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WAVE GOTIK TREFFEN 2017 – TAG 1

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Ort: Leipzig – WGT

Datum: 02.06.2017

Prolog

Der Donnerstag im Felsenkeller

Offiziell beginnt das WGT ja nach wie vor erst am Freitag. Wer allerdings erst dann anreist, hat im Grunde schon einen ganzen Abend verpasst. Der Profi startet natürlich schon Donnerstag in das schönste Wochenende des Jahres. Nachdem so nach und nach alle Schlafgäste eingetrudelt sind, alle gestylt und mit den ersten Drinks versorgt, geht es für uns zum traditionellen WGT-EBM-Warmup in den Felsenkeller mit angeschlossenem Naumanns. Der historische Festsaal fasst etwa 1000 Besucher und war sehr gut gefüllt mit einem guten Querschnitt von Gruftis aller Facetten. Hier fanden auch die ersten Konzerte statt. Was klein angefangen hat, bringt es inzwischen auf namhafte Bands wie A SPLIT SECOND, SCHWEFELGELB oder GENEVIÈVE PASQUIER. Davon haben wir allerdings nur fragmentarisch etwas mitbekommen, denn der Schwerpunkt des heutigen Abends lag auf dem Wiedersehen mit zahlreichen Freunden aus Nah und Fern. Ein bisschen Tanzen, viel Trinken und der erste Abend war auch schon wieder vorbei.

Freitag, 2. Juni 2017
ECHO WEST – SIXTH JUNE – KITE
(Ehemaliges Stadtbad)

Wer denkt sich denn sowas aus? DER BLAUE REITER, eine der aktuell besten Martial-Neofolk-Bands, spielt schon um 15:30 Uhr im Volkspalast. Leider nicht zu schaffen für uns, aber wir durften ja bereits mehrere Male einem Konzert der Spanier beiwohnen.

So fängt unser Konzertprogramm erst um 17 Uhr mit ECHO WEST an. Das Elektro-Projekt aus dem Ruhrpott war bereits zwei Mal auf dem WGT zu Gast, zuletzt 2013 im Anker. Auch das wesentlich größere ehemalige Stadtbad war schon gut besucht, als wir eintrafen. Neben Mastermind Dirk (SILENT SIGNALS) steht noch sein Drummer Thomas und als Gast am Keyboard Jay von TRAUM’ER LEBEN auf der Bühne. ECHO WEST schmettert uns reihenweise Hits entgegen. Die Mischung aus hartem, tanzbaren Elektro mit einem Hang zum EBM sorgte für ein einstimmiges Wippen im Publikum. Ältere Songs aus der German Angst Pop-Zeit habe ich leider vermisst, aber das tat einem gelungenen Auftritt keinen Abbruch. Mit einer Zugabe ging für uns das erste Konzert des Abends zu Ende.

Unsere Mägen meldeten sich zu Wort und die Auto-Bar musste auch erst wieder gefüllt werden. Also gab es eine kleine Verpflegungspause und dann ging es zurück ins Stadtbad. Das aus Belgrad stammende und jetzt in Berlin lebende Cold Wave-Duo SIXTH JUNE schlug 2010 mit dem Debütalbum und vor allem der folgenden Single „Back for a day“ ein wie Bombe und fand schnell zahlreiche Anhänger. Im März dieses Jahres folgte mit „Virgo rising“ der Nachfolger und der Merchandising-Stand war bald leergeräumt. Sind SIXTH JUNE schon von Platte ein Genuss, so können sie live noch eine ordentliche Schippe drauflegen. Vor dem Stadtbad hatte sich bereits eine stattliche Schlange gebildet und der Saal war brechend voll. Mit Lidija Anonov und Laslo Antal im adretten 80er-Gewand standen zwei schöne Menschen auf der Bühne, die einen Hit nach dem anderen spielten. Das Publikum ging auf den unterkühlten Sound gut ein und vor allem die Bewegungen von Lidija sind schon mehr als betörend. Ein Tanzvideo von SIXTH JUNE? Ich wäre dabei. Als Zugabe dann endlich auch „Back for a day“ und nach einer größeren Pause und bereits erleuchtetem Saal ging es erfreulicherweise noch einmal weiter. Ein großartiges Konzert in jeder Hinsicht.

