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THEES UHLMANN – PATRICK RICHARDT

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Ort: Osnabrück – Rosenhof

Datum: 29.03.2012

Mitte März hatte ich ziemlich zu Beginn seiner Tour das Vergnügen, THEES UHLMANN & Band in Münster zu sehen, jetzt neigte sich die kleine Konzertreise ihrem Ende zu und der blonde Barde machte erneut Station in „terrorrelevantem“ Gebiet, weshalb ich natürlich noch einmal am Start war, als der Tourbus vor dem Rosenhof in Parkposition ging. Mit von der Partie war PATRICK RICHARDT samt seiner vierköpfigen Kapelle. Die Herrschaften durften den Abend vor rappelvollem Haus eröffnen – leider ohne mich, denn die Arbeit rief laut und unablässig. Ich habe mir jedoch sagen lassen, dass man es mit einer stilistischen Kombination aus GISBERT ZU KNYPHAUSEN, MAX PROSA und PHILIPP POISEL zu tun hatte, die durchaus zu überzeugen wusste. Eine gute halbe Stunde musizierte der Fünfer und als die Jungs aus Krefeld die Bühne räumten, war auch ich endlich vor Ort.

Kurz nach 21.00 Uhr kamen dann zunächst Tasten- und Quotenfrau Julia Hügel und der Chef himself auf die Stage und legten mit feinem Klaviergeklimper und Mundharmonikaklängen los. Auf der Setlist stand „Römer am Ende Roms“, das bereits lautstark mitgesungen wurde und wenig später auch instrumentale Unterstützung durch den Rest der Band erfuhr. „Das Mädchen von Kasse 2“ wurde derweil den Schlecker-Mitarbeiterinnen gewidmet, die bekanntermaßen jetzt samt und sonders ohne Job sind, während „Vom Delta bis zur Quelle“ den Ausdruckstänzer THEES UHLMANN zu diversen Tanzeinlagen ermutigte. Natürlich durfte bei der Nummer auch der Osnabrücker „Gefangenenchor“ nicht fehlen, der sich als sehr textsicher und lautstark erwies und am Ende tosenden Applaus spendete. Für „Lat: 53.7 Lon: 9.11667“ griff Thees zur Akustikklampfe und fragte ab, wer alles aus Orten mit weniger als 12.000 Einwohnern kam, was gemäß Handzeichen auf ziemlich viele Zuschauer zutraf. War der Bandleader bisher relativ schweigsam, kam er jetzt so richtig in Plauderlaune und berichtete von seiner Pubertät, die u.a. damit einherging, dass er Heavy-Metal-Fan wurde und lange Haare tragen wollte. In der „beidseitigen“ Lehrerfamilie sah man das nicht so gern und da Konflikte im Hause Uhlmann durch Diskussionen und Kompromisse gelöst wurden, war aus der Matte eine der berüchtigten Vokuhila-Frisuren geworden. Damit hatte er die Lacher natürlich auf seiner Seite und mit seiner wunderbaren Hymne auf die dörfliche Heimat konnte die sympathische Plaudertasche erst recht punkten. Gleiches galt auch für den Song „Sommer in der Stadt“ mit dem seinem Hammer-Refrain, dem vorweg geschickt wurde, dass Herr Uhlmann ganz besondere Erinnerungen an Osnabrück hat. Hier hatte er im Ostbunker nämlich seinen ersten Support-Auftritt, der mit einer durch die eigene Musik initiierte Hotelübernachtung verbunden war- 1 ½ Sterne für lau und dann so aufgeregt vor lauter Begeisterung, dass man die Nacht durchgesoffen hat und gar nicht zum Schlafen kam… Durch dieses Ereignis hat Thees offensichtlich sein Herz für Vorbands entdeckt und sich das Talentscouting auf die Fahnen geschrieben. Aus diesem Grund wollte er dem Auditorium auch eine bisher ziemlich unbekannte Punkband aus Düsseldorf ans Herz legen, deren „Liebeslied“ er solo mit Gitarre und Mundharmonika („Das ist keine Zahnspange!“) bewaffnet zum Vortrag brachte. Der Track stammte selbstverständlich von den TOTEN HOSEN und wurde von „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ abgelöst. Hier war dann auch wieder die gesamte Mannschaft am Drücker und während die Bühne in blaues Licht getaucht war, wurde mit ausgiebigen „Uhhh“-Gesängen der Song abgefeiert, mit dem THEES UHLMANN im letzten Jahr beim Bundesvision Song Contest den achten Platz für Hamburg geholt hat. Nahtlos ging’s mit „Die Nacht war kurz (ich stehe früh auf)“ und einem erneuten Einsatz der Mundharmonika weiter, ehe der Mitbegründer des Indie-Labels Grand Hotel van Cleef berichtete, wie er mit Gitarrist und Produzent Tobias Kuhn (ausnahmsweise ohne Hut) vor einem Jahr in einem winzigen Studio in München an der Solo-Platte gearbeitet hat und wie langsam aber sicher „17 Worte“ entstanden ist. Mein persönlicher Favorit des erfolgreichen Alleingangs (immerhin Platz 4 der Album-Charts, höher ging’s für TOMTE-Platten bisher auch nicht) war von Anfang an „& Jay-Z singt uns ein Lied“. Für die Konserve konnte seinerzeit CASPER gewonnen werden; der war erst vor ein paar Tagen in der Hasestadt und hat den ausverkauften Hyde Park in Schutt und Asche gelegt, musste sich jetzt jedoch vom anstrengenden Tourleben erholen, weshalb Kollege Uhlmann den Rap selbst übernehmen musste. Aber der Mann wurde nach eigenem Bekunden ja quasi neben einer brennenden Mülltonne geboren und so konnte auch dieses Konzert-Highlight nach allen Regeln der Kunst abgefeiert werden. Für „Die Toten auf dem Rücksitz“ übergab Thees seinen akustischen Sechssaiter an seinen TOMTE-Mitstreiter Nikolai Pothoff, er selbst nahm auf dem Klavierschemel neben Fräulein Hügel Platz und insgesamt kehrte auf der Stage ein wenig Ruhe ein. Auf diese Weise beendete die Meute das reguläre Set nach einer Stunde, legte aber selbstredend noch eine Extraschicht ein.

