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SERENGETI FESTIVAL 2007 – TAG 2

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Ort: Schloss Holte-Stukenbrock - Festivalgelände am Stadion

Datum: 23.06.2007

Da sowohl die Wettervorhersage als auch der Blick aus dem Fenster nichts Gutes erahnen ließen, betraten wir das Festivalgelände am zweiten Tag des Serengeti erst gegen 14:30 Uhr. Das heißt, unser Fotograf betrat das Gelände. Wir mussten noch unsere Getränke daVOR „verzehren“ – konnten aber den Klängen von ONE FINE DAY von draußen lauschen. Und was wir hörten, hörte sich sehr gut an. Die fünf Jungs aus Hamburg verstanden es, zu rocken. Mit einem Mix aus Punkrock, Emo und Metal versuchten sie den Zeltplatz aufwecken und schafften es, um diese Uhrzeit schon für gute Stimmung zu sorgen. Und die Stimmung sollte auch gut bleiben, denn das Wetter hielt sich. Die Regenjacken dienten erst mal nur als Sitzkissen und die Sonne brutzelte stärker als erwartet.
(MZ)

Um 15:20 betraten dann THE ANIMAL FIVE aus Schweden die Bühne. Angesiedelt ist die schwedische Band zwischen DEVO, THE STROKES, den TALKING HEADS und FRANZ FERDINAND. Sänger Martin von Inghart überzeugte mit Pornobrille und tat alles, um die Menge zu begeistern. Dabei wurde schnell klar, dass die Jungs aus Malmö nicht zwingend cool sein wollen. Sie wollen primär eins: Spaß auf der Bühne haben und Spaß in die Menge bringen. Was ihnen auch gelang. Das Publikum wippte und tanzte mit und genoss bei strahlendem Sonnenschein die Show auf der Bühne. Ein stampfender Beat und eingängige Gitarrenriffs bohrten sich in die Gehörgänge. Songs, die „fucking faster than any car on the Autobahn“ waren, wechselten sich mit Balladen ab und auch der Titel „Sharks“ wurde gespielt, allerdings ohne die hässlichen Hai-Kostüme, die im gleichnamigen Video zu sehen sind. Angereist war die Truppe aus Schweden übrigens mit ihrem Entdecker Magnus Sveningsson, dem Bassisten der CARDIGANS und Talent-Scout für Universal Schweden, da ihr eigentlicher Basser krankheitsbedingt ausgefallen war. Um 15:50 war der Gig vorbei und das Publikum hatte gelernt, dass manche Skandinavier sogar wie Briten klingen können…
(MZ)

Pünktlich um 16.10 ging es dann mit KAIN aus Berlin weiter. Die vier äußerst nett anzusehenden Jungs werden derzeit als das eigenständigste Alternative Rock-Thema Deutschlands bezeichnet, was ich nur unterschreiben kann. Sie waren bereits mit REAMONN und 3 DOORS DOWN auf Tour und kamen beim Publikum richtig gut an – für mich persönlich das Highlight des Tages. Das Quartett heizte mit einer tollen Mischung aus deftigen Rock-Hooks und deutschen Songtexten („Man kann in seiner Muttersprache einfach ganz anders mit Worten spielen oder neue Wörter erfinden…“) den angereisten Festival-Fans in Schloss Holte-Stukenbrock richtig ein. Die geile Stimme von Sänger und Gitarrist Lino, dessen Lieblingsbands SELIG, AC/DC oder NIRVANA sind, hatte einen nicht zu verachtenden Anteil daran. Der Spaß, den KAIN ihrer Musik selbst seit Jahren abgewinnen können, ist auch auf das Publikum übergesprungen. Vielen Dank! Bitte mehr von solchen Bands!
(MZ)

