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TEMPEAU – DIE KAUM UNGLAUBLICHEN

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Ort: Duisburg - Hundertmeister

Datum: 11.02.2007

Und wieder mal zog es uns an einem Sonntag Abend magisch auf die Autobahn. Endlich sollte es mit einem TEMPEAU-Gig klappen! Nachdem wir Jan Plewka, Marek Harloff und Stephan „Stoppel“ Eggert vor ziemlich genau einem Jahr beim Bundesvision Song Contest in Wetzlar gesehen haben, kam es unglücklicherweise immer zu Terminüberschneidungen, wenn das umtriebige Trio im Terrorgebiet unterwegs war. Heuer stand einem perfekten Konzertabend nichts im Wege und so warteten wir auf den uns unbekannten Opener DIE KAUM UNGLAUBLICHEN, der die Stimmung unter den etwa 100 Anwesenden anheizen wollte.

Nach einer akademischen Viertelstunde betraten die vier Jungspunde aus Oberhausen dann auch recht pünktlich die Bühne des Hundertmeisters. Das Quartett legte sogleich mit ihrem Song „Gar nicht mal so gut“ ordentlich los und ließ es krachen. Sänger und Gitarrist Sebastian wurde dabei unterstützt von Simon an der zweiten Gitarre, Jan am Bass und Nico an den Drums, der sein Instrument auf einem Teppich mit aufgedruckten Straßenzügen positioniert hatte. Wahrscheinlich seinem kleinen Bruder aus dem Kinderzimmer geklaut… Weiter ging’s mit „Lächerlich“, bevor Sebastian das erste Mal das Wort ans Auditorium richtete und die Gelegenheit nutze, auf die Band-Homepage hinzuweisen. Hauptaugenmerk lag natürlich auf der Musik, die absolut professionell und mit sehr viel Spielfreude vorgetragen wurde. Wie bei „Kaffee“ drehten sich die meisten Songs um die ewig aktuellen Themen Liebe und Beziehungsstress, die mit treibenden Gitarrenriffs und heftigen Schlagzeugstakkati umgesetzt wurden. So begannen auch schon bald die ersten Damen zu tanzen und auf die Bitte, doch weiter nach vorn zu kommen, dann wär’s für alle noch viel schöner, gab es tatsächlich einen kleinen Ruck Richtung Stage. Zu „M-Stück“ gingen die doch recht zurückhaltenden Duisburger dann auch schon ganz manierlich mit und mit „Paranoia“ gaben auch DIE KAUM UNGLAUBLICHEN richtig Gas. Es folgte ein kurzer Hinweis auf die beiden Singles und Band-T-Shirts, die im Anschluss käuflich zu erwerben waren, zweifelsohne haben wir es hier trotz des jugendlichen Alters der Protagonisten nicht mit Anfängern zu tun. Davon zeugte besonders die musikalische Darbietung. Mit “Klara“ zeigten der Vierer sich etwas schmusiger, während mit „Unsichtbar“ das Tempo noch mal anzog und zum Schluss des halbstündigen Auftritts „Verzaubert“ noch mal in die Vollen ging. Ohne eine Zugabe wollte man die Nachbarn aus Oberhausen aus gutem Grund nicht gehen lassen, so dass noch zwei Zugaben gespielt wurden, bevor endgültig Schluss war und die Bühne für TEMPEAU geräumt wurde.

Nur wenige Minuten später enterte das Trio um Ex-SELIG Fronter Jan Plewka und den Schauspieler/ Synchronsprecher Marek Harloff (der demnächst in einer ARD-Produktion sein Vorbild Rio Reiser verkörpern wird) die wunderbar ausgeleuchtete Stage. Letztgenannter im klassisch weißen T-Shirt bearbeite links den Bass, während die kahlgeschorene Indie-Ikone die rechte Seite mit seiner Gitarre in Beschlag nahm. Dazu natürlich hinten etwas erhöht „Drum Gott“ Stoppel Eggert. Mit den beiden bisher erschienenen Platten „Tempeau“ (2005) und „Kein Weg zurück“ (2006) beschreiten die Herren aus Schleswig-Holstein leicht punkig angehauchte Indie Rockpfade mit überaus intelligenten Texten – Ist ja auch nicht anders zu erwarten bei den Biographien. Dabei teilen sich die Saitenzupfer die Gesangsparts in etwa zu gleichen Teilen. Die Anwesenden rückten nun ein wenig näher nach vorne, einige eingefleischte Fans in entsprechenden Shirts wurden gar richtig ausgelassen. Zunächst startete man mit 2 älteren Stücken, bevor mit „Unten am Hafen“ das erste Mal auf das aktuelle Album zurückgegriffen wurde. Eine schnörkellose Rockshow: Bass, Gitarre, Schlagzeug, druckvolle Tracks und hin und wieder ein paar nett-alberne Ansagen. Bei einer Konversation über die BEATLES erreichten Marek und Jan gar annähernd Suzie Kerstgens (KLEE)-Laberregionen, das Publikum reagierte entsprechend amüsiert. Musikalisch ragten insbesondere der Anti-Rechts-Track „Mädchen aus Greifswald“ (ohne übertriebenen moralischen Zeigefinger!) und der Bundesvision-Titel „Ein schöner Tag“ heraus, aber auch der Rest der Setlist enthielt keinerlei Tiefpunkte. Dafür aber eine brandneue Komposition aus dem Studio: „Wenn du an sie denkst“ bestand die Live-Feuertaufe mit Bravour, wird man dann demnächst auf dem Drittling mit nach Hause nehmen können.

Noch nicht ganz nach Hause ging es für alle Beteiligten dieses gelungenen Abends im Hundertmeister, denn TEMPEAU erfüllte die Zugabenwünsche mit 4 weiteren Stücken, darunter „Schönster Zufall“, „Geheimnis“ und zum Abschluss passenderweise „Vorbei“, bei dem Marek die Gitarre ergriff und Herr Plewka das erste Mal quasi nackt nur mit „Mikro“ seine verletzlichen Worte in die Zuschauerreihen hauchte. Es hatte sich definitiv gelohnt, diesen Sonntag Abend unterwegs zu sein…

P.S: Kleiner Spaß am Rande: Unten am Drumkit stand die ganze Zeit über eine Flasche Sagrotan direkt neben ner Köpi Buddel. Wir haben uns gefragt, was wohl passiert, wenn einer der Kollegen im Eifer des Konzertgefechts nicht so genau hinschaut… was für ein Rachenputzer…

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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