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SCHANDMAUL

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Ort: Schierke am Brocken

Datum: 02.05.2015

Schierke am Brocken, klein und beschaulich am südlichen Rand des – ja – Brockens gelegen, ist ein doch eher unscheinbares Örtchen. Wäre es nicht Namensgeber des regional bekannten und beliebten Kräuterschnapses würde es nur einmal im Jahr auffallen, denn am 30.April heißt es wie jedes Jahr – Es ist Walpurgisnacht! Hat man erst den Weg hin gefunden und ist in Schierke angekommen, verfällt man dem Charme des kleinen liebenswerten Kaffs im Harz und verweilt einen Moment in der völligen Ruhe und Abgeschiedenheit. Mit Hexen im Garten, Teufeln auf dem Dach und allerlei Deko werden die Besucher im 650-Seelen-Dorf empfangen und man kann sofort erkennen, hier wird die Walpurgisnacht noch ordentlich gefeiert. Aber, stellt sich mir die Frage, was feiert man eigentlich an Walpurgis? Hexenverbrennung? Das Ende des Winters und der Beginn des Frühlings? Oder feiern wir den Tag als Gedenken an Walpurga, der englischen Äbtissin? Irgendwie ist es ja ein bisschen von allem und das wichtige Teil dabei: das mittelalterliche Flair darf nicht fehlen. Ganz stilecht mit einem großen Mittelaltermarkt empfing Schierke die zahlreichen Besucher aus nah und fern. Über drei Tage wurde gefeiert und es ließ sich kaum jemand von den widrigen Wetterverhältnissen abhalten. Im Harz gibt’s ja fast nur zwei Wetter… Gut und weniger gut. Im Gegensatz zum 30.April gab es am Samstag danach keine sintflutartigen Regenfälle. Open Air Konzerte machen bei Regen auch einfach keinen bzw. kaum Spaß.

Dass es nicht das beste Wetter war, stellte auch Thomas Lindner, seines Zeichens Sänger von SCHANDMAUL fest, als er, anstelle in seiner gewohnten Gewandung, in Funktionswäsche, wie er sie nannte, auf die Bühne kam. Glücklicherweise ist Optik ja nicht alles im Leben und die Lederhosen der Bandmitglieder waren wirklich kleidsam. Also hatte das schlechte Wetter auch so seine Vorteile. Eine Band ist immer noch das beste Aushängeschild fürs eigene Merchandise. SCHANDMAUL, seit mittlerweile 15 Jahren aktiv, sind kaum noch von den Festivals weg zu denken und auch in Schierke präsentierten sie eine sehr gelungene Mischung aus alten und neuen Songs. Thomas‘ einzigartige Stimme sorgte kontinuierlich, wahrscheinlich nicht nur bei mir, für Gänsehaut und die Menge gab über 100 Minuten Show alles, um die Band zu unterstützen. Zugegeben, die Reaktionen am Anfang waren doch noch etwas verhalten, sollte tatsächlich noch jemand die Gruppe nicht gekannt haben? Aber nach den ersten Liedern, welche „die Schlacht“ und „die Herren der Winde“ thematisierten, war auch der letzte Fan im Bann des Mitelalter-Rocks. „Die verlorene Tröte“, das „Gift im Essen“ und auch „der Hofnarr“ taten Ihr übriges, und es war niemand mehr an seinem Platz zu halten. Oder lag es evtl. doch am Harzer Urgesöff Schierker Feuerstein?

Es wurde geklatscht, gehüpft, getanz und lauthals mitgesungen. Vom aktuellen Album konnten die Besucher Songs wie „der Pakt“, „Kasper“ oder „Bunt und nicht braun“ erleben und lautstark feiern. Insbesondere letzteres fand großen Anklang, da Rassismus aktuell (generell) in den Medien präsent ist. Da aber auch die beste Show irgendwann mal ein Ende finden sollte, beendeten SCHANDMAUL den Abend mit etwas nachdenklichem und wie Sänger Thomas es nannte, „romantischen“ Songs. Feuerzeuge, Smartphones und bunt blinkende LED Leuchtstäbe wurden in die Höhe gehalten, um zu “Euch zu Geleit” und “Dein Anblick” die passende Stimmung zu erzeugen… zugegeben passten Smchmaddfones (spricht man wie man es schreibt) und LED Blinkedinger nicht unbedingt zum mittelalterlichen Ambiente, aber das störte nach dem 97.Schierker-Schnaps dann doch kaum jemanden.

Rundum ein gelungenes Konzert, tolle Stimmung, tolle Musik und Schierke war wirklich eine Reise wert. Zum endgültigen Abschluss des Abends wurde noch einmal gemeinschaftlich gesungen, der Songtext, der nicht nur im Ohr sondern auch im Kopf geblieben ist: „Es war sehr schön, mit Euch, ich werd’ mit Freuden an Euch denken, ich werd mit Freunden auf Euch trinken, auf ein Wiederseh’n. Tschüss, bis bald, macht’s gut.“

So werde ich das jetzt auch halten, mit Freuden und Freunden auf euch Trinken, Tschüss, bis bald

Copyright Fotos: Katja Freier

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