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VISAGE – HOCICO

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Ort: Leipzig WGT agra-Halle

Datum: 14.05.2005

Von SOL INVICTUS zu HOCICO in 15 Minuten (mit dem Taxi), von sanfter Träumerei zu harschen Rhythmen, das macht auch nur das WGT möglich, und so befanden wir uns am Samstag das 2te Mal in der Agra, um elektronischen Klängen zu lauschen. Ebenso wie am Vorabend war das Fotographenaufkommen im Graben immens, zuschauermässig schien es sogar noch voller zu sein, ich tippe mal auf 5000 plus. Das zeigt schon den Stellenwert des mexikanischen Elektro Duos, welches mit gutklassigen Veröffentlichungen und grandiosen Live Shows eine enorme Reputation aufgebaut hat. Genau wie bei APOPTYGMA kam es zu technischen Problemen, die aber dieses mal doch recht schnell behoben wurden, so dass es hieß: Bühne frei für die 2 tasmanischen Teufel!

Racso Agroyam platzierte sich wie gewohnt weit hinten an seinen Keyboards, die er auch wie gewohnt mit minimalem Mienenspiel bediente. Davon dürften aber weite Teile des Publikums aufgrund des Nebels und der aggressiven Bühnenbeleuchtung nichts mitbekommen haben. Aggressiv ist das richtige Wort: Erk Aicrag, Racsos Cousin und natürlich zudem Fronter der wilden Südamerikaner, legte auch sogleich mit einer derben Performance los. Kriegerisch geschminkt und mit einer roten Krawatte bekleidet (nicht nur…) wuselte der gute Mann wie ein Derwisch über die Riesenbühne und hatte damit seine Fans voll im Griff, die wahlweise vorne pogten oder hinten ihre Hüftknochen bewegten – als wär’s das letzte Mal. Wer HOCICO-Shows kennt, braucht hier keine weiteren Beschreibungen, gerade im Osten der Republik mutieren Konzerstätten zu Tauchsiedern, wenn die bekannte Mischung aus tanzbarem und harschem Elektro aus den Speakern drängelt. Von den ersten 7 Stücken entstammten etwa 5 der aktuellen Scheibe „Wrack and Ruin“ wie etwa „Tales from the third World“ oder „Spirits of Crime“, natürlich war auch „Born to be (hated)“ dabei. Dazu natürlich gerade gegen Ende und in den Zugaben auch die altbekannten Klassiker, ich will hier nur mal „Untold Blasphemies“ nennen. In dieser Form wird das Duo noch lange in der elektronischen Champions League mitspielen.

Danach war im Programm noch ein besonderes Bonbon platziert worden, so schien es jedenfalls. Zur Nachtmesse wollten VISAGE einladen, die ältere Semester wie ich natürlich von ihrem Überhit „Fade to grey“ kennen und von… wie hießen die anderen Hits noch? Egal, mir schwante bereits Böses, hatte ich doch den katastrophalen Auftritt der Engländer in Hugo Egon Balders 80er Show in Erinnerung, aber man kann ja noch hoffen. Jedenfalls besteht das aktuelle VISAGE Line Up aus 5 Personen, neben Sänger „Steve Strange“ 4 frische junge und was das weibliche angeht, auch sehr nett anzusehende Kräfte. Da hätten wir Bassistin Rosie Harris und Keyboarderin Sandrine Gouriou mit leichtem CLIENT-Charme, sowie die Herren Young (Keyboard) und Ross Tregenza an der Gitarre. Während letzterer auch bei GOTEKI herumlärmt, stammen die anderen 3 von dem Electro/ Breakbeat Act SEIZE. Hört sich ja prinzipiell alles gut an, nur was nützt instrumentale Kompetenz, wenn man einen Sänger hat, der nicht singen kann? Kaum hatte Steve – optisch eine Mischung aus FANCY und ELVIS (jeweils die späten) – zum ersten Track angesetzt, trat eine Art Massenflucht aus der Agra ein. Waren nicht draußen leckere Essensstände? War der Karaoke-Stand vielleicht noch auf? Jedenfalls wäre die Playback Lösung eindeutig die bessere gewesen. Strange bedankte sich zwar gestenreich beim Publikum, versagte aber bei den darauffolgenden Songs immer mehr, so dass man sich die Frage stellte, warum dem armen Kerl noch niemand gesagt hat, dass er NICHT singen kann? Ich glaube, einer meiner Lieblingsfilmtitel beschreibt die Situation recht deutlich: „Das Grauen kommt nachts“. Und ganz nüchtern schien der gute Mann auch nicht mehr zu sein. Egal, wir verzichteten darauf, DEN großen Hit zu erwarten und behielten „Fade to grey“ lieber als schöne Studioversion in Erinnerung. Allerdings hätte ich schon gerne gewusst, wie viele Figuren bei diesem Song wohl noch zugegen waren. Ein paar müssen es gewesen sein, denn im weiteren Verlauf des WGTs machte sich die Kunde dieses legendär schlechten Auftritts wie ein Lauffeuer in den schwarzen Ohren breit. Durchaus ein denkwürdiges Ereignis, wenn auch nicht im ursprünglichen Sinne…

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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