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SIVERT HØYEM – THE DEAD LOVERS

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Ort: Köln – Gebäude 9

Datum: 08.09.2014

Relativ kurzfristig kamen die Kölner und Münchner dieser Tage in den Genuss eines Besuches aus Norwegen. SIVERT HØYEM fand nämlich in seinem Tour-Kalender noch zwei unverplante Abende und beehrte daraufhin die Domstadt und die Bajuwaren-Metropole. Auch mein Kalender zeigte für den Wochenbeginn noch eine Leerstelle, die ich freudig mit dem Eintrag „SIVERT HØYEM -20.00 Uhr Gebäude 9“ füllte. Bereits im Juni hatte ich das Vergnügen, den Ex-MADRUGADA-Sänger mit neuem Material vom just erschienenen „Endless-Love“-Album live zu erleben und entsprechend vorfreudig fuhr ich Richtung Rheinland.

Dort glänzte man mit preußischer Pünktlichkeit, denn kaum hatte es am Dom 20 Uhr geschlagen, nahmen THE DEAD LOVERS die Stage in Beschlag. Das Duo aus Manchester und Berlin hatte sein Debüt „Supernormal Superstar“ im Gepäck und beschränkte sich bei der Instrumentierung seiner Songs auf Gitarre, Fußtrommel, Schellenkranz und Gesang. Mr. Wayne Jackson bearbeitete die Saiten zunächst bei zwei ruhigeren Stücken, bevor mit „Special K“ schnellere Kost auf dem Programm stand, die gemeinsam mit Lula vorgetragen wurde. Das Publikum zeigte sich durchaus angetan und ging für die frühe Stunde erstaunlich gut mit. Das freute auch die Hauptstädterin, die es vermutlich auch nicht so häufig erlebt, dass sich die Zuschauer fast schon am Bühnenrand drängeln und mal nicht auf Sicherheitsabstand gehen. Stilistisch boten die Zwei sehr coolen Vintage-Rock’n’Roll, der wahlweise ins Bein oder zu Herzen ging. Letzteres war zweifellos bei „The Storm“ der Fall, das vermittels Akustikgitarre performt und zu Recht mit jeder Menge Beifall bedacht wurde. Im Übrigen kamen THE DEAD LOVERS (die bisweilen noch um zwei weitere Mitstreiter ergänzt werden) sehr sympathisch rüber und wussten ihre 35 Minuten bestens zu nutzen. Da gab es neben Liedern für Verliebte und Alkoholiker auch schmissige Nummern zu hören, die allesamt als ideale Beschallung für lange Autofahrten durch die Nacht durchgegangen wären. Genannt sei an dieser Stelle das finale „Deep Depression“, das alles andere als schwermütig war und mit einem spanisch anmutenden Finale aufwartete. Ich war wohl nicht die Einzige, die gern noch ein bisschen mehr von den vor drei Jahren gegründeten DEAD LOVERS gehört hätte, behalten wir diese interessante Retro-Americana-Kapelle am besten weiter im Auge!

Setlist THE DEAD LOVERS (ohne Gewähr für die Reihenfolge)
Wayfaring Stranger
Shadows And Fears
Special K
Big World
The Storm
Lonely
Deep Depression

