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THE CASSANDRA COMPLEX – FIXMER/ MCCARTHY

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Ort: Leipzig WGT Kohlrabizirkus

Datum: 28.05.2007

Nachdem THE LEVELLERS aufgrund eines familiären Unglücksfalls nicht in die agra-Halle gekommen waren, machte ich mich umgehend auf den Weg in den Kohlrabizirkus, wo Electro auf dem Programm stand. Bevor ich das Rund jedoch betreten konnte, hieß es einen Moment warten, da DISMANTLED offensichtlich regen Zuspruch erfahren und die Hallenkapazitäten ausgeschöpft hatten. Letztlich war aber für alle ausreichend Platz, als das Duo FIXMER/ MCCARTHY ihr Set starteten. Fast schien es so, als sei der Pfingstmontag der Tag der Nebenprojekte, denn hinter FIXMER/MCCARTHY verbergen sich der französische Techno-DJ Terence Fixmer und der NITZER EBB-Gründer und Leadsänger Douglas McCarthy. Mich erwartete somit leicht modifizierten Old School Electro vom Feinsten und eine weitere Gelegenheit zur ausgiebigen Körperbewegung. Dem verschloss sich auch Fronter Douglas nicht, der in klassischem Outfit aus weißem Hemd, schwarzer Hose und unvermeidlicher Pilotensonnenbrille über die Bühne hechtete, während Knöpfchendreher Terence sich am DJ-Pult im Hintergrund hielt. Zu EBM-Klängen mit technoidem Einschlag durfte nun alles gegeben werden und Songs wie „Splitter“, „Destroy“ und „You Want It“ boten dazu auch ideale Voraussetzungen. Nicht zu vergessen die Darbietungen des agilen Frontmannes, der sich alsbald seines Hemdes entledigte und zur Freude der anwesenden Damen ein ausgiebiges Posing betrieb.

Eine Legende beendete das diesjährige WGT-Geschehen im Kohlrabizirkus: Nach jahrelanger Bühnen-Abstinenz und sieben Jahre nach dem letzten Album „Wetware“ meldeten sich THE CASSANDRA COMPLEX um Mastermind Rodney Orpheus bei ihren Fans zurück. Offensichtlich war der Musikstil zwischen Rock, Electropunk und Wave nicht unbedingt nach dem Geschmack aller Electroheads, die sich vielleicht zum Teil auch schon auf den Nachhauseweg machen wollten/ mussten, denn ein kleiner Exodus aus dem Kohlrabizirkus war im Anschluss an FIXMER/MC CARTHY nicht zu übersehen. Dadurch blieb aber auch mehr Platz zum abschließenden Tanzen und das konnte man in den nächsten 70 Minuten ausgiebig tun. Erst einmal mussten allerdings die Herrschaften mit ihrem munteren Spiel beginnen, was sie mit verzeihlicher fünfminütiger Verspätung taten. Angekündigt wurden die Herren von einem bombastischen Klassik-Intro, bevor mit „Nightfall“ eine vergnügliche Reise in die Vergangenheit startete. Vor einer riesigen digitalen Leinwand, die mit wechselnden Farben und Schriftzügen aufwartete, agierten drei Mann an den Saiteninstrumenten, einer an den Synths und natürlich Mr. Orpheus am Mikro. Vor der Bühne wurde bereits eifrig getanzt – das Durchschnittsalter der Tanzmäuse und –bären im Auditorium war übrigens ein wenig höher, was auch kein Wunder war, immerhin gibt es THE CASSANDRA COMPLEX seit fast einem Vierteljahrhundert, da dürfen auch die Fans jenseits der 30 sein. Weiter ging’s mit Songs wie „When I Fall In Love“, „Datakill“ und „Twice As Good“. Rodney merkte man zu jeder Sekunde seinen immensen Spaß an der Live-Mucke an, da hatte wohl jemand richtig Sehnsucht nach der Stage. Ein absolutes Highlight war natürlich der Überhit „Moscow Idaho“, bei dem es absolut kein Halten mehr gab. Nach einer viel zu kurzen Stunde verließ das Quintett die Bühne, doch damit waren die Schwarzkittel gar nicht einverstanden. Die hatten lange noch nicht genug von dem gitarrenlastigen Electrosound des gebürtigen Nordiren, der auch schnell ein Einsehen hatte und gemeinsam mit seinen Mannen erneut zu den Instrumenten griff. Es folgte „Phoenix“ – nach Rodneys Bekunden ein „Liebeslied für alle, die der Zeichensprache mächtig sind“. Als krönenden Abschluss nahm der charismatische Fronter nach diversen flüchtigen Bühnenrandkontakten mit dem Publikum noch ein richtiges Bad in der Menge und ließ sich von den Fans in bester Crowdsurfer-Manier auf Händen tragen. Dann hieß es leider tatsächlich Abschied nehmen. Nicht nur von den genialen CASSANDRA COMPLEX, sondern ganz langsam auch vom WGT, das sich zum Ende neigte und letztlich genauso von Leipzig, das sich – von ein paar Unbelehrbaren abgesehen – ein weiteres Mal angenehm gastfreundlich und tolerant gezeigt hatte.

Copyright Fotos: Grit Rümmler

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