Terrorverlag > Blog > B-TIGHT, MOTRIP, SIDO > SIDO – MOTRIP – B-TIGHT

Konzert Filter

SIDO – MOTRIP – B-TIGHT

151129-Sido-0

Ort: Bielefeld - Seidenstickerhalle

Datum: 29.11.2015

Heute Abend stellte sich (mir) folgende Frage: Ist der Höhenflug des ehemaligen Gangsta-Rappers gerechtfertigt? Um die Geschichte von vorne zu erzählen: Aufgrund von Erfahrungen in der Vergangenheit hielt ich trotz Dauerregens schon frühzeitig Ausschau nach einem Parkplatz und musste so noch ein paar Meter zur Halle laufen. Dort angekommen staunte ich nicht schlecht, als mir klar wurde, dass gut die Hälfte der riesigen Seidenstickerhalle abgetrennt war und somit gar nicht zum Einsatz kommen sollte. Noch merkwürdiger erschien mir allerdings die Tatsache, dass selbst der übersichtliche, zugängliche Teil der Halle nur sehr spärlich gefüllt war. War ich doch im Vorfeld fest von einer rappelvollen Halle mit 7.500 Besuchern ausgegangen… So kann man sich täuschen. Hier und heute waren es offiziell mal gerade gute 2.100 Besucher, die sehr verloren wirkten und sich diese lieblose Location durchaus hätten schenken können, hätte das Konzert einfach im 2.500 Leute fassenden Ringlokschuppen stattgefunden. So gewann ich jedenfalls den Eindruck, dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei SIDO eine beachtliche Lücke klafft. Das vielleicht erhoffte Mainstream-Publikum jedes Alters war jedenfalls nicht massenhaft an dem Bielefelder Konzert interessiert. Stattdessen dürfte der überwiegende Anteil der Besucher noch die Schulbank drücken und sich als pubertierender Jugendlicher bezeichnet wissen.

Pünktlich um 19.45 Uhr betraten jedenfalls B-TIGHT die Bühne, welche als passende Einheizer einen guten Job machten, wenngleich dieser bereits nach 15 Minuten wieder beendet war und der aktuelle Durchstarter MOTRIP samt Co-Rapper die Bretter der Seidenstickerhalle enterte und eine klasse Show ablieferte. Die bekannten – oft eingängigen – Radiohits wurden vom Publikum lauthals mitgesungen. Eigentlich schade, dass dem talentierten Libanesen lediglich eine Spielzeit von 20 Minuten zugestanden wurde.

Nichts desto trotz betrat SIDO nur kurze Zeit später unter viel Getöse die Bühne. Seine beiden DJs entzündeten bengalische Fackeln, während der Rapper im rauchigen Gegenlicht sein Publikum begrüßte, bevor er nach vorne auf die riesige Bühne stürmte. Alles in allem war das eine tolle Show, die er hier aufgefahren hatte. Neben der Pyrotechnik sollten ein stimmiges Lichtkonzept und riesige LED-Wände für ein eindrucksvolles Gesamtbild sorgen. Bereits die dritte Nummer der Setlist war dann ein kleines Highlight. Zusammen mit MOTRIP performte SIDO gekonnt den Song „Selfie“ vom aktuellen Album „VI“. Sein Auftritt mit Sonnenbrille, Aufforderung zum Kiffen und stetigem Griff an die Weichteile kokettierte ein wenig mit seinem ehemaligen Image, welches heutzutage aber Lichtjahre entfernt scheint. Nicht nur, dass der Chartstürmer inzwischen regelmäßig Duette mit bekannten „Schmusesängern“ aufnimmt – es ist auch ein Kind im Anmarsch. Insofern wirkt es manchmal schon ein bisschen lustig, wenn diese Kontraste hier vereint werden sollen. Mir gefällt der neue musikalische Stil deutlich besser als der einstige „Rüpel-Rap“, auch wenn ich mich sehr schwer damit tue, ihm das auch wirklich abzukaufen.

Im späteren Teil der Setlist sollen auch noch sämtliche Hits wie „mein Block“, „Fuffies im Club“, „einer dieser Steine“, „Bilder im Kopf“, das aktuelle „Astronaut“ sowie der berüchtigte „Arschficksong“ von ihm gerappt worden sein. Leider erlebte ich das nicht mehr persönlich mit. Da es vom Veranstalter die Ansage gab, die Kamera(s) nach dem dritten Song abzugeben oder ins Auto zu bringen, fiel das restliche Konzert für mich buchstäblich ins Wasser. Ich tue mich bekanntlich etwas schwer mit solchen Restriktionen und damit, meine teuren Geräte in fremde Hände zu geben. So entschied ich mich also für das Auto und war dort angekommen komplett durchgeweicht und vom heftigen Regen samt Orkanböen gezeichnet. An eine Rückkehr zum Konzert war jedenfalls nicht mehr zu denken. Zumindest die Bühnenshow hätte es verdient. Allerdings muss ich zugeben, dass zumindest der Beginn und das Verhalten des Künstlers hinsichtlich Image und Historie nicht ganz meinen Nerv getroffen hat. Aber das mag sich ja im weiteren Verlauf noch gegeben haben…

Copyright Fotos: Sascha Uding

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu B-TIGHT auf terrorverlag.com

Mehr zu MOTRIP auf terrorverlag.com

Mehr zu SIDO auf terrorverlag.com