So, schnell den Umbau für den Hauptact des Abends erledigen und dann bitte ab durch die Mitte! Was soll ich sagen? Mein Wunsch wurde erfüllt, denn mit dem MADRUGADA-Song „Majesty“ legten Sivert und Co. gleich einmal einen grandiosen Start hin. „Give It A Whirl“ vom 2011er Solo-Album „Long Slow Distance“ schloss sich nicht minder druckvoll an und auch das leicht verschrobene „Red On Maroon” ließ die flirrenden Minimalsounds beizeiten explodieren. Der straighte Titeltrack „Endless Love“ vom aktuellen Silberling verortete den zweiten Gitarristen Christer Knutsen wieder an die Tasten, bevor Cheffe für „What’s On Your Mind?“ erneut zur Akustikklampfe griff. Die MADRUGADA-Nummern wurden vom Auditorium mit besonderer Begeisterung aufgenommen und nun ist dieser eher ruhige, sehr intensive Song aber auch wirklich ein ganz feines Schmankerl, bei dem die dunkle Stimme des Norwegers abermals hervorragend zur Geltung kam. Das geheimnisvolle „Blown Away“ wurde in kleiner Besetzung vorgetragen: Auf der nahezu dunklen Stage befanden sich Sivert an der E-Gitarre, Christer an den Keys und Børge Fjordheim hinter der Schießbude. Schließlich gesellte sich auch Gitarrist Cato Salsa hinzu, der beim folgenden „Ride On Sisters“ an allerhand Knöpfchen drehte. Ebenfalls ein unfassbar schönes Lied, was in gleichem Maße für „Into The Sea“ gilt, das als nächstes auf der Setlist vermerkt war und wieder in Sollstärke zum Besten gebracht und kräftig mitgeklatscht wurde. Nach diesem krachenden Track, ließ es „Görlitzer Park“ zunächst etwas ruhiger angehen, um dann bei gedrosseltem Tempo wieder Dampf zu machen. Øystein Frantzvåg verhalf diesem eruptivem Ereignis zu grummelnden Bassläufen par excellence und auch das rhythmusbetonte „Wat Tyler“ war ein echtes Grummelmonster, das Bewegung in die Konzertstätte brachte und von Høyem mit einem Mundharmonika-Part und einem kurzen Ausflug ins A-cappella-Fach veredelt wurde. Auch hier war der Lohn frenetischer Beifall und dass es auf der Bühne nicht nur bei „The Hour of The Wolf“ richtig rund ging, zeigt sich wohl auch daran, dass sich Sivert im Eifer des Gefechts die Zähne am Mikro anstieß und auch seine Setlist in Fetzen lag. Da war es wohl an der Zeit, etwas runterzukommen, weshalb der glatzköpfige Chefmelancholiker zur Akustischen griff und im Alleingang „Prisoner of The Road“ zu Gehör brachte – definitiv großes Kino, das mit kleinem Besteck auskam!

Damit war nach 75 Minuten der reguläre Konzertteil auch schon vorbei, doch SIVERT HØYEM hatte bereits angekündigt, dass auch noch eine Zugabe geplant sei – sofern sich seine Band nicht schon aus dem Staub gemacht hätte. Ein bisschen ließen sich die Herren zwar bitten, doch dann kehrten sie allesamt an ihre Arbeitsplätze zurück und schrammelten zu „Return To Nothing Special“ noch einmal nach allen Regeln der Kunst. „Where Is My Moon?” ließ ebenfalls keine Wünsche offen und war einer dieser Schmachter, die nur MADRUGADA und eben SIVERT HØYEM so hinbekommen (haben). In diesem Sinne schloss sich mit „The Kids Are On High Street” ein Stück (und Highlight) der norwegischen Indie-Ikonen an, die nach dem plötzlichen Tod von Gitarrist Robert Burås 2007 zwar noch das Album „Madrugada“ veröffentlicht, sich danach jedoch auf unbestimmte Zeit zurückgezogen haben. Nach einem weiteren kurzen Break folgte noch „Moon Landing“, vom gleichnamigen Longplayer aus 2009. Ein letztes Mal ging’s von Null auf 100, dann wurden die sichtlich verzauberten und enthusiastischen Fans nach 95 Minuten auch schon in die laue Septembernacht entlassen.

Ich hätte mir für die Rückfahrt noch die Platte der DEAD LOVERS besorgen sollen, vertrieb mir die Zeit auf der Autobahn jedoch stattdessen ebenfalls sehr kurzweilig mit wunderbarer SIVERT- HØYEM-Konservenkost und bin mir sicher, dass dies nicht sein letzte Konzert war, das ich genossen habe. Schade, dass München für mich doch so ein kleines bisschen zu sehr aus der Richtung liegt, wenn zeitlich nur ein abendlicher Abstecher drin ist…

Setlist SIVERT HØYEM
Majesty (MADRUGADA-Song)
Give It A Whirl
Red On Maroon
Endless Love
What’s On Your Mind? (MADRUGADA-Song)
Blown Away
Ride On Sisters
Into The Sea
Görlitzer Park
Wat Tyler
The Hour of The Wolf
Prisoner of The Road

Return To Nothing Special
Where Is My Moon?
The Kids Are On High Street (MADRUGADA-Song)

Moon Landing

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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