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WAVE GOTIK TREFFEN 2008

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Ort: Leipzig WGT

Datum: 09.05.2008 - 12.05.2008

Tausende schwarz gekleideter Menschen bekamen am Freitag wieder ihr Treffenbändchen und die größte Veranstaltung der schwarzen Musikszene, das Wave Gotik Treffen (WGT) öffnete zum 17. Mal seine Pforten. Auch dieses Mal gab es mehr als 160 Konzerte aus verschiedensten Musikstilen der schwarzen Musik sowie zahlreiche andere Veranstaltungen, wie Theateraufführungen, Lesungen, Filme, Ausstellungen, das heidnische Dorf, Mittelaltermärkte und das „größte Gothic-Warenhaus der Welt“. Ein buntes Programm, obwohl der Großteil der Besucher ausschließlich die Farbe schwarz bevorzugt, vielleicht abgesehen von den Badetaschen und Handtüchern, die auf dem Campingplatz des agra-Geländes geortet werden konnten. Hier blieben die so genannten „Grufties“ ihrer Farbe nicht ganz so treu.

Im Folgenden mal ein paar Hintergrundinformationen über das Treffen und das Verhältnis der Stadt Leipzig gegenüber der schwarzen „Invasion“:
Für Besucher der Stadt zeigt sich jährlich ein ungewöhnliches Bild über die Pfingsttage, wenn ungefähr 20.000 Treffenbesucher die Stadt in Beschlag nehmen. So waren zum Beispiel viele der etwa 100.000 Besucher des Turnfestes 2002 in Leipzig arg erstaunt über so viele aufwendig gekleidete, geschminkte und toupierte Menschen. Berührungsängste gab es aber dennoch kaum und die von der Stadt befürchteten Probleme, weil zwei so große und verschiedene Veranstaltungen an einem Wochenende aufeinander trafen, blieben aus. Die Leipziger Bevölkerung selbst ist diesen Anblick längst gewöhnt und sogar ältere Menschen zeigen sich eher neugierig und fragen auch schon mal bei den „Gothics“ nach, warum sie denn so aussehen wie sie aussehen. Auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sieht das WGT als kulturell und tourismuswirtschaftlich etabliert. „Das Wave-Gotik-Treffen ist seit Jahren eine Erfolgsgeschichte für das touristische Gewerbe unserer Stadt. Hotels, Gastronomie und Taxiunternehmen partizipieren davon erheblich. Zugleich steht der Besuch der mehr als 20.000 Gothicer, im Übrigen friedliche Zeitgenossen, für die Weltoffenheit und Toleranz Leipzigs.“ Sagte er auf Anfrage.

Dass, obwohl die Gäste so düster aussehen mögen, in den vergangenen Jahren kaum akute Vorfälle zu verzeichnen waren, erfreut Helmut Loris, Amtsleiter des Leipziger Ordnungsamtes: „Die Teilnehmer des Wave Gotik Treffens stellen aus meiner Sicht eine Bereicherung des Stadtbildes dar. Sie werden vom Großteil der BürgerInnen gern gesehen und gehören mittlerweile zum festen Bestandteil der Leipziger Szene.“ Auch dieses Jahr sind die Treffenbesucher wieder herzlich willkommen, erzählte. Vergangenes Jahr wurde das friedliche Treffen von Krawallen einiger linken Chaoten überschattet, die durch Falschinformationen und purer Lust am Streit einige Besucher des UT Connewitz angriffen und nachts Steine gegen eine Straßenbahn warfen. Glücklicherweise ist dabei nichts Ernsthaftes passiert. Wollen wir hoffen, dass dieses Jahr so etwas sich nicht wiederholt.

Die Gothic-Szene entstand Anfang der 80er-Jahre aus der Punkszene heraus. In der ehemaligen DDR wurde es den Anhängern der Dark-Wave-Musik nicht gerade leicht gemacht. Es gab Platten nur sehr selten und zu Wucherpreisen unter dem Ladentisch. Polizei und Staatssicherheit gingen streng mit dem so genannten Bürgerschreck um, viele Veranstaltungen wurden verboten oder aufgelöst. 1988 kam auf der Schlossruine Belvedere in Potsdam ein erstes großes Treffen zustande. Aus der mit etwa 20 Personen geplanten Feier wurden schließlich mehrere Hundert Menschen, und die Feier wurde von der Polizei aufgelöst. Maßgeblicher Initiator für dieses Treffen war der Leipziger Michael W. Brunner, der auch 1992 das WGT erstmals organisierte. „Das Festival entstand aus dem Wunsch heraus, die Szene, die in der DDR weitgehend im Untergrund existiert hatte, mal zu einem Treffen zusammenzubringen – und gleich auch die neuen Freunde aus dem Westen einzuladen.“ sagte Peter Matzke, ehemaliger Pressesprecher des Veranstalters. Zum ersten Treffen 1992 waren vielleicht 800 Leute in den Leipziger Eiskeller gekommen. Danach wuchs das Treffen allmählich. „Es gab dabei immer gewisse Spannungen zwischen der streng szene-internen, engagierten aber eben nicht professionellen Organisationsstruktur und dem ständig ansteigenden Volumens. Schließlich verlor man den Boden unter den Füßen und wollte doch zu einem ‚richtigen’ Festival mutieren. Das Treffen 2000 crashte dann ganz gewaltig, die Firma ging in den Konkurs. Die neue Firma setzte wieder ganz auf die alte Treffen-Philosophie. Klasse statt Masse beim Publikum, echte Szenekünstler, keine Hitparadenhypes, ein gleichberechtigtes Rahmenprogramm, Dezentralisierung auf viele Bühnen in der ganzen Stadt – kein Popfestival, ein Familientreffen mit Kultur.“ ergänzte Matzke.

Wie in den vergangenen Jahren war der Terrorverlag mit einem Team vor (dem diesmal sehr heißen) Ort, um euch mit Berichten und Eindrücken von den unterschiedlichsten Veranstaltungen zu unterhalten. Ob Metal, Electro oder Neofolk: Berührungsängste gab es dabei keine…

Freitag, 09.05.
PARADISE LOST – BLUTENGEL – UNHEILIG – SIGUE SIGUE SPUTNIK – DAS ICH/ agra Halle
TARJA – TRISTANIA – ELIS/ Kohlrabizirkus

Samstag, 10.05.
KNIFELADDER – JOY OF LIFE – ANDREW KING – WHILE ANGELS WATCH – IN THE NURSERY/ Kuppelhalle
JESUS ON EXTASY – END OF GREEN – ESCAPE WITH ROMEO/ Parkbühne
COVENANT/ agra Halle

Sonntag, 11.05.
OPERATION CLEANSWEEP – ANENZEPHALIA – INADE – GERECHTIGKEITS LIGA/ Anker
FIELDS OF THE NEPHILIM/ agra Halle
S.P.O.C.K. – WELLE:ERDBALL – ONETWO/ Kohlrabizirkus
WELTENBRAND – THE BEAUTIFUL DISEASE/ Moritzbastei

Montag, 12.05.
PSYCHIC TV – AMODALI – VOXUS IMP – BARDITUS/ Kuppelhalle
METALLSPÜRHUNDE – GOTHIC LOGIC – ÜEBERMUTTER/ Parkbühne
NACHTMAHR – SPETSNAZ/ Kohlrabizirkus

Alle wichtigen Infos findet ihr natürlich auch auf der Festivalseite:
www.wave-gotik-treffen.de/

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