Terrorverlag > Blog > ALPHA BLONDY, ANDREW TOSH, ANTHONY B, ATHMOSPERE, BEN L'ONCLE SOUL, CE'CILE, CHE SUDAKA, CULCHA CANDELA, DUANE STEPHENSON, DUB À LA PUB, DUB INC, HECKERT EMPIRE, IRIE RÉVOLTÉS, JIMMY CLIFF, KARAMELO SANTO, LEE PERRY, MAX ROMEO, MELLOW & PYRO, SARA LUGO, THE BUSTERS > SUMMERJAM 2011

Konzert Filter

SUMMERJAM 2011

110701-Summerjam-2011-0.jpg

Ort: Köln - Fühlinger See

Datum: 01.07.2011 - 03.07.2011

Freitag

Zum 26. Mal fand an diesem 1. Juli-Wochenende das Summerjam-Festival am Fühlinger See in Köln statt. Unter dem Motto „Stand up for love“ waren wieder ca. 25.000 Reggae-Fans von nah und fern nach Köln gepilgert. Bereits am Freitag mittag waren die Straßen und Parkplätze brechend voll. Nur das Wetter schien sich zunächst nicht der sommerlichen Musik anpassen zu wollen. Dunkle Wolken verhüllten den Himmel und ließen anfangs nichts Gutes verheißen. Für die Festivalbesucher galt es nun einen geeigneten Zeltplatz rund um den See zu finden, was sich aufgrund der Masse an Besuchern als nicht so einfach herausstellte. Dichtgedrängt standen Zelt an Zelt, Pavillon und Planen-Überdachungen gegen den drohenden Regen. Bis direkt an den See und machmal mit den Schnüren im Wasser waren die Behausungen aufgebaut. Doch irgendwie fand dann irgendwo ein jeder seinen Platz und das Festival konnte beginnen.

Tat es aber zunächst einmal nicht. Denn der angekündigte Einlass von 14 Uhr verzögerte sich um mehr als eine halbe Stunde und es bildeten sich lange Schlangen, um über die schmale Brücke auf die Festivalinsel im Fühlinger See zu gelangen. Auf dem Gelände selbst herrschte noch emsiges Treiben, die letzten Dixis wurden an ihren Platz gefahren, die Händler bereiteten ihre Stände auf den Ansturm vor und aus den Wagen und Pavillons der Gastrononem drangen erste leckere Essensgerüche. Abwechslungsreich wie die Musik beim Summerjam gestaltete sich auch das reichhaltige Angebot an kulinarischen Leckereien. Neben den obligatorischen Pizza, Pommes und Dönerständen gab es vor allen Dingen afrikanisches und jamaikanische Essensstände, aber auch indische und asiatische Spezialitäten und vieles mehr.

Mit ca. 30-minütiger Verspätung startete dann auch das musikalische Programm des Summerjam. Auf der Green Stage machte sich SARA LUGO für ihren Auftritt bereit. Leider sah der Platz vor der Bühne noch etwas trostlos und leer aus, das sollte sich im Laufe des Auftrittes jedoch schnell ändern, denn immer mehr Festivalbesucher strömten auf die Insel und vor die Bühne, und von Song zu Song nahm der Applaus für die erst 23 (???) jährige Sängerin zu, die sich mit einer tollen Stimme und einer sympathischen Art schnell in die Herzen der Fans spielen konnte und so für einen gelungenen Auftakt sorgte.

Kurze Zeit später, etwa 30 Minuten zeitversetzt, startete dann mit DUB À LA PUB auch die Red Stage, die große Hauptbühne ihr Programm. Auch hier herrschte zunächst gähnende Leere, doch mit den ersten Tönen der Band kamen dann die Besucher und füllten nach und nach den Platz. Etwas ungünstig war an diesem Freitag, dass zum Teil die Bands auf beiden Bühnen parallel spielten und man sich oftmals entscheiden musste, welchen Gig man sich nun ansehen wollte. Dennoch musste an keinem der drei Tage eine Band vor leeren Plätzen spielen und die Zuschauer sorgten vor vollen Flächen vor beiden Bühnen.

