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UNHEILIG – SECRET DISCOVERY

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Ort: Hannover - Capitol

Datum: 03.03.2006

Ein neues Jahr und noch kein UNHEILIG-Konzert? Da musste natürlich schnell Abhilfe geschaffen werden, und so hatten wir den Termin im Hannoveraner Capitol ins Auge gefasst, welches im Gegensatz zu einigen Lokalitäten (Glauchau, Köln) noch nicht ausverkauft war. „Der Graf“ scheint „in“ zu sein, die neue Scheibe „Moderne Zeiten“ das erste Mal in den Charts, und in seinem Gästebuch überbieten sich die Fans geradezu gegenseitig mit ihren Lobhudeleien. Wir machten uns gegen 18 30 Uhr auf in Richtung Osten, mit dem Wissen, dass die A2 nach einem Unfall mit einem Gefahrguttransport heuer aus allen Nähten platzte. Durch ein geschicktes Ausweichmanöver über die Dörfer erreichten wir die Konzertstätte dennoch fast pünktlich zu unserem avisierten Interviewtermin um 20 Uhr, schon jetzt befanden sich einige bibbernde Schwarzkittel vor der noch verschlossenen Tür. Nachdem wir unser 6-Augengespräch mit dem Grafen (zu lesen an anderer Stelle) erfolgreich hinter uns gebracht hatten, betraten wir dann den Innenraum, der mittlerweile auch schon von einigen Grufties geflutet worden war. Das Spektakel konnte beginnen, wobei bereits die Information die Runde gemacht hatte, dass die gute MAREN NOEL aus Krankheitsgründen nicht auftreten würde. Manch einer wird sie wohl nicht so vermisst haben, wie man entsprechenden Bemerkungen im Netz entnehmen konnte, ich wäre allerdings schon neugierig auf den Sound der hübschen Dame gewesen. In Berlin, ihrer Heimatstadt, will sie dann wieder auf der Bühne stehen.

Selbige enterten dann also sofort die Goth Rock-Veteranen SECRET DISCOVERY, die gerade ihr neues, ansprechendes Werk „Alternate“ veröffentlicht haben. 6 weitestgehend muskelgestählte, braungebrannte Herren aus dem Ruhrgebiet, immerhin schon seit 1989 aktiv, und doch wohl einigen Menschen im Auditorium unbekannt. Das typische Capitol-Vorgruppen-Syndrom kam wieder zum Vorschein: Im Grunde interessierten sich nur die wenigsten für das Treiben vor ihnen, mehr als etwas Anstandsapplaus war vor allem hinten nicht drin. Was aber nicht an der Leistung der Herren lag, die zwar bis auf Sänger Kai Hoffmann genregemäß eher statisch musizierten, aber doch einige nette Songs im Gepäck hatten. Zwar spielten sie ihr MELANIE C. Cover „I turn to you“ nur beim Soundcheck, dafür hatten sie aber mit BILLY IDOLs „Rebel Yell“ eine ebenso interessante Bearbeitung am Start. Zudem waren neben Stücken der neuen Scheibe auch ältere Songs wie die ehemalige Single „Follow me“ oder das hymnische „Hello Goodbye“ (1996) zu hören, so dass die immerhin 60 Minuten doch einen kurzweiligen Eindruck hinterließen, besonders Kais kraftvolle Stimme möchte ich noch einmal lobend hervorheben. Im Vergleich zu anderen Support Acts an gleicher Stelle (GRENDEL, JOKE JAY, UNDERGOD) dann sogar doch ein relativ erfolgreicher Auftritt.

