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SÓLSTAFIR – SAHG – OBSIDIAN KINGDOM

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Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 13.11.2014

Island hat nicht mehr zu bieten als Geysire und Schafe? Weit gefehlt! Zwischen all dem Geröll rocken nämlich vier Kerle in allerbester Post-Metal-Manier: SÓLSTAFIR! Seit nunmehr 20 Jahren gibt es diese Kapelle, die ihre Anfänge im Viking Metal hatte, sich aber mehr und mehr Richtung Doom, Psychedelic und Post Metal entwickelt hat. Im August erschien das fünfte Studioalbum „Ótta“, mit dem das Quartett einen respektablen Platz 25 in den deutschen Charts erreichte und das natürlich auch live zum Vortrag gebracht werden muss. Zu diesem Zweck machten die Insulaner im gut gefüllten Bielefelder Forum Halt, begleitet von gleich zwei weiteren Kapellen, die den zahlreichen Besuchern vorab schon mal einheizten.

Den Anfang machten OBSIDIAN KINGDOM aus Barcelona, die wie SÓLSTAFIR beim Label Season of Mist beheimatet sind und seit Oktober ihren Re-Issue-Silberling „Mantiis-a Agony In Fourteen Bites“ in den Plattenläden haben. Seit 2005 steht bei den Spaniern ein Mix aus experimentellen Psych Rock und Post Metal auf dem Plan, der in Fünfer-Besetzung unters Volk gebracht wurde. Mit dem Opener „And Then It Was“ starteten die Herren zunächst gemächlich und auch der Schreigesang des Kollegen Rider G Omega wurde eher akzentuiert eingesetzt. Zur Begrüßung hatte der Herr auch ein paar deutsche Brocken parat, bevor „Last of The Light“ mehr Tempo machte und Keyboarder Zer0 Æmeour Íggdrasil mit ausdrucksstarken Bewegungsabläufen auffiel. Bisweilen wirkten seine Gesten ein wenig überzogen, aber da sich wenig später die gesamte Truppe (mal abgesehen von Drummer Ojete Mordaza II) auf die Knie fallen ließ, scheint dies einfach Teil der Bühnenshow zu sein, auf die sich der Tastenmann eben besonders gut versteht. Die Ostwestfalen hielten sich mit Beifallsbekundungen derweil noch zurück, was aber auch daran gelegen haben könnte, dass die Songs vielfach nahtlos in einander übergingen und das Auditorium aufmerksam abwartete, wie es weiterging. So wechselten dann auch jaulende Eierschneider mit wabernden Synthieflächen und perlenden Pianoakkorden, auf Gegrowle folgte cleaner Gesang und im großen Finale holten die Jungs auch noch einmal das große Besteck raus, um sich gegen Ende ihrer 35 Minuten amtlich auszutoben, was mit kräftigem Applaus belohnt wurde.

Setlist OBSIDIAN KINGDOM
And Then It Was (Oktopus Remix)
Last of The Light
Genteel To Mention
Awake Until Dawn (Necro Deathmort Remix)
Cinnamon Balls
Endless Wall
Fingers In Anguish
Ball-Room
And Then It Was

Nach einer 15-minütigen Umbaupause ging es auch schon mit dem zweiten Act des Abends weiter: SAHG aus Bergen in Norwegen übernahmen den Staffelstab mit „stoned & doomed Heavy Metal“ – wie sie ihren Musikstil selbst nennen. Olav Iversen (Vocals & Gitarre), Thomas Tofthagen (Gitarre), Tony Vetaas (Bass & Vocals) und Thomas Lønnheim (Schlagzeug) ließen es mit „Slip Off The Edge of The Universe“ gleich ordentlich im Karton rappeln und mit dem bluesigen Kopfnicker „Hollow Mountain“ kam langsam auch Bewegung in die Konzertstätte. Bei den Skandinaviern ging es durchaus straight, aber auch abwechslungsreich zur Sache, wobei man auf bewährte Songstrukturen zurückgriff, die halfen, die Lücke vor der Bühne zu schließen. SAHG waren heuer zum ersten Mal in der Leineweberstadt, wussten ihr Auditorium jedoch durchaus zu nehmen und hinterließen nach 45 Minuten mit Songs wie dem eingängigen „Ether“ oder dem druckvollen Temposünder „Pyromancer“ dann auch einen positiven Eindruck beim Publikum.

