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TORPUS & THE ART DIRECTORS

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Ort: Osnabrück – Kleine Freiheit

Datum: 15.04.2015

Was war das ein Wetterchen heute – Sommer mitten im April und das auch noch im nicht eben sonnenverwöhnten Osnabrück! Da war es wohl für den einen oder anderen nicht ganz einfach, abends vom Balkon runterzukommen und sich auf den Weg in die Kleine Freiheit zu machen. Anders war es nicht zu erklären, dass sich gerade mal rund 50 Leute in der ehemaligen Bahnkantine am alten Güterbahnhof tummelten, um bei TORPUS & THE ART DIRECTORS mit von der Partie zu sein. Immerhin waren Sönke Torpus (Gesang, Akustikgitarre) Melf Petersen (Gesang, Baritongitarre) Ove Thomsen (Gesang, Pedal Steel, Harmonium) Felix Roll (Schlagzeug) und Jenny Apelmo (Gesang, E-Bass, Kontrabass) bereits zum dritten Mal in der Hasestadt, brachten nicht nur ihr brandaktuelles drittes Album „The Dawn Chorus“ mit, sondern allerhand „Schafiges“ und hätten im Übrigen auch deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient.

Selbige schenkte das Auditorium den Nordlichtern jedoch uneingeschränkt, sodass Bandleader Sönke sogar anerkennend bemerkte, dass niemand quatschte oder mitfilmte. Ganz offensichtlich waren die Anwesenden tatsächlich wegen der Musik gekommen und wussten die Darbietung auf der kleinen Stage auch entsprechend zu würdigen. Zwar blieben die Osnabrücker wie üblich auf Abstand und auch die lobenden Worte fielen auf den ersten Blick eher bescheiden aus, aber nachdem die Band aufgeklärt war, dass ein „gar nicht schlecht“ aus dem Mund eines Ortsansässigen eine kaum zu steigernde Auszeichnung ist, wusste die 2009 gegründete Folk-Kapelle ihr Publikum auch einzuordnen. Los ging’s um 20.45 Uhr mit der Nummer „I Can Decide That By Myself” vom aktuellen Silberling, bei der gleich einmal Gebläse zum Einsatz kam. Kollege Torpus griff zur Posaune, ehe es mit dem „Dawn Song“ nahtlos und mit viel Drive weiterging. A cappella startete schließlich „Known, Seen, Judged” vom 2012er Longplayer „From Lost Home To Hope”, das sehr folkig und mit Kontrabass-Begleitung rüberkam. „Poem For A Friend” empfahl sich nicht nur für den gelungenen Live-Vortrag, sondern auch für lange Autofahrten auf einsamen Straßen, bevor „Howl“ mit großen Emotionen um die Ecke lugte. Dass dieser Mittwoch für das Quintett nach eigenem Bekunden ein Tag der technischen Probleme war, merkte man wirklich nur am Rande, störte aber auch überhaupt nicht und verhalf dem Gig fast im Gegenteil zu noch mehr Charme. Nun hatte es die Combo auf der kleinen Bühne auch nicht ganz einfach. Erstens ist es dort mit fünf Leuten und allerhand Gerätschaften eh schon ganz schön eng und dann wurden auch immer mal wieder die Instrumente gewechselt und durchgetauscht. Zweitens war da ja auch noch das Schaf Helmut, das ebenfalls noch seinen Platz verlangte. Ein Verwandter des genügsamen Paarhufers ziert ja auch das jüngste Plattencover und hier und da kam auf dekorative Weise auch noch ein wenig Schaffell zum Einsatz. Im Mittelpunkt stand selbstverständlich immer noch die Musik, auch wenn sich Melf sehr interessiert an der Siebenschläfer-Plage zeigte, die an der Hase bereits seit Jahren grassiert und von der auch die Schreiberin dieses Berichtes ein Lied singen kann, da regelmäßig ein Exemplar dieses nachtaktiven Nagers in ihrem Briefkasten wohnt und gern die Zeitung zerfetzt. Das nur am Rande, schließlich haben an diesem Abend (glücklicherweise) ganz andere gesungen. Gern auch mehrstimmig, so wie beispielsweise bei „Mirror Mirror“, das rhythmusbetont zu Herzen ging. Für „The Leaving“ wechselte im Anschluss auch Tastenmann Ove an den elektrifizierten Sechssaiter, was bei dezentem Country-Style zu extremen Groove führte, während es „Steps“ im Folgenden etwas ruhiger und nachdenklicher angehen ließ. Dafür ging die Pedal Steel von „In Hushed Tones“ umgehend ins Bein und im großen Finale mit abermals drei Gitarren ging’s noch mal so richtig in die Vollen. „Sleeping On The Backburner“ schloss sich treibend an, worauf das schöne „Fall In Love“ sehr abwechslungsreich mit Mandoline, Kontrabass, Trompete, Pedal Steel und rauem Gesang übernahm. Mit „Modesty/Honesty“ gab’s noch mal ein bisschen Americana-Country-Stuff auf die Ohren, wohingegen „Roll It Up Again“ langsam startete, dann abermals amtlich hinlangte und richtig Spaß machte. Leider markierte dieses Stück nach 70 Minuten auch schon das Ende des regulären Sets, aber die Schleswig-Holsteiner (Jenny kommt gar aus Schweden) mit Wohnsitz in Hamburg legten natürlich noch mal nach.

Für die Osnabrücker war der Zugabenblock sogar zwei Songs umfangreicher als in anderen Städten, was vordergründig an der guten Stimmung lag (außerdem wurde ja auch Tour-Bergfest gefeiert), des weiteren aber auch mit dem Versprechen eines Zuschauers verbunden war, einen der angepriesenen Bademäntel zu kaufen, die das Merchandising neben CDs, Vinyl und Kassetten(!) bereit hielt. Dafür wurde dann auch völlig ungeprobt das gewünschte „I Want It Back“ zum Besten gegeben. Und das mit so viel Spielfreude, dass es auch gänzlich egal war, dass fürs Xylofon nur ein Klöppel am Start war und es zudem an der eigentlich nötigen B-Dur-Mundharmonika fehlte. Vermisst wurde vom Auditorium garantiert nichts und so gab’s schließlich ganz speziell für die achtsamen und konzentrierten Osnabrücker Konzertgänger noch das „Black Harp Girl“, mit dem sich TORPUS & THE ART DIRECTORS schließlich nach 100 kurzweiligen Minuten mit einem fulminanten Finish verabschiedeten. Bleibt festzuhalten, dass es ein toller Abend mit den Exil-Nordfriesen war, deren Fronter Sönke Torpus mich beim Sprechen gelegentlich ein wenig an Detlev Buck erinnerte. Vielleicht haben beide ein ähnliches norddeutsches Idiom, auch wenn ich vermute, dass Sönke mit seiner Heimatstadt Niebüll eher nach Schleswig gehört, während Detlev als gebürtiger Segeberger zu Holstein zählt (um das Ganze geografisch mal stark zu vereinfachen). Wie auch immer: Es war mir ein großes Vergnügen und ich hoffe, dass die Truppe auch auf der nächsten Tour wieder Halt an der Hase macht.

Setlist
I Can Decide That By Myself
Dawn Song
Known, Seen, Judged
Poem For A Friend
Howl
From Holding Your Hands
Dancing Kids & Summers Laughter
Mirror Mirror
The Leaving
Steps
In Hushed Tones
Sleeping On The Backburner
Fall In Love
Modesty/Honesty
Roll It Up Again

Two Hearts
When I Left My Apartment
On The Roundabout
I Want It Back
Black Harp Girl

Copyright Fotos: Holger Ebert

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