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TINA DICO & HELGI JÓNSSON

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Ort: Osnabrück – Rosenhof

Datum: 03.03.2013

So ein ruhiger Sonntagabend ist doch eine schöne Sache… Ich rede jetzt allerdings nicht von einem Abend mit Tatort und Chips vor dem Fernseher, sondern mit TINA DICO und HELGI JÓNSSON, die zu einer „party of the senses“ eingeladen hatten, wie es die blonde Dänin mit Wahlheimat Island ausdrückte. Storytelling und leise Töne sollten zum Wochenendausklang auf dem Programm stehen und das selbiges auf keinen Fall langweilig sein muss, wusste Frau Dico ebenso überzeugend rüberzubringen wie der Herr an ihrer Seite. Mit HELGI JÓNSSON teilt Tina nicht nur die Passion für die Musik und auf der aktuellen Tour auch die Bühne, sondern in gleichem Maße das Leben, denn die beiden sind seit 2010 ein Paar und seit dem vergangenen Jahr Eltern eines Sohnes.

Ob der Sprössling auch mit durch die Landen tourt, vermag ich nicht zu sagen, auf der Stage waren die beiden Erziehungsberechtigten auf jeden Fall allein zugegen, denn anders als vor zwei Jahren war TINA DICO nicht mit ihrer kompletten Band im Rosenhof, sondern startete zunächst um kurz nach 20.00 Uhr nur mit einer Akustikgitarre bewaffnet im Alleingang mit dem Song „One“. Mit ihrer Überzeugung, dass die Wanderklampfe und sie selbst für ein gelungenes Konzert reichen, lag die Dame gar nicht so verkehrt, denn mit ihrem Stück „Some Other Day“ (über die Londoner Bombenattentate 2005), dem lange nicht mehr gespielten und sehr eindringlichen „Headshop“ (den es wohl in Tinas Heimatstadt Aarhus gibt) sowie dem großzügig beklatschten „Room With A View“ wusste sie uneingeschränkt zu überzeugen. Das Ganze konnte jedoch noch getoppt werden und dafür griff ab „Long Way Home“ ihr Lebensgefährte in die Tasten, wobei die beiden den Song zunächst a cappella zu Gehör brachten. Sehr schön war dann auch „Sacré Coeur“, bei dem das Keyboard im Klavier-Modus genutzt wurde, ehe „Craftsmanship And Poetry“ jede Menge Dramatik aufbaute. Dass die beiden Protagonisten nicht nur im gleichen Takt musizieren, sondern auch ihre Herzen im gleichen Takt schlagen, war derweil nicht zu übersehen und so verteilten beide Komplimente an den jeweils anderen und wurden auch allerhand kleine Geschichten erzählt. Etwa dass die beiden vor fünf Jahren zum ersten Mal gemeinsam auf Tour waren und „Waltz“ der erste Track war, den die beiden zusammen gemacht haben und für den es im Übrigen gleich von mehreren Kritikern überschwängliches Lob für die beiden kraftvollen weiblichen Stimmen gab. In der Tat war es so, dass für die ganz hohen Töne (wie etwa beim unter die Haut gehenden „Break of Day“) heuer der Herr zuständig war. Der sprach übrigens sehr gut Deutsch, wenn auch mit einem österreichischen Akzent, was daran liegt, dass er acht Jahre bei den Ösis gelebt hat, wo er u.a. in Graz klassische Musik studiert hat. „Careful People“ hatte das Duo für das letzte Jónsson-Album geschrieben, das 2011 unter dem Namen „Big Spring“ in die Läden gekommen ist. Für die Performance der Nummer grifen beide zum akustischen Sechssaiter, bevor sich Helgi für das grandiose „Count To Ten“ wieder an das Tasteninstrument begab. Das Lied dient TINA DICO als Erinnerung, Herz und Hirn beieinander zu behalten und wurde natürlich mit Begeisterung und Jubel vom zahlreich erschienenen Publikum aufgenommen. Als nächstes folgte mit „Friend In A Bar“ die traurige Geschichte eines Mädchens, das seine große Liebe nicht vergessen und aufgeben konnte und darüber geradezu das Leben verpasst hat. Da war das rhythmusbetonte „Paper Thin“ deutlich munterer, was erst recht für das BOB-DYLAN-Cover „Don’t Think Twice It’s Alright“ galt, bei dem der zarte Helgi kräftig in die Posaune stieß. Bei dem groovenden Stück wurde selbstverständlich kräftig mitgeklatscht und mit ebenso viel Groove und Gebläse schloss sich auch „You Wanna Teach Me To Dance“ an, für das Tina ein Taschentuch an den Gitarrenhals knotete, weil der Song nach eigenem Bekunden so schwierig zu spielen sei, dass dieses Unterfangen nötig wurde. Ich tippe dann doch eher auf den „Showeffekt“, den es gar nicht unbedingt gebraucht hätte, denn das Auditorium hing eh an denn Lippen der Zwei. Andächtig wurde sogar das Stimmen der Sechssaiter verfolgt und selbst die Fotografen wagten kaum zu knipsen, um mit dem damit verbundenen Klicken nicht die ehrfürchtige Stimmung zu zerstören. „No Time To Sleep“ war wenig später mit einer Aufforderung zum Mitsingen verbunden, die von den Anwesenden auch willig angenommen wurde, ehe sie noch einmal ausführlich verdienten Beifall für ein weiteres überragendes Lied spendeten. Mit dem Song zur Tour „The Other Side“ war dann nach 95 Minuten auch schon das Ende des regulären Sets gekommen, womit sich jedoch die Osnabrücker selbstverständlich nicht zufrieden gaben. Mit Standing Ovations (der Gig war teilbestuhlt) wurden Dico und Jónsson ins Rampenlicht zurückgeholt, wo der Isländer für „Copenhagen“ zunächst verspielte Klavierakkorde ins Rennen schickte, während seine Herz-Dame die Langaxt bearbeitete und es zum Schluss dem Publikum überlassen wurde, für die Vocals zu sorgen. Beendet wurde der Abend mit „The Road“, das es auch vor zwei Jahren in dem ehemaligen Kino am Rosenplatz zu hören gab und auch ohne großes Besteck wussten die beiden nach einem ruhigen Auftakt den Titel gehörig ins Dramatische zu steigern.

Einen gelungeneren Abschluss hätte man sich für die Show wahrscheinlich gar nicht wünschen können. Trotzdem ging das Konzert nach bezaubernden 105 Minuten gefühlt viel zu schnell zu Ende, aber man soll ja schließlich aufhören, wenn’s am schönsten ist. Wollen wir hoffen, dass TINA DICO und HELGI JÓNSSON noch lange gemeinsame Sache machen und gar nicht erst auf die Idee kommen, die Musik an den Nagel zu hängen. Und der Abwechslung wegen, darf beim nächsten Mal auch wieder die Band mitkommen…

Setlist
One
Some Other Day
Headshop
Room With A View
Long Way Home
Sacré Coeur
Craftsmanship And Poetry
Break of Day
Waltz
Careful People
Count To Ten
Friend In A Bar
Paper Thin
Don’t Think Twice It’s Alright (BOB-DYLAN-Cover)
You Wanna Teach Me To Dance
No Time To Sleep
The Other Side

Copenhagen
The Road

Copyright Fotos: Holger Ebert

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