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TESTAMENT – DEW-SCENTED – BLEED FROM WITHIN

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Ort: Nürnberg – Rockfabrik

Datum: 17.03.2013

Es ist genau 19 Uhr, wir rollen auf den Parkplatz der Rockfabrik in Nürnberg und ich bin baff, so weit hinten hab ich hier bisher noch nicht parken müssen. Das verspricht eine volle Hütte. Und Konzerte machen ja bekanntlich am meisten Spaß, wenn da ziemlich viele Verrückte der gleichen Sorte das Gleiche tun wollen: Haare schütteln und Ohrensausen kriegen. Selbstredend liegt es am Headliner TESTAMENT, die den ersten Gig Ihrer am Vorabend in Italien gestarteten Europatournee in Deutschland ausgerechnet nach Metal Franken gelegt haben. Und ein ganz kleines bisschen liegt es vielleicht auch am geschickten Timing der Veranstalter, die den heimischen Metalfan am Nachmittag bereits zur Metalbörse lockten.

Egal, Hauptsache guter Sound. Das können dann Schlag 19 Uhr BLEED FROM WITHIN auch gleich unter Beweis stellen. Eine halbe Stunde haben die sympathischen jungen Schotten Zeit, die fränkischen Metal-Experten zum Erwerb ihres hoffentlich Anfang April erscheinenden neuen Albums “Uprising” zu bewegen. Ihre Mischung aus melodischem Death Metal und Metalcore unterstreichen sie dabei durch Synchron-Moshen und Posen wie zu allerbesten Priest-Zeiten. Warum sollte man nicht Stile mixen, bleibt ja eh in der Inselfamilie. Sieht dank der Haarpracht der Gitarrenhalter super aus, dient aber dem von Sänger Scott Kennedy gewünschten Circlepit weniger zum Vorbild. Ganze 3 Leute die sich im Kreis jagen, sind zwar ganz süß… Aber zurück zum Sound: Der ist fett, Höhen und Tiefen der Songs sind glücklicherweise beim Abmischen nicht in der digitalen Welt verschwunden und Scott Kennedy stellt trotz seiner schmächtigen Gestalt ein gehöriges Organ unter Beweis. Die Nominierung als Best New Band bei den Metal Hammer Golden Gods Awards kommt also nicht von ungefähr. Nur eins muss man den Schotten lassen: Das mit den Unterhosen sollten sie noch ein wenig üben: Weiße Liebestöter statt gar keine machen’s nicht unbedingt besser. Mehr Groupies gibt’s dann hoffentlich auch bald. Well done!

Eigentlich schaffen es DEW-SCENTED schon viel früher auf die Bühne als 19:50. Denn was man beim vorausgehenden Soundcheck so zu hören bekommt von den Herren höchstpersönlich, ist ein Mini-Vorgeschmack auf die dann startenden 45 Minuten kompromissloser “volle Kanne” Thrash Metal , vornehmlich des letzten Albums aus 2012 “Icarus”. Die Norddeutschen sind nach vielem Hin und Her und noch mehr widersprüchlichen Internetinfos nun anstelle von SHADOWS FALL dabei, die es vorgezogen haben, mal kurz mit ANTHRAX und dem Rest der Metal Alliance Tour in den Staaten zu touren. Schade eigentlich – aber wer nicht will. Jedenfalls schaffen DEW-SCENTED und allen voran Sänger Leif Jensen es innerhalb kürzester Zeit tatsächlich, die sonst so zurückhaltenden Franken (ich darf das schreiben) von der Theke vor die Bühne zu locken. Insbesondere zum SLAYER-lastigen “Storm within” sowie dem sich anschließenden “Thrown to the Lions” finden sich schnell erste Langhaarträger ein, bei denen sich Moshen auch wirklich mal lohnt. Die sorgen dann gleichzeitig für kühlere Luft, denn DS heizen ordentlich ein, machen Lust auf noch mehr Thrash und damit TESTAMENT. Und man glaubt es kaum, zum abschließenden Knaller “Acts of Rage” vom 2003 erschienenen Album “Impact” zirkulieren dann tatsächlich ein paar mutige vor der großen Bühne. Einziger Mini-Mü-Wehrmutstropfen: Leif Jensens auf allen Alben und sonst sowieso aggressive und präsente Stimme bleibt hinter der perfekt abgemischten Soundwand leicht zurück. Hat aber wohl kaum einer gemerkt…

