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THE BASEBALLS

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Ort: München – Philharmonie

Datum: 19.12.2012

Basti, Sam und Digger stehen nach eigenem Bekunden total auf Weihnachten, was ist da nahe liegender, als ein Weihnachtsalbum aufzunehmen? Selbiges ist unter dem Titel „Good Ol’ Christmas“ gemeinsam mit der Neuen Philharmonie Frankfurt geschehen und weil die BASEBALLS ihre Fans nicht nur vermittels Konserve in die guten alten Fünfziger und Sechziger entführen wollten, sind sie mit ihren weihnachtlichen Lieblingsliedern, der BASEBALLS-Band und dem 20-köpfigen Orchester auch gleich noch auf Tour gegangen. Letzte Station der kleinen Konzertreise war die ehrwürdige Philharmonie in München, wo sich kurz vor Heiligabend ein letztes Mal der Rock’N’Roll und die besinnliche Weihnachtszeit die Hand gaben.

Die für BASEBALLS-Verhältnisse eher ungewöhnliche Location präsentierte sich um 20.00 Uhr mit etwa 1.500 Besuchern gut gefüllt; die Ticketpreise zwischen rund EUR 45,00 und EUR 65,00 hatten die Fans ganz offensichtlich nicht abgeschreckt und auch der anfänglichen Aufforderung aus dem Off, sich ruhig zu verhalten, weil die Aufnahme begänne und schließlich zu applaudieren, kam man gern nach, während das Orchester und die BASEBALLS-Band ihre Plätze einnahmen und am Ende auch die drei Hauptprotagonisten des Abends in schicken dunklen Anzügen die Bühne enterten. Mit „Let It Snow“ starteten die Voc’n’Roller ihr Set deutlich ruhiger als üblich, aber die erste Hälfte gehörte ja auch der besinnlichen Weihnachtszeit und war den Songs des bereits erwähnten Silberlings vorbehalten. Mit „Little Drummer Boy“ kam jedoch schon Schwung ins Geschehen, was mit viel Beifall bedacht wurde, während sich die Münchner ansonsten eher zurück hielten, aber so ist das bei bestuhlten Veranstaltungen und wenn dann noch solche Schmachter wie „Have Yourself A Merry Christmas“ mit einem Meer voller Streicher kommen, findet auch auf der Stage vergleichsweise wenig Bewegung statt. Das kennt man von Basti, Sam und Digger nicht unbedingt und so ging es mit „Driving Home For Christmas“ ebenso nahtlos wie mitreißend weiter. Basti bewies im Anschluss Moderations-Qualitäten, die eines Florian Silbereisens würdig gewesen wären, als er den folgenden Song mit einem „Diese Zeit war ein wunderbarer Traum und so heißt auch das nächste Stück“ ankündigte. Die Rede war vom feinem „Wonderful Dream (Holidays Are Coming)“, das vom fetten „Rockin’ Around The Christmas Tree“ abgelöst wurde. Das knackige Klavier von Jan Miserre vertrug sich bestens mit dem Orchester unter der Leitung der in München aufgewachsenen Babsi, die sich freute, einmal nicht im obersten Rang in der letzten Reihe zu sitzen, sondern selbst im Rampenlicht zu agieren. „Ring Ring (A Lovely Sound)“ zeigte sich rhythmusbetont, während Digger feststellen musste, dass die erste Reihe beim Singen des „Ring Rings“ mit erheblicher Heiserkeit zu kämpfen hatte, weshalb zumindest für eine Zuschauerin Tee geordert wurde. Ein paar Erkältungsspäßchen später prangten im Hintergrund weiße Sterne auf blauem Grund, um das „Winter Wonderland“ optisch in Szene zu setzen. Nachdem Lars Vegas an der Gitarre und Jörg an der Trompete in die Vollen gegangen waren, endete diese Nummer in einem amtlichen Hüftschwung-Finale von Sam, das natürlich mit jeder Menge Gekreische und Applaus bedacht wurde. „Father To A Child“ ließ es da ohne die BASEBALLS-Band deutlich ruhiger angehen und animierte ein paar jugendliche Fans mit Nikolausmützen dazu, die Feuerzeuge zu recken, was allerdings in der Philharmonie nicht gern gesehen wurde. Wie wir wenig später von Digger erfahren durften, ist für ihn Weihnachten der Geruch von Clementinen, wenn diese unlängst in einem warmen Taxi mit Ledersitzen vom Kutscher verspeist worden sind. Wahrscheinlich fährt er über die Feiertage einfach ein bisschen durch die Gegend… Vorher stand aber noch die BASEBALLS-Nummer „Hard Not To Cry“ wie immer inklusive Gesang der Band auf dem Programm – mit dem Unterschied, dass Drummer Tomas Svensson nicht mit nach vorn kam, sondern tatenlos hinter seiner Schießbude verharrte und dass der Vortrag nicht a capella, sondern mit Orchester-Unterstützung vonstatten ging. Ganz offensichtlich inspirierte Basti die Studioatmosphäre in der Philharmonie zu ganz ungewohnten Moderationen, für die er sich eigens entsprechende Kärtchen zugelegt hatte – vermutlich um die Namen von Oliver und Paola nicht zu vergessen, die ihren Hochzeitstag bei den BASEBALLS feierten und mit einem Blumenstrauß bedacht wurden. Ein Blumengebinde erhielt auch Susanne Grashoff, die nach langen Jahren bei der Plattenfirma Warner ihren Abschied nahm und dank „Dry Your Tears“ mit einem Himmel voller Geigen geehrt wurde. Mit „Jingle Bells“ und „Holy Night“ standen derweil zwei Lieder auf dem Zettel, ohne die der Heilige Abend undenkbar ist und auch „Rudolph, The Red-Nosed Reindeer“ hat inzwischen seinen festen Platz unter deutschen Weihnachtsbäumen. In der Philharmonie übernahm Bläser Björn in entsprechender Aufmachung die Rolle des Rentiers und wurde vom Auditorium vermittels lauter „Hey Rudi“-Rufe bestens unterstützt. Einzig Diggers Versuche, aus einem Handtuch ein Rentier zu knoten, scheiterten, was unter ausgiebigem Geschimpfe auf die mangelhafte Größe der Frottierwaren geschoben wurde. Damit endete dann nach einer guten Stunde der besinnliche Teil des Abends nicht ganz so besinnlich.