Einen kleinen Wehmutstropfen mussten die Fans von JOHN HOLT am Freitag verkraften, dessen Auftritt musste leider kurzzeitig abgesagt werden und da er sich die Bühne und Backing-Band mit ANDREW TOSH teilen sollte, dessen Auftritt ebenfalls. Doch ANDREW TOSH kam dann kurzfristig vor TARRUS RILEY und DUANE STEPHENSON auf die Bühne und performte 3 Songs, unter anderem den durch seinen Vater bekannt gewordenen Hit „Johnny B. Goode“.

Auf der Red Stage legten ZIGGI, der nun unter seinem Namen ZIGGI RECADO agiert und später auch CE´CILE gewohnt gute Auftritte hin, bevor mit DUB INC dann die erste (für mich) große positive Überraschung anstand. Die Franzosen spielten eine gelungene Mischung aus Reggae, Dub und HipHop, hatten 2 unterschiedliche Sänger und liessen gekonnt orientalische und afrikanische Rhythmen und Melodien in ihre Songs einfliessen, was die Musik außergewöhnlich machte und aus der Masse vieler Reggae-Bands herausstechen liess. Ein erstes richtig großes Highlight an diesem Wochenende.
Den Abschluss des Freitags als sicherlich genau richtig besetzter Headliner machte PATRICE mit seiner Band den SUNPOWERS, der in Köln ein Heimspiel hatte und dieses gekonnt auszunutzen wusste. Empfand ich seine Show in Bielefeld auf der vorangegangenen Tour als etwas gebremst und müde, so war der Auftritt beim Summerjam das genaue Gegenteil. PATRICE gab richtig Gas und die Menge dankte es ihm und machte alles mit, sang und sprang und hatte sichtlich Spaß. Ein wirklich würdiger Abschluss dieses ersten Tages.

Samstag

Der Samstag startete dann mit der für mich grandiosesten Band des ganzen Festivals. CHE SUDAKA aus dem schönen Barcelona eröffneten den Haupttag und zeigten mit Bravour, wie man ein müdes und gerade aus den Zelten gekrochenes Publikum innerhalb von 10 Minuten wach und zum Tanzen kriegt und dann dafür sorgt, dass es für 75 Minuten durchtanzt und mitfeiert. Unglaublich agil zeigten sich die aus verschiedenen Lateinamerikanischen Ländern stammenden CHE SUDAKA. Und aus all diesen Ländern hatten sie musikalischen Einflüsse mitgebracht und in ihren Ska eingebaut. Auch das Zusammenspiel mit dem Publikum war vorbildlich. Die Mitsing-Parts wirkten nie krampfhaft oder erzwungen und waren perfekt in die Songs integriert. Große Pausen zwischen den Songs? Mit peinlichem Rumstehen bei langweiligen Ansagen oder Instrumente stimmen? Nicht bei CHE SUDAKA! Ein Song jagte den anderen und konnte die Stimmung des jeweils vorherigen noch einmal steigern. Passend dazu gab es Sonne und eine gehörige Portion Spielfreude, die sofort auf das Publikum übersprang. Applaus!

Gleiche Richtung, andere Band. KARAMELO SANTO aus Argentinien hatten die schwere Aufgabe die Stimmung oben zu halten, schafften dies aber auch gekonnt. Insgesamt gingen sie dabei etwas rockiger und punkiger zur Sache als CHE SUDAKA. Doch auch ihnen waren die Spielfreude und Erfahrung im Zusammenspiel mit dem Publikum durch ständiges Touren anzusehen (vor kurzem noch begeisterten sie die Normalos bei einem Gratiskonzert in der Terror-Hauptstadt Gütersloh).

Etwas Zeit zum Durchatmen gab es dann beim HipHop von ATHMOSPERE, bevor es dann mit IRIE REVOLTES wieder schneller wurde. Die Heidelberger sind bekannt für ihre schweißtreibenden Auftritte und ihren speziellen Mix aus Reggae, Dancehall, HipHop und vielen weiteren Einflüssen plus dem markanten Mix aus 4 Sängern in deutscher und französischer Sprache und die Truppe zeigte eindrucksvoll, viel Spaß eine Revolution machen kann. Laut forderte das Publikum mit der Band zusammen, sämtliche Atomkraftwerke sofort abzuschalten. Sympathie leicht gemacht.

