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SAGA – MARILLION

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Ort: Münster - Jovel

Datum: 14.11.2011

SAGA und MARILLION – zwei Veteranen des Neo-Prog-Rocks standen heute auf dem Programm, auf dem Fotopass des mitgereisten Fotografen mal keck als „S&M“ abgekürzt. Also ging es nach Feierabend zeitig auf nach Münster, denn es sollte schon um 19.30 Uhr im Jovel losgehen. Unterwegs noch schnell eine Currywurst abgegriffen, kamen wir pünktlich in der Studentenstadt an. Doch das Jungvolk schien sich an diesem Abend woanders zu amüsieren, das Jovel war zwar mit 1000 Leuten ordentlich voll, aber sowohl auf der Bühne wie davor ein ähnliches Bild: Männer jenseits der Adoleszenz.

In diesen Wochen als Doppel-Headliner unterwegs, tauschen die Bands jeweils die Startplätze, so dass heute Abend MARILLION den Anfang machten. Nun geht es mir so wie dem Großteil meiner Generation: MARILLION? – Das waren doch die mit „Kayleigh“. Ja richtig, das war 1985 ein großer Hit, damals noch mit Sänger Fish, der jedoch 1989 durch Steve Hogarth ersetzt wurde. Sowohl SAGA als auch MARILLION zeichnen sich durch eine riesige Flut von Veröffentlichungen aus. In der Setlist des heutigen Abends dominierten jedoch Songs, die um die Jahrtausendwende entstanden, also in der „Hogarth-Ära“. Los ging es superpünktlich mit „Splintering heart“ und bereits bei „Cover my eyes“ wurde mitgesungen und –geklatscht. Ruhiger ging es mit „Slainte Mhath“ – zu Deutsch „Prost“- weiter. War denn wohl Herr Hogarth noch ganz nüchtern? Jedenfalls klebte er sich für „King“ sein rotes Plektron auf die Stirn und schnallte sich eine weiße Gitarre um, um sich hernach für seine rudimentären Deutschkenntnisse zu entschuldigen und die Fans zu begrüßen. Während bislang eher verschachtelte Songstrukturen dominierten, ging es nach einem Griff zum Megaphon und „Somewhere else“ fast schon poppig mit „Hooks in you“ weiter, ehe mit „Afraid of sunlight“ ein Klassiker aus dem gleichnamigen Album von 1999 ordentlich von der Menge abgefeiert wurde. Wobei sich vor allem die Mitte des Saals sehr engagiert zeigte, wohingegen es zu den Rändern eher ausfranste, wo es die wohl nur eigens für SAGA angereisten Zuhörer beim Bierchen und artigem Applaus beließen. Auch das folgende „You’re gone“ gehört eher zu den radiotauglichen Nummern, ehe minutenlang „Man of a thousand faces“ zelebriert wurde und die Stimmung weiter stieg. Doch offensichtlich kann es kein MARILLION-Konzert ohne „Kayleigh“ geben. Hier hatte nun die komplette Zuhörerschaft Gelegenheit, ihre Textsicherheit unter Beweis zu stellen, wobei man jedoch Herrn Hogarth bei der Darbietung deutlich anmerkte, dass dies nicht sein Song und seine Emotionen sind. Ganz im Gegenteil zum abschließenden „Neverland“, ein Highlight von epischen Ausmaßen mit ordentlich viel Bombast und Pathos vorgetragen. Natürlich wollten die Fans die Band nicht ohne Zugabe entlassen, die mit einem weiteren Klassiker aus dem Album „Marbles“ „The invisible man“ eingelöst wurde. Für MARILLION-Anhänger sicherlich ein gelungenes Konzert, doch als Nicht-Intimus erschlossen sich mir viele Songs nicht gleich auf Anhieb und auch der Habitus des Herrn Hogarth war für meinen Geschmack gewöhnungsbedürftig.

Setlist MARILLION
Splintering heart
Cover my eyes
Slainte Mhath
King
Somewhere else
Hooks in you
Afraid if sunlight
You’re gone
Man of a thousand faces
Kayleigh
Neverland

The invisible man

Der Zeiger ging auf 21 Uhr zu, doch es sollten noch über 40 Minuten vergehen, bis auch die Prog-Dinos von SAGA die Bühne enterten und mit „Out of the shadows“ loslegten. Fast auf den Tag genau vor 4 Jahren hatte ich SAGA in Osnabrück zum letzten Mal live gesehen, damals hieß es das 30-jährige Bandjubiläum zu feiern und Sänger und Gründungsmitglied Michael Sadler zu verabschieden. Doch nun ist er nach seiner „Babypause“ zurück und genoss nach „Careful where you step“ ausgiebig den Applaus der Fans und deren „Welcome back“-Rufe. Während die Technik kurz streikte, nahm er gelassen Wünsche für die Setlist entgegen, die dann auch zum Großteil eingelöst wurden, zum Beispiel mit „On the loose“, bei dem sich seine langjährigen Gefährten mal wieder so richtig austoben konnten. Gleich an 3 Keyboards beschäftigt waren die Herrschaften Crichton, Gilmour und Sadler für „Ice nice“ (manche Elektro-Kombo ist mit weniger am Start), ehe Sadler mit der Einleitung „You know the words“ zu den üblichen Mitsingspielchen bei „You’re not alone“ einlud. Der Fronter präsentierte sich heute ganz in schwarz und als End-Fünfziger noch immer verdammt ansehnlich und agil. (Wohingegen ich das Faible von Jim Crichton für Hemden mit Schlangenhautmuster niemals nachvollziehen werden kann.) Nach reichlich viel Prog-Gefrickel bei „Framed“ wartete mit „Time’s up“ der nächste Einsatz fürs Publikum, die um ihre Pflichten gut Bescheid wussten. Als Herr Sadler dann kurz die Bühne verließ, wussten alle, nun hat Jim Gilmour seinen Gesangseinsatz. „Scratching the surface“ gehört seit eh und je zur Setlist und war auch am heutigen Abend obligatorisch. Auch beim Klassiker „The Flyer“ präsentierten sich Band und Publikum als eingespieltes Team. „The Pitchman“ war dann eher wieder etwas zum Zuhören, ehe sich Sadler fürs Finale den Bass umschnallte – für die Fans ein sicheres Zeichen, dass er nun „Humble stance“ zu Gehör bringen würde. Mit „Don’t be late“ beendeten die Kanadier ein Set ohne viele Überraschungen, so dass dieses Konzert neben Erinnerungen an alte Zeiten vor allen Dingen von der Wiedersehensfreude mit Michael Sadler geprägt war, der sich am heutigen Abend mit viel Spielfreude und Körpereinsatz zurückgemeldet hatte. Ein neues Album ist bereits in Arbeit…

Und während das restliche Auditorium noch den Zuschlag von SAGA genoss, machten wir uns auf die Rückfahrt, denn Morgen ist ja auch noch ein Tag.

Setlist SAGA
Intro
Out of to the shadows
Careful where you step
How long
On the loose
Ice nice
You’re not alone
The Runaway
¾ Medley
Framed
Time’s up
Scratching the surface
The Flyer
The Pitchman
Humble stance
Don’t be late

Wind him up
Conversations

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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