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THE BOSSHOSS – DICK BRAVE & THE BACKBEATS – KITTY, DAISY & LEWIS

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Ort: Köln – Tanzbrunnen

Datum: 24.08.2012

Nachdem am letzten Wochenende noch krachende Langäxte meine Tage und Abende bestimmten, ließ ich es heuer etwas nostalgischer angehen, was allerdings nicht bedeutete, dass es auf der Bühne weniger knackig zur Sache ging als zuvor beim AREA 4. Sogar die Strecke, die ich zurücklegte, um zu meiner ersten Konzertstätte am Freitagabend zu gelangen, war auf den ersten gut 50 Kilometern identisch, dann zog ich jedoch an Dülmen vorbei und kämpfte mich im dichten Verkehr durchs Ruhrgebiet, um pünktlich am Kölner Tanzbrunnen einzutreffen, wo es bereits um 18.00 Uhr mit dem ersten Act losgehen sollte. Auf dem Programm standen neben dem Opener KITTY, DAISY und LEWIS aus London noch der aus den kanadischen Wäldern wieder aufgetauchte DICK BRAVE und seine BACKBEATS, sowie die Spree-Cowboys THE BOSSHOSS, deren namensgebenden Fronter Boss Burns und Hoss Power spätestens seit ihrer Jurorentätigkeit für die Castingshow „The Voice of Germany“ einem breiten Publikum bekannt sind.

KITTY, DAISY & LEWIS

Den Anfang machten die drei Geschwister Durham, die sich seit 2002 dem Sound der 40er und 50er Jahre verschrieben haben. Um die Familie komplett zu machen, waren auch Mutter Ingrid Weiss (Kontrabass) und Vater Graeme Durham (Gitarre) mit von der Partie, als Töchterchen Kitty hinter der Schießbude Platz nahm und ihre Schwester Daisy in die Tasten griff und den Gesang beim groovenden Opener „I’m Going Back“ übernahm. Währenddessen bearbeitete Lewis die sechs Saiten und übernahm beim folgenden, coolen „Don’t Make A Fool Out of Me“ den Dienst am Mikro. Das es sich bei den drei Geschwistern um Multiinstrumentalisten handelt, bot es sich natürlich auch an, die Arbeitsplätze zu wechseln, weshalb sich zum rhythmusbetonten „I’m So Sorry“ Drummerin Kitty an der Langaxt wiederfand. Außerdem wurde Familie Durham von einem Jamaikaner und seiner Trompete verstärkt, der auch beim swingenden „(Baby) Hold Me Tight“ am Start war. Zackig schloss sich „Messing With My Life“ an und auch das CANNED-HEAT-Cover „Going Up The Country“ ließ es ordentlich krachen und brachte Bewegung ins Spiel. Bei „Say You’ll Be Mine“ gingen die sicher stolzen Eltern von der Bühne und überließen das Feld ihrem Nachwuchs, der eine gute Figur machte, ehe es am Ende mit dem instrumentalen „What Quid?“ wieder mit der gesamten Sippe in die Vollen ging. Ein fetter Abschluss mit viel Schmackes und Geschwurbel, der 45 Minuten R’n’B, Swing, Blues, Country und Rock’n’Roll unter verdientem Beifall beendete.

Setlist KITTY, DAISY & LEWIS
I’m Going Back
Don’t Make A Fool Out of Me
I’m So Sorry
(Baby) Hold Mme Tight
Messing With My Life
Going Up The Country (CANNED-HEAD-Cover)
What Quid?

