zu diesem Zeitpunkt die SÖHNE MANNHEIMS mitsamt XAVIER NAIDOO und Henning Wehland (H-BLOCKX) beschäftigt, aber da Soul nicht unbedingt mein Ding ist, versuchte ich mein Glück noch mal für einen Moment in der Arena, wo KRAFTKLUB ein Stelldichein gaben. Die Herrschaften mixten Rap und Indie – eine Melange, die bei der feiernden Meute vor der Clubstage bestens ankam und ganz in der Tradition von DEICHKIND und FETTES BROT verwurzelt war. Man sprach-sang mit viel Drive über „Liebe“ und forderte nach „RiP-, Rip-Hurra“-Rufen mit viel Tempo zur bassbetonten „Randale“ auf. Mir reichte ein 15-minütiger Appetithappen, den es im Übrigen auch als EP namens „Adonis Maximus“ mit insgesamt sieben Tracks gibt, denn an der Alternastage galt es einen guten Platz zu ergattern.

DISTURBED

Allerdings hätte ich mir noch ein bisschen Zeit lassen können, da sich DISTURBED um fünf Minuten verspäteten. Möglich, dass die für RiP-Verhältnisse fast schon üppig bemessenen 30 Minuten Change Over nicht ausgereicht haben, um die Videowall auf der Bühne zu installieren, die zusätzlich neben den beiden jeweils 28 qm großen Video-Screens an jeder Seite für die optische Untermalung der Show der Alternative-Metaller sorgte. Um 20.40 Uhr war dann aber so weit und zu den Intro-Klängen von „Remnants“ trudelte die 1996 in Chicago gegründete Band an ihrem Arbeitsplatz für die nächste Stunde ein. Richtig los ging’s dann mit dem Titeltrack des letztjährigen fünften Longplayers „Asylum“, zu dem im Bühnenhintergrund Flammen züngelten. Leider war der Sound nicht optimal. Die Musik hätte gut und gerne lauter sein dürfen, mitunter störten die benachbarten Open-Air-Discos von O2 und Red Bull doch ganz schön, wobei eh fraglich ist, ob die überhaupt Krach machen müssen, solange auf den Bühnen gerockt wird. Selbiges erfolgte bei DISTURBED natürlich gewohnt routiniert und auch Fronter David Draiman war im bekannten Bühnen-Outfit – will sagen ärmellosen Arbeitsoverall und viel Metall im Gesicht – aufgelaufen. Dem Auditorium gefiel’s ganz offensichtlich, denn schon bei „Prayer“ reckten Unzählige ihre Devils Hand in die Höhe und feierten die DISTURBED-Fassung des GENESIS-Klassikers „Land of Confusion“ (2005 auf „Ten Thousand Fists“ erschienen), die tatsächlich um Längen besser ist als das eher langweilige Original. Überraschungen gab’s beim markigen Draiman, Dan Donegan am Sechssaiter, John Moyer am Tieftöner und Mike Wengren hinter der Schießbude nicht wirklich, die Jungs sind sich seit nunmehr 15 stilistisch sehr treu und ebenso treu ist die Fangemeinde der Amis, die auch am Dutzendteich in Nürnberg trotz der Soundprobleme ihre Stars zu feiern wussten. Wenn die Ohren auch nicht in Gänze befriedigt werden konnten, so gab’s es doch fürs Auge umso mehr Futter, So stand die Bühne bei „Inside The Fire“ virtuell in Flammen und natürlich filmte David auch wieder die Crowd, die sich zu „Ten Thousand Fists“ auf den Videowalls wiederfand. Zuvor explodierten Bomben beim zunächst ruhigeren „Another Way To Day“ vom aktuellen Longplayer, bevor schließlich auf der Zielgeraden nochmals Pyrotechnik zum Einsatz kam. Mit „Stupify“ (vom 2000er Debüt „The Sickness“), besagtem „Ten Thousand Fists“, dem 2008er Titeltrack „Indestructable“ und natürlich dem DISTURBED-Smasher „Down With The Sickness“ legte der Vierer einen kleinen Hitmarathon hin, der es in sich hatte und es amtlich krachen ließ. Natürlich durften zum guten Schluss auch die obligatorischen „We are DISTURBED“-Rufe nicht fehlen, ehe das Metal-Volk wieder seiner Wege geschickt wurde.

Setlist DISTURBED (ohne Gewähr)
Remnants
Asylum
The Game
Prayer
Liberate
Land of Confusion (GENESIS-Cover)
The Animal
Inside The Fire
Warrior
Another Way To Die
Stupify
Ten Thousand Fists
Indestructable
Down With The Sickness

