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UNHEILIG – THE VISION BLEAK – LEICHENWETTER

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Ort: Bielefeld - Triebwerk

Datum: 22.10.2004

Vor etwa einem halben Jahr reifte in den kreativen Hirnen einiger „Terrorverleger“ der Gedanke, doch auch einmal ein eigenes Konzert zu organisieren. Bands aussuchen, hinter die Kulissen schauen und den Fans einen schönen Abend bieten. Doch bis dahin sollte es noch ein langer Weg werden. Zunächst konzentrierte man sich auf die Location und natürlich das Line-Up. Das Bielefelder Triebwerk bot sich aufgrund der Größenverhältnisse und des stimmigen Interieurs für ein Event unserer Größenordnung an, nun gingen wir auf Bandsuche… UNHEILIG standen eigentlich von vorneherein als Headliner fest, eine Band (bzw. ein Ein-Mann-Projekt), welche uns über all die Jahre mit qualitativ hochwertigen Releases begeistert hat und die zudem eine gute Brücke zwischen Gitarren und Elektronica schlägt. Gesagt getan, jetzt wollte noch ein bekannter und musikalisch adäquater Support gefunden werden, am besten ebenfalls aus Deutschland (wegen der Transportkosten). THE VISION BLEAK, die sich mit ihrem Debüt bereits einen sehr guten Namen in der Szene gemacht hatten, standen ganz vorne auf der Liste und wurden dann letzt und endlich auch verpflichtet. Zwar waren wir nicht ganz sicher, ob die eher metallischen Gitarren für ein paar Gruftis eventuell zuviel des Guten werden könnten, aber die Horrorattitüde und der Gesang machten uns schon Hoffnung auf ein perfektes Package. Als Opener konnten wir die Iserlohner LEICHENWETTER gewinnen, die zwar (noch) nicht so bekannt sind, die uns aber qualitativ auf Konserve voll überzeugt hatten, eine optimale Wahl, wie sich herausstellen sollte. Konzertort, Termin und Aufgebot standen mithin fest, jetzt ging es ans Organisieren…

Nachdem die Zeit zunächst gar nicht schnell genug verrinnen wollte, vergingen dann die letzten Tage vor dem ominösen Freitag wie im Flug. Wir hatten Flyer verteilt, Plakate geklebt, die Internetforen bedient, nun harrten wir gespannt der Dinge bzw. der Zuschauerzahl, denn ein wenig finanzielles Risiko war ja nun auch dabei. Und einige andere Konzerte in der letzten Zeit (wie z.B. ATROCITY/ LEAVES EYES) sind zuschauermässig doch ein wenig abgesoffen. Interessanterweise stiegen die Vorverkaufszahlen in den letzten zwei Wochen rasant an, der Bielefelder scheint ein abwartendes Raubtier zu sein. Dann war es soweit: Freitag kurz nach High Noon standen 4 arbeitswillige Redakteure vor den Mauern der ehemaligen Hechelei im Ravensberger Park, noch war keine Menschenseele zu sehen. Doch schon eine halbe Stunde später erreichte die Catering-Dame Ruth die Location, den Wagen voller kalter Köstlichkeiten, welche sich die Bands so oder so ähnlich vorab bestellt hatten. Kurzerhand wurden die Lebensmittel in den Keller gebracht, wo sich auch die Künstlergarderoben befinden. Die sind übrigens sehr gemütlich mit Ledersesseln möbliert, und natürlich einem Kühlschrank für alle Arten von Getränken. Damit „der Graf“ sich gleich heimisch fühlen konnte, brachten wir erst mal ein Plakat mit seinem Konterfei vor der ersten Garderobe an. Das Triebwerk selber war natürlich zu diesem Zeitpunkt komplett leer und strahlte eine Art mondäne Gelassenheit vor dem abendlichen Treiben aus. Nach einer kurzen Stärkung ging man daran, die PA/ Technik aufzubauen, mit 4 Mann plus professioneller Verstärkung erwies sich das als relativ lockeres Unterfangen, lediglich die jeweils obersten Boxen der Türme stellten uns vor leichte Schwierigkeiten. Mittlerweile war es schon nach 15 Uhr und von den Bands ward nichts gesehen, unruhig wurden wir allerdings noch nicht. Und so meldete sich schließlich der Tross von THE VISION BLEAK, der „nur“ bis zum naheliegenden Real-Markt gekommen war. Dazu muss man sagen, dass das Triebwerk nur von einer Parkeinfahrt erreicht werden kann und im Sprachgebrauch der Einheimischen der Name „Hechelei“ noch wesentlich bekannter ist. Aber kein Problem, eine 2er Abordnung machte sich auf den Weg, die Gothic Metaller abzuführen. Die waren mit 2 Wagen unterwegs (wegen dem Drumkit) und hatten auch gleich noch ein paar Mädels mit dabei. In den „normalen“ Alltagsklamotten konnte man Schwadorf (Ex-EMPYRIUM) und Konstanz (EWIGHEIM) zwar sofort erkennen, aber besonders letzterer sah doch im hellen Sonnenlicht eher wie Ami-Schauspieler Owen Wilson (Starsky & Hutch) aus. Jedenfalls eskortierten wir die Truppe an den Ort der schwarzen Heimsuchung, und ich glaube man kann sagen, dass sie mit den äußeren Umständen mehr als zufrieden waren.

