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THE BASEBALLS

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Ort: Hamburg – Docks

Datum: 08.11.2011

Nachdem ich meine letzte Gelegenheit, die BASEBALLS direkt vor meiner Haustür zu erleben, verpasst habe, reise ich Digger, Sam, Basti und ihrer Band jetzt hinterher. Nach Bonn und Freiburg stand heuer Hamburg auf dem Programm, wo die Wahlberliner ihre siebenwöchige Tour beenden wollten. Austragungsort war das Docks, das die Rockabillys erst vor wenigen Tagen vor ausverkauftem Haus in Grund und Boden gespielt hatten. Doch die Hansestädter wollten Nachschlag und so versammelten sich nicht nur knapp 1.300 Fans, sondern auch die BASEBALLS noch einmal in dem ehrwürdigen Gebäude auf der Reeperbahn. Seit inzwischen vier Jahren covern Sven Budja (Sam), Rüdiger Brans (Digger) und Sebastian Raetzel (Basti) äußerst erfolgreich und gekonnt bekannte Pop- und Rocksongs und verpassen ihnen ein neues Rock’N’Roll-Gewand. Die beiden Platten „Strike“ (2009 erschienen) und „Strings ’n’ Stripes“ (aus 2011) schafften es bis in die Top Ten und insbesondere die Skandinavier sind total wild auf den BASEBALLS-Sound. Kennengelernt haben sich die Jungs übrigens in der heruntergekommenen Küche eines Berliner Heavy-Metal-Proberaumbunker und nach einigen gemeinsamen Sessions waren THE BASEBALLS geboren.

Bei diesem letzten Gig bekam das Publikum zunächst einmal nur einen weißen Vorhang zu sehen, der sich erst um 20.20 Uhr zum Intro der vierköpfigen Begleitband lüftete, nachdem einige Schwarz-Weiß-Bilder von Digger, Basti und Sam zu sehen waren, die offensichtlich Ende der Fünfziger aus dem Knast ausgebrochen sind. Als Beweis stand ein verhüllter „Käfig“ auf der Bühne, der den Jungs als Zelle diente, aus der sie schnellstmöglich Reißaus nahmen, um mit „No Diggity“ den ersten Song zu performen. Mit „Hello“ sagte das charmante Trio energiegeladen Guten Abend und wurde seinerseits mit ausführlichen Akklamationen begrüßt, bevor dank „Bitch“ das erste Highlight der Show anstand, dem sich mit „Angels“ umgehend der nächste Kracher anschloss. Ehrensache, dass der flotte Dreier bei „Don’t Feel Like Dancin’“ nicht am sexy Hüftschwung sparte, wobei die Herren keinesfalls den Eindruck machten, als wollten sie nicht tanzen, während das Auditorium zu diesem Zeitpunkt schon noch etwas steif war und offensichtlich noch ein paar Aufwärmübungen brauchte. Zu diesem Zweck hatten die BASEBALLS ein paar – nach eigenem Bekunden – „blöde Spiele“ mitgebracht, die der Interaktion dienten und natürlich sangen auch die Hanseaten brav mit und produzierten Seifenblasen mit den entsprechenden Spendern, welche die Hauptprotagonisten des Abends zuvor in die Menge (sogar bis auf den Balkon!) geworfen hatten. So konnte das etwas ruhigere „I Do“ mit der entsprechenden Untermalung unzähliger Seifenblasen vorgetragen werden, ehe es mit „I’m Not A Girl, Not Yet A Woman“ flott weiterging. Zum Seufzen schöne Romantik war wenig später bei „Torn“ angesagt, womit der nächste Höhepunkt des Konzertes zu markieren wäre, aber auch die High-Speed-Nummer „Candy Shop“ konnte uneingeschränkt begeistern und bot den drei Männern an den Mikros einmal mehr Gelegenheit, unter Beweis zu stellen, was für coole Säue sie sind. Bei „The Look“ wurde das Docks beim „nächsten blöden Spiel“ zum riesigen Gospelchor und selbst die Technikleute machten enthusiastisch mit und erfreuten sich an der kleinen „Purple Rain“-Einlage, bevor es „Roll Thru The Night“ amtlich krachen ließ. Beim Instrumental von „Surfin’ Bee“ verschwanden die Fronter im Off und überließen Lars Vegas (Gitarre), Jan Miserre (Klavier), Klaas Wendling (Kontrabass) und Drummer Tomas Svensson die Stage. Das Quartett in weißen Hemden und roten Schlipsen groovte wie der Teufel und versammelte sich wenig später bis auf Tomas mit den drei Rampensäuen am Bühnenrand, um den Schmachter „Hard Not To Cry“ a cappella vorzutragen. Die „California Gurls“ versprühten derweil unplugged sowie mit Strandbar & Sonnenschirm gute Laune. Mitsamt seiner Handtrommeln kam auch Kollege Svensson an dieser Stelle nach vorn, während ein fleißiges Crewmitglied Cocktails für die Zuschauer mixte und zwei Securities mit großen meerblauen Stoffbahnen für die Illusion von Wasser sorgten. Zu „Let’s Get Loud“ kam ein neues Bühnenbild hinter dem bislang schwarzen Backdrop zum Vorschein, das neben der typischen Fifties- und Sixties-Aufmachung noch eine Leinwand beinhaltete, auf der beispielsweise die Auswahl der Damen festgehalten wurde, die bei „Hot N Cold“ mitsingen durften. Bis es soweit war, stand aber noch ein ganz anderes Ereignis an, denn zum fett groovenden „Follow Me“ wurden Jan und sein Keyboard zu getrennten Crowdsurfern. Beide trafen sich schließlich in der Mitte des Zuschauerraums und getragen von diversen Fanhänden spielte der smarte Pianist quasi über den Leuten schwebend ein paar Akkorde. Eine klasse Aktion, die dazu beitrug, dass sich das Docks langsam in einen Hexenkessel verwandelte. Nach „Tik Tok“ gönnte sich die Mannschaft eine kleine Auszeit, nur Tomas blieb hinter seiner Schießbude und wurde bei seinem fantastischen Schlagzeug-Solo von einer Kamera begleitet, die das Geschehen an den Fellen auf die Leinwand übertrug. Nachdem die komplette Truppe sich wieder auf der Stage eingefunden hatte, zeigten THE BASEBALLS SNOW PATROL, wo der Hammer hängt, denn deren „Chasing Cars“ wurde mit so viel Temperament vorgetragen, dass am Ende sogar das Klavier brannte. Grandios! Im Docks gab’s jetzt langsam kein Halten mehr und natürlich waren die Anwesenden auch beim eingeschobenen „Eisgekühlter Bommerlunder“ textsicher (so viel muss man sich da ja auch nicht merken). Selbst die Technikfraktion ging an der rechten Bühnenseite wieder extrem steil. Es war kaum zu übersehen, dass die Jungs ebenfalls viel Spaß hatten – scheint ne gute Tour gewesen zu sein… Schließlich stand jedoch endgültig „Hot N Cold“ auf dem Zettel und damit auch die beiden Mädels aus dem Publikum im Mittelpunkt. Der Song wurde selbstredend nach allen Regeln der Kunst abgefeiert und zählt nach wie vor zu meinen absoluten Favoriten. Fehlte noch „I’m Yours“, das ebenfalls uneingeschränkt zu gefallen wusste und mitsamt des Instrumental-Outros nach 105 Minuten das Ende des regulären Sets einläutete. Zuvor wurde aber noch die begnadete Band vorgestellt, wobei jedes Mitglied auch noch einmal mit Bild auf der Videowall gezeigt wurde.