Diese läutete der Bandleader ohne sein Team ein. Auf dem Programm stand ein Song, den er seinem Lieblings-Fußballclub, dem FC S. Pauli, gewidmet hat, als dieser in der dritten Liga auf dem 11. Tabellenplatz stand. Ungefähr da ist momentan auch der VfL Osnabrück zuhause, den Text konnten deshalb vermutlich auch viele VfL-Fans gut nachvollziehen. Für „Paris im Herbst“ war die gesamte Truppe wieder in Soll-Stärke versammelt, allerdings tauschte Drummer Markus Perner seinen Job hinter der Schießbude an dieser Stelle gegen ein Akkordeon, um der Nummer eine gewisse französische Note zu verpassen. Zwischen leisen Passagen und musikalischen Eruptionen entledigte sich Herr Uhlmann tatsächlich seiner geliebten Lederjacke, bevor es nach ein paar Verbeugungen und einem erneuten kurzen Verschwinden im Off den letzten Zugabenblock gab. Da THEES UHLMANN & Band (zu der auch noch der Bassist Hubertus Steiner zählt) ihr Pulver bereits verschossen hatten (so ist das halt, wenn man lediglich eine Platte mit nur elf Tracks hat), blieb nur die Wiederholung, weshalb es noch einmal ein „Wiederhören“ mit „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ gab. Auf der Tournee-Zielgeraden war man allem Anschein nach kaum noch zu bremsen und so folgte auf dem Fuße auch noch „Die Nacht war kurz (ich stehe früh auf)“, ehe der Abend nach knapp 90 Minuten Spielzeit um 22.30 Uhr vergleichsweise früh endete. Das Publikum (und auch ich) hätten sicher nichts dagegen gehabt, wenn an dieser Stelle die komplette CD und auch noch ein paar TOMTE-Stücke runtergespielt worden wären, aber daraus wurde erwartungsgemäß nichts mehr. Schön war’s trotzdem und auch mit dem Abstand von nur zwölf Tagen zwischen den Gigs in den beiden Städten des Westfälischen Friedens alles andere als langweilig.

Setlist THEES UHLMANN
Römer am Ende Roms
Das Mädchen von Kasse 2
Vom Delta bis zur Quelle
Lat: 53.7 Lon: 9.11667
Sommer in der Stadt
Liebesspieler (DIE-TOTEN-HOSEN-Cover)
Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf
Die Nacht war kurz (ich stehe früh auf)
17 Worte
& Jay-Z singt uns ein Lied
Die Toten auf dem Rücksitz

Das hier ist Fußball
Paris im Herbst

Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf
Die Nacht war kurz (ich stehe früh auf)

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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