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TUSKA FESTIVAL 2007 – TAG 3

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Ort: Helsinki - Kaisaniemi Park

Datum: 01.07.2007

Auch am Sonntag, dem letzten Festivaltag ging es nicht vorm Aufstehen los, ich hatte zum Glück trotz des übermäßigen Alkoholkonsums am Vortag keinen Kater und gesellte mich ausgeschlafen zu den anderen, um wie jeden Morgen ein ausgiebiges Frühstück zu genießen und mich dann langsam auf den Weg zum Gelände zu machen. Auch heute war das Wetter wieder total auf unserer Seite, die Sonne strahlte vom hellblauen Himmel, fast schon zu idyllisch für ein Metal Festival.

Los ging es an diesem Tag für mich mit den Dänen von MERCENARY, eine der für mich am meisten unterschätzen Bands. Trotzdem sie mit der Kiddi-Cover-Band STURM UND DRANG einen nicht ganz einfachen „Gegner“ auf der Inferno Stage hatten, schafften sie es, ein fast leeres Zelt während der Show gut zu füllen, indem sie alles Pulver verschossen, was sie hatten und schon am frühen Tag eine Wahnsinnsstimmung erzeugten und wussten, wie sie die Menge für sich gewannen. Auch wenn die Stimme des Sängers anfangs etwas gewöhnungsbedürftig war, hat man sie erst einmal in sein Ohr gelassen, wird man sie auch nicht so schnell wieder los. Spätestens bei „Redefine Me” und „My Secret Window” hatten die Jungs die Menge voll auf ihrer Seite. Beendet wurde dieser durchaus gelungene Gig mit einer saugeilen Metalballade, jedem der sie nicht kennt, kann ich nur dringest empfehlen mal reinzuhören. „2 Dreams“ ist wirklich zum Träumen schön und besitzt alles, was eine Metalballade gelungen werden lässt.

Setlist MERCENARY
Soul Decision
My World Is Ending
World Hate Center
Redefine Me
My Secret Window
2 Dreams
(Fallen Angel)

Ich wusste nicht, was mich erwartet, als ich mich auf zum Zelt machte, um mir die finnische Band mit dem deutschen Namen STURM UND DRANG anzusehen. Jedenfalls staunte ich nicht schlecht, als fünf blutjunge Knaben – alle im Alter zwischen 15 und 17 Jahren – die Bühne betraten. Ich hätte es mir eventuell denken können, denn auch große Teile des Publikums lagen im Altersdurchschnitt unterhalb der „normalen“ Tuska-Besucher. Vergleiche zu TOKIO HOTEL mögen sich manchem aufdrängen, wenn man an die Verkaufszahlen des Debüts der jungen Finnen denkt (welches auf Platz 3 der nationalen Charts eingestiegen ist) – Und man ist besorgt, wenn man daran denkt, welch ein Hype dort bevorstehen könnte. So weit ist es jedenfalls am besagten Sonntag noch nicht, denn das Bühnenzelt war halb voll und die Fans verteilten sich noch gut, statt sich ausschließlich in die ersten Reihen zu quetschen. Und rein musikalisch, wie auch vom Aussehen her, haben STURM UND DRANG nicht gerade viel mit TOKIO HOTEL gemein. Der Junge mit der Alexi-Laiho-Gitarre und seine Bandkollegen spielten Heavy Metal und sie beherrschen ihre Instrumente (einschließlich Stimme!) so gut, dass neben netten Soli sogar noch ein paar Posen und Besonderheiten drin waren. Da wurde die Gitarre an einer Stelle mal mit dem Mund gespielt, und auch Luftsprünge gab es zu sehen – gebangt wurde sowieso. Ich persönlich fand die Songs selbst nicht sonderlich innovativ, aber die Jungs rockten trotzdem gut. Vielleicht aus Mangel an genug eigenem Material (wen wundert’s in Anbetracht ihres Alters) bekamen wir gleich drei Coversongs serviert. Diese stammen, trotz kleiner Deutschlandflagge am Drumkit, von JUDAS PRIEST, IRON MAIDEN und als Zugabe von BLACK SABBATH. Das gesamte Konzert hindurch wirkten die Jungs nicht scheu, und zumindest Frontmann André schien besonders gern mit dem Publikum zu kommunizieren. Zum Schluss gab es eine Runde Plecs frei Haus. Glatt gelaufen!

