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[:SITD:] – GRENDEL

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Ort: Berlin - K17

Datum: 27.03.2005

Nachdem das Berliner K17 durch die Berichte unserer Hauptstadt-Korrespondentin Helianthe schon fast legendären Status besitzt, kam ich an diesem Abend erstmals persönlich in den Genuss dieser Location. Wie schön, wenn man einen Besuch in der Metropole mit einem interessanten Konzert verbinden kann, und die beiden Elektro Acts [:SITD:] und GRENDEL versprachen das Attribut „interessant“ problemlos zu erfüllen. So erreichten wir ca. gegen 20 30 den mehrstöckigen Laden im Stadtteil Friedrichshain, vor dem sich bereits eine schwarze Schar in düsterer Erwartung befand. Allerdings verwunderten mich die „undergroundigen“ Extrem Metal Shirts, die von einigen Anwesenden (überraschenderweise auch viele junge Damen!) zur Schau gestellt wurden, zumindest so lange, bis klar wurde, dass auf einem anderen Floor 3 Schwarzheimertruppen herumlärmen wollten. Wir aber betraten die spartanische Main Hall, welche zu diesem Zeitpunkt noch komplett ausgestorben war. Die Electro Freaks hielten sich zumeist noch im Innenhof oder dem „Bar/ Merchandise Raum“ auf. Die Devotionalien vertickte der Bielefelder NoiTekk Labelchef Marco Gruhn, so dass Ostwestfalen in angemessener Stärke vertreten war.

Nach einer ausgiebigen Wartezeit war es dann gegen ca. 21 30 Uhr soweit und Jos, der GRENDEL Mastermind, betrat die recht hoch gelegene Bühne. Leider fehlte seine etatmäßige Keyboarderin Anita, die an diesem Wochenende ihren Geburtstag feierte und von ihren Eltern ein Wellness-Wochenende geschenkt bekommen hatte. Dafür fanden sich 2 nicht ganz unbekannte Herren hinter den synthetischen Tastengeräten ein, nämlich Kollegen der befreundeten Acts SERO.OVERDOSE sowie AGONOIZE. Letztere haben auch einen Remix des Titeltracks der neuen GRENDEL EP „Soil Bleed“ erstellt, leider war diese VÖ vorab noch nicht zu erwerben. Dafür wurde sie natürlich vor Ort sofort eingesackt. Jos, der privat wie der liebe nette Junge von nebenan rüberkommt, explodiert auf der Bühne geradezu. Mit einer fast bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Stimme brüllt der Mann seine aggressiven Vocals heraus, die mit dem harschen aber durchaus auch tanzbaren Elektro perfekt harmonieren. Nach einem kurzen Mikro-Ausfall zu Beginn gab es auch keine nennenswerten Probleme mehr, so dass der Mob heftigst zu pogen begann (Gruß an die Kampfsportgruppe „Vale Tudo Neubrandenburg“). Es wurde mehr als deutlich, dass ein nicht geringer Teil der Anwesenden eigens für den Niederländer angereist war und man hier kaum von einem Support Gig sprechen konnte. Dafür sprach auch die Spielzeit von deutlich über 60 Minuten, die einem Headliner würdig war: Klasse! Der einzige kleine Makel aus meiner Sicht war die – live – relative Gleichförmigkeit der Tracks, was es schwer machte, einzelne Titel herauszuhören. Besonders konnten jedenfalls der kleine Hit „End of Ages“, „Crucify“ von der „Prescription: Medicide“ und die Coverversion „Zombienation“ überzeugen, hier kam richtiges Rave Feeling auf! Ein absolut gelungener und sehr schweißtreibender Auftakt des abendlichen Aggro-Doppels.

Ich war sehr gespannt, ob die Jungs aus dem „Pott“ diesen hohen Stimmungslevel halten würden können. Nachdem ich Tom, Carsten und Francesco (welcher mittlerweile fest zur Band gehört) schon mehrfach auf Festivals gesehen hatte, freute ich mich endlich mal auf einen zeitlich „unbegrenzten“ Headliner Gig. Leider ist auch deren neue VÖ, die zweite Full Length „Coded Message: 12“, im Handel noch nicht erhältlich, wenngleich ich mich schon von der Klasse des Materials überzeugen konnte. Das führte dazu, dass man sich beim Zusammenstellen der Setlist doch eher auf die altbekannten „Hits“ konzentrierte und nur sporadisch was Neues einstreute. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel und so wurde gerade die aktuelle Vorabsingle „Richtfest“ sehr gut abgefeiert. [:SITD:] klingen nicht ganz so aggressiv wie der Opener, zumindest im Durchschnitt, und so sah man nun einige andere Leute beim archetypischen Elektro-Schwenktanz. Carsten – mal wieder mit Baggy Pants und Wollmütze sowie einem Shirt des „Elektronischen Hilfswerks“ – war von Anfang an begeistert über die Berliner Reaktionen, welche er zum Schluss als die bisher besten auf der Tour bezeichnete. Er wuselte mächtig auf der stockfinsteren Bühne herum, während seine Kollegen einige Backings beisteuerten. Das änderte sich natürlich bei den aufeinanderfolgenden „Venom“ und „Wake up“ (das obligatorische PZYCHO BITCH Cover), wo Tom nach vorne trat und mit einer erstaunlich fehlerfreien Performance seine Stimme zum besten gab, manchmal erinnert er dabei ein wenig an Ronan Harris. Carsten verschwand derweil von der Bühne, nur um danach noch energiegeladener zurückzukehren. Tracks wie „Lebensborn“, „Laughingstock“ oder das uralte „Hurt“ beweisen, dass die Westfalen keineswegs ein „One Hit Wonder“ sind, und wenn man noch das Material der neuen Scheibe dazunimmt, wird man live auch die 1, 2 eher durchschnittlichen Füllersongs eliminieren können. Jedenfalls wurde der Hauptteil der Performance begeistert gefeiert und es dauerte nur wenige Sekunden, bis man eine dreiteilige Zugabe einläutete. Zunächst war wieder Tom mit dem brandneuen „Relief“ am Zuge, bevor das ebenfalls neue „Wegweiser“ sein Potenzial als neuer Knaller im Set von [:SITD:] andeutete. Schluss und endlich war natürlich jedem einigermaßen kundigen Anwesenden klar, welcher Song des Abschluss des Reigens darstellen würde: Denn wenn man sich mit dem Teufel einlässt…

Jeder, der sich jedenfalls an diesem Abend mit den beiden Formationen eingelassen hatte, dürfte nicht enttäuscht gewesen sein. 2 mal Elektro an der Schwelle zur allerhöchsten Liga, die man bei weiterhin konstant guten Leistungen schon bald erreichen könnte. Derweil bestand auf den diversen Floors des K17 nun die Möglichkeit die erhitzten Körper fürderhin in Bewegung zu halten oder direkten Kontakt zu den beteiligten Musikern aufzunehmen. Erfolg UND Bodenständigkeit bedeuteten auch an diesem Abend wieder einen Erfolg auf ganzer Linie!

Setlist [:SITD:]
Intro
Richtfest
Brand of Cain
Lebensborn
Rose-Coloured Skies
Venom
Wake Up
Ascension
Hurt
Atomic
Laughingstock

Relief
Wegweiser
Snuff Machinery

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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