Terrorverlag > Blog > CRUSHING CASPARS, SUICIDAL TENDENCIES > SUICIDAL TENDENCIES – CRUSHING CASPARS

Konzert Filter

SUICIDAL TENDENCIES – CRUSHING CASPARS

070616-Suicidal-Tendencies-0.jpg

Ort: Hamburg - Markthalle

Datum: 16.06.2007

SUICIDAL FOR LIFE !!!

Endlich war die schier unendlich lange Zeit des Wartens vorbei. Nachdem ich SUICIDAL TENDENCIES das letzte Mal auf der Eastpak Resistance Tour 2003 gesehen hatte, bei der sich Sänger Mike Muir schwer am Rücken verletzt und dennoch die komplette Tour durchgezogen hatte, was dann leider zur Folge hatte, dass er nach schweren Operationen jahrelang nicht auftreten konnte, sollten die Helden meiner Jugend (ach was sag ich: ewige Lieblingsband) auf ihrer Europatour für genau einen Gig in Deutschland Halt machen. Das konnte ich mir natürlich auf gar keinen Fall entgehen lassen.

Nachdem ich den Tag relaxt mit einigen Besuchen bei Freunden, die in Hamburg wohnen, begonnen hatte, fand ich mich pünktlich um 20.45 Uhr in der ausverkauften Markthalle ein. Dort bekam meine Euphorie zunächst einen kleinen Dämpfer, als man mir mitteilte, dass ich zwar einen Fotopass hätte, natürlich auch die üblichen 3 Songs ohne Blitz fotografieren dürfte, aber bitte heute nicht aus dem Graben, das sei zu gefährlich. Über die Gefahren mit einer Kamera vorm Gesicht in einer zu SUICIDAL abgehenden Menge zu stehen wollte ich zu dem Zeitpunkt lieber gar nicht nachdenken, musste die Einschränkung aber wohl oder übel akzeptieren.

Zum angekündigten Konzertbeginn um 21 Uhr war die Markthalle eher mäßig gefüllt (trotzdem sie ausverkauft war), was sicher nicht nur am mangelnden Interesse an der Vorband CRUSHING CASPARS sondern ebenso an der zu diesem Zeitpunkt schon unglaublich heißen und stickigen Luft lag. Das verschaffte mir allerdings eine Menge Platz zum Knipsen. Die CRUSHING CASPARS aus Rostock bretterten dann auch gleich mächtig los. Geboten wurde von den Rostockern ihr selbsternannter „Baltic Sea hardcore“ in Anlehnung und als Augenzwinkern an die amerikanischen Hardcore-Sparten. Musikalisch bewegte man sich sicher in einer Schnittmenge von Bands wie SUICIDAL TENDENCIES bis MADBALL oder SICK OF IT ALL. Das gefiel zumindest dem Teil des Publikums, der sich schon in die Halle gewagt hatte (und auch mir) sehr gut und die ersten fingen schon einmal an sich warm zu springen. Die Band schaffte es im Laufe des Gigs die Stimmung kontinuierlich zu steigern und hatte dabei sichtlich Spaß an der Sache. Man machte auch keinen Hehl daraus, dass es ihnen eine Ehre war, das einzige SUICIDAL Konzert eröffnen zu dürfen und „outete“ sich gleich als größte SUICIDAL-Fans. Die wiederum hatten mit der Wahl ihrer Vorband an diesem Abend alles richtig gemacht.

Was nun kam, war eine viel zu lange und nervige Umbaupause. Das Equipment von SUICDAL stand komplett auf der Bühne, inkl. aller Boxen und einem kompletten und mit Mikros bestückten Schlagzeug. Normalweise hätte man den Kram der CASPARS von der Bühne räumen und SUICIDAL 10 Minuten später beginnen lassen können. Nur dauerte es Ewigkeiten, bis irgendwelche Kabel angeschlossen und wieder abgenommen wurden. Das Schlagzeug noch mal in Details anders eingestellt wurde, Wasserflaschen verteilt und umverteilt wurden usw. Die SUICIDAL FAMILY erwies sich hier als großer Nachteil, denn ich hatte wirklich das Gefühl, dass sich zu viele Leute darum kümmerten, die Bühne konzertfertig zu bekommen, wobei der eine scheinbar nicht wusste, was der andere tat. Eine Gitarre wurde dann auch gleich dreimal gestimmt. Das sorgte nach einiger Zeit in der mittlerweile proppenvollen Markthalle auch zunächst für laute SUICIDAL Sprechchöre und kurz danach für die ersten Pfiffe. Immer mehr Menschen drängten derweil in die Halle, die auf dieser Erde an diesem Abend sicherlich der einzige Ort war, wo man noch völlig ungeniert und ohne peinlich aufzufallen mit einem Bandana um die Birne rumlaufen konnte, was dann auch viele taten. Glücklicherweise steigt die Markthalle terrassenförmig zur Seite und nach hinten an, sonst hätte ich überhaupt keine Möglichkeit gehabt zu fotografieren, so konnte ich mir frühzeitig einen guten Platz sichern und verteidigen.

