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TOKIO HOTEL

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Ort: Herford - Sommerbühne

Datum: 07.07.2006

Ob die Veranstalter der Herforder Sommerbühne wohl geahnt hatten, wie viel Stress sie sich mit der Verpflichtung der Teeny Superstars TOKIO HOTEL ins Haus holen würden? Frisch pubertierende Mädels, die seit dem Vortag wild im Gelände campten, gesperrte Straßen, Teenies im Fieberwahn, Eltern der Verzweiflung nahe… all dies schien nur ein geringfügiger Preis gewesen zu sein für DEN kulturellen Saison-Höhepunkt der kleinen ostwestfälischen Stadt – zumindest für die Zielgruppe. Und so machten sich neben 5000 Fans (ausverkauft) auch 2 Terrorverleger auf ins Getümmel, gut ausgestattet mit Ohrenschutz nach den Kreisch-Erfahrungen in der Bielefelder Seidensticker Halle. Man hatte den Platz durch mehrere Wellenbrecher abgeteilt, um etwaigen Tumulten vorzubeugen, wobei die Anordnung des Mischpults zentral in der Mitte doch eher ein Fehlgriff war. Ein wenig weiter nach hinten gelegt und schon hätte man locker noch mal 2000 zusätzliche Karten verkaufen können. Aber sei’s drum, die, die da waren, plus alle angrenzenden Neugierigen auf Strassen und Dächern veranstalteten auch so einen Heidenlärm in der zu einer kleinen Ewigkeit mutierenden Wartezeit auf die Tokianer, welche am Nachmittag wohl schon eine Autogrammstunde gegeben hatten. Im Gegensatz zu NENA am Vortag war diesmal keine Vorgruppe geplant, BLOG 27 sei Dank. Leider unterschied sich auch das Wetter, denn zeitweilig regnete es doch ganz ordentlich. So konnten die mit viel Mühe erstellten Plakate und Poster einer sinnvollen Verwendung als Regenschutz zugeführt werden. Gegen 19 Uhr, zur anvisierten Startzeit, stieg die Spannung langsam ins Unermessliche und jede noch so kleine Bewegung auf der Bühne wurde mit wildem Geschrei quittiert, die eine oder andere hielt gar den körperlichen Belastungen nicht stand. Allerdings wäre dies bei der Hitze von vor ein paar Tagen ein noch viel größeres Problem gewesen. 15 Minuten später umwehte ein leichter Nebel die Mikroständer und die Show konnte beginnen…

Zu den bekannten Opener-Klängen von „Jung und nicht mehr jugendfrei“ betraten zunächst Tom an der Gitarre links, Georg am Bass rechts und der extrem jung wirkende Schlagzeuger Gustav die Stage, bevor der androgyne Mega-Schwarm Bill Kaulitz singend ins Rampenlicht trat. Dies sorgte für eine wahre Raserei auf den Rängen, und allerlei (auch intime) Gegenstände fanden ihren Weg nach vorne. Im weiteren Verlauf bewies der schlaksige Boy seine Entertainment-Qualitäten, die er nach den vielen Gigs mittlerweile zweifelsfrei besitzt. Er könnte sicherlich auch in Esperanto Jubelstürme entfachen, doch die Ansagen wirkten schon recht professionell und sympathisch, wenn er beispielweise über Fußball parlierte („Eigentlich hab ich mich bisher dafür nicht so interessiert.“ „Ist heute ein Spiel?“). Einige Einleitungen kennt man natürlich auch von den anderen Konzerten, doch dieses „Problem“ haben viele Acts. Die Setlist stimmte exakt mit der von der letzten Tour bekannten überein, etwaige Überraschungen suchte man also gerade nach dem Studioaufenthalt für die 2te Platte umsonst. Auch die „neuen“ Stücke wie „Thema Nr. 1“ (inklusive Mitsingteil) oder die erste Zugabe „Frei im freien Fall“ waren den meisten Fans schon bekannt. Im hinteren Teil des Platzes ließen es sich übrigens auch einige Erwachsene (Eltern) nicht nehmen, zu den sauber und sehr laut gespielten Klängen mitzugehen. „Monsun“ und „Rette mich“ sind da beispielsweise als besondere Highlights zu erwähnen. Die nächste Single „Der letzte Tag“ beendete den regulären Teil, der natürlich nach heftigsten Forderungen verlängert wurde. Vor dem Eingang warteten derweil schon einige Erzeuger darauf, dass ihre bemalten und beklebten Sprösslinge wieder in die reale Welt zurückkommen.

Fazit: Egal wie man zur Musik von TOKIO HOTEL steht, war dieses Konzert doch eine monströse Ablenkung von Herfords sonst eher beschaulichem Leben, von der noch lange erzählt werden wird. Die Darbietung war technisch sauber und unterhaltsam, eben zielgruppengerecht, was anderes machen all die SILBERMONDe und REVOLVERHELDen auch nicht, und bei dem anhaltenden Hype wird das „Schrei“-Nachfolgewerk sicher wieder weggehen wie geschnitten Brot!

Setlist (ohne Gewähr)
Jung und nicht mehr jugendfrei
Beichte
Ich bin nicht ich
Schrei
Leb’ die Sekunde
Schwarz
Lass uns hier raus
Gegen meinen Willen
Monsun
Thema Nr. 1
Wenn nichts mehr geht
Rette mich
Freunde bleiben
Der letzte Tag

Frei im freien Fall
Unendlichkeit

Monsun (Var.)

Copyright Fotos: Jörg Rambow/ Karsten Thurau

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