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THE LAST DANCE – TWILIGHT

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Ort: Berlin - K17

Datum: 04.11.2004

Das Schöne an Berlin ist, dass immer etwas los ist. Nightlife auch unter der Woche, jeden Tag, für jede Szene. Wenn man das auch noch weidlich nutzen kann, um so besser! So ging es für mich wieder einmal ins K17, wo die kalifornischen Gothrocker von THE LAST DANCE für Unterhaltung sorgen sollten. Treibender Electrogoth, der leicht an die CRÜXSHADOWS gemahnt, und das noch zum fairen Preis von 7 Euronen – ich war gespannt, wie das Material live on stage rüberkommen würde.

Zuvor jedoch sollte die Berliner Formation TWILIGHT die erschienenen Leute anwärmen, welche schon im September 2003 in Berlin für THE LAST DANCE den Support machte. Ein national relativ unbekanntes Duo plus ständigem Gastgitarristen, welches melancholischen, saitenorientierten Darkwave im Stile alter Helden zum Besten gab. Sänger Andreas Lanfer und Daniel Goettert an der Akustikgitarre wurden vom kauzigen TTt an der E-Gitarre unterstützt, Bass und Drums kamen vom Band. Trotz spärlichem Höflichkeitsapplaus schlugen sich die Drei wacker durch ihr durchaus hörenswertes Programm und vor allem TTt erschien mit seiner lakonischen Art wie ein Lucky Luke der Rockmusik. Wie kann jemand pausenlos kettenrauchend Gitarre spielen und mit Kippe im Mundwinkel so nonchalant seine Backingvocals in Mikro nuscheln? Und dabei so witzig und sympathisch wirken? Alles in allem eine anständige Vorstellung.

Nach kurzer Umbaupause sollte es dann aber zum ersehnten Hauptact kommen, den man bei TWILIGHT schon lauschend im Publikum sichten konnte. Gitarrist Rick war mit seinen auffälligen Kunsthaaren ohnehin nicht zu übersehen, erleichterten doch darin befindliche blauviolettleuchtende LEDs die Suche selbst im Dunkeln. Doch nicht nur optisch gab es einige Schmankerln (Rick wie üblich in Strumpfhose, Lackmini und Stiefeletten, der Gastdrummer elegant in Hemd und Weste, die anderen beiden lebten offensichtlich einen Ringel-Fetisch aus), auch musikalisch ging es gleich zur Sache. „Parade“ vom 2001 erschienenen Album „Perfect“ läutete den Reigen ein und eröffnete für ein Feuerwerk an Songkrachern, die zwar einem gewohnt stoischen Berliner Publikum nicht viel Bewegungsfreude entlocken konnten, doch ist der Grund dafür wohl eher beim Publikum zu suchen als bei der Darbietung von Sänger Jeff Diehm und Co.
Nach einigen Stücken der letzten beiden Alben kündigte man dann mit „Desperate Still“ einen Song des künftigen Longplayers an: typisch TLD aber wirklich neugierig auf das neue Material machend. Beim folgenden „Rage“ verließ Jeff für den kompletten Song die Bühne, wanderte singend gemütlich durch die Besucherreihen, stattete dem Merchandisingstand einen kurzen Besuch auf einen Schluck Bier ab und kehrte dann grinsend zu den Fans zurück. Ganz offensichtlich hatte er seinen Spaß an der Sache, in der Dunkelheit des Zuschauerraums zu verschwinden und plötzlich in irgendwelchen Ecken wieder aufzutauchen.

Ebenso plötzlich erschien auch ein nerviger Zeitgenosse unter den Zuschauern, der meinte, zu allem und jedem seinen ungefragten Kommentar abgeben zu müssen und die Band großzügig mit sinnfreien Zwischenrufen bedachte. Jeff brachte es allerdings fertig, den Spieß umzudrehen und den Herrn komplett lächerlich zu machen; zur Erheiterung der Leser sollte entsprechender sinngemäß wiedergegebener Dialog nicht vorenthalten werden:
Kerl (gröhlt): I wanna fuck!!
Jeff: Who??
Kerl: This guy!
Jeff: Well, I can’t really see you… but you don’t sound very cute!
Kerl: No, I wanna fuck this guy!
Jeff: Fight or fuck??
Kerl: Fuck!!
Jeff: As i said, you don’t sound very cute. But I don’t wanna fight you either `cause… you don’t sound cute – but you don’t sound very weak…

Nachdem der Störenfried dann unter allgemeinem Gelächter einigermaßen ruhiggestellt war, konnten THE LAST DANCE fortfahren und spielten weiter Songs vom „Whispers in Rage“-Album. Man rockte; man rockte mehr als auf den Alben, wo die Synthesizer einen deutlich größeren Stellenwert einnahmen. Jeff erzählte dem Publikum von der Tour quer durch Deutschland, dem Konzert mit den SEX GANG CHILDREN, welche in Kürze ebenfalls im K17 gastieren. Galant stellte er den Drummer vor, der schon bei so illustren Bands wie FAITH AND THE MUSE gespielt hatte, und bedankte sich herzlich bei TWILIGHT (die nun ihrerseits im Publikum standen) für den Support. Nach weiteren Krachern und ausreichend Abschiedsapplaus kehrte man selbstverständlich auf die Bühne zurück und präsentierte „Do you believe in Angels“, einen der frühesten TLD-Songs. Der endgültige Abschluss allerdings wollte sich mir nicht zu erkennen geben: schnell, kurz und für Bandverhältnisse relativ punkig. (Ich könnte mit einer geringen Erfolgschance auf eine sehr verfremdete Version von „51051“ tippen, ein Song in Erinnerung an den 2002 verstorbenen Drummer Ivan Dominguez.) Damit gingen ein schöner Abend und ein sehr unterhaltsames, energiegeladenes Konzert zuende, und ein schwarzer Pulk trollte sich langsam hinaus ins mitternächtlich-laue Berlin. Wer weiß, wo sie sich die nächste Nacht um die Ohren schlagen würden…

Setlist THE LAST DANCE:

Parade
Nightmares
Regret
Wonderlust
Desperate Still
Rage
Terribly When
Voices
Dead Man’s Party

Do you believe in Angels
?

Copyright Fotos: Antje Wagler

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