So und jetzt sind wir mal gespannt, schaffen es TESTAMENT tatsächlich mal pünktlich auf die Bühne, die das aktuelle Cover des bis dato kommerziell erfolgreichsten Albums “Dark Roots of the Earth” noch bedrohlicher erscheinen lässt? Also, wer da nicht Lust bekommt, zu rocken, hat sein Metaller-Herz zu Hause gelassen. Und um 21:10 schleichen sie sich tatsächlich im Dunkel und zu den ersten Klängen von “Rise up” an den vermeintlichen Ort des Geschehens. Wer sich bis dato keinen Platz vor der Bühne in der Menge erkämpft hat, muss sich jetzt mitsamt Bier eben ganz hinten anstellen. Doch selbst aus der letzten Reihe ist Chuck Billy mit seinem giftgrün leuchtenden Mikro – einer Mischung aus Star Wars Laserschwert und Zauberstab – und natürlich aufgrund seiner beeindruckenden Gestalt bestens zu sehen. Mit eindrucksvoller Stimme schmettert er den Anwesenden “Rise up – War” entgegen, und man fragt sich wieder einmal, ob und wie er dieses Niveau den gesamten Gig lang halten will. Aber auch seine Kollegen rechts und links stehen ihm in nichts nach. Besonders Alex Solnick, seit 2008 Gott sei Dank wieder an Bord der Band, legt sich von der ersten Sekunde an unglaublich ins Zeug. Posed und spielt, als gäbe es kein Morgen und stiehlt Chuck damit das ein und andere Mal gehörig die Show. Doch das lässt sich Chuck nicht lange bieten und verteilt gleich zu Beginn mal lustig fast alle Plektren seiner Mitstreiter im Publikum. Während er sich zwischen Alex und den beiden Bassisten Greg Christian und Eric Peterson einreiht und auf seinem Mikrostab zum Luftgitarre-Spielen ansetzt. Ein Hit jagt den nächsten und spätestens beim 1. Song des aktuellen Albums “Native Blood” oder dem kurz darauf folgendem “Dark Roots of Earth” erliegt die Menge vollends dem Mix aus beeindruckender Lichtshow, die die Bühne analog Chucks Mikroständer-Waberlampe in Medusas giftgrüne Hölle verwandelt, fettem Sound und der Spielfreude der Trash-Helden. Ja die Jungs haben da oben ne ganze Menge Spaß und freuen sich wie ein Schnitzel, als es zu “Into the Pit” endlich endlich in den hart erarbeiteten Circlepit geht. Und es knallt weiter. Ohne Ohrenpause geht es über zu “Practice what you preach” und ein Monstersong jagt den nächsten. Chuck dirigiert mit seinem leuchtend grünen Mikro nach Belieben das Publikum und verteilt weiter fröhlich kleine Geschenke an die Menge. Viel zu schnell sind gute 1 1/2 Stunden Bay Area Trash – Highlight – Live Momente in Franken leider schon Geschichte und nach “The Formation of Damnation” – man will es nicht wahrhaben – ist das Geballer vorbei. Wohlverdienter langanhaltender Applaus und laute TESTAMENT-Rufe zollen den Jungs Respekt für diese Leistung. Fazit: Ein rundum gelungener Abend mit lauter Knalleffekten, einem durchweg für alle Bands großartigem Sound, einer beeindruckenden Lichtshow, gut gelaunten Metalgöttern und einem Publikum, dass diese Leistung ehrfürchtig zu schätzen weiß. Der erste Gig der Europatournee in Deutschland auf diesem Niveau lässt hoffen für den Rest der gespannten Metalgemeinde, die in den kommenden Tagen in den Genuss einer solchen Leistung kommen wird.

Vom Konzert gelernt: Im Alter wird man immer lauter. Chuck wird im nächsten Leben Lead Gitarrist oder wahlweise Zauberkünstler. Die Nackenstarre nach Konzerten in der Rofa nimmt aufgrund der Höhe der Bühne lebensbedrohliche Ausmaße an. ABER: Es lohnt sich!
Männeranteil: 80 %
Frauenanteil: 19%, Rest: man weiß es nicht genau…
Sound: Bombe
Bühne: Top Lichtshow, Super Bühnenbild, Monster Dums, alles vom Feinsten!

Setlist TESTAMENT
Rise Up
More Than Meets the Eye
Burnt Offerings
Native Blood
True American Hate
Dark Roots of Earth
Into the Pit
Practice What You Preach
Riding the Snake
Eyes of Wrath
Over the Wall
The Haunting
The New Order
D.N.R. (Do Not Resuscitate)
3 Days in Darkness
The Formation of Damnation

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