Setlist STURM UND DRANG
Intro
Broken
Learning to Rock
Breaking the Law
Talking to Silence
Indian
The Raven
Rising Son
Fear of the Dark
Forever

Paranoid
(Kerstin)

Auch die Jungs von BLIND GUARDIAN scheinen hierzulande sehr beliebt zu sein, denn auch sie brauchten sich nun wirklich nicht über zu wenig Publikum zu beschweren. Unser Hansi – noch ganz ungewohnt so neuerdings ohne Bass – motivierte die Menge vor der Bühne, was das Zeug hielt und auch im Grimassenscheiden hätte er einen Preis gewinnen können. Allerdings kann man den Auftritt nicht mit Shows in Deutschland vergleichen, denn die Stimmung, die der „Bard’s Song“ sowie „Mirror – Mirror“ hier zum Beispiel auf dem Wacken erreichen würde, kam nicht auf. Dennoch, unsere Jungs machten ihre Sache gut, sie zeigten sich durchaus spielfreudig und Hansi hüpfte über die Bühne als ginge es um sein Leben, dabei wollten die Finnen doch nur seine Musik.

Setlist BLIND GUARDIAN
This Will Never End
Born In A Mourning Hall
Nightfall
Fly
I’m Alive
Punishment Divine
Traveler In Time
And Then There Was Silence
Imaginations From The Other Side
The Bard’s Song – In The Forest
Mirror Mirror

Heute stand für mich die schwerste Entscheidung des Festivals auf dem Plan: Die Volkshelden FINNTROLL gegen die Newcomer von NAILDOWN. Für die NAILDOWN-Jungs die denkbar schlechtesten Startbedingungen, die sie haben konnten, da sie als noch recht unbekannte Band gegen die Überflieger-Party Fraktion FINNTROLL kaum anspielen konnte, bei denen platzte nämlich das Zelt bereits beim Intro aus allen Nähten und es wurden überall „FINTROLL- FINNTROLL – FINNTROLL“ Rufe laut. Die Jungs erlebten ein Heimspiel de luxe, bei dem der Über–Hit „Trollhammeren“ die Stimmung endgültig zum Überkochen brachte. Es wurde getanzt und gefeiert, wie ich es bei einer deutschen Show selten so erlebt habe und die Band, die diesmal erstmals mit 2 Tastenmännern auf der Bühne stand, präsentierte sich in absoluter Spiellaune. Der Funke sprang von der Band zum Publikum und wieder zurück – ein Wahnsinns Spektakel der bemalten Horde, die das Publikum im Nu im Griff hatte. Sichtlich zufrieden und mit der Gewissheit, eine geniale Show hingelegt zu haben, verließen die Jungs nach einer knappen Stunde die Bretter der Sue Stage.

Setlist FINNTROLL
Sång
Fiskarens Fien
Ormhäxan
En Mäktig Här
Blodnatt
Jaktens Tid
Kitteldags
Nedgång
Trollhammaren
Under Två Runor (?)
(Fallen Angel)

Die Jungs von NAILDOWN hatten es wie bereits erwähnt nicht leicht gegen FINNTROLL anzuspielen, die zeitgleich am anderen Ende des Geländes ihren Auftritt hatten. Nun kann man zwar sagen, dass die Herren mit ihrem „modern hybrid metal“ ein ganz anderes Feld beackern als die Trollhorde, aber letztere sind dennoch eine harte Konkurrenz, da sie im Gegensatz zu den noch recht „neuen“ NAILDOWN einfach so etwas wie Kultstatus besitzen. Kurzum, die Newcomer hatten ein halbvolles Zelt vor sich, was sich aber in keiner Weise auf ihre Spielfreude auswirkte und entsprechend war auch das Feedback des kleinen Publikums durchaus befriedigend. Die Band fühlte sich sichtlich wohl und ging richtig aus sich heraus. Mir kam es auch so vor, als hatten die Jungs mehr backing vocals eingebaut als bei anderen Konzerten davor. Insgesamt schienen sie auf Tour mit ENSIFERUM einiges an Selbstsicherheit getankt zu haben. Vielleicht lag es aber einfach nur an dem Heimspiel. Drei Viertel der gespielten Songs stammten vom aktuellen Album „Dreamcrusher“.

