Terrorverlag > Blog > :OF THE WAND AND THE MOON:, DIE WEISSE ROSE, FIRE & ICE, JÄNNERWEIN, JORDAN REYNE, KIRLIAN CAMERA, RITUAL HAVOC, ROMA AMOR, ROME, SPIRITUAL FRONT, WHILE ANGELS WATCH > RUNES & MEN FESTIVAL 2014

Konzert Filter

RUNES & MEN FESTIVAL 2014

141017-Runes-Men-1

Ort: Leipzig - Theaterfabrik

Datum: 17.10.2014 - 18.10.2014

Mit seiner gerade einmal dritten Auflage ist das Leipziger Neofolk-Event „Runes and Men“ bereits zum festen Bestandteil der Szene geworden und die Besucher sprechen lieber von einem Familientreffen als von einem Festival. 2012 von der Equinoxe Organization ins Leben gerufen sollte die Veranstaltung in der Dresdener Reithalle der krönende Abschluss der DEATH IN JUNE-Tour mit allen beteiligten weiteren Bands sein. Douglas P. persönlich hatte die Idee zu dem Festival mit dem treffenden Namen „Runes and Men“. Im vergangenen Jahr erfolgte der Umzug nach Leipzig und wird hoffentlich zum festen Bestandteil des Kulturkalenders werden. Die diesjährige Veranstaltung war jedenfalls wieder ein grandioses Spektakel mit fantastischen Bands, vielen Freunden und einer unglaublichen Stimmung. Dafür ein „Hoch!“ auf den Veranstalter. Doch schwelgen wir erst einmal in der Erinnerung…

Tag 1 – Freitag

KIRLIAN CAMERA – SPIRITUAL FRONT – FIRE & ICE – WHILE ANGELS WATCH – JÄNNERWEIN – RITUAL HAVOC

Als wir gegen 18 Uhr eintrafen, war an einen Parkplatz direkt vor der Theaterfabrik nicht zu denken. Es war erstaunlich voll. Den Opener des diesjährigen Runes and Men machten RITUAL HAVOC aus Dresden. Der beeindruckenden Stimme von Sänger und Gitarrist Rob Monstar durften wir bereits vor einem Jahr an einem privaten Lagerfeuer lauschen. Und auch auf der großen Bühne machten die Deutschen eine mehr als gute Figur. Umso erfreulicher für die Band, dass der Saal bereits sehr gut gefüllt war. RITUAL HAVOC spielten druckvollen, klassischen Neofolk mit englischen Texten. Als Gastmusiker waren noch Simone Salvatori von SPIRITUAL FRONT und Miro Snejdr dabei. Nach nur sechs Songs war der famose Auftritt leider zu Ende. Darunter Stücke wie „Traitor like Judas“ oder „Trumpets of Madness“, die schon nach erstem Hören wie wahre Hymnen im Ohr nachklingen. Fantastisch. Aber Rob wäre nicht Rob, wenn er nicht noch eine Prise Spaß in die Runde bringen würde. Und nach einer kurzen Vorstellung der Band kam dann noch eine Coverversion seiner „ewigen Inspiration“ DEATH IN JUNE, der Song „But what end when the Symbols shatter“ und schließlich die Ankündigung: „Der Miro und ich haben noch eine ganz kleine Sache. Wir wollen doch Spaß haben und wir stimmen damit den Spaß ein.“ Es ertönen erneute schöne Neofolk-Klänge mit Trommeln und Akustik-Gitarre. Und ehe sich die Zuschauer überhaupt versehen konnten, landeten sie mitten in CULTURE CLUBs „Karma Chameleon“. Was für ein tolles Konzert und erstes Highlight des Runes and Men 2014.

Weitaus beschaulicher wurde es beim nächsten Auftritt der österreichischen Formation JÄNNERWEIN. Inzwischen haben sich die Jungs aus Salzburg mit ihrem urtypischen Neofolk-Sound einen zu Recht guten Namen gemacht und überzeugen auch jedes Mal live mit ihrer stoischen Präsenz auf das Wesentliche… die Musik: multiinstrumentell, klassisch und ohne Schnörkel. Echte Lagerfeuermusik eben und ein tolles Konzert.

Ein großer Kontrastpunkt war der folgende Auftritt der Kult-Band WHILE ANGELS WATCH. Die Formation ist das Hauptprojekt des Briten Dev und existiert mit einer längeren Pause seit fast 30 Jahren. Stilgebend ist der interessante Mix aus Post-Punk und klassischem Neofolk, dem die Band bis heute treu geblieben ist. Und so fanden auch bei diesem Konzert wüste Gitarren-Ausbrüche und Drum-Orgien zusammen mit ruhigen Akustik-Passagen und zarter Violine. Über allem thront der tiefe Gesang von Dev. Ein grandioser Mix, der hier ein weiteres Mal überzeugen konnte. Die Herrschaften verstehen ihr Handwerk.