Während so langsam eine gewisse Betriebsamkeit aufkam, zeigte mein Handy endlich Aktivitäten aus dem UNHEILIGen Lager an. Die Jungs waren zu viert unterwegs und zumindest in der Nähe des Ravensberger Parks, dessen Einfahrt wir mittlerweile ebenfalls mit einem Graf-Plakat verziert hatten. Nachdem wir uns zu Fuß in Richtung Headliner aufgemacht hatten, konnten wir an einer nahegelegenen Ampel Sichtkontakt aufnehmen. Schließlich stiegen 3 Musiker plus Christoph (Mädchen für alles) aus dem Bully aus, die in normalen Klamotten einfach nur natürlich und kein bisschen starlike rüberkamen, das blieb auch den ganzen Abend so. Der Graf mit Wollmütze und Jeans war natürlich (gerade an seinem markanten Bärtchen) zu erkennen, sah aber jetzt noch aus wie der Kumpel von nebenan und begrüßte uns mit einem tiefergelegten „Graaaf“, den richtigen Vornamen gab er erwartungsgemäß nicht preis. Da um 18 Uhr ein Shuttle Bus zu einem Speisebetrieb angesetzt worden war, musste es nun so langsam mit dem Soundcheck des Headliners beginnen. Der hat ja außer einem Keyboard und einer Gitarre nicht allzu viel Gedöns dabei und konnte dementsprechend gleich loslegen. Dabei wurde deutlich, dass Keyboarder Henning Verlage, der ja auch zu den NEUROTICFISHen gehört, in Greven lebt, unweit von meinem Geburtsort Telgte. Und da er sich auch noch als äußerst umgänglicher Zeitgenosse präsentierte, steht da wohl bald ein N-FISH Studioreport an. Der Sound ward schnell optimiert und die Stimme des Grafen präsentierte sich bereits in Hochform. Weitere Geheimnisse wurden gelüftet: Der Sänger stammt aus Aachen, er hat vor 2 Monaten mit dem Rauchen aufgehört und… er ist nicht der Mischer! An dieser Stelle ein Gruß an den Drumtech/ Licht-Wizard Nils, der den Grafen mit „Bist du der Mischer von UNHEILIG?“ begrüßte. Schadenfrohes Gelächter folgte, aber zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass der gute Mann eher ein Metaller ist, man kann nicht alles wissen…

Als nächstes waren TVB an der Reihe, die gleich ein überlebensgroßes Transparent an der Rückseite der Bühne befestigten. Da aber auch Musiker ein Leben nach dem Gig haben, regelte ich zunächst alle Formalitäten beim ausgewählten Bielefelder Hotel, welches praktischerweise direkt neben dem Burger King liegt, Catering Teil 2 sozusagen. Es war schon nach 18 Uhr, als ich wieder in der Halle stand, die UNHEILIGen waren beim Essen (außer dem Grafen, der niemals vor einem Gig zu speisen pflegt), die VISION BLEAKer hatten gerade ihren Soundcheck beendet und nun stand auch das LEICHENWETTER vor der Tür, inklusive Anhang wie Drummertochter. Immerhin hatten sie als einzige den Park und die Einfahrt direkt gefunden, ein gutes Omen also?! Die verbliebene Zeit bis zum Einlass um 19 Uhr verbrachten sie dann mit ihren musikalischen Tests, so dass jetzt schon klar war, dass jeder Act über einen bombastischen Sound verfügen würde. Neugierig lugten wir nach draußen, wo sich langsam aber sicher die ersten Schwarzen vor der Eingangstür einfanden, die Sonne senkte sich in den Abendhimmel, die Bühne wurde geräumt, eine trügerische Ruhe vor der Stille kehrte ein, die nicht lange anhalten sollte…