DICK BARVE & THE BACKBEATS

In großen Buchstaben, die mit unzähligen Glühlampen versehen waren, stand der Schriftzug D I C K bereits seit Beginn des Abends im Hintergrund der Bühne geschrieben und um 19.00 Uhr betrat schließlich auch der Mann die Stage, dem der Name gehörte: DICK BRAVE! Glücklicherweise hat Klaas Heufer-Umlauf den Musiker, der nach einem Flugzeugabsturz lange verschollen war, im letzten Jahr in den kanadischen Wäldern aufgespürt und nach einer Zeit der Rekonvaleszenz hat der Mann mit der Schmalztolle inzwischen wieder zum Rock’n’Roll zurück gefunden, wie er mit seiner Band, den BACKBEATS, eindrucksvoll zu beweisen wusste. Im ärmellosen Oberhemd ließ Dick nicht nur seine Muskeln spielen, sondern auch das Becken kreisen, was in Köln nicht nur die Damenwelt verrückt gemacht haben dürfte. Das Publikum war in jedem Fall vom ersten Moment an elektrisiert und feierte Oldschool-R’n’R ebenso wie genrefremde Cover und eigene Songs der temperamentvollen Truppe ab. So gab’s nach der JERRY-LEE-LEWIS-Nummer „Highschool Confidential“ zunächst den DEPECHE-MODE-Klassiker „Just Can’t Get Enough“ und dann mit „This Girl Is Trouble“ einen Song aus der DICK-BRAVE-Feder, bevor der smarte Fronter bei der coolen ADELE-Adaption „Rollin’ In The Deep“ auf Falcos Klavier in Position ging. Den Herrn Pianisten hielt es zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr auf seinem Hocker, der Kollege Matt Hanson hinter der Schießbude spielte gleich von Anfang an im Stehen und auch das Auditorium kannte spätestens beim rhythmusbetonten „Come On“ kein Halten mehr. Und da die Lyrics hier zudem einfacher waren als beim Vorgänger, klappte es auch mit der Textsicherheit besser. „No One Knows“ entpuppte sich ein tickende Zeitbombe, deren schleichend daherkommende Explosion mit viel Applaus bedacht wurde und auch das klavierbetonte „Tonight (Ain’t Rock)“ überzeugte mit viel Wumms. Derweil war mit „Just The Way You Are“ die Zeit für einen herzzerreißenden Schmachter gekommen, bei dem ich das Arme schwenken allerdings schon besser gesehen habe. Dem emotionalen Vortrag durch Herrn Brave tat dies jedoch keinen Abbruch und nach diesem Ausflug ins Gefühlvolle stand mit „American Idiot“ zunächst einmal Bad-Ass-Rock’n’Roll auf dem Zettel. Langsam dämmerte es am Tanzbrunnen und die abwechslungsreiche Lightshow konnte ihre Wirkung entfalten, während DICK BRAVE versprach, bis zu Jahresende besser Deutsch zu sprechen als REA GARVEY. Besser als Marc Terenzi beherrsche er die Sprache bereits und besser tanzen könne er auch. Von letzterem konnte sich die Zuschauerschaft beim bluesigen „Black Or White“ umgehend überzeugen. Phil Hanson war zu diesem Zwecke mit seinem Kontrabass an den Bühnenrand gerückt und auch sein Bruder Matt fand sich im Mittelpunkt des Geschehens wieder, während Gitarrist Eddie und der Pianomann Falco ein kleines Päuschen einlegen konnten. Die Hansons zeigten ein tolles Zusammenspiel, das mit viel Beifall belohnt wurde, ehe mithilfe von „Take Good Care of My Baby“ das Thema „Schunkeling“ auf dem Programm stand. DICK BRAVE ist ja mit der kanadischen Armee nach Soest gekommen (wo übrigens auch Sascha Schmitz aufgewachsen ist, falls jemand dieser Name etwas sagt) und die ersten deutschen Brocken, die er gelernt hat waren „Autobahn“, „schönes Fräulein“ und „Bier“. Letzteres war besonders einfach, weil phonetisch identisch mit dem englischen Begriff und kam insbesondere beim Soester Schützenfest zum Einsatz, wo er auch Bekanntschaft mit dem „Schunkeling“ machte. Das brauchte er natürlich in der Karnevalshochburg Köln nicht näher zu erklären und so war es keine Frage, das der Song ebenso abgefeiert wurde, wie das sich anschließende „Walk This Way“, das die reguläre Setlist beschloss. Einen kleinen Nachschlag gab es jedoch noch. Zunächst das knackige „Kiss“ und im Anschluss die dramatische ELVIS-Nummer „Always On My Mind“, bei der sogar der Himmel ein paar Tränen verdrückte. Am Ende schloss der Abend mit DICK BRAVE & THE BACKBEATS wie er begonnen hatte: mit Oldschool-Rock’n’Roll und JERRY LEE LEWIS – „Great Balls of Fire“ führte im Finale noch zum kleinen Bäumchen-wechsel-dich-Spielchen, denn alle Musiker tauschten reihum ihren Platz, um sich schlussendlich nach 75 Minuten vom restlos begeisterten Publikum zu verabschieden.

Setlist DICK BRAVE & THE BACKBEATS
Highschool Confidential (JERRY-LEE-LEWIS-Cover)
Just Can’t Get Enough (DEPECHE-MODE-Cover)
This Girl Is Trouble
Rollin’ In The Deep (ADELE-Cover)
Come On (CHUCK-BERRY-Cover)
Use Somebody (KINGS-OF-LEON-Cover)
No One Knows (QUEENS-OF-THE-STONEAGE-Cover)
Tonight (I Ain’t Rock)
Just The Way You Are (BRUNO-MARS-Cover)
American Idiot (GREEN_DAY-Cover)
Black Or White (MICHAEL-JACKSON-Cover)
Take Good Care of My Baby (BOBBY-VEE-Cover)
Walk This Way (AEROSMITH-Cover)

Kiss (PRINCE-Cover)
Always On My Mind (ELVIS-PRESLEY-Cover)
Great Balls of Fire (JERRY-LEE-LEWIS-Cover)

