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TIME HAS COME – BADGE OF APATHY – A DOG CALLED EGO

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Ort: Hamburg - Logo

Datum: 21.06.2008

Who the fuck are THE DILLINGER ESCAPE PLAN?!

Wer mit diesem launigen Sinnspruch nicht einverstanden sein mag, der wird sicherlich nicht widersprechen wollen, wenn ich zumindest behaupten möchte, dass TIME HAS COME zumindest die deutsche Antwort auf oben genannte Frickel-Abriss-Kommando-Band sind. Diesen Eindruck vermittelte der erste Longplayer (dessen Geburt hier noch einmal nachgefeiert werden sollte) schon recht eindruckend, ist aber nur ein mittelschweres Lüftchen im Gegensatz zu dem Orkan, den Marcel Detels und seine Mannen live im Logo entfachten.

Der Weg zum musikalischen Nirwana ist kein einfacher und deswegen gab es einige unglückliche Entscheidungen, die diesem Abend einige kleine Steine in den Weg legten. Zum einen fand im nahe gelegenen Scheeßel das alljährliche „Wacken-für-Indie-Rocker“ statt (und hielt schon einmal knapp 70.000 Menschen davon ab, im Logo zu verweilen) und zum anderen hält die EM, auch wenn die deutsche Mannschaft bei den übertragenen Spielen nicht involviert ist, den einen oder anderen vom Konzertbesuch fern und man begibt sich stattdessen dem öffentlichen Besäufnis namens „Public Viewing“ hin (welches gemeinhin in den Staaten ja eher unter „Leichenaufbahrung“ verstanden wird). Den Harley Days würde ich hingegen einmal keine (oder minimale) Schuld an der eher mäßigen Zuschauerzahl geben… (und TIME HAS COME schon gar nicht). Also was ich eigentlich sagen wollte: Leider nicht viel los. Von den Zuschauern und von der Stimmung her… Aber noch mal der Reihe nach:

A DOG CALLED EGO

Die ebenfalls aus Hamburg stammenden Prog-Post-Rocker legten zu Beginn des Abends die Latte schon einmal sehr hoch, denn mir gefielen die vier überaus talentierten Menschen außergewöhnlich gut. Der sich irgendwo zwischen OPETH und PORCUPINE TREE, Stoner-Rock und Post-Hardcore, Zuckerbrot und Peitsche, vernebelten Tagträumen nachhängen und der Kommerzfratze die Stirn bietende bewegende Klangkosmos der Band, überzeugte in jeglicher Art und Weise und konnte selbst durch das wenig enthusiastische Publikum nichts von seinem Glanz verlieren. Gitarrist und Sänger Christoph Stepan hat seine Armada an Effektgeräten im Griff und zaubert von harten Riffs bis leichten Licks alles aus seiner Gitarre hervor, singt dabei noch mit klarer Stimme und schwingt zwischendurch auch noch elegant sein halblanges Haar. Bassist Gregor Kaisser lächelt freundlich und zupft den Bass mal mit, mal ohne Plektrum, Gitarrist Marcel Habbe steht am linken Bühnenrand, ist nicht ganz so impulsiv wie sein Mitstreiter, spielt aber genauso gut und dem Schlagzeuger Dirk Bakker kleben nach einigen jenseitigen Drum-Parts die Haare klatschnass im Gesicht. Man merkt: Eine einnehmende, vielseitige und sympathische Truppe, die ein wenig mehr an positiven Reaktionen verdient gehabt hätte. Aber an diesem Abend war allgemein nicht sehr viel drin, deswegen sollten die Jungs sich nicht allzu sehr grämen. Vor allen Dingen da sie thematisch auch hervorragend zu TIME HAS COME passten, im Gegentum zu den nachfolgenden BADGE OF APATHY, welche die folgende Zeit recht lang werden ließ.