Dort gab’s auch die ersten Hinweise darauf, was als nächstes auf der Bühne passieren sollte, denn nachdem zunächst die Band mit angeklebten schwarzen Schnäuzern wieder ihre Arbeitsplätze eingenommen hatte, sah man auch Digger, Basti und Sam mit entsprechenden Porno-Balken. Ergänzt wurde das neue Outfit um karierte Hemden und graue Sakkos – nicht zu vergessen die Saxofone, die wenig später bei „Never Ever“ zum Einsatz kamen. Mit von der Partie waren auch Teile der Crew, die allerdings zu aufblasbaren, grünen Pastikvarianten griffen. Ganz großes Kino, mit dem es die BASEBALLS noch mal gehörig krachen ließen. Den Mini-Striptease, der „Quit Playing Games“ begleitete, hätten sich einige Damen sicher gern etwas ausführlicher gewünscht, aber stattdessen tauschten Band und Fronter ihre Rollen und das Triumvirat begab sich an die Instrumente, während die Kapelle den Gesang übernahm. Keine Frage, dass auch „Umbrella“ abging wie Zäpfchen und es beim coolen „Born This Way“ ein letztes Mal zum ausgelassenen Massenhüpfen kam. Als letztes „blödes Spiel“ wurde die Zuschauerschaft zudem in drei Gruppen eingeteilt, um auf Kommando jeweils ein Wort des Songtitels zum Besten zu geben. Auch das klappte hervorragend; die Hamburger machten auch keinesfalls den Eindruck, als müssten sie zu diesen kleinen Aufgaben gezwungen werden.

Die BASEBALLS sind aber auch einfach hervorragende Entertainer und Musiker, sodass auch die 135 Minuten des Gigs wie im Fluge vergangen sind. Unter großem Applaus verabschiedeten sich die glorreichen Sieben schließlich von ihren Fans und sagten fürs Erste „Tschüs“, da wie bereits erwähnt, das heutige Zusatzkonzert der letzte Gig der Tour war. Noch ist das Jahr nicht vorbei und in meinem Kalender stehen noch einige vielversprechende Termine, aber diese Show hat die allerbesten Chancen, mein Konzert 2011 zu werden. Vielen Dank für dieses überragende Highlight, Jungs!

Setlist
Intro
No Diggity (BLACKSTREET)
Hello (MARTIN SOLVEIG & DRAGONETTE)
Bitch (MEREDITH BROOKS)
Angels (ROBBIE WILLIAMS)
Don’t Feel Like Dancin’ (SCISSOR SISTERS)
I Do (COLBIE CAILLAT)
I’m Not A Girl, Not Yet A Woman (BRITNEY SPEARS)
Torn (NATALIE IMBRUGLIA)
Candy Shop (50 CENT)
The Look (ROXETTE)
Roll Thru The Night
Surfin’ Bee (Instrumental)
Hard Not To Cry
California Gurls (KATY PERRY)
Let’s Get Loud (JENNIFER LOPEZ)
Follow Me (Uncle Cracker)
Tik Tok (KESHA)
Drum Solo
Chasing Cars (SNOW PATROL)
Hot N Cold (KATY PERRY)
I’m Yours (JASON MRAZ)
Outro

Never Ever (ALL SAINTS)
Quit Playing Games (BACKSTREET BOYS)
Umbrella (RIHANNA)
Born This Way (LADY GAGA)

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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