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SIVERT HØYEM – LUKE ELLIOT

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Ort: Hannover – Musikzentrum

Datum: 09.10.2016

Was kann man noch mehr von einem gelungenen Wochenende erwarten, wenn man es freitags mit einem temperamentvollen Gig der sympathischen BASEBALLS einläutet und es sonntags mit einer ebenso hochemotionalen wie druckvollen Darbietung von SIVERT HØYEM und seinen Mannen beendet? Gut, der langwierige Stau auf der A2 hätte nicht sein müssen, aber dafür war ich ja am Freitag trotz NRW-Ferienanfangs unbeschadet nach Dortmund gekommen. Und sagen wir es mal so: Für den Ex-MADRUGADA-Sänger, dessen sechste Solo-Platte „Lioness“ Anfang des Jahres rausgekommen ist, hat sich definitiv jeder Kilometer Umweg und jede Minute im Stau gelohnt!

Wobei ich schon ein wenig in Sorge war, den Support LUKE ELLIOT zu verpassen, doch letztlich stand ich überpünktlich vor der Bühne und musste so auch nicht mehr lange warten, bis der Amerikaner die Stage kurz nach 20 Uhr enterte und das Tasteninstrument von Christer Knutsen in Beschlag nahm. Auch der Herr aus den Staaten war nicht untätig und hat im Sommer sein Debüt „Dressed For The Occasion“ in die Plattenläden gebracht. Natürlich standen in den 35 Minuten, die Mr. Elliot zur Verfügung hatte, Songs von dieser Langrille im Mittelpunkt, die nicht nur am Klavier, sondern auch auf der Orgel und mithilfe einer Akustikklampfe vorgetragen wurden. Angefangen beim minimalistischen „People Like You“, das mit sonorer Stimme die Anwesenden erreichte, über die aktuelle Auskopplung „Trouble“ für die der Sechssaiter bemüht wurde und die Cover-Nummer „Reason To Believe“. „To Feel Your Love“ war zunächst auf einige (bisweilen recht schrammelige) Klavierakkorde und Lukes nöliges Organ beschränkt, wusste aber auch die Orgel geschickt einzubeziehen, ehe „Rain On Me“ zu großen Finale anhob. Anfang 2017 will LUKE ELLIOT mit seiner Kapelle nach Deutschland und insbesondere auch nach Hannover zurückkommen. Dann könnte ich überprüfen, ob die steile Falte auf der Stirn immer da ist, oder ein Zeichen für die ausgesprochene Konzentration des Solisten war, der vielleicht in der Umgebung seiner Band etwas entspannter ist. Auf jeden Fall verfügt der Mann aus New Jersey über ein extrem ausdrucksstarkes Organ und auch in Sachen Songwriting wusste er zu überzeugen.

Setlist LUKE ELLIOT
People Like You
Get Em While They’re Hot
Trouble
Reason To Believe
To Feel Your Love
Prayer For Saint Rita
Let It Rain On Me

Knapp eine halbe Stunde mussten sich die zahlreichen Fans, die vermutlich auch schon zu einem nicht unwesentlichen Teil bei MADRUGADA-Konzerten dabei waren (oder wenigstens das nötige Alter hatten), noch gedulden, dann war der Hauptact des Abends an der Reihe. Strubbelkopf Christer zog es zunächst an die Krachlatte, der er beim eröffnenden „The Boss Bossa Nova“ großartige Töne entlockte, während sich Bandleader Sivert zunächst auf den Gesang konzentrierte und mit seiner sonoren Stimme sogleich Männlein wie Weiblein in seinen Bann zog. Nachdem Herr Høyem und seine Begleitung Cato Salsa (Gitarre), Børge Fjordheim (Drums), Øystein Frantzvåg (Bass) sowie der bereits erwähnter Christer Knutsen (Gitarre & Keys) sich und ihr Publikum warm gespielt hatten, wechselte Knutsen für „Give It A Whirl“ ans Piano und griff Sivert zur Akustikgitarre, um es mit der aktuellen Single „Fool To Your Crown“ eine Spur ruhiger, aber keineswegs weniger intensiv angehen zu lassen. Spätestens mit dem MADRUGADA-Song „What’s On Your Mind“ war’s dann auch um das gesamte Auditorium geschehen – man kann sich dieser Naturgewalt, die da auf der Bühne wütet, halt schlichtweg nicht entziehen! Die Musik kroch einfach umgehend in alle Synapsen und zauberte ein begeistertes, mitunter leicht entrücktes Lächeln in jedes anwesende Gesicht. Wer da noch stillstehen konnte, musste schon ein sehr stoischer oder tauber Mitmensch sein! Visuell wurde das Ganze durch schwarzweiße Projektionen im Bühnenhintergrund unterstrichen und nachdem die Fotografen ihre ersten drei Songs geknipst hatten, wurde auch mit dem Licht gemalt. So geschehen beispielsweise beim ungewohnt beschwingten „First Day of Somersaults” vom ersten Solo-Longplayer „Ladies And Gentlemen of The Opposition“ aus 2004. Für das deutlich ernstere „Prisoner of The Road“ überließen Cato, Børge und Rudi den beiden Kollegen die Bühne, die gemeinsam einen eindrücklichen Song zur Flüchtlingsproblematik performten, ehe der Rest Mannschaft für das wunderbare „Into The Sea“ ins Rampenlicht zurückkehrte und die impulsive Nummer die Zuschauer zum Klatschen animierte. Mit „The Kids Are On High Street” und „Majesty” gab’s wenig später zwei weitere MADRUGADA-Highlights auf die Ohren, doch auch der „Sleepwalking Man“ hatte es in Sachen Gefühl und Drive in sich.

Wie im Flug waren 75 Minuten vergangen und die Band zog sich für einen kurzen Moment ins Off zurück, während auf dem Backdrop für alle, die noch nicht genau wussten, mit wem sie es den Abend über zu tun gehabt hatten, unübersehbar die Buchstaben H Ø Y E M prangten. Mit dem Titeltrack des aktuellen Silberlings „Lioness“ wollte es der Fünfer dann auch noch mal wissen und auch „Black & Gold“ ließ nichts anbrennen, bevor „Step Into This Room And Dance For Me“ leisere, sehr nachdrückliche und zwingende Töne anschlug. Mit „Silences“ folgte dann noch einmal die volle Gefühlsbreitseite und am Ende sorgte „Moon Landing“ für ein wahrlich fettes Finale!

Setlist SIVERT HØYEM
The Boss Bossa Nova
Belladonna (MADRUGADA-Song)
Give It A Whirl
Fool To Your Crown
What’s On Your Mind? (MADRUGAGA-Song)
First Day of Somersaults
The Riveria of Hades
Prisoner of The Road
Into The Sea
Görlitzer Park
Northwind
The Kids Are On High Street (MADRUGADA-Song)
Majesty (MADRUGADA-Song)
Sleepwalking Man

Lioness
Black & Gold
Step Into This Room And Dance For Me (MADRUGADA-Song)
Silences
Moon Landing

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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