Wir blieben vor Ort und schauen und schauten uns noch den Headliner des Abends an. Von KITE landete mir vor Jahren eine EP zur Rezension auf dem Schreibtisch. Ich war begeistert über diese Neuentdeckung. Inzwischen sind sie völlig zu Recht zu einiger Berühmtheit gelangt, was man auch am zeitweisen Einlass-Stopp erkennen konnte. Wer es rechtzeitig geschafft hatte, wurde mit einem fantastischen Auftritt belohnt. KITE sind die beiden Schweden Christian Berg und Nicklas Stenemo. Grundsätzlich kann man die Musik als Elektro-/ Synthiepop mit Wave- und EBM-Einlagen bezeichnen. Aber das wird dem Soundmix auch mal nur annähernd gerecht. Denn KITE ist viel mehr und in seiner Art einmalig. Das liegt zum einen an der mehr als markanten, durchdringenden Stimme, aber auch an den verspielten Synthieflächen und Melodien, unterlegt von treibenden Beats mit einem feinen Pathos im musikalischen Aufbau. Irgendwie 80ies dann aber auch wieder aus der Zeit gefallen. Auf der Bühne standen daher auch Türme von Keyboards. Ebenfalls ein großartiges Konzert.

AMANDA PALMER & EDWARD KA-SPEL
(Agra)

Wir haben noch Zeit für das Mitternachtsspezial in der großen Agra-Halle. Mit AMANDA PALMER (DRESDEN DOLLS) und EDWARD KA-SPEL (THE LEGANDARY PINK DOTS) haben sich zwei Größen der avantgardistischen Gothic-Musik zusammengefunden, ein Event, das man nicht verpassen sollte. Mit „I can spin a rainbow“ erschien einen Monat zuvor die erste Veröffentlichung. Dass sie singen und Instrumente spielen können, steht außer Frage, doch wie sieht die Kollaboration nun aus? Das Trio mit Violinist Patrick Q. Wright kombiniert Ka-Spels Vorliebe für experimentelle Synthie-Sounds mit Palmers stets kurzweiligen Klavierkompositionen und sie versetzten das Publikum so gemeinsam in eine Art geschichtenerzählendes Phantasieland. Die 1,5 Stunden waren ein krönender Abschluss dieses Freitag Abends.

Wir sind dann noch in den Volkspalast zur Neofolk-Party „Apocalyptic Blue“ gefahren, aber da gab es nur noch wenige Songs und das Personal hat die verbliebenen und noch feierwilligen Gäste regelrecht rausgefegt. Sehr schade, so endet dieser Abend früher als erwartet.

IN GOWAN RING
(Schauspielhaus)

Während wir bei SIXTH JUNE waren, wechselte unsere Kollegin ins Schauspielhaus. IN GOWAN RING ist das Projekt des amerikanischen Folkmusikers Bobin Eirth, kurz B’eirth genannt, der seit einiger Zeit in Leipzig ansässig ist. Der deutschen Sprache allerdings noch nicht wirklich mächtig, fand die umfangreiche Interaktion mit dem Publikum vorwiegend auf Englisch statt. Insgesamt standen sechs Musiker auf der Bühne, mit Percussion, Kontrabass, Geige und anderen exotischen Instrumenten. Der Auftritt hatte passend zur gemütlich bestuhlten Location einen sehr meditativen Charakter. Musikalisch ging die Reise auch weniger in Richtung klassischer Neofolk sondern eher Weltmusik mit asiatischen und Natur-Einflüssen, wo zudem auch das Publikum angeregt wurde, sich einzubringen.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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