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RUNES & MEN FESTIVAL 2015

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Ort: Leipzig - Hellraiser

Datum: 09.10.2015 - 10.10.2015

Kürzlich belegte Leipzig in einer Studie den 3. Platz bei den Zukunftsaussichten deutscher Großstädte. In der Sparte Kultur und da insbesondere im Bereich Neofolk dürfte sie aber wohl ganz an der Spitze liegen. Und nicht unwesentlich dazu bei trägt das jährliche Runes and Men Festival der Equinoxe Organization, dem wir kürzlich wieder einen Besuch abstatteten. 13 Bands verteilt auf zwei Tage ließen das Neofolk-Herz höher schlagen und machten das Hellraiser zu einem ganz besonderen Familientreffen. Ursprünglich war die Veranstaltung wieder in der Leipziger Theaterfabrik geplant. Aber nach einem Buttersäureanschlag auf diese Location musste der Veranstaltungsort verlegt werden. Aus den anfänglichen Bedenken ob der neuen Örtlichkeit wurde schließlich ein Segen. Das Hellraiser war für die meisten Besucher schließlich der bessere Raum. Ungünstig nur für die, die eine Übernachtung in der Nähe der Theaterfabrik gebucht hatten… das Hellraiser liegt am anderen Ende der Stadt.

Wie dem auch sei, hier geht es um die Musik und die versprach Großartiges. Pünktlich Freitagabend um 18 Uhr öffneten sich die Pforten und 19 Uhr eröffnete HARMONY GARDEN den Konzertabend. Nur wir haben es leider nicht geschafft. Trotz pünktlicher Anreise versperrten einfach zu viele Freunde und Bekannte den Zugang. Sehr wichtig und richtig bei so einer kleinen aber feinen Szene. Und bis wir schließlich im Hellraiser ankamen, spielte schon der zweite Act: TWA CORBIES… und zwar noch genau einen letzten Song. Sehr schade, denn das neue Projekt von Tony Wakeford (SOL INVICTUS) und Gernot Musch (:GOLGATHA:, PILORI) zaubert wunderschöne Akustikklänge auf die Ohren. Tonys Stimme ist dabei natürlich nicht zu überhören, dennoch hat das Projekt seinen ganz eigenen Stil. Uneingeschränkt empfehlenswert. Beim nächsten Mal werden wir uns das nicht noch einmal entgehen lassen.

Nach einer Pause geht es mit JOY OF LIFE weiter. Gary Carey, der Mann hinter diesem Urgestein des Neofolk ist für mich und viele andere Besucher ein immer wieder gern gesehener Act und erfreulicherweise treibt sich der Brite auch häufig in der Gegend herum. Statt dem üblichen und bewährten Army-Style stand ein Carey im feinen schwarzen Zwirn auf der Bühne und gab sein wundervolles Repertoire zum Besten. Ebenfalls ungewöhnlich war die verstärkte elektronische Machart seiner Hits. Gut gemacht, aber der klassische JOY OF LIFE-Style gefällt vielen doch besser. Und in der zweiten Hälfte des Auftrittes wurde dem auch entsprochen. Begleitet wurde Carey durch Miro Sneydr an den Drums und am elektronischen Piano. Wie erwartet ein tolles Konzert voller gefühlvoller aber auch druckvoller Passagen.

Mit Dudelsack und Trommel geht es nach einer Pause weiter. AWEN aus Dallas standen auf der Bühne, die gut mit Musikern gefüllt war. Sehr martialischer Neofolk mit einer lieblichen Seite durch die elegante Sängerin. Aber auch experimentelle und ungewöhnliche Instrumente wie Horn, Sense oder ähnliches kamen zum Einsatz. Bisher kannte ich die Band nur vom Namen her, das hat sich erfreulicherweise geändert. Ein großartiges Konzert, vor allem für Trommelfreunde.

Der Rest des Abends hüllt sich unerklärlicherweise in dichtem Nebel. ET NIHIL und APOPTOSE haben noch gespielt. Beides fabelhafte Bands, zu denen es an dieser Stelle leider nichts zu sagen gibt. Es war auf jeden Fall ein wunderbarer Abend mit tollen Konzerten, fabelhaften Menschen und einer herrlichen Stimmung. Der zweite Abend muss hohen Erwartungen standhalten.

Frauen müssen noch was essen, schwätzen … und sich „nur ganz schnell zurechtmachen“. So haben wir den Auftritt ersten Auftritt des Abends von RITUAL HAVOC leider verpasst. Die Dresdner um Rob Monstar hatten vergangenes Jahr als Opener beim Runes and Men ihr Debüt gegeben und haben nur begeisterte Zuschauer hinterlassen. Dieses Mal muss es wohl nicht anders gewesen sein. Schade, hoffentlich beim nächsten Mal wieder.
Zu WALDTRÄNE hätten wir es dann geschafft, aber wir sind ja hier auf einem Neofolk-Festival und nicht auf einem Mittelaltermarkt… Und die Leute, die aus dem Hellraiser kamen, bestätigten unsere Entscheidung, lieber in der kalten Abendstimmung zu bleiben.

