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WILLKOMMEN ZU HAUSE FESTIVAL 2013

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Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 27.12.2012

Wem auch immer dieses Festival eingefallen ist, dem gebührt ein ganz besonderer Dank. Man nehme 3 befreundete Bands von Landstreicher Booking und lässt sie nach dem Weihnachtsfest am gleichen Tag und zur gleichen Zeit in ihren Heimatstädten live spielen und das ganze wird dann via Livestream im Internet übertragen. Während K.I.Z. in Berlin und die Durchstarter des Jahres KRAFTKLUB in Chemnitz ihren Fans noch ein verspätetes Weihnachtsgeschenk machten, legten wir unser Hauptaugenmerk auf den Bielefelder Ringlokschuppen, der schon seit geraumer Zeit restlos ausverkauft war. Und mit restlos meine ich, das auch vor dem RLS niemand auftauchte, um seine Karte loszuwerden. Jeder, der ein Ticket erstanden hatte, wollte sich dieses Event nicht entgehen lassen. Der Kartenpreis war zudem noch angenehm günstig. Wie auch die Headliner bei den anderen beiden Festivals, hat sich CASPER ein paar Künstler eingeladen, die ihn beeinflusst oder bei seinem Werdegang geholfen haben. In Bielefeld sind die Gäste ROCKY VOTOLATO, SLIME und PRINZ P.

Den Auftakt machte ROCKY VOTOLATO aus Seattle, von dem ich doch glatt den Anfang verpasste, denn sein Auftritt wurde um eine halbe Stunde vorverlegt. Da sich allerdings noch viele Leute am Einlass befanden, spielte der Amerikaner zusammen mit seinem Bruder Cody vor einer halbleeren Halle. Trotzdem war die Stimmung zu diesem Zeitpunkt schon prächtig, obwohl sein Singer/ Songwriter Stil so gar nicht in das Line up zu passen schien. Das Album “Suicide Medicine” des früheren WAXWING Mitgliedes gehört für CASPER zu den alltime Top 3 Alben und deshalb erfolgte die Einladung für das WZH Festival. Das Duo erntete nach ihrem halbstündigen Auftritt mehr als nur Anstandsapplaus und verließ offensichtlich zufrieden die Bühne.

Setlist ROCKY VOTOLATO (ohne Gewähr)
Alabaster
Red River
Every Red Cent
Suicide Medicine
Fool`s Gold
White Daisy Passing
All Of My Prophets
Kill The Messenger (WAXWING)

Einen krasseren Gegensatz konnte es nicht geben, jetzt war der Punk angesagt und mit SLIME enterten die Helden der Jugend CASPERs die Stage. Im Vorfeld musste ich mich erst vergewissern, ob es wirklich die SLIME sind, die sich vor mehr als 30 Jahren in Hamburg gegründet hatten. Es stimmte tatsächlich und einige SLIME, SLIME Rufe aus dem Publikum bestärkten dies auch. Die provozierenden, linksradikal angehauchten Texte von Dirk Jora und seinen Mitstreitern stießen von jeher vielen Leuten vor den Kopf und so war es auch kein Wunder, dass einige Songs von ihnen auf dem Index landeten. “Schweineherbst” und “Sich Fügen Heißt Lügen” sind da noch die harmlosesten Stücke. Die Deutschlandkritischen Parolen, die Dirk ins Publikum schmetterte, kamen überhaupt nicht an. Schnell schlug die Stimmung um und aus einem Teil des Publikums waren vereinzelt Buhrufe zu vernehmen, hier und heute konnten sie keine neuen Fans gewinnen.

Zu den BACHschen Klängen „Toccata Und Fuge In D-Moll“ betrat danach PRINZ PI die Stage. Auch er gehört neben CASPER zu den Rappern, die intelligente Texte den Leuten zu Gehör bringen. Nun gut, auf dem Backdrop prangte zwar THE ARTIST FORMERLY KNOWN AS PRINZ PORNO, aber das sehen wir dann als pure Provokation, um anzuecken. Die stylische Hi – Tech “Orgel” im Hintergrund bediente ein DJ mit dem Rücken zum Publikum und sorgte so für den richtigen Sound. Mit seinem RAMONES Shirt kam der EX PRINZ PORNO sympathisch rüber und mit “Du Bist” vom Album “Rebell Ohne Grund” lenkte er zusammen mit E-Rich am zweiten Micro das Publikum in die richtige musikalische Richtung. Ab diesem Zeitpunkt brachte sich das Publikum lautstark mit ein, denn das war es, was der Großteil der Fans erleben und genießen wollte. Song für Song wurde mitgesungen, bzw. mitgerappt. Man merkte schon, das CASPER und PRINZ PI die gleiche Schnittmenge beim Publikum haben, zumal die Freunde vor noch gar nicht langer Zeit gemeinsam auf Tour waren.

