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THE WALTONS – THE ROUGHNECKS

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Ort: Berlin - Wild at Heart

Datum: 18.12.2004

Die „Back To The Legendary Eighties-Tour“ ist wörtlich zu nehmen, da die ROUGHNECKS schon vor 18 Jahren (1986) zusammen mit den WALTONS auf Tournee waren. Die Besetzung der Rockabillyband wird sich unwesentlich verändert haben (zumindest der Bassist schien mir zu jung, um damals schon dabei gewesen zu sein). Tom Reiß an der Gitarre und singend, Tex Schmidt ebenfalls Gitarre, Pete Grun am Stand-Schlagzeug und Dirk Bartilla am Bass ist es an diesem feucht, nasskalten Samstag gelungen, wieder Leben in die durchfrorenen Glieder zu zaubern. Zwei der vier Musiker haben Berlin zwischenzeitlich den Rücken gekehrt – vielleicht auch wegen des Wetters, wer weiß das schon – und sind deswegen extra aus Chicago zur Tour eingeflogen.

Mit 13 Stücken und zwei Zugaben kochte innerhalb kürzester Zeit die Luft im Wild at Heart. Wer schon mal da war weiß, dass die Platzverhältnisse alles andere als üppig sind. Die Musiker haben ca. fünf mal vier Meter, auf denen sie sich austoben können. Den Raubeinen reichte es, um ihren sauberen feinen Rock´n Roll auf die Bühne zu bringen. Das Publikum, zusammengesetzt aus Fans, die wohl auch anno ´86 schon dabei waren und die Songs mitgrölen konnten: Teds, Rockabillys mit grünen Tollen, sexy Mädels mit kurzen Kleidern, Jungs, die ihr Portemonnaie – und nur der Spunk weiß was sonst noch – an Riesen Schlüsselketten mit sich rumtrugen und blutjunge Sprotten, die in unserer Techno-geschwängerten Zeit einfach auf gute handgemachte Musik stehen, tauten auf alle Fälle schnell auf und holten die Jungs noch mal für eine ungeplante Zugabe auf die Bretter.

Tom Reiß hatte ein 1A rauhes Timbre in der Stimme, das leider etwas zu leise abgemischt war, um gut durchzudringen und wohl auch nicht immer so klingt, da er beim Skandieren einer Ballade zugab, er sei erkältet und das würde nicht so gut passen. Er brauchte sich nicht zu sorgen: Passte hervorragend! Und die Ballade war auch nur in den ersten Takten „balladig“ dann ging es ruck zuck wieder ab. Die nächste Station der Tour ist am 23. Dezember im Lübecker Riders Cafe und wohl auch da werden, wie hier, einige Fans extra wegen der Vorband kommen! Es lohnt sich auf jeden Fall!

Nach einer Kunstpause von einer knappen halben Stunde entern drei ältere Herren völlig unspektakulär die Bühne und ehe das Publikum es überhaupt richtig mitbekommt, haut ihm TOY-DOLLS-mäßiges um die Ohren. So aus der Pausenlethargie geweckt stellt Sänger und Gitarrist John-Boy Walton seine Combo vor: „Wir sind die WALTONS aus Berlin und machen Cowpunk und das klingt so:“ „Truck me harder“ – ein Song, der 1989 noch als Country-Metal beschrieben wurde, legt ein gutes Tempo vor, das die Drei den ganzen Abend durchhalten! Kurz vor Schluss gibt es einen Song für die Ladys, der etwas ruhiger ist und mit den Worten eingeleitet wird: die Jungs könnten so lange rausgehen und sich verprügeln oder Bier trinken gehen, dieser Song sei jetzt für die süßen kleinen Mädels. Die Reaktion darauf war dann auch eher verhalten. Waren wahrscheinlich nicht mehr so viele süße kleine Mädels da, sondern ein Stammpublikum, das fast alle Texte mitsingen konnte und die schnelle harte Nummer bevorzugt! Mir hat der Song tatsächlich gefallen und es war hörbar, dass die Jungs (äh… Männer) tatsächlich ihre Instrumente sauber beherrschen! John-Boy teilt uns nun mit, dass auch DAS die WALTONS sein können. Auch so romantisch kann Cow-Punk klingen und er habe von Tom Reiß gehört, dass es hin und wieder wichtig sei, das Brett rauszunehmen und den Staubsauger auszumachen. Überhaupt hat Cow-Punk mehrere Facetten. Guter alter Punk, hin und wieder gemischt mit einer Priese Country und dem einen oder anderen Quentchen Metal ergibt eine high-speed Mischung, die mich ab Stück 15 ein wenig um die Gesundheit des Schlagzeugers Jim-Bob bangen lässt, der nach Luft keuchend kurz über seiner Maschine verschnauft. Die Lufttemperatur ist allerdings inzwischen auch, aufgeheizt durch die Tanzenden vor der Bühne, so auf ca. 50° Grad Celsius angestiegen.

Auch Jason Walton am Bass singt mit, wenn uns die Geschichte von „Christmas on Waltons Mountain“ erzählt wird oder die Bierbestellung auf Spanisch, die eigentlich die traurige Geschichte von der Reise nach Mexiko ist, wo das Bier warm ist. Und da ist dann auch längst der Staubsauger wieder an und man bekommt zu hören, wie die Waltons „eigentlich“ klingen. Ohne den Ausrutscher in die Welt der Mädchen-Musik; Square-Dance für Leute auf flotten Füßen! Die ländliche Idylle zum Mit-Nach-Hause-Nehmen gibt es auf einer neuen CD mit dem wohlklingenden Titel „The Spirit of Cowpunk“.

Setlist THE ROUGHNECKS
I Don´t Know / On Eeh
Too Tired To Sleep
Talking´ Bout You
Hard Times
Dope Rider
Turn It On
Take A Look
Never Cry
Going Home
Hot Rod Tiger
Runnin; Ravin; Turnin On
All Right
Saddle Soap

Riding To The Sky
Roughneck

Setlist THE WALTONS:
Intro
Truck Me Harder
Lost Highway
Drinking
Achy Breaky
Lookin´ At Country
It´s Not The Fish Baby
Four Winds Blow
Birthday / L.C.
Last Caress
Wabash Canonball
Abstract World
Christmas Time
Goin´ Rodeo
Take Your Stand
My Motor
Little Ones
Waltons Square
Teenage Trash
Lost, Found
Starry Starry Light
Seek & Destroy
W´s Have Been Here
Frontier Pharmacist

Copyright Fotos: Lo Voelsen

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