Selbst Schuld, wer sich zu dieser Zeit bei SAMY DELUXE versteckt hatte. Oder sich dort nur schon einen guten Platz für die nun folgende und ausschnittsweise sogar in den Lokalnachrichten des WDR übertragene Show von MONO und NIKITAMAN gesichert hatte. Auch bei M+N gab es außer neuen Songs nichts wirklich neues. Live sind die beiden einfach eine Macht mit Partygarantie. Ein wirklich anstrengender Festivaltag, der an die Kondition des Publikums ging.

So langsam wünschte man sich auch etwas mehr Reggae auf dem Reggaejam. Und schon ging der Wunsch in Erfüllung, denn der Auftritt von ANTHONY B stand an und damit der erste große jamaikanische Artist. Bzw. sollte anstehen, denn ANTHONY B war gar nicht vor Ort sondern stand noch im Stau vom Hotel zur Bühne. Auf dieser standen derweil jedoch schon die komplette Band und Andrew Murphy, der auch in diesem Jahr wieder die Anmoderation der roten Bühne innehatte (auf der grünen Bühne tat es ihm übrigens Kollege GANJAMAN gleich). Irgendwann hatte dieser scheinbar keine Lust mehr zum Reden und fing kurzerhand – von ANTHONY Bs Band begleitet – an, BOB MARLEY-Klassiker zu performen, sehr zur Freude und unter großer stimmlicher Mithilfe des Publikums. So waren Band und Publikum warm, als ANTHONY B auf die Bühne gesprungen kam, sofort loslegte und das Publikum eine weitere Stunde in Atem hielt.

Danach wurde es ruhiger, aber nicht minder uninteressant auf der Red Stage, standen doch die Auftritte von ALPHA BLONDY und JIMMY CLIFF an, beides vom Publikum heiß ersehnte Legenden und mit großem Applaus empfangen. Gerade JIMMY CLIFF konnte als Headliner für Begeisterungsstürme sorgen, zum Beispiel, als er das altbekannte „You can get it if you really want“ anstimmte.

Währenddessen lieferten CULCHA CANDELA eine ganz andere Headliner-Show auf der grünen Bühne. Zwar konnten auch diese das Publikum überzeugen, dennoch wirkt die Band irgendwie immer unauthentischer und der Auftritt komplett durchgestylt und jede Bewegung choreografisch einstudiert. Was fehlte waren Spontanietät und… Gefühl. Das alles hatte an diesem Tag zumindest der Opener dem Headliner weit voraus.

Wer wollte, konnte sich natürlich auch nach Ende des Programmes auf der Insel noch im nahegelegenen Dancehall-Zelt bis morgens um 5 Uhr die Nacht um die Ohren schlagen, was auch stark in Anspruch genommen wurde.

Sonnntag

Da wurde das Aufstehen am nächsten Sonntag morgen nicht gerade einfach, doch auch an diesem Tag galt es nichts des Programmes zu verpassen. Nach einem ruhigen und sehr buntem Einstieg von MELLOW & PYRO (Mellow hatte sich komplett grün angemalt und PYRO kam blau und mit Vogel auf dem Kopf daher), wurde es etwas schneller und tanzbarer mit Deutschlands bekanntester Ska Band, den BUSTERS. Diese schafften es dann auch routiniert das Publikum zu bewegen und wach zu schunkeln.

Ein weiteres Highlight nicht nur dieses Sonntages, sondern des ganzen Festivals, war die nun folgende „Rentner-Show“ auf der Green Stage beginnend mit THE CONGOS. Ein Fronter, drei Background Sänger und zusammen geschätzte 300 Lebensjahre machte in der folgenden Dreiviertelstunde einfach nur einen Riesenspaß. Unglaublich wie agil die alten Herren über die Bühne sprangen, mit voller Inbrunst ihre Songs performten und sich dann hinterher auch noch Zeit nahmen, direkt am Zaun Fotos mit Besuchern zu machen und Autogramme zu geben.

