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TRIGGERFINGER – DOC IDIOT

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Ort: Osnabrück – Kleine Freiheit

Datum: 30.03.2011

Wer meint, in Belgien wäre außer Bier, Pommes und Pralinen nicht viel zu holen, hat sich noch nicht mit der Musik unserer westlichen Nachbarn beschäftigt. So geht in Sachen Stonerrock nicht nur in ihrer Heimatstadt Antwerpen kein Weg an TRIGGERFINGER vorbei. Im letzten Jahr ist im Land der Flamen und Wallonen das dritte Studioalbum „All This Dancin’ Around“ erschienen und hat es immerhin und absolut zu Recht bis auf Position 2 der Charts geschafft. Anfang 2011 ist der Silberling auch bei uns in die Plattenläden gekommen – Grund genug für Ruben Block (Gesang & Gitarre), Paul van Bruystegem (Bass) und Mario Goossens (Drums) auf Tour zu gehen und auch mal wieder in Osnabrück vorbeizuschauen. Sehr zur Freude von etwa 200 Fans, welche die Kleine Freiheit nahezu komplett in Beschlag nahmen und zudem in den Genuss einen hervorragenden Supports kamen, der zgleichzeitig unter Beweis stellen konnte, dass auch an der Hase vortrefflich gerockt wird.

DOC IDIOT sind nämlich in Osnabrück zuhause und haben sich seit 2009 knackigen Sounds Richtung Doom Metal, Noise und Stoner verschrieben. Eine Platte namens „Projektil“ haben die drei Jungs im letzten Jahr in Eigenregie auch schon gemacht, wobei die 35 druckvollen Minuten in der ehemaligen Bahnkantine unmissverständlich klar gemacht haben, dass die Herrschaften keinesfalls blutige Anfänger sind. Sänger und Gitarrist Sebastian beeindruckte mit einem sehr eigenen Gesangsstil, bei dem auch viel gebrüllt, geshoutet und verzerrt wurde, weshalb ich gar nicht sicher bin, ob überhaupt immer Text mit im Spiel war. Zur Seite stand ihm eine tatkräftige Rhythmusfraktion, die das Ihrige tat, um den sieben Tracks den nötigen Drive zu verpassen. Mit viel Geschrammel und Gegniedel legten DOC IDIOT perfektes Langaxt-Geholze hin und sogar das Gitarrenstimmen wurde publikumswirksam zelebriert. Die Anwesenden wussten den schweißtreibenden Auftritt des Trios durchaus zu schätzen und verfolgten die Show aufmerksam mit beifälligem Kopfnicken und spendeten zur Belohnung verdienten Applaus.

Eine gute halbe Stunde später war’s in der Kleinen Freiheit endgültig rappelvoll und das belgische Dreigestirn legte mit „I’m Coming For You“ vom aktuellen Longplayer gleich los als sei der Teufel hinter ihnen her. Wie es sich für TRIGGERFINGER gehört, waren sämtliche Protagonisten im feinen Zwirn gekleidet, der allerdings keineswegs geschont wurde. Im Laufe des Abends waren die Klamotten schweißgetränkt und auch die Frisur von Fronter Ruben Block hatte ein wenig gelitten. Beim glatzköpfigen Basser Paul van Bruystegem kein Thema, dafür musste der beleibte Mann am Tieftöner, der während des gesamten Gigs eine Sonnenbrille trug, irgendwann doch das schwarze Jackett ablegen. Kein Wunder, bei der Schlagzahl, die vom im Mittelpunkt thronenden Mario Gossens vorgegeben wurde. Bei „Short Term Memory Love“ vom Vorgänger „What’ Grab’s Ya?“, in dessen Genuss wir im letzten Jahr gekommen sind, ließ der Drummer es zunächst vergleichsweise langsam angehen, doch in letzter Konsequenz brach auch diese Nummer mit aller Gewalt über die Anwesenden herein. Dagegen hatte das begeisterte Auditorium allerdings auch gar nichts und so konnten alte und neue Songs in der gebotenen Form abgefeiert werden. Der Sound war durchgängig cool und absolut mitreißend. Zweifellos hatte Sebastian von DOC IDIOT nicht zu viel versprochen, als er die „sexuellen TRIGGERFINGER“ ankündigte. In der Luft lag jede Menge Spannung und nie wieder werde ich behaupten, dass bärtige Männer scheiße aussehen! Grandios das hypnotische „My Baby Got A Gun“ oder auch das mitreißende „Camaro“ vom selbstbetitelten Debüt aus 2005. Wie sich ein Liebeslied bei TRIGGERFINGER anhört, stellte das David-Lynch-mäßige „Love Lost in Love“ mit jaulender Langaxt und fetten Rhythmen klar, ehe „All This Dancin’ Around“ in jeglicher Hinsicht auf dem Programm stand und straight nach vorn rockte. Bei „First Taste“ hatten Ruben und Paul zunächst eine kleine Verschnaufpause, da Mario kurzfristig mitsamt eines Schlagzeugsolos den Alleinunterhalter gab, ehe die absolut coole Sau Block das Heft wieder in die Hand nahm und die Zuschauer zu Schrei-Einlagen animierte. Ein Part, den der Belgier übrigens deutlich besser beherrscht als das Osnabrücker Publikum. Das durfte bei „Is It“ noch mal ihre Sangeskünste unter Beweis stellen – das klappte schon besser, aber als tanzende Meute machte sich das Publikum dann doch am besten und dafür war der knackige Track ganz vortrefflich geeignet. Entsprechend beendete der flotte Dreier das reguläre Set auch unter Beifallsstürmen und machte sich erst gar nicht die Mühe, von der Bühne zu gehen. Nach ein paar Schlucken Bier und Wasser ging’s mit dem vergleichsweise bluesigen „All Night Long“ auf die Zielgerade, dem mit „Cherry“ das große Finale folgte. Hier wurde sich noch mal um Kopf und Kragen gerockt und wer sich noch nicht warm getanzt hatte, war angehalten schnell noch mal wenigstens in den Kopfnicker-Modus zu wechseln.

Damit war der knochentrockene TRIGGERFINGER-Wirbelsturm nämlich nach 85 Minuten leider schon wieder vorbei. Im 13. Jahr haben die Herrschaften fraglos nichts an Spielfreude, Coolness und Rock’N’Roll eingebüßt und ihren Fans schlicht und ergreifend einen geilen Abend beschert!

Setlist TRIGGERFINGER
I’m Coming For You
On My Knees
Short Term Memory Love
Let It Ride
My Baby’s Got A Gun
Camaro
Love Lost In Love
All This Dancin’ Around
First Taste
Is It

All Night Long
Cherry

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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