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THE CRYSTAL CARAVAN – THE TRASH

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Ort: Hamburg – Astra Stube

Datum: 11.02.2011

Kurz nach der Veröffentlichung ihres neuen Albums “Against The Rising Tide” begaben sich die schwedischen Rock n‘ Roller THE CRYSTAL CARAVAN auf Europatournee. Dabei legten sie auch einen Stopp in der kleinen, aber feinen Astra Stube in Hamburg ein.

Bevor die sechs Herren und die Dame aus Umea ihr Feuerwerk abbrennen konnten, enterte jedoch der lokale Support THE TRASH die Bühne. Bei diesen handelt es sich um vier Jungspunde, die sich einer Mischung aus dem guten, alten Blues und einer großen Portion Garage Rock verschrieben haben. Prinzipiell also nichts Verkehrtes, und so bewies der Vierer denn auch mit seinen eher simpel gehaltenen Songs durchaus Geschmack. Das wurde vom Publikum auch positiv zur Kenntnis genommen. Richtige Begeisterung wollte trotzdem nicht so recht aufkommen, denn so frisch und energetisch Lieder wie „Ready To Go“ oder „The Lokomotion“ auch anmuteten, an der spielerischen Umsetzung haperte es dann doch nicht nur stellenweise. Ausgenommen werden aus dieser Kritik muss lediglich Frontmann Velvet Bein, der sowohl an der Gitarre als auch am Mikro eine tadellose Leistung ablieferte. Seine Mitstreiter an Bass und Orgel, der zweiten Gitarre und auch am Schlagzeug jedoch stolperten sich eher bemüht als wirklich gekonnt durch das halbstündige Set. Fazit: THE TRASH, nicht unbedingt kompletter Schrott, aber durchaus verbesserungswürdig.
Nach einer aufgrund der recht kleinen Bühne etwas längeren Umbaupause betraten dann um kurz nach 23 Uhr THE CRYSTAL CARAVAN die Bretter, die die Welt bedeuten. Schon nach den ersten paar Takten war eindeutig erkennbar, dass die Schweden in einer ganz anderen Liga spielen als THE TRASH. Zwar zeigte auch der kristallene Wohnwagen im Verlauf des Sets die eine oder andere (wirklich nur sporadische) spielerische Unwucht, jedoch ging dies im Grundrauschen der feurig knisternden Atmosphäre in der gerammelt vollen Astra Stube weitgehend unter und war wohl auch demselben geschuldet. Wahrer Rock n‘ Roll lebt eben nicht von purer Perfektion, sondern von seiner Energie und dem feinen Duft von Freiheit und Abenteuer. Und genau diesen Odeur versprühten die Schweden an diesem Abend wie Rudi Assauer das Testosteron. Und sie hatten mehr als nur ein wenig Spaß dabei, was sich zu 100 %  auf das Publikum übertrug. Letzteres  brachte seine schiere Begeisterung durch fliegende Matten, ausgelassenes Tanzen (soweit möglich), tosende Beifallsbekundungen und ein gemeinschaftliches breites Grinsen, sozusagen von Wand zu Wand, zum Ausdruck.  Die wilde musikalische Mischung aus an URIAH HEEP erinnerdem Classic Rock, Blues-getränkten Southern-Einflüssen sowie den großartig treibenden Congas von Percussionistin Annika Bränberg, die dem Ganzen einen Hauch von SANTANA verliehen, entpuppte sich von Song zu Song mehr als Selbstzünder. Dargeboten mit einer straßentauglichen Attitüde, wie man sie von Vertretern des sogenannten Schweinerocks wie TURBONEGRO oder den BACKYARD BABIES gewöhnt ist, troff alsbald der  Schweiß von der niedrigen Decke. Hinter dem Kopf gespielte Gitarren, Bocksprünge über die Bass Drum oder auch die Knutschattacke von Frontmann Niklas Gustafsson in Richtung einer jungen Dame in der ersten Reihe waren der überbordenden Begeisterung ob der schweißtreibenden Show ebenfalls nicht abträglich. Und so wurde dann auch konsequenterweise nach etwa einer Stunde und dem das reguläre Set abschließenden, grandiosen „Wreckingball“ vehement nach einer Zugabe verlangt, die in Form von dem epischen „Desert King“ (StonerRock-Atmo inclusive) und dem endgültig finalen „Flying High (Or So It Seems)“ freudig gewährt wurde, bevor die Bühne mit dem Hinweis auf die eigene Körperfülle („I am a fat man and can’t move that much“) grinsend geräumt wurde.

Erneutes Fazit am Ende des Abends: Nach eher mauem Beginn wurde es dann im Endeffekt dank THE CRYSTAL CARAVAN doch noch zu einem der besten Rock n’ Roll-Konzerte seit langer Zeit und damit zu einem denkwürdigen Abend, der sicherlich nicht nur mich dazu bewogen hat, dem nächsten Gastspiel der sieben Schweden erneut beizuwohnen.

Copyright Fotos: Wiebke Tamke

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