Das Publikum wurde zu Sekt und Brezeln in die Pause geschickt, um 25 Minuten später gut gestärkt in den treibenden Part einzusteigen, der von einem lauten „Rock’N’Roll“ aus dem Zuschauerraum eingeläutet wurde. Die drei Jungs begrüßten im neuen, etwas weniger feierlichen Outfit ihre Fans mit einem knackigen „Hello“, das sogleich kräftig mitgeklatscht wurde. Beim swingenden „Angels“ hielt es dann die ersten nicht mehr auf ihren Stühlen und auch ihr Sangestalent wussten die Bayern bei dieser klasse Nummer unter Beweis zu stellen. Um die Crowd endgültig von den Sitzen zu reißen, wurde zunächst Magdalena (die ausgerechnet heute ihren 16. Geburtstag hatte) aus der ersten Reihe auf die Stage geholt und die restliche Meute ebenfalls aufgefordert aufzustehen. Nach der formellen Anrede im ersten Teil war man inzwischen auch wieder beim vertraulichen „Du“ angekommen – „schließlich sei man ja nicht auf einem Weihnachtskonzert“ hieß es, bevor ausgiebig zu „Let’s Get Loud“ geschnippt wurde und das„Hit The Road Jack“-Snippet lautstark mitgesungen wurde. Da hielt es sogar das Orchester nicht mehr auf seinen Sitzen und auch das folgende „Follow Me“ ging umgehend auf die Hüften und wurde mit reichlich Beifall bedacht. Das nächste Highlight war mit der Aufforderung verbunden, die Feuerzeuge rauszuholen und das, obwohl die Jungs sich selbst Gedanken machten, ob selbiges in der Philharmonie überhaupt gestattet sei. Die dienstbaren Geister zeigten sich jedoch großzügig und so erhielt der NATALIE-IMBRUGLIA-Track, der mitsamt Orchester ein wenig getragener ausgefallen war als das Original und die BASEBALLS-Bearbeitung den gewünschten optischen Rahmen. Für das treibende „Candy Shop“ erstrahlte derweil der Hintergrund in bunten Regenbogen-Farben und auch bei „The Look“ war an keine Verschnaufpause zu denken. Vielmehr verpasste das Trio dem Song mithilfe des Publikums ein Gospelgewand, bevor „Never Ever“ mit rasanten Klavier-Akkorden temporeich nachlegte. Während sich das Auditorium um die „Shake Baby Shake“-Gesänge kümmerte, griffen Sam, Basti und Digger zum Saxofon und ernteten natürlich abermals Beifallsstürme. Mit dem abgefeierten „Umbrella“ und jeder Menge Weihnachtswünsche endete schließlich das reguläre Set um 22.15 Uhr, doch die zahlreichen Zugabe-Rufe, Pfiffe, Schreie und das unermüdliche Klatschen lockte die Musiker zurück auf die Bühne, wo den Mitgliedern des Crossover-Orchesters (die Neue Philharmonie Frankfurt macht häufig gemeinsame Sache mit der sog. „U-Musik“) plötzlich ein Schnurrbart gewachsen war. Diese Schnottenbremse diente als Gedächtnisbart für einen großen Schlagzeuger des ZDF, dessen Name mir allerdings nicht einfallen will und dessen Identität auch nicht gelüftet wurde. Fest steht auf jeden Fall, dass „Born This Way“ nach allen Regeln der Kunst abgefeiert wurde. D.h. es wurde gemeinsam gesungen, geklatscht und gesprungen und natürlich durfte auch die Dreiteilung des Publikums nicht fehlen. Nur bekamen die Zuschauer kurz vor Weihnachten nicht die Worte „Born“, „This“, „Way“ zur Aufgabe, sondern anlassbezogen“ „Christ“, „Mas“, „Punsch“. Diese Umstellung stellte die lernfähigen Fans jedoch vor keine große Herausforderung, weshalb gemeinsam ein knackiges Finale begangen wurde. Getoppt wurde das Ganze nur noch vom dann doch wieder sehr besinnlichen „Silent Night“, für das sich das Auditorium erneut setzte und sich die BASEBALLS-Band (außer Tomas) ein weiteres Mal ans Mikro begab. Auf diese Weise verabschiedeten THE BASEBALLS ihre Fans nach 2 ½ Stunden mit viel Gefühl in die Weihnachtstage und versprachen für 2013 ein Wiedersehen. Dann wohl wieder eher mit treibendem Rock’N’Roll, wobei die Weihnachtssongs ja ebenfalls ein vergleichsweise rockiges Gewand erhalten hatten. So richtig rund geht’s bei den BASEBALLS allerdings, wenn sie ihre Hüften kreisen lassen – das ist es auch, was die Fans sehen wollen und bestimmt auch im kommenden Jahr wieder auf die Mütze bekommen.

