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WAVE GOTIK TREFFEN 2017 – TAG 2

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Ort: Leipzig – WGT

Datum: 03.06.2017

PETER BJÄRGÖ
(Schauspielhaus)

Der Tag beginnt mit einem Besuch im Heidnischen Dorf, leckerem Essen und einem Bierchen. Für heute stand auch der obligatorische Regenguss auf dem Plan, der sich leider mit unserem Besuch hier überschnitt. Wir versuchten, diesen unter dem Kaffeezelt auszusitzen, doch Regen hält sich nicht an Programmpläne und so wurden wir auf dem Weg zum Auto doch etwas nass. Aber wir sind ja nicht aus Zucker.

Genau zum Anfang des Konzertes trafen wir im Schauspielhaus ein. Der Saal war komplett ausgebucht, nur auf den Rängen gab es noch wenige Plätze. Ich wollte kurz Fotos von vorne machen, und glücklicherweise saß da ein Freund und neben ihm ein freier Platz in der ersten Reihe. PETER BJÄRGÖ ist eine Legende im Neofolk-/ Neoklassik- aber auch im Industrialbereich. Mit seinem Projekt ARCANA schuf er Juwelen der Neoklassik und mit SOPHIA Bombastindustrial vom Feinsten. Als Solokünstler trat er vor gut zehn Jahren zusätzlich in Erscheinung. Mit „Aniumus Retinentia“ erschien kürzlich das vierte Album. Musikalisch orientiert sich der Alleingang an ARCANA mit stärkerem Einfluss aus dem Dark Ambient, aber einem sehr emotionalem, traurigem Gesang. Für diese ruhige Musik ist das Schauspielhaus ein angemessener Ort. Neben Bjärgö standen noch seine Frau Cecilia, Satorys Elenorth (DER BLAUE REITER) sowie Leslie Malone und Caroline Jago (beide SOL INVICTUS) auf der Bühne. Im Hintergrund liefen großflächige, beeindruckende Landschaftsaufnahmen, die den warmen Sound noch unterstrichen. War das ganze Konzert schon voller Melancholie und schöner Traurigkeit, so wurde es zur Mitte des Auftritts zu Tränen rührend, der traurigste Songs war unterlegt mit Schnappschüssen der Tochter. Nicht wenige dachten an eine Tragödie und hatten Tränen in den Augen. Doch zum Schluss gab es ein Lächeln und ein Küsschen von Cecilia an ihren Mann und alles war wieder gut. Die letzten Stücke waren mit Trommeln bestückt und erinnerten teilweise stark an ARCANA. Ein großartiges Kontert.

AZAR SWAN/ LEBANON HANOVER
(Stadtbad)

Wir wechselten dann wieder ins Stadtbad, wo es so voll wurde, dass zeitweise sogar schon Einlass-Stopp war. Wir schafften es aber noch rechtzeitig zu AZAR SWAN rein und sogar nach ganz vorne. AZAR SWAN ist das gemeinsame Nachfolgeprojekt der großartigen RELIGIOUS TO DAMN von den beiden New Yorkern Zohra Atash (Gesang) und Joshua Strawn (Produktion). Mit AZAR SWAN gaben sie Ende 2012 ihr erstes Konzert und schlugen in der Minimal Wave-Szene ein wie eine Bombe. Atashs druckvolle KATE BUSH-Stimme und der treibende Sound fesselten auch mich vom ersten gehörten Ton an. Jetzt endlich mal live, und alle Erwartungen wurden weit übertroffen. Beide Musiker gaben wirklich alles, sie verwendete gleich zwei Mikrofone und auch Josh ließ sich auf Gesangseinlagen ein. Hits wie „Over“ durften natürlich nicht fehlen, genau wie das emotionale und sehr langsame Bowie-Cover „This is not America“, welches kurz nach Amtsantritt von Donald Trump als neuer US-Präsident erschien. Zum Schluss entließen uns AZAR SWAN noch mit einem richtigen Brett vom folgenden dritten Album. Wahnsinns-Musik und eine famose Show, die noch lange nachwirken wird.

Wir blieben auch für den nächsten Act im Stadtbad, welches noch voller wurde. LEBANON HANOVER sind längst kein Geheimtipp mehr und weit über die Gothic-Szene für ihren New Wave-Sound bekannt. Gegründet 2010 klingt diese Band weitaus älter, als sie ist. Larissa Iceglass aus der Schweiz und William Maybelline aus England orientieren sich an dem Cold-Wave-Sound der 80er und schaffen so großartige neue „alte“ Songs auf ihren bislang fünf Alben. Es geht das Gerücht um, dass die beiden zerstritten sein sollen, was man angeblich auch bei den Auftritten merkt. Wir ließen uns trotzdem drauf ein und konnten Derartiges nicht feststellen. Das unterkühlte Auftreten gehört ja offensichtlich zur Show, und selbst wenn an den Gerüchten was dran sein sollte, hat man das auf der Bühne nicht gemerkt. Stattdessen gab es eine großartige Show mit vielen Hits, die bis in die letzten Reihen zum Tanzen verleiteten.

ESBEN AND THE WITCH
(Altes Landratsamt)

Unsere Kollegin zog es derweil ins Landratsamt zu ESBEN AND THE WITCH. Das nach dem gleichnamigen dänischen Märchen benannte Trio aus dem englischen Brighton existiert seit fast zehn Jahren, und 2013 war man bereits zu Besuch auf dem WGT. Mit ihrem druckvollen Gothic-/ Post-Rock mit Hang zum experimentellen Gitarrenspiel und der zarten Stimme der zierlichen Sängerin sind sie nicht nur vom Album sondern vor allem auch live ein Genuss. Die drei bauen gewaltige, kraftvolle Soundwände auf, die an GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR erinnern und als Kontrast die mal zarte, mal voller Inbrunst geschmetterte Stimme von Rachel Davies. Das Landratsamt wurde regelrecht zum Hexenkessel mit saunaartigen Temperaturen, dem die Musiker mit Handtüchern und Luft Zufächeln versuchten Herr zu werden. Eine ruhige A-capella-Version machte dann den krönenden Abschluss.

Die Konzerte hinter uns lassend trafen wir uns alle im Tanzcafé Ilses Erika wieder zum elektronischen Tanz auf zwei Floors von EBM bis Minimal Wave, bis mal wieder viel zu früh die Lichter angingen.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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