Nun freute ich mich auf die Finnen DISCO ENSEMBLE, deren zweite CD „First aid kit“ mich schon in Verzückung gebracht hatte und die ich leider auf ihrer Clubtour im Frühjahr nicht hatte sehen können. Entgegen ihrem Bandnamen frönt das Quartett dem Punkrock und ließen mit „Black Euro“ gleich das Biest von der Leine – der Moshpit ward erneut eröffnet. Nach „You are the dawn“ wollten dann laut abgefragtem Handzeichen mindestens 15 Fans einen neuen Titel auf die Ohren, der auf den Namen „Friend letter typewriter“ hört. Ob wir denn auch die heutige Sommersonnenwende ordentlich feiern würden, wollte Sänger Miikka wissen, in seiner Heimat ein unverzichtbares Volksfest. Weiter ging es mit „Drop dead Casanova“ und „So long sisters“. Miikka agierte dabei stets mit hochroter Omme scharf am Stimmbandabriss vorbei. „This is my head exploding“ widmete er allen Helfern und Organisatoren des Festivals (und niemand spricht an diesem Tag das Wort „Serengeti“ so süß aus wie er) ehe mit „We might fall apart“ nach 35 Minuten ein fiebrig-treibendes Set mit sattem Applaus endet. Bei mir konnten die Jungs auch live punkten, nur die Finnische Frisör-Innung gehört meiner Meinung nach verklagt, aber alles Geschmackssache.
(CS)

Während sich das Wetter verwunderlicher Weise immer noch hielt, betraten RANTANPLAN gegen kurz vor 18:00 Uhr die Bühne. Die fünf Musiker aus Hamburg verstanden es, die Menge mit einer guten Mischung aus Pop-Punk & Ska zu unterhalten. Der Platz vor der Bühne war inzwischen bestens gefüllt, die Stimmung gut und das Publikum war sich auch nicht zu schade, mitzuklatschen. Trompete und Posaune trafen auf Punkgitarren und ein wuchtiges Schlagzeug. Die deutschen Texte mit einer guten Mischung aus Persönlichem und Politischem kamen gut an. Schade ist nur, dass die Stimme von Sänger Torben Meißner nicht ein wenig markanter und charismatischer ist. Ich könnte mir vorstellen, dass die Truppe heute sonst viele neue Fans gewonnen hätte. So war es „nur“ eine nette Party auf einem netten Festival. Da Ska aber Gute-Laune-Musik ist und sich das Wetter hielt, machte das wohl den wenigsten etwas aus. Man tanzt schließlich zum Rhythmus. Frontman Meißner nutzte daher auch die gute Stimmung, um auf das fünfte RANTANPLAN-Album, das am 11. September veröffentlicht werden soll, hinzuweisen. Nach ungefähr zehn Liedern verließ die Band gegen 18:25 Uhr die Bühne. Vorher durfte sich jedoch noch Posaunist Sven-Ole Schoch auf einer Luftmatratze über die Menge und eben von dieser tragen lassen.
(MZ)

Schon lange wollten dunkle Wolken nichts Gutes verheißen und in weiser Voraussicht wurde die Umbaupause zum Ausfüllen der gestrigen Matschlöcher mit Hilfe diverser Strohballen genutzt. Das nahmen natürlich zahlreiche kleine und große Jungs zum Anlass, sich eine ordentlich Strohschlacht zu liefern, wohl dem Gräser-Allergiker! Wir nutzen die möglicherweise letzte Chance, sich auf den Boden zu setzen oder eine Mahlzeit im Trockenen einzunehmen, ehe es mit LOSTALONE weiterging. Die Drei vom Scheitel bis zur Sohle in schwarz erscheinenden Briten freuten sich wie die Welpen auf ihren Gig und legten mit ordentlich Volldampf los, wurden jedoch nach 5 Titeln (wir hatten gerade „Lost alone“ und „Elysium“ gehört) unsanft vom Unwetter ausgebremst. Etwa 10 Minuten ging erstmal gar nichts und während sich viele um die wenigen Schutzmöglichkeiten drängten, bekamen die ersten Reihen vom Bühnendach je nach Windstand noch eine extra dicke Dusche ab. Doch das Trio wollte sich und uns den Spaß nicht nehmen lassen und kehrte für 2 Titel (u.a. „Standing on the ruins of a beautiful empire“) auf die Stage zurück. Mehr saß leider aufgrund des Timetables nicht drin, schade, schade, für Band, die sich mit ansteckender Spielfreude präsentiert hatte und fürs Publikum, das auf jeden Fall noch gerne mehr gehört hätte. Also halten wir LOSTALONE auf unserer Liste. Die Jungs werden nicht zu Unrecht nach FRANZ FERDINAND und den ARCTIC MONKEYS als nächster Jahrgang verheißungsvoller britischer Newcomer gehandelt und dürfen das hier bestens abgegebene Versprechen gerne an anderer Stelle einlösen!
(CS)