Legendär ging es ohne Pause weiter mit MAX ROMEO, mit dem fast ein halbes Jahrhundert gelebter Reggae die Bühne enterte. Nun gut, ein paar wenige Jahre zum 50 jährigem Jubiläum fehlen noch, begeistern konnte MAX ROMEO dennoch, auch aber eben nicht nur durch Klassiker wie „Out of space“ und nicht ganz so mitreissend wie THE CONGOS.

Optisch auf jeden Fall das Highlight des Summerjam war dann LEE „SCRATCH“ PERRY, der übersäht und vollgepackt mit Stickern, Ketten und Gerümpel klappernd und scheppernd die Stage betrat. Auch hatte sich der 75jährige Bart und Haare knallrot färben lassen. Doch auch die musikalische Darbietung konnte sich auf jeden Fall sehen lassen.

Nach diesem Auftritt lehrte sich dann der Platz vor der Green Stage erstaunlich schnell und vor der Red Stage kriegte man keinen Fuß mehr auf den Boden. Das konnte nur eines bedeuten. Richtig: Der Auftritt von ZIGGY MARLEY stand an und unabhängig von seinem eigenen Schaffen sorgte natürlich alleine seine Abstammung für einen rappelvollen Platz. Doch auch, wenn ZIGGY MARLEY einige Songs seines Vaters zum besten gab, zeigte er dennoch mit einer Auswahl seiner bisherigen Veröffentlichungen sowie brandneuen Songs, dass auch er als Künstler ernstzunehmen und mehr als eben nur Sohn DER Reggae-Legende überhaupt ist.

Parallel kämpfte BEN L´ONCLE SOUL gegen die übermässig große Konkurrenz von ZIGGY MARLEY an, konnte aber mit einer energiegeladenen Show mehr als überzeugen. Ihm und seiner Band zuzuschauen machte einfach Spaß und man hätte sich gewünscht, dass beide Auftritte doch lieber zeitversetzt stattgefunden hätte um dieser Zwickmühle zu entgehen.

Nun standen noch die Headliner JOY DENALANE (Green Stage) und YOUSSOU N´DOUR (Red Stage) auf dem Programm, doch aufgrund der Heimreise musste diese für mich leider ausfallen. Bleibt festzuhalten, dass auch anno 2011 das SUMMERJAM ein echtes Highlight in der Festivallandschaft darstellte. Das lag zum einen an der genialen Location, zum anderen aber auch an der abwechslungsreichen Auswahl an genresprengenden und erweiternden Bands, die so bunt und abwechslungsreich wie das Publikum selbst waren.

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu ALPHA BLONDY auf terrorverlag.com

Mehr zu ANDREW TOSH auf terrorverlag.com

Mehr zu ANTHONY B auf terrorverlag.com

Mehr zu ATHMOSPERE auf terrorverlag.com

Mehr zu BEN L'ONCLE SOUL auf terrorverlag.com

Mehr zu CE'CILE auf terrorverlag.com

Mehr zu CHE SUDAKA auf terrorverlag.com

Mehr zu CULCHA CANDELA auf terrorverlag.com

Mehr zu DUANE STEPHENSON auf terrorverlag.com

Mehr zu DUB À LA PUB auf terrorverlag.com

Mehr zu DUB INC auf terrorverlag.com

Mehr zu HECKERT EMPIRE auf terrorverlag.com

Mehr zu IRIE RÉVOLTÉS auf terrorverlag.com

Mehr zu JIMMY CLIFF auf terrorverlag.com

Mehr zu KARAMELO SANTO auf terrorverlag.com

Mehr zu LEE PERRY auf terrorverlag.com

Mehr zu MAX ROMEO auf terrorverlag.com

Mehr zu MELLOW & PYRO auf terrorverlag.com

Mehr zu SARA LUGO auf terrorverlag.com

Mehr zu THE BUSTERS auf terrorverlag.com