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A SUMMER’S TALE 2017

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Ort: Luhmühlen - Eventpark

Datum: 02.08.2017 - 05.08.2017

Zum dritten Mal fand das A Summer’s Tale-Festival umgeben von Wald und Wiesen mitten in der Lüneburger Heide statt. Wobei die Beschreibung Festival unzureichend ist, so handelt es sich doch eher um eine Veranstaltung mit Eventcharakter oder doch eher um ein Familienevent mit Musik? Folgende Fakten verdeutlichen auf trockene Art und Weise die Gewichtung beim AST:
Gesamte Spieldauer Musik 62,5 Std.
Gesamtes Programm für Kinder 113 Std.
Gesamte Zeit Workshops 276 Std.

Die beste Beschreibung lieferte jedoch Konstantin Gropper von GET WELL SOON, der das Festival-Programm mit dem des Club Med verglich. Wie recht hatte er mit seiner Aussage, das man sich nach dem Festival besser fühlt als vorher! Morgens konnte man auf der Sommerwiese dank Qi Gong, Meditation und Yoga den Tag und sein inneres Ich begrüßen. Über den Tag verteilt ludt das Festival-Atelier zu Workshops ein und man konnte sich im Filzen, Schmuck basteln und Holzarbeiten versuchen. Im Wissenszelt gab es u.a. einem Comic-Crashkurs, Philosophie to go und eine Plattdeutsch-Anleitung.

So viel Input machte hungrig, und Foodtrucks luden mit regionalen Spezialitäten zum Essen ein. Neben Straußen-Bratwurst gab es Gurkensalateis aus Milch vom nahe gelegenen Bauernhof und natürlich Heidschnucke als Gulasch und in Wurst verpackt. Bioqualität hat seinen Preis und das spürte man im Geldbeutel. Natürlich gab es auch vegetarisches und veganes Essen, doch die Renner waren Pommes, Crêpe und Waffeln. Die Länge der Kloschlange stand in starker Konkurrenz zu der Warteschlange am Crêpestand.

Die Veranstalter waren auch sehr bemüht, die Natur mit einzubeziehen und so gab es als weitere Programmpunkte Kräuterwanderungen, Kanutouren, Fährtenlesen und Barfußwanderungen. Das Festival war wahrlich für Barfußläufer gemacht und viele nackte Füße kreuzten die Wege. Angenehm war auch der Verzicht auf die sonst so üblichen Chemietoiletten. Der Einsatz von Komposttoiletten in Kombination mit Räucherstäbchen beim Grünen Salon war erfolgreich und somit stand dem Lesegenuss nichts im Wege. Neben Lesungen von Nagel, Stevan Paul und Nele Pollatschek gab es für die Kleinen Elmar, den bunten Elefant.

Ein weiteres Augenmerk des Festivals lag auf den Kindern, so gab es neben entsprechenden Portionen an den Essständen auch tagsüber ein Kinderprogramm auf den Bühnen. Die Gigs von RANDALE und PELEMELE sorgten für Stimmung und reichlich Bewegung – und das nicht nur bei den Kleinsten! Bis 20 Uhr über konnten sich die Jüngsten im Kinderzelt und der Zwergstadt austoben, Jonglieren üben und den Hula Hoop Reifen kreisen lassen. Der Siebdruckstand der Millerntor Gallery und der Bastelbereich von Deerberg entpuppten sich als weitere Besuchermagneten für die ganze Familie.

Für Erwachsene gab es Weinseminare und Sommerrollen-Kurse. Der Designmarkt, wie auch der Festival-Merchstand, luden zum Shoppen ein. Für die Bequemlichkeit sorgte ein kostenfreier Shuttlebus zwischen Lüneburg und dem Festivalgelände. Auf selbigem gab es einen Gepäckshuttle und ein Komfortzeltplatzbereich mit Frühstücksbuffet und weiteren Annehmlichkeiten, wie einem reservierten Parkplatzbereich und eigenem Sanitärbereich.

Und genau, es gab ja auch noch Musik! Bereits am Mittwoch um 16 Uhr begann das Festival und zugleich gab es zwei bisher nicht angekündigte Konzerte von MATZE ROSSI und den INTERGALACTIC LOVERS. Die Nähe zu Hamburg merkte man in der Künstlerauswahl, so traten DIE STERNE sowie BERND BEGEMANN & DIE BEFREIUNG auf, HEINZ STRUNK stellte sein neues Buch „Jürgen“ vor und ROCKO SCHAMONI verwandelte die Waldbühne in eine große Sit-In-Party. Die Hamburger Türsteher-Kombo ZEIT FÜR ZORN gaben im Grünen Salon ihre Lesung.

