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THEES UHLMANN (LESUNG)

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Ort: Osnabrück – Rosenhof

Datum: 20.01.2016

THEES UHLMANN hat ein Buch geschrieben! Ganz neu ist diese Information nicht – immerhin hat sich der Roman („über 300 Seiten!!!“ – O-Ton Thees) seit Wochen und Monaten in den Bestsellerlisten eingenistet. Kein Wunder also, dass während der Lesereise kaum ein Stuhl leer bleibt und auch in Osnabrück waren die Karten so schnell vergriffen, dass die Veranstaltung in den Rosenhof hochverlegt wurde, was den Grand-Hotel-van-Cleef-Mitbegründer ganz besonders gefreut haben dürfte, da er mit seinen Kapellen (TOMTE, THEES UHLMANN BAND) ein gern gesehener Stammgast im ehemaligen Kino am Rosenplatz ist. An diesem Abend stand allerdings nicht die Musik im Mittelpunkt, sondern „Sophia, der Tod und ich“ – so der Name des Romans, dessen Protagonist so gar nichts mit Herrn Uhlmann zu tun hat, wie dieser immer wieder beteuerte.

Worum geht’s? Der Tod klingelt an der Tür des Ich-Erzählers und teilt ihm mit, dass er nur noch drei Minuten zu leben habe. Doch dann kommt alles ganz anders, weil der Sensenmann von Sophia, der Ex seines „Kunden“, bei der Arbeit gestört wird und sich das Trio am Ende gemeinsam mit der Frau Mama auf einen irrwitzigen Roadtrip begibt.

Obgleich das Thema durchaus ernster Natur ist und zudem in der Uhlmannschen Abhandlung auch jede Menge Melancholie mit im Spiel ist, durfte man sich auf extrem kurzweilige Stunden mit dem Autor freuen, der erst gar nicht versuchte, seine Nervosität zu verbergen. Dem blonden 41-jährigen war die vorfreudige Anspannung deutlich anzumerken, als er kurz nach 20.00 Uhr die Bühne betrat, um es sich an seinem Tisch bequem zu machen, worauf eine kleine Einführung in den Abend folgte, ehe es mit der Anfangssequenz sogleich sehr erheiternd losging. Nicht nur, dass Thees eine mitreißende Schreibe hat, auch sein Vortrag ist wunderbar ausdrucksstark, so dass man sich keine Sorgen machen musste, das Auditorium könne vielleicht durch irgendwelche Dinge abgelenkt werden. Die voll besetzten Reihen hingen an den Lippen des Vorlesers, der zwischendrin auch immer mal wieder eine Anekdote aus seinem Leben einstreute und beispielsweise von seinen „soloromantischen“ Erlebnissen nach den St.-Pauli-Montags-Heimspielen mit Reimer Bustorff (KETTCAR) berichtete. Und schon ging’s weiter im Text! Und zwar mit so schönen (und mit polnischem Zungenschlag vorgetragenen) Sätzen wie „Musik ist das Tälefon Gottes, mit däm er uns anruft, um zu sagen, dass er an uns denkt.“! Da kommt ganz klar der Musiker durch, der im Übrigen bereits vor zwölf Jahren den Buchvertrag mit dem Verlag Kiepenheuer & Witsch geschlossen und den Vorschuss im Wesentlichen mit Freunden vertrunken hat. Aber immerhin wollte er ja diese Teilzahlung sogar zurückgeben, nachdem er dank seiner Mucke die Zeit der finanziellen Engpässe hinter sich gelassen hat. So ist sie halt, die „Punkrock-Variante des Ödipus-Komplexes“ (Thees über Thees), die mit ihrer Darstellung der Reihenhaus-Apokalypse mal ganz locker die kompletten Herr-der-Ringe-Fantastereien in den Schatten stellte. Aber schließlich rückte auch das Finale, der „letzte Ritt“, näher und die Stimmung wurde nachdenklicher, gleichzeitig aber auch irgendwie bedeutender und so war es mal wieder an der Zeit für eine dieser typischen Weisheiten, die der gebürtige Cuxhavener seiner Figur so gern in den Mund legt: „Überlegen ist das Schwert im Dschungel der Dummheit.“ heißt es da auf Seite 252 und im Rosenhof; eigentlich sogar ein ganz schönes Schlusswort, wenn man daran denkt, dass auf RTL gerade wieder mit dem unsäglichen Dschungelcamp wertvolle Lebenszeit vergeudet wird.

Mir (und ich vermute auch allen anderen) hat der Abend mit THEES UHLMANN eindeutig besser gefallen als dies mit irgendeinem schwachsinnigen TV-Format möglich gewesen wäre, einfach weil ich die Gelegenheit hatte, einen echten Menschen zu erleben, der voller Enthusiasmus und Stolz aus seinem großartigen Erstling las und diese Begeisterung auch auf sein Publikum zu übertragen wusste. Gedankt wurde ihm mit reichlich Applaus, vielen Lachern, zustimmenden Zwischenrufen und einer Vielzahl von Menschen, die noch ihr Buch-Exemplar signiert haben wollten.

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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