Jetzt aber warteten natürlich alle gebannt auf den Grafen und seine 2 Mitstreiter, die Spannung wurde durch die heruntergelassene Leinwand noch verstärkt. Positiv möchte ich hier die Hintergrundbeschallung erwähnen, EISBRECHER und MEGAHERZ sorgten für die richtige Betriebstemperatur. Zudem wurden Tracks des „Elektrisch! 1“-Samplers vorgestellt, der später wohl noch verlost werden sollte und auf dem übrigens auch UNHEILIG mit einem Remix vertreten sind. Aber genug der Theorie: 23 20 Uhr öffnete sich der Vorhang und gab den Blick frei auf das riesige schwarze Backdrop mit einer aufgemalten Uhr als Blickfang („5 vor 12“) und einer ordentlichen Menge nett drapierter Kerzen. Dahinter platzierten sich links Henning an seinen Keys und rechts Licky standesgemäß an der Gitarre, wozu „Das Uhrwerk“, das Intro der aktuellen UNHEILIG Scheibe „Moderne Zeiten“ erklang. Dann sprang „Der Graf“ in seiner altbekannt-dynamischen Weise auf die Bühnenbretter und füllte diese alsbald mit seiner physischen/ stimmlichen Präsenz. Optisch nichts neues, will sagen „Weißes Hemd, schwarze Krawatte, dämonische Kontaktlinsen“, stieg er sogleich mit den ersten 3 regulären Stücken von „MZ“ ins Set ein. „Luftschiff“, „Ich will alles“ und das wunderschöne „Goldene Zeiten“ (Tournamensgeber) zeigten den Weg auf, den uns der Herr im Interview erläutert hatte. So viele neue Kompositionen wie möglich in die Setlist integrieren, die alten Klassiker aber nicht vernachlässigen. Am Ende fehlten mit „Lass uns Liebe machen“ und „Sonnenaufgang“ nur zwei „richtige“ Lieder der Standard Edition! Und erstaunlich zu sehen, wie das Publikum nun auf einmal auftaute, mitsang, die Fäuste reckte und den Grafen anfeuerte. UNHEILIG bringen eben jeden Konzertsaal zum Kochen, diese Erfahrung habe ich immer und immer wieder gemacht, und mittlerweile haben sie so viele geniale Stücke im Repertoire, dass sie im Grunde nicht mal alle spielen können. Lediglich „Menschenherz“ fiel in meinen Augen ein klein wenig ab, dafür wurden besonders das rassige „Phoenix“, die „Wohl-kommende-Single“ „Astronaut“ und das epische „Gelobtes Land“ abgefeiert. Und natürlich auch die alten Klassiker, hier sind insbesondere „Auf zum Mond“, „Zauberer“ und „Freiheit“ zu nennen, die mit ihrer druckvollen Mischung aus Gitarrenspiel, Electronica und sonorem Gesang zum Tanzen und Träumen einluden. Mit Ansagen hielt sich der Fronter relativ zurück (er wies z.B. auf das aktuelle Single Voting hin), dafür war er natürlich wieder der Poser vor dem Herren, der sein Alter Ego des Grafen perfekt umsetzte. Das vergleichsweise harte „Maschine“ war dann der letzte reguläre Track des Abends, hier nutzte der virile Glatzkopf die Chance, seine mittlerweile etablierten Mitstreiter noch einmal namentlich zu erwähnen. Zwar ist der Sänger im Grunde UNHEILIG in Personalunion, doch besonders menschlich sind ihm die beiden Live-Kollegen sehr ans Herz gewachsen.

Kurz war nur die Abwesenheit von der Bühne, denn so ausgelassen habe ich die Capitoler noch nie eine Zugabe fordern sehen. Es folgte natürlich der „Schutzengel“, bei dem einige Pärchen etwas engeren Körperkontakt suchten. Herausragend an dieser Stelle ein kleines Solo von Licky, der zu diesem Zweck erstmals nach vorne an den Bühnenrand trat. Dieses Schauspiel wiederholte sich dann auch noch mal bei dem Gassenhauer „Sage Ja“, dem ersten Hit aus dem Jahre 2000. Den krönenden Abschluss bildete schließlich die Ballade „Mein Stern“, zu der vorab Wunderkerzen verteilt wurden, die auch eifrig zur Nutzung kamen. Gänsehaut pur, gerade weil der einfühlsame Text ausnahmsweise von des Grafen Wegbegleiter Ollie Reimann stammt und der Sänger ihn musikalisch kongenial aufbereitet. 100 Minuten UNHEILIG pur hatten ihr Ende gefunden, perfektes Licht, guter Sound, hervorragende Stimmung und eine Formation, die am Ende fast gerührt die Ovationen entgegen nahm. Die Maschine läuft weiter, die New Wave Night konnte beginnen…

Copyright Fotos: Karsten Thurau außer Textbild Jeanine Thiele

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