Nach den „jungen Wilden“ stand nun mit EXTRABREIT eine deutsche Institution in Sachen Rock auf dem Programm. So drängte denn auch das etwas ältere Publikum die Youngsters zur Seite, als die fünf Herrn eingeleitet vom Bond-Score in schwarzen Anzügen mit Krawatte die Bühne betraten. Neben den Altstars rund um Sänger Kai Havaii hat man mit dem fast 20 Jahre jüngeren Lars Larsson am Bass auch einen Jungspund im Gepäck, was einige Girlies aus der ersten Reihe mit heftigem Gekreische goutierten. Also für jung und alt etwas dabei, so auch bei dem nun folgenden „Best of“-Set. Da gab es als Opener „Kleptomanie“, das Harald Juncke gewidmete „Nichts ist für immer“ und „Polizisten“. Mühelos schlug man themenmäßig den Bogen zum 2005er „Reunion“-Album „Frieden“ mit dem Titel „Die Multis und der Staat“, um mit „Hart wie Marmelade“ ganz an den Anfang der Bandgeschichte zurück zu kehren, war dies doch 1981 die erste Single der Breiten. Über 1000 Konzerte haben EXTRABREIT in ihrer über 25 Jahre währenden Karriere gespielt und mit dieser Wahnsinns Bühnenerfahrung war es den Jungs auch hier ein Leichtes, die Masse für sich zu gewinnen. Souverän sind hier alle blind aufeinander abgestimmt und verstehen es zu unterhalten, ohne dass das Wort „Routine“ fallen müsste. Neben „Der Präsident ist tot“ und „Die Zeit“ waren glücklicherweise Kracher wie „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ und „Flieger, grüß mir die Sonne“ unvermeidbar. Da kann generationsübergreifend mitgegrölt werden und werden wahrscheinlich noch meine Kinder drauf Party machen! Eine gelungene Performance der Rock-Dinos, die mit entsprechendem Applaus verabschiedet wurden.
(CS)

Vom Rock der 80er nun zum Deutschrock unserer Tage. Der Auftritt von JULI kündigte sich mit größeren Umbauten, einem überdimensionierten Backdrop und vier ebenfalls überdimensional großen Wohnzimmerlampen auf der Bühne an. Und nun wurde das Serengeti zum Familienfest. Wer nicht daheim mit Mama und Papa auf dem Sofa Gottschalk auf Malle guckte, der wollte nun gefälligst von Papa geschultert werden, um mit wild fuchtelndem Handy ein Bild seiner Idole zu erhaschen, die um 21.20 Uhr mit „Ich liebe dieses Leben“ loslegten. Nun hört man schon raus, dass ich mich nicht unbedingt zu den JULI-Fans zähle, aber dank Dauer-Radio-Rotation ist einem ja quasi jeder JULI-Song geläufig und so konnte ich in meinem Umfeld laut Brustaufdruck bekennende BEATSTEAKS oder APOKALYPTISCHE REITER-Fans mitwippen und –singen sehen, also zu meinem Erstaunen eine konsensfähige Performance. Zwar konnte ich mit Evas Ansagen nicht immer etwas anfangen („Seid ihr noch einigermaßen trocken?“ HÄ???), aber sie weiß wohl um ihre Zielgruppe, warf sie doch Schokoriegel mit den Worten „Ihr seid ja noch im Wachstum“ unters Jungvolk und skandierte selber „Ausziehen, ausziehen“ mit dem Erfolg, einige Kleidungsstücke aus der Menge einzusammeln. „Ein neuer Tag“ wurde mit Silberkonfetti veredelt, das gleichnamige aktuelle Album dominierte auch mit weiteren Titeln („Du nimmst mir die Sicht“, Bist Du das“ oder „Zerrissen“) das Set, so auch die mit Inbrunst vorgetragenen Ode an die Freundschaft „Wir beide“. Aber natürlich durften auch die großen Hits des Platin Debüts nicht fehlen, neben „Warum“ (dem einzigen JULI-Song, der meine richtige Begeisterung findet) und „Geile Zeit“ natürlich auch „Regen und Meer“ und der abschließenden „Perfekte(n) Welle“. Nun wurde es für die Kleinen aber Zeit, husch, husch ins Bett zu gehen, während sich die Älteren auf den Headliner freuten.
(CS)

Bevor sich jedoch der Headliner einfinden sollte, bekamen wir einen nicht geplanten Programmpunkt zusehen. Ein Flitzer, nur mit Hemd und Schuhen bekleidet, poste auf der Bühne. Es handelte sich um den Gitarristen von THE ANIMAL FIVE, der die Bühne ganz legal von hinten betreten hatte. So blieb er auch einige Zeit von den Securities unbemerkt, bis ihn diese, aufmerksam geworden durch das Pfeifkonzert der H-BLOCKX-Fans, im Polizeigriff von der Bühne entfernten.

