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TORSTEN STRÄTER

171124-Torsten-Straeter

Ort: Osnabrück – OsnabrückHalle

Datum: 24.11.2017

„Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein“ ist nicht nur der Titel des aktuellen Buches von TORSTEN STRÄTER, sondern vielleicht auch im Moment eine Maxime des 51-jährigen Ruhrgebiets-Komödianten. „Kabarettist“ hört er ja nicht so gern, stellt sich aber für den Fotografen der örtlichen Zeitung gern in eine denkende Kabarettisten-Pose und ist auch sonst gern bei der Arbeit behilflich, denn er hat ganz offensichtlich ziemlichen Bock auf seinen eigenen Job, der eine Menge mit Vorlesen und dem Erzählen von herrlichem Blödsinn zu tun hat.

Davon wollten sich an diesem Freitagabend nicht wenige Osnabrücker überzeugen, immerhin hatte Sträter, der sich noch an Lesebühnen-Auftritte von zwölf Personen im Spitzboden der Lagerhalle erinnern konnte, schon vor Wochen den gesamten, 1760 Plätze fassenden Europa-Saal der OsnabrückHalle ausverkauft. Da wurde dem Mützenträger natürlich auch gern das akademische Viertel verziehen, mit dem ganz im Sinne des bereits erwähnten Programm-Namens gestartet wurde. So konnten sich schließlich vorab auch noch alle mit Kaltgetränken versorgen; versprach, nein drohte Torsten doch beinahe, dass es ein langer Abend würde, er sei ausgeschlafen und zudem müsse am Samstag ja wohl keiner arbeiten. Falls doch, werden die Betroffenen ihrer Tätigkeit wohl mit einem ausgeprägten Zwerchfell-Muskelkater nachgegangen sein, denn Kollege Sträter ließ mal wieder nichts anbrennen. Wer noch nie bei einem seiner Solo-Live-Auftritte war, wird sich womöglich gewundert haben, wann der Mann denn endlich zu lesen begänne, denn in der ersten halben Stunde erzählte der gelernte Herrenschneider zunächst mal davon, wie seine Prostata-Untersuchung verlaufen war und dass man ihn in Berlin mit einem Mitglied der Band SANTIANO verwechselt hatte, was scharenweise Frauen mittleren Alters anzog, denen er auch bereitwillig Autogramme gab. Ob er allerdings noch mal ins Fitnessstudio gegangen ist, nachdem er dort den Saugroboter geschrottet hatte, den er in seiner Ladestation für die Personenwaage gehalten hatte, blieb im Dunkeln, dafür weiß das Publikum jetzt jedoch um die diversen Funktionen eine Fitnessuhr und dass diese auch beim Onanieren Schritte zählt.

Was es mit dem E-Auto auf Malle auf sich hatte, war dann Inhalt des ersten Textes, ehe es langsam und dennoch sehr kurzweilig Richtung Afrika-Tagebuch ging. Bevor daraus rezitiert werden konnte, musste allerdings zunächst der Begriff „Hottentotten“ auf seine political correctness geprüft werden. Und dann stellte sich auch noch die Frage, warum die Krankheit eines Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwäche eine so komplizierte Bezeichnung wie „Legasthenie“ hat, wo doch gerade hier ein simpler Begriff wie „Mumps“ viel besser zu handhaben wäre. Mit Ausführungen über Flatulenzen im 12-Stunden-Flug nach Namibia ging’s dann erst einmal in die knapp halbstündige Pause, um schließlich gemeinsam den schwarzen Kontinent zu bereisen, was Herr Sträter übrigens 14 Tage im selben Hemd tat, da sein Koffer nicht den Weg über den Äquator geschafft hatte. Selbstredend wusste er auch von dieser Reise allerhand unterhaltsames zu berichten und schweifte ein ums andere Mal mit dem ihm eigenen knochentrockenen Humor auf das Vortrefflichste ab.

So galt es noch zu klären, ob nicht vielleicht das künstlereigene Merchandise, das bis dato aus Büchern und CDs besteht, nicht noch ergänzt werden könnte. Beispielsweise um Kondome mit dem Aufdruck „Ich bin raus, das war’s von mir“. Zum Abschluss gab TORSTEN STRÄTER noch die Geschichte zum Besten, wie er lange SMS an seine verstorbene Mutter geschrieben hat und irgendwann auch Antworten bekam – von Tarek, seiner digitalen Schwiegermutter. Klingt komisch? Ist es auch! Zum Brüllen komisch, so wie der gesamte Abend mit diesem begnadeten Komiker, der zwar nach eigenem Bekunden nach dem Konzept arbeitet „reicht für ein Jahr“, aber ich bin mir sicher, dass die anwesende Zuschauerschaft auch gleich am nächsten Abend wieder am Start gewesen wäre, wenn sich dafür die Gelegenheit ergeben hätte. Aber dazu hätte das Auditorium nach Nienburg fahren müssen und dort war das Theater – wen wundert’s – ebenfalls schon lange ausverkauft.

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