Setlist
Let It Snow
Little Drummer Boy (Traditional)
Have Yourself A Merry Little Christmas (FRANK-SINATRA-Cover)
Driving Home For Christmas (CHRIS-REA-Cover)
Wonderful Dream (Holidays Are Coming) (MELANIE-THORNTON-Cover)
Rockin’ Around The Christmas Tree (BRENDA-LEE-Cover)
Ring Ring (A Lovely Sound)
Winter Wonderland
Father To A Child
Hard Not To Cry
Dry Your Tears
Jingle Bell Rock (BOBBY-HELMS-Cover)
O Holy Night (Traditional)
Rudolph, The Red-Nosed Reindeer

Hello (MARTIN SOLVEIG & DRAGONETTE-Cover)
Angels (ROBBIE-WILLIAMS-Cover)
Let’s Get Loud (JENNIFER-LOPEZ-Cover – mit “Hit The Road Jack”-Snipped)
Follow Me (UNCLE-KRACKER-Cover)
Torn (NATALIE-IMBRUGLIA-Cover)
Candy Shop (50-CENT-Cover)
The Look (ROXETTE-Cover)
Never Ever (ALL-SAINTS-Cover – mit “Shake Baby Shake”-Snipped)
Umbrella (RIHANNA-Cover)

Born This Way (LADY-GAGA-Cover)
Silent Night (Traditional)

Copyright Fotos: Martin Wackerzapp

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