Um 21.30 Uhr begann ein DJ mit seinem Set die Stimmung weiter hochzufahren und so fast nebenbei schlurfte Benjamin Griffey, so der bürgerlicher Name CASPERs, bekleidet mit einem Parka, über die Bühne um den Song “Halbe Mille” anzustimmen. Als Dankeschön für 500 000 Facebook Likes stellte er das Video auf Youtube online und die Fans waren schon bei diesem Track sehr textsicher. Noch stand der Frontmann alleine mit dem DJ auf der Stage, aber das sollte sich ändern, denn bei “Auf Und Davon” fiel der Vorhang und gab den Blick frei auf den Rest der Band, die sich sofort ins Zeug legte. Was für ein Sound, der durch den Schuppen blies und weiterhin für Kreischalarm sorgte. Im Hintergrund das riesige Backdrop vom “XOXO” Cover und dazu die CASPER Leuchtbuschstaben im Reklame Stil. Mittlerweile hatte sich der Shouter seines Parkas entledigt und sprang mit seinem GRAVEYARD-Shirt wie ein Berserker über die Bühne. Dann ging es Schlag auf Schlag weiter mit den Songs ” Die Letzte Gang Der Stadt” und dem Titeltrack vom immer noch aktuellen und gleichnamigen Album. Aber auch sein Erstlingswerk “Hin Zur Sonne” kam nicht zu kurz und das ruhige “Unzerbrechlich” gönnte den Fans eine kleine Verschnaufpause, die mit “Alaska” noch etwas verlängert wurde. Mit “Casper Bumaye” ging die Party dann unvermindert weiter und was ist das für Genugtuung für Benjamin, hier in dieser Halle zu spielen, wo seine Karriere begann. Vor ein paar Jahren stand er zusammen mit einem weiteren Mitglied seiner Band hier hinter der Theke und bediente Disco- und Konzertbesucher und wie er selber sagte: “Ich habe hier THE HIVES gesehen und SEEED”. Ja, da konnte er sich einige Sachen abschauen und davon träumen, auch mal dort oben zu stehen. Mit diesem Ziel vor Augen hat es ja schließlich geklappt und dieses Event war jetzt schon sein zweiter Auftritt an alter Wirkungsstätte. Seine Vorliebe für den heimischen Fußballklub DSC Arminia Bielefeld ist ja mittlerweile bekannt und 2008 hatte er den Arminen den Song “Eines Tages” gewidmet und bei einem Heimsieg schallt nun “So Perfekt” durchs Stadion. Daher konnte sich Herr Griffey bei den Bielefeld, Bielefeld Rufen aus dem Publikum nicht verkneifen, da kurz mal in Hip Hop Manier DSC, DSC einzustreuen. Das Finale wurde mit “Das Grizzly Lied” eingeläutet und es endete mit dem sehr persönlichen “Michael X”. Die einzige Zugabe des CASPER Heimspiels wurde, wie sollte es anders sein mit “So Perfekt” beschlossen und die Fans wurden dann in die kalte regnerische Nacht entlassen.

Was für ein Konzert von CASPER, kein Wunder, dass er zu Recht die 1LIVE Krone für den besten Liveact einheimste. Leider war die heutige Show viel zu kurz. Das ist aber das einzige, was ich zu bemängeln habe – oder doch ich hab da noch was: Den Opener “Der Druck steigt” vom Fest Van Cleef Festival vor gut einem Jahr fand ich um Längen besser. Das mit den Wolfsmasken hatte was. Vielleicht wird sich das auf der zurückliegenden Tour doch etwas abgenutzt haben, so dass man jetzt für dieses Heimspiel etwas anderes ausprobierte. Das Jahr 2013 wird ein wichtiges Jahr für CASPER und seine Mitstreitern. Wie werden sie weitermachen, wie wird der Sound des neuen Albums? Der Riesenerfolg von “XOXO” macht die Sache nicht gerade einfach. Clevererweise hatte man dieses Jahr das Livedokument “Der Druck steigt” als DVD bzw. CD veröffentlicht, um dieses zu umgehen und den Hype auszunutzen, denn niemand weiß, was morgen ist. Das erste Album “Hin Zur Sonne”, das im Moment horrende Summen bei diversen Anbietern kostet, kann auch nicht so ohne weiteres nachgepresst werden, da es wohl rechtliche Schwierigkeiten gibt. Mal schauen, was die Zukunft so bringt, auf jeden Fall spielen CASPER nächstes Jahr bei Rock am Ring und Rock im Park auf den beiden größten Festivals auf deutschem Boden und da sollte eigentlich nix schief gehen, beim Hurricane in diesem Jahr hatten sie das Publikum sehr gut im Griff.

Setlist CASPER (ohne Gewähr)
Halbe Mille
Auf Und Davon
Die Letzte Gang Der Stadt
XOXO
Unzerbrechlich
Alaska
Casper Bumaye
Rock And Roll
Blut Sehen
Medley
Mittelfinger Hoch
Lilablau
Das Grizzly Lied
Michael X

So Perfekt

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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