Mit großer Freude erwartete ich das nächste Konzert der englischen Neofolk-Legende FIRE + ICE. Sänger Ian Read kann zweifelsfrei als einer der Gründungsväter dieser fantastischen Musikrichtung gelten. Ich gebe ja zu, mich ab und an mal bei Konzerten zu unterhalten. Aber hier verstummte sogar ich. Die markante, zerbrechliche Stimme von Ian Read, dazu Drums, Akkordeon und Akustik-Gitarre: FIRE + ICE zeigten beeindruckend, wie viel Gefühl man aus einer einfachen Instrumentierung holen kann, wenn sie perfekt arrangiert ist. Spätestens als Ian verkündete: „Dieses Lied ist für Andreas. Forseti lebt!“ war die Aufmerksamkeit ungebrochen. Und das folgende, von Ian Read auch original eingesungene, FORSETI-Stück „Empfindsamkeit“ trieb auch den härtesten Neofolkern eine Träne in die Augenwinkel. Ein Wahnsinns-Konzert, das man erst einmal sacken lassen musste.

Weitaus fröhlicher ging es mit SPIRITUAL FRONT weiter. Die italienische Formation um Sänger Simone Salvatori muss ebenfalls nicht näher vorgestellt werden. Spätestens seit dem 2006er Album „Armageddon Gigolo‘“ schlugen die Jungs ein wie eine Bombe. Und vor allem der charismatische Salvatori verfügt über eine sagenhafte Bühnenpräsenz und erzeugt mit seinem Nihilist Suicide Pop eine derartige Sympathie, das wohl jede Frau (außer meiner natürlich ;-) ) mit ihm schlafen und jeder Kerl mit ihm einen heben will. Ein opulenter Mix aus Neofolk, Post-Punk und Dark Cabaret, aber auch Western, Blues und Country. JOHNNY CASH hätte seine wahre Freude an dem Jungen. Was aus der Konserve schon bestens überzeugt, ist/ war live ein wahres Erlebnis. Jedes Mal wieder und das Publikum hat es mal wieder bestätigt. Famos.

Headliner des Abends waren schließlich KIRLIAN CAMERA. Ich war nicht besonders erfreut, als die Zusage kam. Die italienische Band um Antonio Bergamini hatte ja in den 90er Jahren tatsächlich eine Neofolk-Phase, nachdem sie ihre Wave-Ursprünge hinter sich gelassen und bevor sie sich ihrer technoiden Weggestrecke zugewandt haben. Übrig geblieben ist nur Bergamini. Und die klitzekleine Hoffnung, sie würden die „guten alten“ Sachen spielen, war schon beim Erscheinen der fünfköpfigen Besetzung mit Taschenlampen auf der Bühne verflogen. Die folgende Reminiszenz an die 80er Jahre der zugegeben nicht unattraktiven und gesanglich äußerst talentierten Sängerin Elena Fossi mit dem ULTRAVOX-Hit „Hymn“ war ja noch durchaus hörbar. Es folgte mit „Ascension“ tatsächlich einer der „alten“ Songs. Allerdings im neuen Gewand. Und so nach und nach entwickelte sich das Konzert zu dunkeltechnoidem Musikantenstadl. „Fassungslos… durch die Nacht“ suchten viele das Weite. Aber viele Zuschauer sahen hier wohl auch das erste Mal am Abend ihre Helden und feierten sie ab. So hatten wir draußen etwas Ruhe. Auch wenn das Ende (mich) nicht ganz so überzeugen konnte, war es ein sensationeller erster Abend und obwohl die geplante Aftershow-Party ausblieb, fanden sich genug Leute für eine eigene an der Bar und vor dem Gebäude.

Tag 2 – Samstag

ROME – :OF THE WAND AND THE MOON: – DIE WEISSE ROSE – OWLS – ROMA AMOR – JORDAN REYNE

Beim Runes and Men lohnt es sich wirklich, von Anfang an dabei zu sein. JORDAN REYNE war mir bisher kein Begriff, aber was sie den Zuschauern präsentierte, hat der gebürtigen Neuseeländerin zahlreiche neue Fans beschert. Die experimentelle Musikerin lebte vor ihrem Umzug nach Großbritannien einige Jahre in Deutschland und unterhielt das noch überschaubare Publikum vorzugsweise auf Deutsch. Einzig und alleine die hübsche Dame, versehen mit 2 imposanten Hörnern, und ihre Gitarre füllen die Bühne. Ihre Musik kann man bezeichnen als einen Mix aus keltisch angehauchtem Folk kombiniert mit industriellen Sounds. Sämtliche auf dem Konzert vorgetragenen Stücke stammen von der EP-Trilogy „Maiden, Mother, Crone.“ Die Songs dazu spielt sie ganz alleine mit Loops ein. Auf der Bühne reicht ihr dazu ihre Gitarre, die Loopmaschine auf dem Boden und ihre fantastische Stimme, die sie Dank Effektgerät vervielfacht und eine beeindruckende Opulenz schafft. Daher sei sie auch sehr aufgeregt, „da die Lieder schwer zu spielen sind.“ Hat man ihr aber nicht angemerkt. Sie hat das Konzert zu einem echten Spektakel gemacht, das Publikum nicht nur mit ihrer einzigartigen Musik sondern auch mit Charme und Humor („Ich habe auch optimistisches Lieder. Meine Großmutter hat mal gesagt, ein Optimist ist nur ein schlecht informierter Pessimist.“) das Publikum begeistert.