A Summer’s Tale wird musikalisch vom Singer-/ Songwriter-Bereich dominiert. Allgemein kann man konstatieren, dass alle Auftritte HÖRENSwert waren, aber einige nicht sehenswert. Allen voran in dieser Kategorie CIGARETTES AFTER SEX. Auf der Bühne nur geschlossene Augen und der Elan der Bandmitglieder reichte vermutlich nicht bis zur Zigarette danach. Vor der Bühne ließen sich die Fans mit geschlossenen Augen durch die Musik hinfort tragen, wobei die Eltern doch immer ein Auge für ihren Nachwuchs offen hatten. Die Singer-/ Songwriter Riege mit DAN CROLL, ROCKY VOTOLATO, CONOR OBERST und THOMAS DYBDAHL unterstützte die chillige Festivalatmosphäre. Rotzig frech wurde es zu JUDITH HOLOFERNES mit ihrer unverkennbaren Stimme. Betrübt beschwingt begeisterten VON BRÜCKEN. Sympathisch zurückhalten, fast schon etwas verschüchtert, spielten sich DEAR READER in die Herzen der Zuhörer. Lebendig tough verstand die Multi-Instrumentalistin TASH SULTANA das Publikum mit ihrer Spielfreude mitzureißen. Mal mit Beatbox, dann wieder mit Gesang und ausgedehnten Instrumentalparts.

THE COMMON LINNETS brachten einen Hauch Country mit, und GET WELL SOON lieferten einen ordentlichen Auftritt und die beste Moderation ab. Den Regen und viel Spielfreude brachten BEAR’S DEN am Samstag auf die Konzertbühne und beschwingt wurde gegen den Regen angetanzt. Das Tanzbein schwingen konnte man beim Swing- und Madison-Workshop erlernen und das Gelernte dann zum Auftritt von ELECTRIC SWING CIRCUS gleich umsetzten. Selten sah man das Publikum energievoll vor der Bühne abgehen, sondern man lag oder saß auf der Decke und genoss den Wein, das gute Wetter, die Auftritte und die Atmosphäre. Weder wilde Kostüme, Crowdsurfer noch stark Betrunkene oder Müll störten das Gesamtbild.

Wer hätte gedacht, dass die Besucher einen noch überraschen konnten, denn zu dem Auftritt von JOHNOSSI brodelte es dann doch im Zelt. Auch beim Freitags-Headliner FRANZ FERDINAND ging die Post zu „No You Girl“ und „Do You Want To“ ab. Besonders die älteren Songs wurden gefeiert, wie auch beim Auftritt der STEREO MC’S. „Connected“ und „Step It Up“ sorgten hier insbesondere für Stimmung. Bei THE NOTWIST standen die Besucher bis draußen, um den Indiesound der aus Oberbayern stammenden Band im Zeltraum mitzuerleben. Die Veranstalter hatten ein fettes Line Up aufgestellt, so gaben die PIXIES und PJ HARVEY ihr jeweils einziges Deutschlandkonzert.

Die Geister schieden sich bei dem angesprochenen Auftritt der PIXIES. Einige feierten die Songs, für andere spielte die Band ihr Set einfach nur runter. Natürlich durfte „Where Is My Mind“ nicht fehlen und wurde gebührend gewürdigt. Wie sagte doch Sven Regener: Sagst Du Nichts, ist es falsch und sagst Du zu viel, ist es auch nicht richtig. Dafür hat Herr Regener neben humorvollen Ansagen auch ab und an den Faden verloren. PJ HARVEY legte eine intensive, reduzierte Inszenierung hin, die dem Fotografen neben mir schon beim Einmarsch der Musiker eine Gänsehaut bescherte. Druckvoll dräuende Songs vom neuen Album luden zum Zuhören und Nachdenken ein. Jubel gab es zu den alten Klassikern à la „Down By The Water“ oder „To Bring You My Love“.

Zart und engelsgleich am Klavier sah man BIRDY und sie entführte die Zuhörer und wagte sich u. a. an ein Cover von „Running Up That Hill“. Ein weiterer Headliner des Festivals war die Ausnahmekünstlerin FEIST. Auch hier ging es wieder eher in die ruhigen musikalischen Gefilde, aber mit mehr Ecken und Kanten als bei BIRDY. Wer noch wollte, konnte entweder beim Revolver Club oder bei der Shortfilm Session das Ende der Veranstaltung hinauszögern.

Das A Summer’s Tale ist in seiner Art einmalig und die Veranstalter haben ihr Konzept gelungen umgesetzt. Hoffen wir, dass sich dieses kleine feine Festival der ruhigen Art im Festivaldschungel durchsetzten kann. Es wäre schade, wenn es aus der Festivallandschaft verschwinden würde.

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

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