CAWATANA durften wir uns aber auf keinen Fall entgehen lassen. Die ungarische Formation aus der Eis und Licht-Familie besteht schon seit Ende des vergangenen Jahrtausends und macht wundervollen klassischen Neofolk mit Akustikgitarre, Trommeln, Schifferklavier aber auch elektronischen Elementen. Trotz des langen Bestehens der Band hält sich die Zahl der Veröffentlichungen recht überschaubar. Erfreulicherweise erschien nach fünf Jahren zum Runes and Men eine neues Mini-Album namens „Decline of privileges“, von dem auch neben alten Hits auch einige Stücke gespielt wurden. Ein wunderbares Konzert.

Ungewöhnlich im Line-Up schien die folgende Band. BLACK LIGHT ASCENSION aus London veröffentlichen zwar auf HauRuck!, musikalisch sind sie doch eher im Minimal/ Synth-Wave einzuordnen. Dass es so leicht mit dem Schubladendenken geht, zeigte der Auftritt der beiden KNIFELADDER-Member beim Runes and Men. Er war zwar schon recht Minimal-Wave-lastig, aber irgendwie auch äußerst passend für diese Veranstaltung. Denn es findet sich in der Musik auch ein folkiger Aspekt mit einem dunklen Blues wie bei BAIN WOLFKIND und irgendwie musste ich auch an ELVIS PRESLEY denken, aber das kann auch sein, dass ich damit alleine stehe. Jedenfalls war es ein vorzügliches Konzert, wie ich es nicht erwartet hätte. Auch der Rest des Publikums war angetan.

Den schicksalhaftesten Auftritt des Wochenendes hatte ANDREW KING. Der Brite ist sowas wie der Barde des Neofolk und mit seinem umfangreichen Engagement in historischer englischer Musik ist er mehr als nur ein Musiker. Die markante Stimme und die mal minimalistische, mal eindringliche Instrumentierung sind nicht jedermanns Geschmack, aber sehr interessant und bedürfen einer gewissen Bereitschaft der Zuhörer. Ursprünglich sollte JOHN MURPHY mit ihm auf der Bühne stehen. Ihm zu Ehren spielte King das KIRLIAN CAMERA-Cover „Schmerz“ mit der Musik und aufgenommenen Stimme des begnadeten Drummers. Einen Tag später schloss Murphy für immer seine Augen.

Ein weiterer Abschied bedeutet der nächste Auftritt. Das Konzert beim Runes and Men war das vorerst letzte von DER BLAUE REITER. Seit etwa zehn Jahren gibt es das Projekt von Sahtorys Elenorth. Anfänglich mit Lady Nott übernahm später Cecilia Bjärgö (ARCANA, SOPHIA) den weiblichen Part in dem Projekt. Die vier veröffentlichten Album steigerten sich spätestens ab „Nuclear Sun“ mit zu dem Besten, was der martialische, bombastische, orchestrale Zweig der Szene zu bieten hat. Bei diesem Konzert konnte man die Begeisterung Elenorths mit jedem Trommelschlag regelrecht spüren. Ein wahres Bombast-Epos. Fantastisch. Und zum Ende kam noch die klare Aussage, dass DER BLAUE REITER bald wieder galoppieren wird. Wir wollen es hoffen. Für mich und viele andere der Höhepunkt eines grandiosen Wochenendes.

Last but not least … CAMERATA MEDIOLANENSE. Ein ebenso großartiger Act aus Italien der seinesgleichen sucht. Zwei wunderbare Stimmen, weiblich zerbrechlich und männlich markant, Trommeln, Neoklassik mit einem Anflug von Kammermusik machen die Band immer wieder zu einem konzertanten Höhepunkt, der auch hier den Erwartungen in nichts nachstand. Hier spielen Musiker, die auch auf den großen Opernbühnen gute Aussichten hätten. Ein wundervoller Abschluss eines großartigen Wochenendes. Leider war alles viel zu schnell vorbei.

Aber in einem Jahr geht es wieder los. Und an dieser Stelle ein riesiges Lob an den Veranstalter für zwei rundum perfekte Abende … naja, abgesehen von meinem verloren gegangenen Autoschlüssel, der wohl ebenfalls in diesem unerklärlichen Nebel Freitag Nacht verschwunden sein muss … aber daran ist ja jemand anderes Schuld.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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