Setlist NAILDOWN
Intro (Terminator)
Dreamcrusher
Judgement Ride
Save Your Breath
The New Wave
Shining Throne
Lame
Broken Down
(Kerstin)

Wenn die Portugiesen von MOONSPELL auf die Bühne kommen, gibt es für viele kein Halten mehr. Egal ob einem die Musik zusagt oder nicht, Fronter Fernando Ribeiro hat einfach Charisma und das gewisse Etwas, um die Massen vor der Bühne in Bewegung zu versetzen. So hatten sie auch beim Tuska ein leichtes Spiel und heizten der Menge mit Krachern wie „Opium”, „Vampiria” oder „Alma Mater“ ein. Alte und neue Songs wurden gleichermaßen abgefeiert. Mit „Full Moon Madness” und „Mephisto” wurde dann das Ende eines wieder einmal absolut überzeugenden Gigs eingeläutet. Sauber! Für mich neben MERCENARY definitiv eine der besten und mitreißendsten Band des Tages!
(Ateacina)

Die nächste Überschneidung der beiden Zeltbühnen wird wohl keine großen Entscheidungsschwierigkeiten gebracht haben: D’ESPAIRSRAY (JPN) vs. VADER (POL) oder: feuchte Höschen gegen echtes Todesgeballer. Wir witzelten vom Vorfeld, dass die echten Metaller ihren weiblichen Anhang erst zu den Japanern brachten, um sich dann von den Polen richtig eins auf die Zwölf geben zu lassen -anscheinend war das echt so.

Schon bevor die Japsen von D’ESPAIRS RAY die Sue Stage betraten, war es vor der Bühne bereits brechend voll mit fein herausgeputzten Gothic-Mädels, die sich bei jeder ach so kleinen Bewegung auf der Bühne die Seele aus dem Leib kreischten. Unter uns Fotografen ging auch direkt die Lästerei los und ich fühlte mich das zweite Mal an TOKIO HOTEL erinnert (das erste Mal war ja bei COB). Ich beschloss als erstes, meine Ohrenstöpsel etwas weiter in die Ohren zu schieben, um nicht taub zu werden. Gleichzeitig fragte ich mich, ob man von der Band überhaupt was hören würde. Ich kannte die Japaner bisher nur vom Hören sagen und fand schnell heraus, dass es sich hier wohl um die japanische Antwort auf NEGATIVE und HIM handelte, denn auch bei dieser Band war es schwer zu erkennen, ob es sich nun um Männer oder Frauen auf der Bühne handelte und auch der Musikstil war sehr ähnlich. Den Mädels vor der Bühne schien es zugefallen, einige Gesichtsausdrücke waren urkomisch: Einigen Mädels stand der Mund offen, andere hatte einen total entgeisterten Gesichtsausdruck, so als könnten sie nicht glauben, was da gerade los war. Als der Sänger sein Hemd auszog, trieb es mich weg von den Jungs, denn von da an war das Gekreische eindeutig viel lauter als die Musik und ausrastende Mädels sind eh nur begrenzt witzig. Alles zog mich zu VADER, die auf der Inferno Stage ein ebensolches entfachten und eine wahre Death-Metal-Lawine über die Menge schickte, die alles platt walzte – Wahnsinn, das komplette Kontrastprogramm!
(Fallen Angel)