THE BOSSHOSS

Waren bislang eher die Petticoat- und Tollenträger auf ihre Kosten gekommen, war jetzt die Stunde der Stetsons gekommen. Petrus schien einen kurzen Moment überlegt zu haben, ob er auch auf den Country-Rock der Hauptstädter steht, denn zu Beginn um kurz vor 21.00 Uhr schickte er ein paar Regentropfen, beließ es dankenswerter Weise aber bis auf eine kleine Ausnahme bei diesem Mückenpissen, sodass nach dem fetten Start von „Last Day (Do Or Die)“ (vom gleichnamigen Album aus 2009) fast nichts mehr den Genuss der druckvollen Mucke schmälern konnte. Mit von der Partie waren drei Members der Tijuana Wonderbrass, die allerdings bei „Rodeo Radio“ (2006 auch Titel der zweiten Rangrille) eine Auszeit nahmen. Für „Remedy“ bewaffnete sich Boss Burns mit einer Flüstertüte und bei „I Keep On Dancing“ griff Perkussionist Ernesto Escobar de Tijuana zum roten Umhängkeyboard, während die Bläser ordentlich Druck machten und das Publikum nach Sing- und Hüpfspielchen tosenden Beifall spendete. Hip-Hop-Grooves gehörten zu „Live It Up“, das nicht ganz so ungestüm daherkam und den Boden für das gefühlvolle „I Say A Little Prayer“ bereitete, das als nächstes auf der Liste stand und optisch von einem Pärchen aus den ersten Reihen begleitet wurde, die als „Kisser“ auf der Stage fungierten. Sprich sie küssten sich während des gesamten Liedes und taten dies wahrlich mit viel Einsatz während für Hank Williamson bereits die BHs geflogen kamen. Großartig präsentierte sich das eindringliche „The Answer“, bei dem die gesamte Mannschaft weiterhin vorn versammelt war, bevor zu zum Boogie „Shake Your Hips“ die Stage in blaues Licht getaucht wurde und alle Protagonisten an ihre Arbeitsplätze zurückkehrten. Cowboy-Feeling kam derweil bei „Break Free“ auf, für das Hoss Powers zu einem Sechssaiter griff, den es im Übrigen zu gewinnen gibt. Was es damit genau auf sich hat, kann man bei www.tape.tv nachlesen. Am Tanzbrunnen erwartete das Auditorium jetzt erst einmal eine ganz fette Version von „Don’t Gimme That“, ehe Drummer Frank Doe zu „Shake & Shout“ im Graben Fans abklatschte und die Bühne von immer mehr Frauen bevölkert wurde, die sich zu dem heißen Track entsprechend zu bewegen wussten. Am Ende ging nahezu der gesamte Tanzbrunnen in die Knie und wechselte auf Zuruf in wildes Hüpfen. Gerade so richtig warm geworden, kam Hoss, der natürlich auch wieder seine Akustikklampfe mit dem „THANX“-Schriftzug auf der Rückseite dabei hatte, mit der Hiobsbotschaft, dass um 22.00 Uhr Zapfenstreich sein müsse und deshalb nur noch Zeit für einen Song bliebe. „Run Run Devil“ wurde zum Ausputzer auserkoren, die Wonderbrass tauschten ihre Sombreros gegen fratzenartige Masken und eine letzte wilde Fahrt konnte beginnen.

Setlist THE BOSSHOSS
Last Day (Do Or Die)
Rodeo Radio
Remedy
I Keep On Dancing
Live It Up
I Say A Little Prayer
The Answer
Shake Your Hips (SLIM-HARPO-Cover)
Break Free
Don’t Gimme That
Shake & Shout
Run Run Devil

Das war es nach 75 Minuten und um 22.05 Uhr tatsächlich Feierabend. Noch ein paar Verbeugungen, mehr war nicht mehr drin, auch wenn die Zuschauer kaum glauben konnten, dass der Gig schon beendet sein sollte und vehement um eine Zugabe bettelten. Vielleicht war’s aber auch ganz gut so, denn wenig später fing’s wirklich fies an zu gießen und man soll ja bekanntlich aufhören, wenn’s am schönsten ist. Schön war’s allemal mit dem musikalischen Dreigestirn, das sich da am Tanzbrunnen eingefunden hatte. KITTY, DAISY & LEWIS haben mit ihrer Mucke einem Sound Gehör verschafft, der nicht unbedingt auf der Tagesordnung steht und DICK BRAVE & THE BACKBEATS haben auf das Vortrefflichste bei diversen Kollegen geklaut und dem Diebesgut ein knackiges, neues Rock’n’Roll-Outfit verpasst. Vom Covern sind THE BOSSHOSS inzwischen weitestgehend weg, wobei ich sagen muss, dass ich die OUTCAST-Nummer „Hey Ya“ immer noch gern höre und ein wenig vermisst habe.

Copyright Fotos: Daniela Vorndran

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