Kurz nach 19 Uhr öffneten sich dann die Pforten und unsere Kassendamen Sandra & Judith bekamen (zum Glück) alle Hände voll zu tun. Wir waren fast ein wenig erstaunt, dass sehr viele bereits zu relativ früher Stunde den Weg in die Lokalität gefunden hatten. Nicht nur erstaunt sondern auch hocherfreut darüber war der Opener LEICHENWETTER, der gegen 19 30 Uhr an der Reihe war. War man beim Soundcheck in Straßenklamotten noch relativ unscheinbar, hatten sich die 5 Musiker nun richtig martialisch herausgeputzt, Maske und Fellwesten inklusive. Dazu hatte man einige Fackeln auf der Bühne/ am Schlagwerk drapiert (beim Check-in hatte uns der mitgebrachte Feuerlöscher noch etwas in Erstaunen versetzt). Der leicht korpulente Sänger Numen (als einziger ohne Maske) verhaarte in stiller Pose und lauschte wie seine Mitstreiter einem bombastischen Intro. Das war zwar nett anzuhören, allerdings fand ich, dass es für eine Gesamtspielzeit von 30 Minuten etwas zu lang ausfiel. Das war aber das einzige, was man am Gig der Sauerländer kritisieren konnte. Erstaunlicherweise bewegte sich auch das bereits recht ansehnliche Publikum schon ziemlich nah vor die Bühne, was in Ostwestfalen beileibe nicht alltäglich ist. Da sicherlich nicht jeder mit LEICHENWETTERs Sound vertraut ist, hier eine kurze Umschreibung: HartPop nennen sie es selber, ich würde es als pathetischen Gothic Metal bezeichnen, eine Mischung aus RAMMSTEINIGen Riffs, Keyboards und Numens sehr ausdrucksstarkem Gesang. Der vertont fast ausschließlich Lyrik von Hesse, Nietzsche und sonstigen Dichtern und Denkern, welche teils gebrüllt und teils theatralisch gesungen werden. Im Vergleich zur eigenproduzierten Scheibe „Urworte“ brachte der Shouter auch live eine perfekte Leistung, zudem mit professionellem Stageacting, was die Crowd offensichtlich honorierte. Von Lied zu Lied taute man vor der Bühne mehr auf, es wurde freundlich genickt, getanzt und immer frenetischer bejubelt, was man sah. Und das waren 6 Songs, 4 von der „Urworte“, die ich dort allesamt zu den Höhepunkten zählen möchte, plus 2 neue Tracks vom im Januar erscheinenden nächsten Album, für das man verdientermaßen ein Label gefunden hat (Metal Axe). „Letzte Worte“ und „Mutter“ scheinen mir dabei noch etwas härter ausgefallen zu sein. Nach einer guten halben Stunde hatte das Quintett seine Schuldigkeit getan und sehr viele Anwesende positiv überrascht.

Die Umbaupausen waren bewusst sehr kurz angelegt, da ja um 22 30 Uhr bereist der normale Discotbetrieb aufgenommen werden sollte. Und – da möchten wir uns noch einmal bei allen Beteiligten bedanken – die Zeiten wurden fast perfekt eingehalten. So war es gegen 20 20 Uhr Zeit für THE VISION BLEAK, die zunächst noch ohne Konstanz aber dafür mit tollem Bühnenoutfit die Bretter betraten. Etwaige Befürchtungen, die Prophecy-Kapelle könnte zu hart für manch Anwesenden sein, wurden schnell in alle Winde verstreut. Ganz im Gegenteil, hatten sich doch einige der Zuschauer speziell für die Ostdeutschen ins Triebwerk begeben. Konstanz stürmte schließlich auf die Bühne und überzeugte als dunkeldüsterer Charmeur mit tiefer Stimme, die leider bei den ersten Stücken ein klein wenig zu leise abgemischt war. Dennoch wurde der druckvolle Sound von den anwesenden Metallern als willkommener „Headbang-Anlass“ gesehen, während die Gothics eher die perfekte Aufführung honorierten. Die 45 Minuten Spielzeit boten genügend Zeit, die meisten Songs des Debüt-Albums „The Deathship has a new Captain“ zu intonieren, inklusive dem Instrumental „Elizabeth Dane“ oder auch „Metropolis“. Die Laune der Anwesenden war mittlerweile mehr als ausgelassen und im Hintergrund fürchtete der Graf bereits, er könne die Stimmung nicht mehr toppen! Doch vorher gaben die weiß-geschminkten Mannen noch eine Zugabe, mithin ihr bekanntestes Tonwerk „The Lone Night Rider“, welches wie ein klassischer Goth Rock-Stampfer daherkommt.

