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ROCK MEETS CLASSIC

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Ort: Halle (Westf.) - Gerry Weber Stadion

Datum: 22.01.2011

So wie ich das letzte Konzertjahr nostalgisch mit STATUS QUO hatte ausklingen lassen, so begann auch 2011 mit Musik voller Erinnerungen. „Rock meets Classic“ lautete das Motto des Abends, unter dem vier große Dinos der Musikgeschichte gemeinsam mit dem Bohemian Symphony Orchestra Prague und der Mat Sinner Band ihre großen Hits erklingen lassen wollten: Hardrock-Veteran Dan Mc Cafferty von NAZARETH, AOR-Legende Lou Gramm (FOREIGNER), Multi-Talent Les Holroyd von BARCLAY JAMES HARVEST und Urvater des Heavy Metal Ian Gillan (natürlich DEEP PURPLE). Diese Mischung zog über 3.300 Besucher (kernmäßig aus dem 40+-Segment) an, so dass das Gerry Weber Stadion im bestuhlten Innenraum und im unteren Rang voll besetzt war, als die ca. 40 Musiker des Symphonyorchesters und der Mat Sinner Band nebst Background-Chor (darunter Amanda Somerville [u.a. EPICA] und PRIMAL FEAR-Fronter Ralf Scheepers) um 19.00 Uhr ihre Plätze einnahmen und die Veranstaltung mit einem instrumentalen Intro eröffneten.

Als erster Sänger betrat nun Dan McCafferty die Bühne und stimmte unter aufbrausendem Applaus „Dream on“ an, um im Anschluss die Zuhörer mit einigen deutschen Sätzen zu begrüßen. Mit „Hair of the dog“ kam gleich Stimmung ins Rund. Der Titel müsste ja eigentlich „Son of a bitch“ heißen, das war der Plattenfirma 1975 jedoch zu gewagt. Es folgte die Dampfwalze „Holiday“, ehe das schnulzige „Love hurts“, der größten Hit von NAZARETH, natürlich auch nicht im kurzen Set fehlen durfte, veredelt durch ein Gitarrensolo von Alex Beyrodt, dem an diesem Abend noch einige folgen sollten. Spätestens mit „This flight tonight“ im Original von Joni Mitchell hatte Dan McCafferty das Publikum nach einer guten halben Stunde auf ordentliche Betriebstemperatur gebracht. Die Tatsache, dass NAZARETH vor ein paar Jahren noch zu ihrem 40-jährigem Bandjubiläum 184 Konzerte in 22 Ländern gespielt haben, mag Beweis genug sein, dass mit Herrn McCafferty noch immer zu rechnen ist, der nach wie vor mit seiner unverwechselbaren Stimme für den Sound von NAZARETH steht.

Als Übergang zum nächsten Kollegen spielte das Orchester nun Ravels „Bolero“, das der geneigte Klassikfan sicherlich schon mal virtuoser gehört hat, aber der dürfte hier eher eine Minderheit im Publikum ausgemacht haben. Hochzüngelnde Pyros lenkten die Aufmerksamkeit wieder an den Bühnenrand, an dem nun Lou Gramm das Mikro in die Hand nahm, um FOREIGNER-Klassiker wie „Urgent“ oder „Cold as ice“ in die Menge zu jagen. Kaum einer im Publikum, der sich nun nicht an wilde Kellerpartys oder düstere Musikkaschemmen seiner Jugend erinnern konnte, dementsprechend wurde auch „Hotblooded“ abgefeiert, bei dem das Orchester seine Instrumente schwungvoll in die Höhe reckte. Begeisterungsstürme auch für „Juke Box Hero“, nachdem „I want to know what love is“ für ein wenig Entschleunigung gesorgt hatte. 5 US-Top-Ten Hits in 30 Minuten, was will man mehr und so entließ Lou Gramm ein zufriedenes Publikum in die Pause.

Zu Beginn des zweiten Teils hatte nun Amanda Somerville aus dem Background-Chor ihren großen Auftritt mit dem kraftvoll vorgetragenen „Alone“ von HEART, einem Titel aus dem Jahre 1987, der sich nahtlos ins restliche Set einfügte und mit viel Bombast und Pathos eine prima Vorlage bot für Les Holroyd von BARCLAY JAMES HARVEST. Der Multi-Instrumentalist kam mit Gitarre auf die Bühne, um mit dem mir nicht geläufigen „Ring of changes“ zu beginnen. Nun kennt man den Sound von BJH eh als sehr orchestral und ausufernd, von daher gingen das Orchester und Holroyd eine perfekte Melange ein. „Mockingbird“ wurde in epischer Breite zelebriert, ebenso wie „Life is for living“, das BJH 1980 für einen legendären Auftritt vor dem Westberliner Reichstagsgebäude komponiert hatten. So reichte die vorgesehene Spielzeit hier nur vier Titel, dessen krönender Abschluss natürlich „Hymn“, der Überhit aus 1977 bildete, bei dem sich das Publikum textsicher präsentierte. Schade, ich hätte gerne noch „Poor man’s moody blues“ gehört, aber auch so für mich eine Reise an die absoluten Wurzeln meiner musikalischen Sozialisation.

Nach diesem gefühlvollen dritten Teil sollte nun die Zeit zum gepflegten Kopfnicken kommen: Ian Gillan enterte dynamisch die Bühne, um mit „Highway Star“ das energetische Finale einzuleiten. Passend zu „Strange kind of woman“ frotzelte er über den Erotikfaktor von Condoleezza Rice vs. Angela Merkel, ehe bei „Perfect stranger“ Keyboarder Jimmy Kresic sich zunächst seines Huts und dann sämtlicher Hemmungen an seinen Tasten entledigte und seiner Schweineorgel gar fremdländisch orientalische Klänge entlockte. „When a blind man cries“ widmete Ian Gillan seinem Kollegen Steve Lee (GOTTHARD), der ursprünglich auch für diese Tournee geplant war, bis er leider im Oktober letzen Jahres bei einer Motorradtour in den Staaten durch einen tragischen Unfall ums Leben kam. Nach diesen emotionalen Tönen ging es mit Volldampf und weiteren Gitarrensoli weiter in der „Black Night“, die nun unter Standing Ovations ihren Höhepunkt finden sollte: Alle anderen Sänger des Abends traten Ian zur Seite und als das wohl bekannteste Riff der Musikgeschichte erklang, hielt es niemanden im Stadion mehr auf den Sitzen – „Smoke on the water“ wurde aus mehr als 3.000 Kehlen intoniert.

All killer, no filler kann man da nur abschließend festhalten. Das Konzept ging auf jeden Fall auf: Die mittlerweile auch nicht mehr taufrischen Fans genossen in der Mehrzahl die Vorzüge einer bestuhlten Veranstaltung, während die Rocksenioren nicht mehr mit der Kondition für einen einzeln gestemmten Gig aufwarten mussten. Eine 140-minütige Zeitreise, die wie im Fluge verging…

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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