COLDPLAY

Ob die so wie ich an die Centerstage zu COLDPLAY wechselten oder doch lieber auf die für die Alternastage als nächstes angekündigten KORN warteten, vermag ich nicht zu sagen. Auf dem Zeppelinfeld hatten sich auf jeden Fall ein Großteil der 55.000 Festivalbesucher versammelt, um Chris Martin und seinen Mannen bei einer perfekten Show beizuwohnen. Die war bereits im vollen Gange als ich dort ankam – das leidige Kreuz der Überschneidungen im Timetable, die bei über 80 Bands in drei Tagen natürlich nicht zu vermeiden sind. Doch auch so kam ich noch in den Genuss von 60 Minuten COLDPLAY, die sich nach einiger Zeit Bühnenabstinenz nach eigenem Bekunden freuten, wieder vor Publikum spielen zu können, auch wenn das wunderbare „Yellow“ vom inzwischen elf Jahre alten Debüt „Parachutes“ wohl bereits performt worden war. Aber die erfolgreichsten Vertreter des Britpops hatten selbstverständlich noch jede Menge andere Knaller und auch neue Stücke im Gepäck. Mal ganz abgesehen von der Bühneshow, die es nicht an Licht, Laser und Feuerwerk fehlen ließ. Mein erstes Highlight war das fantastische „In My Place“ (2002 auf der zweiten Platte „A Rush of Blood To The Head“ erschienen), bei dem der wahlweise am Klavier oder der Gitarre agierende Sänger Chris Martin bereits komplett durchgeschwitzt war. Der Gute sprang aber auch wie ein Derwisch über die riesige Centerstage (immerhin 70 x 24 m groß) und auch das flotte „Cemeteries of London“ bot keine Gelegenheit für einer Pause. „God Put A Smile Upon Your Face“ startete dann zwar ruhiger, legte aber deutlich an Tempo zu, ehe das grandiose „The Scientist“ mit gefühlvollen Klavierakkorden ans Herz ging. Ähnliches galt auch für das neue „Us Against The World“, das von Mr. Martin als sehr trauriger Song angekündigt wurde. Der Track war zwar sehr ruhig, aber auch sehr schön, explodierte zum Schluss regelrecht und machte neugierig auf das neue Album, das mit Spannung erwartet wird. Die Publikumsgesänge beim Titelsong „Viva La Vida“ des letzten Longplayers, der 2008 in die Äden kam, klangen zwar etwas dünn, aber es schien insgesamt während des Festivals so, als bräuchten die RiP-Besucher etwas mehr Ansprache, um aus sich rauszukommen. „Live Is For Living“ war schließlich der letzte Titel des regulären Sets, zu dem sich Chris Martin erneut am Klavier einfand, um mit einer guten Portion Pathos für eine wohlige Gänsehaut unter den COLDPLAY-Fans zu sorgen. Einen kleinen Nachschlag gab’s dann auch noch, obwohl Martin, Jonny Buckland (Lead-Gitarre & Backing Vocals), Will Champion (Schlagzeug, Percussion & Backing Vocals) und Guy Berryman (Bass, Keyboard & Backing Vocals) nicht die gesamte vorgesehene Spielzeit bis 23.00 Uhr ausnutzten. Um 22.50 Uhr war Schluss, nachdem es noch weitere Feuerwerk-Funkenregen zu „Fix You“ („X&Y“ aus 2005) und das tanzbare „Every Teardrop Is A Waterfall“ als neuen Appetithappen gegeben hatte. Danach verschwand der Vierer ziemlich sang- und klanglos und ich nahm einen allerletzten Stellungswechsel für den ersten Festivaltag vor.

KORN

Mein Ziel war abermals die Alternastage, wo die Nu-Metal-Pioniere KORN bereits in vollem Gange waren. Den Großteil der Show hatte ich deshalb auch verpasst, begrüßt wurde ich jedoch mit recht einladenden Klängen, die geradezu mystisch mit Drums und Keys zu mir rüberschallten. Auf dem Programm stand „Somebody Someone“, das insgesamt vergleichsweise ruhig war, dabei aber immer wieder mit heftigen Eruptionen gefiel. Mit „Helmet In The Bush“ ließ es Sänger und Dudelsackspieler Jonathan Davis, der KORN vor inzwischen 18 Jahren mitgegründet hat, wieder amtlich krachen, wobei ihm die Kollegen an den Instrumenten äußerst hilfreich zur Seite standen. Damit legten die Jungs dann auch schon einen kleinen Break ein, um schließlich zum Zugabenblock wieder zurück auf die Bühne zu eilen. Los ging’s mit „Falling Away From Me“ und viel Sprechgesang zu treibenden Hooklines, ehe das rhythmusbetonte bekannt-beliebte Zugaben-Sample „Coming Undone / We Will Rock You / Twisted Transistor / Make Me Bad / Thoughtless / Did My Time / Clown“ zum Besten gegeben wurde. Blieb schließlich noch „Y’All Want A Single“, mit dem ich meinen ersten Tag beim Rock im Park beschloss.

Setlist KORN (ohne Gewähr)
Intro
Blind
Here to Stay
Pop a Pill
Freak on a Leash
Shoots and Ladders / One
4 U
Got the Life
Alone I Break
Oildale (Leave Me Alone)
Throw Me Away
Helmet in the Bush

Falling Away From Me
Coming Undone / We Will Rock You / Twisted Transistor / Make Me Bad / Thoughtless / Did My Time / Clown
Y’All Want a Single

Zwar standen in der Arena noch BONAPARTE und die STEREO MC’S aus und auf der Alternastage wollte ROB ZOMBIE ein mit Sicherheit schaurig-schönes Late-Night-Special geben, aber es galt mit den Kräften zu haushalten und der Tag hatte früh für mich begonnen. Also siegte die Vernunft und es wurde der geordnete Rückzug ins Hotel angetreten. Wer sich übrigens gefragt hat, wo PETE DOHERTRY abgeblieben ist, der eigentlich auf der Clubstage spielen sollte: Der Herr musste eine Gefängnisstrafe antreten und wurde passenderweise von den Rappern K.I.Z. vertreten, deren Bandname gern mit „Künstler im Zuchthaus“ übersetzt wird.

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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