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UNHEILIG – A LIFE DIVIDED – BOLLMER

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Ort: Leipzig – Haus Auensee

Datum: 10.04.2015

“Es ruft das Horn zum Berg hinauf…”

Schon seit geraumer Zeit steht fest: Nach nunmehr 16 Jahren Bandgeschichte wird UNHEILIG 2016 die Karriere an den Nagel hängen. Doch bevor im Januar 2016 mit der in Frankfurt endenden Abschiedstournee das Finale dieser Geschichte eingeläutet wird, befindet man sich derzeit noch auf deutschlandweiter Tour – ganz im Zeichen des aktuellen, gleichnamigen Albums “Gipfelstürmer”. Es stellt sich somit die Frage, was man von dieser Tour erwarten darf? Ist sie bereits eine Art Generalprobe für den großen Abschied oder erwartet die Besucher vielmehr ein schlichtes Umwerben des aktuellen Studiowerks?

Es war noch früher Abend am 10. April 2015 und doch war das Leipziger Haus Auensee bereits prall gefüllt. So war es zunächst an der Berliner Vorband mit dem Namen BOLLMER (Namensgeber Peter Bolmer sollte noch von seiner Vorgängerformation EL*KE bekannt sein), die ausverkaufte Halle mit verträumten, deutschen Texten, begleitet von einem wuchtigen, musikalischen Grundgerüst zu überzeugen. Ein Unterfangen, das tatsächlich aufzugehen schien und als die letzten Akkorde des Abschlusssongs „Unendlich” verklangen, fand man sich bereits in positiver Vorfreude auf den Hauptact des Abends wieder.

Eine Euphorie, welche die zweite Vorband mit Namen A LIFE DIVIDED (um den EISBRECHER-Gitarristen Jürgen Plangger) mit überwiegend rockigen Klängen leider nicht so recht aufrechtzuerhalten vermochte (vielleicht auch nicht passend zur Zielgruppe des Grafen anno 2016). Vielmehr machten sich Unruhe und erste Zeichen einer gewissen Müdigkeit unter den Zuschauern breit. Gut, dass die obligatorische Umbauphase daraufhin erfreulich kurz ausfiel und somit gegen 20:00 Uhr endlich die charakteristischen Lichterbögen das Bühnenbild erhellen. Erschien der nun folgende, etwas in die Länge gezogene Einspieler mit Hildegard Knefs „Roten Rosen” auch etwas verwirrend, so war es doch spätestens die markante Stimme des UNHEILIG-Frontmanns DER GRAF, die jeden schlagartig daran erinnerte, wo er sich befand.

Auch die Eröffnungsnummer „Der Berg (Intro)” aus dem aktuellen Album machte bereits deutlich, in welche Richtung es gehen sollte. Denn obwohl der wie immer charmante Frontmann tatsächlich erst mit dem zweiten Song die Bühne betrat, blieb man thematisch eine ganze Anzahl von Titeln lang beim Besteigen eines Gipfels und somit im Bereich der aktuellen, zu promotenden Platte. Dem Publikum gefiel dies sichtlich, wurden die neuen Musikstücke doch gut aufgenommen. Wahre Euphorie jedoch keimte erst bei länger bekannten Erfolgsgaranten wie „Große Freiheit”, „Unter deiner Flagge” oder „Geboren um zu leben” auf. Gerade bei letzterem Song, den wir alle durch die damals schlagartig ansteigende Popularität der Band vielleicht zwangsweise etwas zu oft hören durften, herrschte eine besondere Stimmung in der Halle – einige Fans lagen sich in den Armen, hatten Tränen in den Augen und reflektierten auf kollektive Art ganz persönliche Erinnerungen durch dieses Lied. Das laute Mitsingen der Masse schaffte sogar ein wenig Gänsehaut und machte diesen Moment zu einem der Highlights des Konzertes.

Aufgelockert wurde diese Atmosphäre durch schnellere Lieder wie „Maschine” oder „Für immer“, bei denen selbst die zahlreich vertretenen Frauen einer etwas älteren Generation zum Mitspringen und -klatschen animiert wurden. Als nach etwa 1,5 Stunden inklusive Zugabe zum Abschluss des Abends gut gewählt, da naheliegend, der Song „Zeit zu gehen” zum Abschied erklang, wurde es erneut emotional – Momente, in denen die Fassade der ansonsten sehr promotionlastigen Darbietung bröckelte und man spüren ließ, dass 16 Jahre Musikgeschichte nun doch nicht so einfach loszulassen sind.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass es sich um eine typische Promotiontour des neuen Albums handelte, bei dem gerade Fans der etwas älteren Töne kaum auf ihre Kosten gekommen sein dürften. Vielmehr richtete man sich hier an ein Publikum, welches inzwischen überwiegend aus Müttern und Kindern anstatt aus einer musikalischen Randgruppe besteht. Was sich jedoch gerade zwischen diesem Publikum und der Musikformation auf der Bühne emotional abspielte, hat dann doch wieder starke Züge einer Abschiedstournee. Dieses besondere Verhältnis wird nur noch verstärkt, wenn man sich ins Bewusstsein ruft, dass DER GRAF und seine Bandkollegen es tatsächlich schafften, innerhalb weniger Jahre komplett genreübergreifende Musik für extrem unterschiedliche Zielgruppen zu kreieren. Genau von dieser Vielfalt darf es jedoch gerne zukünftig wieder mehr sein – dann wird aus einem gelungenen, da musikalisch solide und personell charmanten Abend wie diesem bei der anstehenden Abschiedstour in der Tat die im Schlusslied beschriebene Situation: Dass es Zeit zu gehen sei, wenn es am schönsten ist.

Copyright Fotos: Ireen Lampe

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