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ULTRAVOX

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Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 08.11.2012

An diesem trüben Herbstabend stand mal wieder eine Zeitreise in die Vergangenheit an. Die legendären Schrägstrich altehrwürdigen ULTRAVOX hatten sich angekündigt, auf ihrer „Brilliant“-Tour auch den Bielefelder Ringlokschuppen zu bespielen, zudem der letzte Abend ihrer Gastspielreise. Wie auch zuletzt bei EISBRECHER zeigten sich die Ostwestfalen Karten-verkaufstechnisch eher reserviert, woran der recht hohe Preis von 42 Euro nicht ganz unschuldig gewesen sein dürfte. Andererseits sollte diese Summe den meisten Anwesenden nicht sonderlich im Magen gelegen haben, handelte es sich doch fast ausschließlich um gefestigte Mit-40er, Karohemden scheinen in dieser Generation übrigens wieder in Mode zu sein.

Gänzlichst ohne Vorband (eigentlich schade) legten die bereits 1974 (!) gegründeten Briten pünktlich gegen 20 30 Uhr los, die Bühne in düsteres Licht getaucht und ohne viel Schnickschnack ausgestattet. Lediglich die Instrumente, darunter gleich 4 Keyboards, und eine hin und wieder genutzte Leinwand im Hintergrund waren auszumachen. Was aber auch bestens zum New Wave/ New Romantic Synthie Rock-Sound der mittlerweile etwas in die Jahre gekommenen Ikonen passte, die eine sehr wechselvolle Band-Historie hinter sich haben. Nach ihren großen Erfolgen in den 80ern („Dancing with tears…“ anyone?) trennte man sich 1988, nur um schlappe 20 Jahre später wieder auf Reunion-Pfaden zu wandeln. Immerhin fast in Originalbesetzung, man darf nicht vergessen, dass der ursprüngliche Sänger mal John Foxx hieß. Midge Ure ist natürlich ebenso eine musikalische Lichtgestalt und steht stellvertretend für die Hoch-Phase von ULTRAVOX, die 2012 mit dem Namensgeber der Tour ein akzeptabel erfolgreiches Comeback-Werk vorgelegt hatten, mit dessen Titel-Track man dann auch den Abend einleitete.

An der Seite von Midge, der mich optisch ein wenig an Jean-Luc Picard von der Enterprise erinnerte, agierten die Herren Chris Cross (Bass, Keyboard), Warren Cann (Schlagzeug) und Billy Currie, der ebenfalls vornehmlich die Tasten bediente, dann und wann aber auch sein sehr charismatisches Violinen-Spiel zum Einsatz brachte, insbesondere zu beobachten beim grandiosen, fast prog-rockigen Instrumental Stück „Astradyne“ oder auch „Mr X“. Die Setlist legte den Schwerpunkt natürlich auf die erfolgreichen Alben aus der ersten Hälfte der 80er, garniert mit einigen Songs vom aktuellen Werk, die sich durchaus homogen einfügten, aber verständlicherweise weniger Reaktionen im Publikum hervorriefen. Dieses reagierte über die gesamte Spielzeit von 2 Stunden weitgehend enthusiastisch, einige Landsmänner der Musiker inkl. Fahne wurden auch gesichtet. Besonders beeindruckend aber der Herr neben mir, der eine Mischung aus Zumba, Ententanz und Discofox zelebrierte, die beim „Supertalent“ beste Chancen hätte, und zwar Chancen auf einen ordentlichen Verriss. Nun denn, Menschen mittleren Alters leben ihre „Krisen“ eben unterschiedlich aus. Derweil überzeugten mich insbesondere die etwas „härteren“ Stücke wie „Sleepwalk“, wobei ich zugeben muss, nicht mit dem kompletten Material des Quartetts vertraut gewesen zu sein. Die drei bekanntesten Songs hingegen konnten dann (fast) alle mitsingen. Das pathetisch-getragene „Vienna“ sowie natürlich zum Abschluss die beiden auf keiner 80er Revival-Party fehlenden Überhits „Dancing with tears in my eyes“ und „Hymn“, das sogar noch ein wenig frischer rüberkam. In den Gesangspassagen gab sich der fast 60-jährige Fronter so gut wie keine Blößen, nur in höheren Passagen offenbarten sich hin und wieder ein paar kleinere Probleme.

Doch das alles konnte die Stimmung an diesem Abend nicht trüben, der natürlich noch von einem Zugaben-Part abgerundet wurde, welcher allerdings logischerweise nicht mehr die ganz großen Knaller bieten konnte. Ohne allzu große Interaktion mit den Anwesenden (abgesehen von der Bandvorstellung und ein paar kurzen Ansagen) war dennoch klar erkennbar, wie sehr die Herren von ULTRAVOX ihre Bühnenpräsenz und das Spiel mit den Zuschauern genossen. Auf keinen Fall ein wehleidiger Aufguss längst vergangener Erfolge, sondern vielmehr ein überzeugender Auftritt einer immer noch hungrigen spieltechnisch erstklassigen Band. In 2 Wochen müssen dann THE HUMAN LEAGUE in Herford nachziehen…

Setlist (ohne Gewähr)
Brilliant
New Europeans
Mr. X
Reap the Wild Wind
Rage in Eden
Rise
Live
We stand alone
Sleepwalk
Lament
I Remember (Death in the Afternoon)
Lie
Astradyne
Vienna
Flow
One Small Day
Passing Strangers
Love’s Great Adventure
All Stood Still
Dancing With Tears in My Eyes
Hymn

The Thin Wall
The Voice

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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