Nach dieser annähernd perfekten Darbietung dauerte es abermals keine 20 Minuten, bis der Graf plus Keyboarder Henning und Gitarrist Christoph die Bühne enterten, die (Selbst-)Inszenierung konnte beginnen. Zwar befand sich nun das erste mal an diesem Abend kein Drumkit auf der Bühne, auch war der Gitarrensound ein klein wenig zahmer als bei den vorhergehenden Acts, aber wer UNHEILIG bereits live gesehen hat, weiß, was das Trio für einen durchschlagenden Sound praktiziert. Der war tatsächlich klar und bombastisch (danke an die Technik), ohne dabei auch nur in die Nähe von zerstörerischen Lautstärken zu geraten. Man konnte sogar ohne Ohrenschutz der Darbietung beiwohnen, welcher der Graf mit seiner ausdrucksvollen Stimme und seiner Ausstrahlung die Krone aufsetzte. Mit den bekannten Kontaktlinsen und der Anzug-/ Hemd-/ Krawattenkombination hatte er die meisten der Anwesenden bereits mit dem Opener „Zauberer“ im Griff. Es folgte ein Set bestehend aus den Höhepunkten der drei regulären Alben, auf neues Material der „Freiheit-EP“ wurde aufgrund Zeitmangel verzichtet. Dafür bekam der geneigte Fan Knaller wie „Auf zum Mond“, „Eva“ oder „Maschine“ serviert, garniert mit Nackenhaarkräuslern wie dem sanften „Schutzengel“. Natürlich wurden auch die Klassiker „Sage ja!“ und „Komm zu mir“ vom Phosphor-Debüt ins Set integriert und genau wie alle anderen Lieder unheilig abgefeiert. Nach 2 Zugaben und einer Spielzeit von gut 70 Minuten war dann leider Schluss und mir wurde nach und nach bewusst, dass unser erstes eigenes Konzert nun schon wieder Vergangenheit war…

Doch zur Reflektion blieb zunächst wenig Zeit, da der Abbau betrieben werden musste, und das blitzschnell. Dafür blieb nachher noch Zeit, mit allen Bands ausführlich über den Abend sowie das Musikerleben im allgemeinen zu sinnieren, mit entsprechender Speisen und Getränkeversorgung versteht sich. Fazit: Fast 200 zahlende Besucher, eine wirklich tolle Stimmung, charismatische und auf dem Boden gebliebende Protagonisten, ein reibungsloser technischer Ablauf (die gute Zusammenarbeit mit der VIBRA Agency sei hier erwähnt!) und im Anschluss daran fast ausschließlich positive Kommentare beweisen uns, dass wir etwas richtig gemacht haben müssen, und das unabhängig von den nackten Zahlen. Mir persönlich ist die Erinnerung an die Veranstaltung mit all ihren Facetten am wichtigsten, die mir niemand mehr nehmen kann, wenn ich das mal so pathetisch ausdrücken darf. Wiederholung nicht ausgeschlossen!

Setlist LEICHENWETTER
Intro
Feuerharfe
Verführer
Nur Dich
Letzte Worte
Mutter
Traurigkeit

Setlist UNHEILIG
Intro
Zauberer
Willst du mich
Auf zum Mond
Jetzt noch nicht
Freiheit
Schutzengel
Eva
Gib mir mehr
Hör mein Wort
Maschine
Sage ja!
Komm zu mir

Sieh in mein Gesicht
Himmelherz

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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