Die italienische Formation ROMA AMOR haben wir weitgehend verpasst. Musikalisch haben die beiden mit ihrem sehr traditionellen Folk-Songs das Publikum beeindruckt. Der Zuschauerraum war dementsprechend auch deutlich besser besucht.

Weiter ging es dann mit OWLS. Das Trio ist eines der Projekte von SOL INVICTUS-Urgestein Tony Wakeford. Während er mit seinem Hauptwerk inzwischen auf psychedelisch-rockigen Pfaden wandelt, klingt OWLS vor allem dank Wakefords markanter Stimme noch nach alten Zeiten, wenngleich mit geänderter Instrumentierung, auch dank elektronischer Unterstützung. Ein schöner Auftritt.

Mit DIE WEISSE ROSE kamen wir zum „martialischen“ Teil des Wochenendes. Hinter dem Projekt steckt der Däne Thomas Bøjden. Live begleitet wie häufig von Gary Carey (JOY OF LIFE) und seinem Landsmann Kim Larsen (:OF THE WAND AND THE MOON:). Drei Männer, drei Trommeln und los geht das Drumgewitter. Auch wenn DIE WEISSE ROSE bisher nur eine sehr überschaubare Diskografie hervorgebracht hat, versteht es Bøjden doch immer wieder, ein gelungenes und abwechslungsreiches Konzert zu präsentieren, was auch nach diversen Besuchen nie langweilig wird. Wunderbar. Am liebsten würde man selber gleich die Trommel anlegen und losmarschieren… würde aber sicher nicht so genial klingeln wie bei den drei Jungs. Tolles Konzert.

Für viele sicher das eigentliche Highlight des Abends: OF THE WAND AND THE MOON. Kim Larsen also nach wenigen Minuten erneut als Sänger und Gitarrist auf der Bühne. Seit 15 Jahren gibt es diese Formation inzwischen und ist aus einem anfänglichen Geheimtipp inzwischen zu einem festen Bestandteil der Neofolkszene geworden. Mit einem wundervollen Gesang und atmosphärischen Stücken haben OF THE WAND AND THE MOON auch das Runes and Men-Publikum verzaubert. Klassischer Neofolk auf höchstem Niveau. Wunderbar.

Den leider viel zu schnell herbeigeeilten Abschluss bilden ROME. Die Luxemburger um Sänger Jérôme Reuter schlugen mit ihren ersten Alben auf Cold Meat seit 2006 ebenfalls ein wie eine Bombe. Reuter versteht es spielend, zwischen druckvoll und zerbrechlich zu singen, auch musikalisch waren ROME von Anfang auf höchstem Niveau und mit ihrem Stil irgendwie bahnbrechend für das Genre. Mit dem Wechsel zum Majorlabel Trisol im Jahre 2009 wurde die Band zwar bekannter, verlor aber auch aufgrund ihres wachsenden Outputs an Persönlichkeit. Die Songs sind nach wie vor bestens, ihnen fehlt es jedoch an Wiedererkennungswert. Trotzdem ein tolles Konzert und großer Abschluss, auch wenn Hits wie „Der Brandtaucher“ gefehlt haben. Rufe aus dem Publikum danach gab es jedenfalls.

Glücklicherweise gab es dieses Mal nach den Konzerten noch eine Aftershow-Party. Und so konnte man noch einmal alles Revue passieren lassen, sich mit Freunden unterhalten und natürlich zu passender Musik tanzen. Ein großartiges Wochenende mit vielen tollen Konzerten ging leider viel zu schnell vorbei. Was bleibt, ist die Erinnerung und die Freude auf das Runes and Men 2015. Und hier sei nochmal ein großes Lob an die Equinoxe Organization gerichtet, die das allesmöglich gemacht hat, obwohl es sicherlich nicht immer einfach war. Aber das Ergebnis war grandios.

Take care and control!

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu :OF THE WAND AND THE MOON: auf terrorverlag.com

Mehr zu DIE WEISSE ROSE auf terrorverlag.com

Mehr zu FIRE & ICE auf terrorverlag.com

Mehr zu JÄNNERWEIN auf terrorverlag.com

Mehr zu JORDAN REYNE auf terrorverlag.com

Mehr zu KIRLIAN CAMERA auf terrorverlag.com

Mehr zu RITUAL HAVOC auf terrorverlag.com

Mehr zu ROMA AMOR auf terrorverlag.com

Mehr zu ROME auf terrorverlag.com

Mehr zu SPIRITUAL FRONT auf terrorverlag.com

Mehr zu WHILE ANGELS WATCH auf terrorverlag.com