Und dann war es endlich so weit. Die H-BLOCKX betraten die Bühne und starteten ihr Set mit zwei Songs von ihrem neuen Album. Der Menge war es egal. Sie ging bereits jetzt richtig mit, was nicht nur Sänger Henning Wehland sichtlich erfreute. Crowdsufer, die bei JULI nicht auf ihre Kosten gekommen waren, wurden über die Menge getragen und Hennigs Anfeuerungsrufe „Wollt ihr hüpfen“ waren fast schon überflüssig. Ihm gefiel es offenkundig, wieder als Headliner auf dem Serengeti zu spielen. „Scheiße, ist das geil! Tut mir leid, dass es nicht regnet.“ Und bezog sich damit auf das regnerische Wetter vor einem Jahr. Und mit „Move“ sollte die Party dann auch richtig losgehen. Fast zwischen allen Songs der Münsteraner hallten H-BLOCKX-Rufe über das Festivalgelände, das inzwischen zwar nicht mehr so voll wie bei JULI, stimmungsmäßig aber kaum noch mehr steigerungsfähig war. Der langhaarige Frontmann dankte es mit einem „Ihr seid die Geilsten, Schloß Holte!“. Auf „Leave me alone!“ vom 2004 erschienenen Album „No Excuses“ folgten wieder einmal Hennigs Anfeuerungsrufe und Bier und Wasser fanden von der Bühne den Weg in die Menge. Zu „Revolution“ reckten sich sämtliche Hände in die Höhe. “Schloss Holte – hier ist es besser als auf der Rock am Ring Hauptbühne!“ Und weiter ging es mit dem Cover „Celebrate Youth“. Anschließend ließ der bestens aufgelegte Sänger seiner Wut auf die Plattenindustrie freien Lauf. Der Hintergrund hierzu ist leicht erklärt. Auf Grund von unterschiedlichen Meinungen zu Sound und Marketing der neuen Platte „Open letter to a friend“ haben sich die H-BLOCKX angeboten, sowohl die kreative, als auch finanzielle Verantwortung zu übernehmen und man einigt sich auf eine sog. „low budget“-Produktion. Da das Label aber immer noch nicht vom Konzept überzeugt war, kam es zu einer Wette. Wenn die Band diese verlieren sollte, bleibt sie auf den Kosten der Produktion hängen. Sollte jedoch das Video, das in Istanbul gedreht wurde, im Internet mindestens 100.000 Visits haben oder auf MTV eine heavy Rotation bekommen oder die Single „Countdown to Insanity“ in die Top 10 stürmen, muss die Plattenfirma die Kosten übernehmen. Henning forderte alle auf, den Fuckfinger für die Industrie zu zeigen und heizte der Menge mit einem weiteren neuen Song ein. Um noch einmal Werbung für ihre Wette zu machen, folgte nun eben angesprochene neue Single und das Publikum war wieder am Hüpfen.

Die Setlist sollte dann mit einem Best of zu Ende gehen. Auf „Time of my Life“, sicherlich einigen aus dem Film „Bang Boom Bang“ bekannt, folgte „Little Girl“ und das Publikum bekam die Gelegenheit, sein musikalisches Können und sein Textsicherheit unter Beweis zu stellen. „How do you feel“ und „Risin’ High“ waren die letzten Stücke, bevor die Blockxer mit den Zugaben „The Power“ und „Ring of Fire“ den Abend beenden. Zu erwähnen bleibt an dieser Stelle nur noch, dass der aufmerksame Festivalbesucher auch in diesem Jahr wieder die private Handy-Nummer von Wehland erhalten hatte, sofern er sie sich so schnell aufschreiben oder merken konnte.

Hoffen wir, dass sich der Boden bis nächstes Jahr vom vielen Gehüpfe erholen kann, so dass wir auch im nächsten Jahr ein Serengeti-Festival erleben dürfen. Vielleicht ja dann ausnahmsweise mal ganz ohne Regen…?!
(MZ)

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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