Was am Vortag Windmühlen und Käseräder der LEGION OF THE DAMNED nicht haben klein kriegen können, dem rückte am Sonntag die polnische Panzerdivision von VADER zu Leibe. Nach dem Intro und dem ersten Song begrüßte Peter das zum Bersten gefüllte Inferno Zelt mit einem zünftigem „SUOOOOOOOOMI“ und die Meute johlte freudig zurück. Die vier Polen fackelten auch gar nicht lang und ließen den Panzer über den Kaisaniemi Park rollen und walzten alles platt. Hatte hier irgendjemand mit Rücksicht gerechnet? Nix da! Manch einer mag VADER vielleicht vorwerfen, an jedem Strommast zu spielen, doch was soll’s? Helsinki bekam von Peter, Daray, Novy und Mauser ein 1a-professionelles Set serviert, von dem sich manch eine Band ruhig noch was abgucken darf. Bereits bei „Back To The Blind“ knirschte es in meinem Nacken gefährlich, dabei war die Hälfte der Spielzeit in dem Moment noch gar nicht rum. Auch wenn’s schwer fällt, sollte man seinem Nacken ein, zwei Minuten Pause gönnen, um Mauser zu beobachten. Neben seiner teuflischen Art Gitarre zu spielen und seinem Bang-Stil verdrehte Mauser die Augen und schnitt wilde Grimassen, während der vor ihm platzierte Ventilator ihm die Haare zum Medusen-Haupt verwandelte. Peters nette Geste sich mit „kiitos“ bei den finnischen Fans zu bedanken, kam natürlich gut an. Falls bis zu VADERs Auftritt jemand noch ohne „tuska“ vom selbigen heimging, hatte spätestens nach diesem Gig reichlich „Schmerzen’“oder einen verdammt steifen Nacken. Nach weiteren Krachern wie „Epitaph“ und „Carnal“ fragte Peter, ob wir denn „still not satisfied“ seien. Nein, natürlich nicht und weiter ging’s mit „This Is The War“. Wer VADER kennt, der weiß, dass danach noch nicht ganz Schluss war. Ein Song fehlte noch und diejenigen, die sich schon auf den Weg Richtung Mainstage machen wollten, kamen hastig zurück geeilt, als Daray das bekannte „damm-damm-damm“ von SLAYERs „Raining Blood“ auf die Felle drosch und die Meute freudig aufschrie. Erschöpft versuchte ich danach erst mal wieder meinen Kopf auf den angeschlagenen Nacken zu stellen und zu halten.

Setlist VADER
Between Day And Night
Shadow Fear
Blood of Kingu
Epitaph
Sothis
Carnal
Black To The Blind
Xeper
Helleluyah!!! (God Is Dead)
Para Bellum
This Is The War
Lead Us!!!
Predator
Raining Blood
(Grave Sister)

Nachdem auch mein Nacken gehörig gelitten hatte, stand nur noch eine Band auf dem Programm. Wieder eine finnische Band , nämlich STRATOVARIUS, die als eine der letzten Bands bestätigt worden waren. Nicht nur, dass mir alle Knochen wehtaten nach diesen drei Tagen vollen Programms – nein, die Jungs haben meiner Meinung nach auch eine komplett peinliche Show hingelegt. Pyros, die so laut waren, dass sie selbst ein paar Kilometer weiter noch zu hören und überhaupt komplett übertrieben waren – muss sich da jemand selbst beweisen? Ich dachte, so etwas macht man mit guter Musik, nicht mit heftigem Pyro-Geknalle. Auch wenn Timo Kotipelto und Lauri Porra durchaus was fürs weibliche Auge waren, den Auftritt kann man leider als nur noch schlecht bewerten. Bei aller Liebe, aber ein mittlerweile nur noch aufgedunsener Timo Tollki, der total unbeweglich auf der Bühne rumsteht, ein Jens Johannson ,der unter Alkoholeinfluss fast umfällt und zugewachsen ist, als käme er gerade unter einer Brücke hervor und zwei Frontmänner, die sich die Seele aus dem Leib posen, irgendwie passte das nicht. Das sah auch das Publikum ähnlich, denn viele hatten sich bereits auf den Heimweg gemacht. Weniger ist manchmal mehr. Mehr bleibt mir hier nicht zu sagen. Auch die Setlist war ohne jede Überraschung und somit der Auftritt für mich nur noch langweilig, deshalb zogen wir es vor, im Bierzelt ein Abschlussbierchen zu trinken.

So endete ein sehr, sehr geniales Festival-Wochenende im Herzen Helsinkis und ich muss sagen, dass ich das Tuska wirklich nur weiterempfehlen kann: Perfekte Organisation, gute Stimmung, aber trotzdem überschaubar. Ich für meinen Teil werde ganz bestimmt wiederkommen, egal welche Bands dort spielen, denn auch unter unbekannten Bands befinden sich wahre Juwelen.
(Fallen Angel)

Copyright Fotos: Cynthia Theisinger außer STURM UND DRANG (Cornelia Wickel)

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