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WAVE GOTIK TREFFEN 2014 – TAG 4

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Ort: Leipzig – WGT

Datum: 09.06.2014

Volkspalast (Kuppelhalle und Kantine)
KONSTRUKTIVISTS – VATICAN SHADOW – LAND:FIRE – SARDH – SIGILLUM S

Es ist jedes Jahr dasselbe. Man wacht irgendwann am Pfingstmontag auf, nicht mehr ganz taufrisch nach vier wilden Tagen und Nächten, wenig Schlaf und stellt dann fest: „Waaaaaas? Schon Montag. Das WGT hatte doch gerade erst angefangen. Und nun ist schon fast wieder alles vorbei.“ Immerhin bleibt noch ein Abend und der wird intensiv genutzt. Es stehen fast genauso viele Konzerte an wie in allen Tagen zuvor zusammen. Für das Heidnische Dorf war es zu knapp, aber es blieb noch ein wenig Zeit für Sightseeing am Völkerschlachtdenkmal.

Dadurch haben wir leider den zweiten Auftritt von SIX COMM verpasst. Aber da ich sie dieses Jahr bereits zwei Mal gesehen hatte und mindestens noch einmal im November sehen werde, war das zu verschmerzen. Obwohl dieser Auftritt, den neueren Stücken gewidmet, richtig gut gewesen sein soll.

Wir sind dann rechtzeitig zu KONSTRUKTIVISTS im Volkspalast eingetrudelt. Die Kantine war angenehm gefüllt und dann ging es auch schon los. Auf der Bühne stehen zwei Herren gesetzteren Alters: Glenn Michael Wallis (Ex-WHITEHOUSE) und Mark Crumby (OPPENHEIMER MK II), die aktuelle Konstellation der Old-School-Industrial-Legende KONSTRUKTIVISTS. Seit weit mehr als 30 Jahren haben sie die Musikwelt mit bisweilen schräger elektronischer Musik bereichert. Wallis trug über seinem schwarzen Outfit einen weißen Gemächt-Schutz. Zum Einsatz kam dieser aber nicht. Wallis verstand es zwar gut, auf der gesamten Bühne präsent zu sein, dramatische Aktionen blieben aber aus. Stattdessen gaben die beiden rhythmischen Old-School-Industrial zum Besten, sowohl alte als auch neue Stücke der nächsten Alben. Das Publikum kam jedenfalls in Bewegung. Tolles Konzert.

Als nächstes kam in der Kuppelhalle VATICAN SHADOW. Den wenigsten von uns war dieses Projekt bis dato ein Begriff. Aber die Tracks im Internet machten schon einmal neugierig. Live stand Ian Dominick Fernow alleine auf der Bühne an seinen Reglern. Dafür, dass es VATICAN SHADOW erst seit ein paar Jahren gibt, existiert bereits eine umfangreiche Diskographie aus sechs Alben und diversen Singles, allesamt auf Fernows eigenen Label Hospital Productions erschienen. Musikalisch bewegt sich der Sound im Rhythmic Noise- und IDM-Umfeld. Freunde von Hands Productions und ant-zen kamen hier voll auf ihre Kosten. Und Fernow selber ließ seine eigene Musik auch nicht unberührt. Von Track zu Track ging er mehr ab hinter seinem Pult. Kein Wunder bei dem Beat. Ebenfalls tolles Konzert.

In der Kantine geht es ohne große Pause gleich weiter. Die beiden Herren auf der Bühne sind Henry Emich und Frank Merten, besser bekannt als LAND:FIRE, aber auch verantwortlich für HERBST9. Nur mit Hintergrundvideo ausgestattet stehen die beiden Herren hinter ihren Reglern und präsentieren düsteren, in Richtung Industrial tendierenden Dark Ambient. Nicht mehr und nicht weniger. Musikalisch auf jeden Fall ein Schmaus.

Mit großer Spannung wurde der nächste Auftritt erwartet. Die Umbauarbeiten waren bereits im vollen Gange und ließen einiges erwarten. SARDH ist ein Kollektiv aus Dresdner Künstlern und formierte sich Mitte der 80er Jahre bis dann 1990 das Musikprojekt entstand und schnell zur „Mutter saxonischer Ritualmusik“ wurde. Auf der Bühne stand allerhand Flammwerk, zwei Feuerkelche, eine Feuerrutsche und eine großer Alienkopf, der ebenfalls mit Brennpaste versehen war. Auf dem Boden lagen krumme Bleche. Dazwischen standen vier Musiker, worunter der bekannteste VOXUS IMP. sein dürfte. Dann ging es auch schon los. Die Bleche wurden behauen, ein Theremin kam zum Einsatz, zwei Herren „bespielten“ mit einer Art Massagerollern große, angelegte Metallgürtel, disharmonische Gitarren und Bässe, auf die Bleche wurde eingeschlagen, Megaphon, und, und, und. Dazwischen fing das ganze Flammwerk Feuer. Ein wahres Fest für Auge und Ohr. Endlich mal Dark Ambient/ Industrial, der auch optisch zu unterhalten vermag. Ein durch die Verwendung zahlreicher eigener Instrumente ungewöhnlicher Sound, dazu sehr dynamisch und voller Abwechslung. Ganz groß.
Das endgültige Ende des 23. WGT läutete schließlich SIGILLUM S ein. Das vor beinahe 30 Jahre gegründete Industrial-/ Dark Ambient-Projekt hat mit zahlreichen grandiosen Veröffentlichungen einen festen Platz in der Szene geschaffen und bis heute verteidigt. 2010 sind sie schon einmal auf dem WGT aufgetreten. Damals war der Hunger stärker. Heute konnten wir diesen Fehler wieder gutmachen. Showtechnisch, gerade im Anschluss an SARDH, boten die Musiker an ihrer Technik und einem obligatorischen Video nicht gerade viel. Dafür überzeugte aber der Sound. Fein abgestimmt, satt, böse … ein gelungener Abschluss.

Im Anschluss legten zwei keinem bekannte DJ’s namens Merlin und Spikey in der Kantine auf. Aufgrund der lustigen Namen haben wir schon das schlimmste befürchtet, wurden aber schnell und dauerhaft eines Besseren belehrt. Die beiden entpuppten sich als wahre Hitlieferanten im Neofolk und sorgten für eine stets gefüllte Tanzfläche. Daumen hoch, vielleicht noch am Namen etwas nachbessern. Wir sind ja hier nicht im Darkflower. Trotzdem zog es uns dann zu späterer Stunde weiter zur Blauen Stunde, um traditionell das WGT bei Feuer und Kerzenschein und ruhiger Musik ausklingen zu lassen. Bei schönstem Sonnenschein war dann tatsächlich vorbei. Festivals ends as festivals must. Und jetzt heißt es erst einmal wieder ein Jahr warten bis zum 24. WGT. Moment … es sind ja nur noch gut elf Monate. Denn „schon“ geht es weiter.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

1 Kommentar

  1. Besten Dank, Terrorverlag insbesondere an Imblutfeuer und Kai-Uve Altermann, für den Konzertbericht und die klasse Fotos !
    Vielleicht sieht man sich ja kommenden Samstag auf dem Schlagstrom Festival in Berlin, wo wir unser Konzert etwas abgewandelt und mit einer klassischen Sopran-Stimme im unmittelbaren Vorprogramm von Chris & Cosey aufführen werden.

    Im Namen von SARDH
    Detlef Schweiger

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