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SELIG

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Ort: Münster – Skaters Palace

Datum: 03.12.2017

Wann waren SELIG eigentlich zuletzt in Münster? In der Zeitrechnung von Fronter Jan Plewka zumindest zu einem Zeitpunkt, als undenkbar erschien, dass die USA eine größere Pfeife als George W. Bush als Präsidenten haben könnten. Tja, so kann man sich irren und der Umstand, dass in Hannover der Bundesparteitag der AfD in den letzten Zügen lag, während die Hamburger Indie-Urgesteine zur besten Tagesschau-Zeit die Bühne enterten, erinnerte noch einmal daran, dass auch hierzulande politisch einiges im Argen liegt. Aber es gibt Hoffnung, solange Leute noch zu Konzerten gehen, meint Plewka und da will ich ihm gern zustimmen. Der Gig im nicht gänzlich gefüllten Skaters Palace bildete den Abschluss der „Kashmir Karma“-Tour, die Jan, Christian Neander (Gitarre), Stephan „Stoppel“ Eggert (Drums) und Lenard „Leo“ Schmidthals (Bass) in den vergangenen Wochen in 18 Städte geführt hat. Die Herrschaften haben es in dieser Zeit wohl ordentlich krachen lassen, wenigstens sprach Jan davon, man habe sich vorgenommen, am Ende so auszusehen, als sei man vier Jahre auf Tour gewesen.

So mitgenommen wirkten die Jungs, die seit Ende 2014 ohne ihren Ex-Keyboarder Malte Neumann agieren, aber gar nicht aus und vor allem hatten sie on the road ganz offensichtlich nichts von ihrer Spielfreude eingebüßt. Ok, so recht wusste der Mann am Mikro nicht mehr wo er am Abend zuvor aufgetreten war: Karlsruhe oder Kaiserslautern? Egal, auf jeden Fall war man im Schneeregen Richtung Westfalen gefahren und dazu passte dann ja der gefühlvolle Song „Wintertag“ ganz hervorragend. Die Nummer stammte ebenso wie der temperamentvolle Opener „Unsterblich“ vom aktuellen Album „Kashmir Karma“, das der mit einer Unterbrechung zwischen 1999 und 2008 seit 1993 agierenden Kapelle einen Platz 19 in den Album-Charts bescherte. Das Münsteraner Auditorium machte dabei überwiegend den Eindruck, durchaus bereits beim Erscheinen des selbstbetitelten Debüts 1994 zur Anhängerschaft gehört zu haben. Aber nicht nur „Mädchen auf dem Dach“ – das allererste SELIG-Lied überhaupt – wurde vor und auf der Stage amtlich abgefeiert, auch bei den neuen Tracks zeigte sich die Fan-Gemeinde textsicher und zu allen Schandtaten bereit. Da wurde Jan Plewka etwa bei „Zu bequem“ auf Händen durchs Publikum getragen und mit dem Frontmann musikalisch Zwiesprache gehalten. Natürlich wurden auch die Hits von „Und endlich unendlich“ (2009) und „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (2010) mit denen SELIG ein fulminantes Comeback feierten, gebührend behandelt. Das wunderbare „Schau, schau“ wurde mit größter Begeisterung mitgesungen und beklatscht und bei der Hymne „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ rissen sogar die Jungs am Mischpult ihre Arme in die Höhe. „Wir werden uns wiedersehen“ war ein Versprechen, dass die Combo nach etwa 1½ Stunden Spielzeit am Ende des regulären Sets gab und gleich wenige Augenblicke später wahr machte. Dank der ersten Zugabe „Sie hat geschrien“ ging es nicht nur abermals zu den Anfangstagen zurück, sondern auch ab durch die Mitte, bevor es „Wenn ich wollte“ unter Lichtgewittern auf die harte Tour wissen wollte und Christian für „Ohne dich“ an die Akustikgitarre wechselte. Hier wurde ab der ersten Silbe mit vereinten Kräften gesungen, was zuvor beispielsweise auch für das neue, sehr druckvolle „Alles ist nix“ galt. Erwähnt seien zudem noch die Instrumentals bei „High“, die geradezu monumental ausfiel, während beim finalen „Regenbogenleicht“ eine Akustikklampfe reichte, um den Gesangsvortrag der vier Herren gekonnt zu untermalen.

Auf diese Weise gingen zwei absolut kurzweilige Stunden zu Ende, in denen SELIG einmal mehr ihre besondere Klasse unter Beweis stellten. Ihr Sound war und ist etwas besonderes, wozu insbesondere die Gitarrenarbeit von Christian Neander und natürlich die Stimme von Jan Plewka beitragen. Über die Jahre hat die Musik nichts von ihrem Charme und Wumms verloren und die neuen Songs fügen sich hier ebenso naht- wie zeitlos an. Es war mir auch hinsichtlich der gelungen Lightshow erneut ein ausgesprochenes Vergnügen!

Setlist
Unsterblich
Nimm mich so wie du bist
Ist es wichtig?
Zu bequem
Schau schau
Bruderlos
Alles ist nix
DJ
High
Unterwegs
Lebenselixier
Feuer und Wasser
Von Ewigkeit zu Ewigkeit
Wintertag
Mädchen auf dem Dach
Wir werden uns wiedersehen

Sie hat geschrien
Wenn ich wollte
Ohne dich

Kashmir Karma

Regenbogenleicht

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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