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SOPHIA, DER TOD UND ICH (SCHAUSPIEL)

170601-Sophia-Tod-Ich

Ort: Hamburg – Altonaer Theater

Datum: 01.06.2017

Was tun, wenn der Tod vor der Wohnungstür steht und verkündet, man habe nur noch drei Minuten zu leben? Die Frage hat sich THEES UHLMANN gestellt und in seinem 2015 erschienen Debütroman „Sophia, der Tod und ich“ beantwortet. Zumindest für den namenlosen Hauptdarsteller seiner erfolgreichen Erzählung. Als Spezialist für Literatur-Adaptionen hat jetzt das Altonaer Theater eine Bühnenfassung inszeniert, die am 30.04.2017 Premiere feierte.

Im Grunde handelt es sich bei dem Schauspiel (Regie: Hans Schernthaner) um ein Roadmovie, denn da es innerhalb der entscheidenden drei Minuten noch mal schellte, haute der bewährte Ablaufplan nicht mehr hin und „Er“ (Stephan Möller-Titel) blieb zunächst einmal am Leben. Jetzt galt es allerdings vorderhand einmal, der Ex-Freundin Sophia (Anjorka Strechel) zu erklären, wer der Aktentaschen-Typ im Anzug war, der da in der Wohnung des Altenpflegers stand. Nachdem die erste Verwirrung verflogen war, fand der Tod (Joseph Reichelt) großen Gefallen an der unverhofften Abwechslung zur ewigen Routine und genoss nicht nur sein erstes Bier, sondern auch den Ausflug zur Mutter (Hannelore Droege) seines Klienten, der schließlich in einer gemeinsamen Tour zum achtjährigen Johnny nach Süddeutschland gipfelte.

Keine Frage, dass diese Reise nicht ohne Zwischenfälle verlaufen konnte. Erstens, weil sogar der Tod einen Widersacher hatte, der ihm seinen Job abspenstig machen wollte, zweitens weil es bekanntermaßen immer ein nachhaltiges Erlebnis ist, bei Norman Bates zu übernachten. Hier mussten die vier Reisenden zwar nicht um ihr Leben fürchten, aber es was schon eine ganz besondere, weil letzte Nacht, die sie hier zusammen verbrachten. Diese Schicksalsgemeinschaft ging noch einmal aufs Ganze, weil sie wusste, dass das Ende unausweichlich war, denn am Schluss agierte der Tod dann doch mit der Präzision eines deutschen Beamten. Dafür konnte jedoch gemeinsam der teuflische Antagonist besiegt werden und Johnny und sein Vater waren immerhin kurz vereint.

Dass die Begegnung mit dem Tod nicht immer traurig, sondern durchaus urkomisch sein kann, lehrt uns das Stück auf wirklich unterhaltsame Weise. Klar, der Adidasjacken-Träger mit dem unentdeckten Herzfehler ist ein Schluffi, wie er im Buche steht, aber er schreibt seinem Sohn Johnny zumindest seit Jahren jeden Tag eine Postkarte. Sophia kommt zwar ziemlich ruppig rüber, aber natürlich verbirgt ihre große Klappe lediglich ein ebenso großes Herz. Deshalb wird selbstverständlich auch die selbstgemachte Erdbeermarmelade der Quasi-Schwiegermutter überschwänglich gelobt, während diese umgehend dem Charme von Morten de Sarg (ein schöner Name für den Tod) erliegt.

Der Theater-Fassung von „Sophia, der Tod und ich“ fehlt es nicht am Wortwitz der Buchvorlage des Musikers (TOMTE, THEES UHLMANN & BAND) und Label-Miteigners (Grand Hotel van Cleef), die Besetzung ist gut gewählt und das Bühnenbild rundet die Inszenierung gekonnt ab. Auf diese Weise erlebt der Zuschauer eine anarchische Tour de Force, die im besten Sinne todkomisch ist und einen gelungenen Theaterabend garantiert.

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