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THE RASMUS – KILLER

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Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 17.11.2003

Kiddie-Alarm im Ringlokschuppen! Mein erstes Konzert im PC-Nachfolger sollte auch gleich ein besonderes werden. Ich hatte mir schon gedacht, dass die Charterfolge von THE RASMUS zu einem hohen „Bravo-Zuschaueranteil“ führen würde, aber die tatsächlich erschienene Menge überraschte mich dann doch. Von den ca. 1300 bis 1500 Anwesenden gehörte ungelogen die Hälfte zum Segment „12 bis 16 jährige Mädels“. Und die sind heute deutlich reifer als zu meiner Zeit, Piercings, Tattoos und gefärbte Haare en masse! Einige wollten ihre „Härte“ gar durch IRON MAIDEN oder DIMMU BORGIR-Shirts demonstrieren. Immerhin hielt sich das Parkplatz-Problem in Grenzen, denn Autofahren ist noch in ferner Zukunft…

Zunächst stand die Vorband KILLER auf dem Programm, von denen ich bis zu diesem Ereignis noch nie gehört hatte. Es handelt sich dabei aber um keine Unbekannten. Die 4 jungen Finnen werden von den RASMUS Leuten Pauli und Lauri gemanaged und haben bereits 2 Alben veröffentlicht: „Sickeningly Pretty & Unpleasantly Vain” sowie das kürzlich erschienene “Sure you know how to drive this thing”. Blickfang und Sängerin Siiri war früher bei einer Formation names PLAYSTATION aktiv, aber erst bei den “Killern” konnte sie ihre wahren Talente zeigen (man spielte gar vor 30.000 Zuschauern im Olympia Stadion von Helsinki!). Im Endeffekt hört sich die Truppe wie eine Mischung aus H.I.M. und EVANESCENCE an, ein geschickter Marketingschachzug, fürwahr. Als Special Guest durften sie THE RASMUS bei den Gigs in Berlin, Hamburg und Bielefeld begleiten, was ihrer Zukunft sicher nicht zum Nachteil gereichen dürfte. Auf der Bühne befanden sich 5 Musiker, neben der klassischen Besetzung noch ein Keyboarder. Dabei waren Lookalikes von John Lennon, Robert Stadlober und Jim Morrison plus Sirii mit neckischen Zöpfchen, Marilyn Monroe-Shirt und Halstuch. Und man muss ehrlich anerkennen, dass sie sich wacker schlugen, auch einige Fans schienen die Band bereits zu kennen und kreischten sich munter warm. Von der Setlist meine ich lediglich die drei Singles “All I Want”, “Hurricane” und “Naughty Boy” erkannt zu haben, aber von der Gothic/ Nu Metal Mischung hörte sich eh vieles ähnlich an. Immerhin wurde auch mal der Slap Bass herausgeholt und an einer anderen Stelle gerockt. Insgesamt sehr ordentlich und vom Sound her gut zum Hauptact passend, was ja heutzutage eher selten ist.

Einen weiteren Höhepunkt bot die Umbaumucke: “By the Grace of God” von den HELLACOPTERS erklang da lautstark und einige wenige kannten es… Wer das ausgesucht hat, besitzt einen guten Geschmack. Die Mädels direkt vor der Bühne bereiteten sich aber schon auf IHRE Lieblinge vor. Manche hatten Teddybären, andere schwarze Rosen als Geschenk dabei, auch auf Federn im Haar musste der neutrale Beobachter nicht verzichten.

Gegen 20 45 wurde es dunkel und das Quartett stürmte die ausladende Bühne im größten Saal des Ringlokschuppens. Jetzt wurde es erst richtig laut und das von beiden Seiten. Während 500 Münder sich die Lunge aus dem Hals kreischten, war auch der Sound der Band viel zu laut abgemischt! Trotz Watte in den Ohren hatte ich nachher leichte Probleme, so präsent hätten die Finnen nun auch nicht sein müssen, vielleicht werde ich aber auch alt… Die Sanitäter machten sich bereit und ca. 6 weibliche junge Heranwachsende erlebten das Konzert zumindest phasenweise nur liegend mit Energiegetränken. THE RASMUS präsentieren sich optisch ziemlich uninteressant, lediglich Lauri geht als junggebliebener Frauenschwarm durch. Mit Kajal um die Augen und der Wollmütze erinnert der 24jährige schon ein wenig an Ville Vallo, wirkt aber präsenter. Wie ein Flummi sprang er zumindest bei den ersten Tracks herum und machte es unserem Fotographen damit nicht leichter. Dagegen wirken Eero und Pauli optisch bieder, vor allem Gitarrist Pauli mit Brille und der merkwürdigen Frisur geht als Bankbeamter durch. Spielen kann er aber, wie er auch in einigen Solis unter Beweis stellte. Der Einstieg in den Set erfolgte mit der zweiten Single “First Day Of My Life”, danach erklang “Guilty” ebenfalls vom aktuellen Album. Und “Dead Letters” spielte man fast vollständig, was ja auch vernünftig ist, da die älteren Veröffentlichungen erst nach und nach für Deutschland lizenziert werden. Viele glauben ja, dass THE RASMUS ein Newcomer sind, dabei existiert man schon seit Mitte der 90er und hat in Finnland auch bereits einige Single-Hits gehabt. Früher nannte man sich übrigens nur RASMUS. Von den älteren CDs spielte man u.a. “Wellwell” (von “Playboys”), “F-f-f-falling“ und „Bullet“ („Into“) sowie „Every Day” („Hell of a Tester“). Ein Highlight aber (und selbst von unsererem Fotographen gelobt!) erklang in der Mitte des Sets: Die Cover Version “Play Dead” von BJÖRK, in einer rockigen Variante. Mittlerweile hatte man im Hintergrund auch die Moodlights ausgepackt, die ich bereits bei CAMOUFLAGE bewundern durfte, die setzten die programmierbaren Leuchten aber wesentlich effizienter ein. Egal, die meisten Fans kreischten munter mit, klatschten im Takt oder versuchten sich an den Texten. Und es war zum Glück nicht so, dass man nur die Singles kannte, man schien sich immerhin auch das komplette Album reingezogen zu haben, was dieses auch verdient hat. Denn Poppigkeit hin oder her, ein Händchen für gute und eingängige Songs haben die Nordländer. Das letzte Stück des regulären Sets sollte die Übersingle “In the Shadows” sein, welches ich irgendwie nicht mehr hören kann, zu oft wird das Teil in den Medien gedudelt. Das dachte sich vielleicht auch das Schlagzeug, denn das Becken brach mal eben kurzerhand zusammen. Schliesslich wurde es natürlich doch gespielt und es regnete Federn…

Kurzer Abgang, Dunkelheit, fanatische Zugabenrufe, Rückkehr. Und noch einmal gab es drei Songs, ruhig fing es an mit dem “Funeral Song” und gerade als ich mich wunderte, was sie denn überhaupt noch spielen können, beendete das dynamische “In my Life” den bunten Reigen. Etwas über 90 Minuten war der Arbeitsbeweis der Finnen lang, sehr anständig, sehr ordentlich, sehr laut. Die Kinder eilten nach Hause in den Regen, am nächsten morgen ist Schule und man kann den Kameraden erzählen, dass man auf einem Rockkonzert war…

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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