Setlist SAHG (ohne Gewähr)
Slip Off The Edge of The Universe
Firechild
Hollow Mountain
Repent
Ether
Pyromancer
Godless Faith
Echoes Ring Forever

Selbiges musste sich noch einmal ein Viertelstündchen gedulden, bis es um 22.20 Uhr endlich so weit war: SÓLSTAFIR enterten die Stage! Zunächst einmal kam Bassmann Svavar Austman auf die Bühne, die langen blonden Haare wie üblich zu Zöpfen geflochten, ehe auch der Rest der Combo seine Arbeitsplätze für die kommenden 100 Minuten einnahm. Der charismatische Fronter Aðalbjörn Tryggvason brauchte zunächst einen Moment, um seine Gesangsleistung zu optimieren, doch dann stand einem großartigen Konzert nichts mehr im Wege. Sæþór Maríus Sæþórsson agierte in der ihm eigenen stoischen Ruhe am Sechssaiter und Drummer Guðmundur Óli Pálmason sorgte hinter seiner Schießbude für das passende Rhythmusfundament des einzigartigen SÓLSTAFIR-Sounds. Das Hauptaugenmerk lag auf Liedern der jüngsten Langrille „Ótta“, die ebenso zu überzeugen wussten, wie alte Stücke wie beispielsweise „Köld“ vom gleichnamigen Longplayer aus 2009. Ein Höhepunkt war sicherlich die Performance zu „Rismál“, für die sich Aðalbjörn 20 Sekunden Stille ausbat, denn man startete a cappella und nicht nur deshalb war konzentriertes Zuhören angesagt. Die Fans lauschten auch wirklich gebannt, nur ein armer Wicht musste natürlich in diese besondere Stimmung reinquatschen, wurde von den Umstehenden jedoch sofort in seine Schranken verwiesen. Das großartige „Ótta” folgte auf dem Fuße und wurde vermittels Banjo-Klängen eröffnet, um dann nach allen Regeln der Kunst zelebriert zu werden. Gänsehaut war hier garantiert und so in Schwung gekommen, konnte auch „Þín Orð“ in gebührender Weise abgefeiert werden. Nicht nur für diesen fast schon Klassiker zu nennenden Track vom „Svartir Sandar“-Doppelalbum aus 2011 gab es verdiente Akklamationen, bevor der Herr am Mikro seinen Sechssaiter ablegte und stattdessen eine Uniformmütze aufsetzte, um vollends seine Poser-Qualitäten unter Beweis zu stellen und ausgiebig mit den Anwesenden zu flirten. Musik gab es dabei auch noch auf die Ohren: „Dagmál“ ging ohne Umwege ins Ohr und auch das nachfolgende „Náttmál“ zeugte von der besonderen SÓLSTAFIR-Klasse. Da durfte natürlich „Svartir Sandar“ nicht fehlen, das nach ein wenig Plauderei grandios intoniert wurde und gleichzeitig nach 75 Minuten das Ende des regulären Sets markierte.

Natürlich kamen die Nordmannen noch einmal ins wie gewohnt spärliche und eher diffuse Rampenlicht zurück und versprachen, noch weitere fünf Stunden zu spielen, wenn dafür das Merch leer gekauft würde. Nun, es wurde am Schluss ein 15-minütiger Nachschlag, der es mit Hits wie dem intensiven „Fjara“ und dem fulminanten „Goddess of The Ages“ absolut in sich hatte. Insbesondere die lautstark eingeforderte Finalnummer sorgte noch einmal für ein echtes Highlight, bei der einem Mädel in den vorderen Reihen sogar im wahrsten Sinne des Wortes der Mund offen stehen blieb. Fasziniert hing sie an den Lippen des Herrn Tryggvason, der seine Zuschauerschaft weiß Gott im Griff hatte und an diesem Abend zudem erstaunlich redselig war. Mehr muss man zur Qualität dieses Gigs wohl auch gar nicht sagen – es war einmal mehr ein ganz großes Vergnügen!

Setlist SÓLSTAFIR
Náttfari
Köld
Lágnætti
Rismál
Ótta
Þín Orð
Dagmál
Náttmál
Svartir Sandar

Fjara
Goddess of the Ages

Copyright Fotos: Oliver Janka

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