Endlich waren alle noch so unnützen Vorbereitungen abgeschlossen und die Band stürmte auf die Bühne und legte sofort mit einem Doppel aus „You can’t’ bring me down“ und „Trip at the brain“ mächtig los und sich richtig ins Zeug. Das Publikum ging ab der ersten Sekunde heftig ab und die getroffenen Vorsichtsmassnahmen, wie das Abkleben der Ecken der Absperrung zum Graben mit Handtüchern dürfte manch pogendem Fan einige blaue Flecke erspart haben. Unglaublich wie Cyco Mike über die Bühne rannte und sprang, als hätte er das Wort Rückenverletzung noch nie gehört. Auch der Rest der Band zockte voller Spielfreude und hatte sichtlich Spaß an den euphorischen Reaktionen des Publikums. Über den Rest der Band kann ich beschämenderweise nicht wirklich etwas sagen, wunderte ich mich mit einem neben mir stehenden Fan doch über den zweiten Gitarristen, den es meiner Erinnerung nach 2003 noch nicht gab, aber da kann man bei Interesse ja mal im Internet recherchieren ;-) Ich denke dem Rest des Publikums ging’s genauso wie uns, die Besetzung war egal, Hauptsache Cyco Mike und 100 Prozent SUICIDAL TENDENCIES. Und da gab es diesen Abend sogar noch ein Prozent extra drauf. Mittlerweile kochte die Halle und die Temperaturen erklommen ungeahnte Höhen, die Shirts waren kollektiv nass und das Publikum hatte eh nichts mehr zu verlieren und machte einfach noch mehr Party. Es war wirklich ein supergeiler Anblick, die Meute in der Mitte vor der Bühne rumspringen zu sehen, während der Rest auf den Terrassen an der Seite abgestuft am Bangen war. Aber mit der genialen Setlist, wo über „War inside my head“, „Send me your money“ dann mit „Lovely“ ein Klassiker den anderen jagte, konnte man schlicht nicht versagen. Dazu die genialen Ansagen von Mike, der z.B. froh war, dass er nicht George Michael ist, sich aber ärgerte, dass europaweit die SUICIDAL Plakate neben denen von George Michael hingen oder auch gern wiederholt nachfragen musste, ob man sich denn lovely fühle und nicht selten in seinen typisch geflüsterten Singsang verfiel, den man einfach geil findet, selbst wenn man nur die Hälfte versteht. Bei „Possessed to skate“ war ich dann froh, NICHT in der Mitte zu stehen, denn das wäre wirklich nicht ganz ungefährlich gewesen. Was für ein geiler Pit! Dann wurde es mit „How will I laugh tomorrow“ kurzzeitig etwas ruhiger, bevor man dann den absoluten Übersong und die Hymne der Band „Pledge your allegiance“ anstimmte und dazu genau soviel Publikum auf die Bühne holte wie irgendwie passte. Der erste Fan zog sein SUICIDAL Shirt aus und hielt es in die Höhe, viele machten es ihm nach, während der Rest abwechselnd ein „S“ und ein „T“ mit den Händen formte und lauthals mitgröhlte. Was für ein genialer Anblick, was für ein geiles Konzert und was für eine Erwartung gegenüber allen Bands, die versuchen, es live mit SUICIDAL TENDENCIES aufzunehmen. Bleibt nur zu hoffen, dass bald endlich Live-DVD und eine neue CD erscheinen und die Band dann eine ausführliche Europatour mit vielen Deutschland-Gigs hinterher schiebt!

Setlist SUICIDAL TENDENCIES (ohne Gewähr)
Can’t bring me down
Trip at the brain
War inside my head
Subliminal
Ain’t gonna take it
Send me your money
We are family
Lovely
Won’t fall in Love today
I saw your mommy
Possessed to skate
How will I laugh tomorrow
Cyco vision
Pledge your allegiance

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu CRUSHING CASPARS auf terrorverlag.com

Mehr zu SUICIDAL TENDENCIES auf terrorverlag.com