BADGE OF APATHY

Die lokale Sportgruppe fand sich denn auch in (HSV-)Shorts auf der Bühne ein und mir war sofort klar, mit was einer Art von Band wir es hier zu tun haben würden: Beatdown, Alter! Sogar zwei, drei Nachturner fanden sich zwischenzeitlich vor der Bühne ein, ansonsten war an den Gesichtern des Publikums wieder die übliche Mischung zwischen Faszination (ob der Rocky-muss-nochmal-fit-werden-Moves) und purer Langeweile abzulesen. Ich als Old-School-Hardcoreler kann mit dem Kram nichts anfangen, die Fans nerven manchmal wie die Seuche und auch musikalisch gibt es wenig Variation, deswegen schalte ich ganz schnell ab und lasse meine imaginären Roll-Läden herunter (und der Blick wanderte immer öfter auf den Bildschirm im Club. Russland gegen Holland 3:1. Um mit Pepe Nietnagels Worten zu sprechen: Man fasst es nicht!). Nur soviel: die Jungs sind nicht unsympathisch, nach der Reparatur des kaputten Drum-Pedals fanden sich sogar einige nette Gitarrenlinien in den Songs wieder und Alarm machten die Burschen auch anständig. Ihren Stiefel ziehen sie auch nicht schlechter als die restlichen Vertreter dieser Branche durch und dürften in einem Billing mit BURY YOUR DEAD, TOO PURE TO DIE und FINAL PRAYER sicherlich nicht negativ aus dem Rahmen fallen. Nur leider nicht mein Cup of tea (und auch nicht der des restlichen Publikums). Kommen wir also zurück zu der Band, weswegen sich die meisten dann doch heute Abend in Hamburgs Live-Schuppen eingefunden hatten.

TIME HAS COME

Zu den Klängen von „The White Fuzz“ (Album-Titel und gleichzeitig der Name des Instrumentals, welches am Ende des Albums erklingt) klettern die Hamburger auf die Bühne. Und erstaunlicherweise brettern die Jungs live noch eine Spur härter als auf Tonträger und bleiben trotzdem penetrant genau auf der Spur. Jeder Break sitzt, jedes virtuose Zwischenspiel passt punktgenau und Schreihals Marcel Detels verausgabt sich auf der Bühne bis zum letzten, auch wenn das Publikum ihm nicht unbedingt allen Grund dazu gibt (immerhin ist hier erheblich mehr Gejohle im Anschluss an die musikalische Darbietung zu hören). Erstaunlich variabel und emotional ist der gute Mann am Werke und sucht sogar den Kontakt zum Auditorium. So springt er das eine oder andere Mal vor die Bühne und schreit das halbnarkotisierte Publikum aus nächster Nähe an. Ein paar Fans sorgen für ein wenig Bewegung (stilsicher in TIME HAS COME-Shirts erschienen. Wahrscheinlich rechneten die netten Menschen ebenfalls mit etwas besserer Stimmung am heutigen Abend), aber bei dem Break-Core ist man eigentlich zu sehr damit beschäftigt zu verarbeiten, was die vier Jungs da auf der Bühne eigentlich zurechtzaubern. Bassist Lorenz Shranz macht mit seinem starren, wilden Blick den Eindruck, als würde er mit seinem Bass bewaffnet demnächst im örtlichen Penny Amok laufen, während (Über-)Gitarrist Dennis Kayzer eher wie Schwiegermamas Liebling aussieht (wenn auch mit ANIMOSITY-Shirt), dabei aber aus seiner Gitarre eine gefährliche Waffe macht. Der Wahnsinn, wie die Finger über das Griffbrett wirbeln (Intro würde so was „seelenloses Gitarrengeschrubbe“ nennen. Ich nenne das respektvoll: „Seinem Instrument eine eigene Sprache verleihen“) und niemals aus dem Takt (Takt? Welcher Takt?) geraten. Das hier ist die hohe Kunst der musikalischen Spastik, die aber nicht vergisst, den Hörer auch zwischendurch mal an die Hand zu nehmen. Zusammengehalten wird der ganze „Spaß“ von Christoph Schiming, der an den Drums nicht viel Zeit für Freizeit hat.

Allerdings war schon nach recht kurzer Zeit Schluss (im Endeffekt boten THC weniger Spielzeit als die beiden Support-Acts), aber nach einem so hochintensiven Auftritt sei das verziehen. Wenn man dann noch den etwas misslungenen Rahmen (Eine Party sieht selbst in Hamburg anders aus, aber das ist sicherlich nicht den Jungs anzulasten) vor Augen hält, haben TIME HAS COME definitiv das Beste daraus gemacht. Bei mir und den anwesenden Zuschauern haben sie sich sicherlich in bleibende Erinnerung gespielt. Ich bin beim nächsten Mal auf jedem Fall zur Stelle! Hut ab!

Copyright Fotos: Michael Päben

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