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WINTERNOISE FESTIVAL 2007

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Ort: Georgsmarienhütte - Eventcenter B 51

Datum: 13.01.2007

Etwas verspätet trafen ich und Kollege Axel am Eventcenter ein und kramten erst mal nach einem Bier. Ein Fehler, wie sich herausstellte, denn drinnen begannen PATH OF GOLCONDA schon ihre Show. Da mir nicht mal bekannt war, dass die dort spielen sollten (anscheinend wurden sie spontan gegen LACRIMAS PROFUNDERE getauscht, die an sich im Billing standen und überhaupt nicht gepasst hätten) ärgerte ich mich schon, als ich beim letzten Song doch noch in die Halle marschierte. Verfluchte Axt, der war gar nicht so schlecht. Allerdings kann ich sonst nur den schon erwähnten Kollegen zitieren: „Die sind wie ein kühles Bier. Geht gut runter und macht keine Zicken“.

Eine der Bands, die mich bewogen haben, am heutigen Abend beim Winternoise-Festival in GM-Hütte zu fotografieren, sind neben COMMUNIC und MOONSPELL ganz bestimmt SUDDEN DEATH. Während meiner aktiven Zeit als Konzertveranstalter der Bramscher Underground-Partys hatten SUDDEN DEATH ein Abo, das wahrscheinlich nur mit dem von IN FLAMES beim Wacken Open Air vergleichbar ist. Nicht weiter verwunderlich, kann man sich doch eine gleichermaßen sympathische und bodenständige wie geile Live-Band nur wünschen. Mehrere Jahre war ich nun auf „SUDDEN DEATH Entzug“, die Band hatte einige interne Probleme zu lösen, umso erfreuter war ich zu hören, dass die Jungs beim Winternoise mit dabei sind. Engagiert wie eh und je verteilte Basser Markus und Inhaber von SUPER SHOCK RESIST MUSIC vorab auf dem Parkplatz Flyer und freut sich über jedes bekannte Gesicht; und das sind an diesem Nachmittag einige. Eine hart erarbeitete Fanbasis ist doch 1000mal mehr wert als der kurzfristige Erfolg von Trittbrettfahrer-Bands gerade angesagter Musikrichtungen. Vorab treffe ich den anderen Markus von SUDDEN DEATH, den Sänger, und erkundige mich nach der neuen CD und dem aktuellen Line-Up. Das Line-Up sei jetzt genau das richtige und die CD das übliche Geballer… er überlegt kurz und fügt hinzu: „Die groovenden Stellen haben wir etwas zurückgefahren und geben dafür etwas mehr Gas“. Eine Entwicklung, die sicherlich dem gesetzteren Alter widerspricht und umso beruhigender zu hören ist. Die Band beginnt mit relativ dünnem Sound und ich zweifele, ob es möglich ist mit nur einem Gitarristen die Songs genauso druckvoll wie früher umzusetzen. Allerdings scheint dies kein Problem der Bandbesetzung, sondern schlicht des Mischers zu sein, denn ab ca. Mitte des zweiten Songs brät auch eine Gitarre die Songs herunter wie eh und je. In der nächsten dreiviertel Stunde ballert sich die Band souverän durch ein gemischtes Set von alten und neuen Songs und stellt eines unter Beweis: Sie hat nichts, aber auch gar nichts der früheren Live-Qualitäten eingebüßt. Allein Mike kann wegen seiner kurzen Haare nicht mehr bangen wie früher, alles andere ist geblieben. Sänger Markus freut sich über eine große Bühne, auf der auch er als Riese mehr als 2 Schritte machen kann, biegt sich in alle Richtungen und grunzt und grölt seine Texte ins Publikum. Bassist Markus könnte aufgrund seines Live-Actings sofort bei jeder Hardcore-Band einsteigen, rennt auf der Bühne hin und her, springt bei den groovenden Parts umher und etwa in der Mitte des Sets ins Publikum. Dafür, dass es früh am Nachmittag ist und SUDDEN DEATH erst die zweite Band dieses Marathons sind, hat sich der Platz vor der Bühne einigermaßen gefüllt und nach einige Songs ist der Funke übergesprungen und das Publikum bangt mit und belohnt seine Lokalhelden mit ordentlichem Applaus. Zusammen mit Basser Markus wird gebangt und gesprungen. Er läuft einmal komplett durch das ganze Eventcenter und steht plötzlich wieder auf der Bühne, um anzuzeigen, dass er gern einen Circle-Pit hätte. Auf so einen Newschool-Zirkus lassen sich Oldschool-Death-Metal-Fans natürlich nicht ein, so dass alle Bemühungen umsonst bleiben. Auf einem Stuhl an der Seite der Bühne sitzt der kleine Sohn von Markus mit fettem Lärmschutz und scheint mächtig stolz auf Papa. Als sich das Set von SUDDEN DEATH dem Ende neigt, erklärt Sänger Markus, dies sei das letzte Konzert im Eventcenter und der folgende Song der erste der Abrissparty, was dann auch wirklich nicht zuviel versprochen war. SUDDEN DEATH lassen einige Fans auf die Bühne, um mit ihnen zu bangen, dafür springt Basser erneut ins Publikum, um zusammen mit diesem seine Bandkollegen anzufeuern. Dann ist das Set viel zu schnell zu Ende und die Band bedankt sich beim Publikum, nicht ohne auf ihre CD-Relaese-Party am 20.01. im Bastard-Club in Osnabrück hinzuweisen, zu der sie herzlich alle einladen, sympathisch und ehrlich wie eh und je.

Danach statteten wir dem Merchstand einen Besuch ab. Dort abgekommen gab es gleich einige Stände zur Auswahl, so dass das Metallerherz CDs, Shirts und sogar Schwerter erstehen konnte. Wollte ich alles nicht, aber schauen muss man mal. Bemerkenswert war nur, dass COMMUNIC ihre Scheiben für faire 10 Flocken rauswuchteten, wohingegen PRIMORDIAL schon 18 Euro für ein Shirt haben wollten. Alles in allem geht das aber wohl OK. Nach einem kurzen Bierchen ging’s wieder in die Halle. Und nach nem Toilettengang gleich wieder raus. Weichspülergothic der Marke A LIVE DIVIDED musste nicht sein. Das, was ich hörte, war ziemlich langweilig, ohne Finesse und noch dazu von einer lediglich mittelprächtigen Show geziert. Gut, ALPHAVILLE kann man mal covern, aber sonst… Sagen wir, sie waren wie ein lauwarmes Bier. .

Wie gut, dass MOONSORROW da andere Kaliber verschießen. Zwar sind die Songs der Finnen durchgehend halbe Opern, aber dadurch, dass sie abwechslungsreich, technisch sauber und vielschichtig sind, kann man sich die Jungs richtig gut antun. Das dachten sich auch einige Leute und füllten die Halle etwa zur Hälfte. Party konnte man hier nicht machen, aber auch nicht erwarten. Die Songs sind dafür einfach zu lang. Trotzdem schien es den Jungs auf der Bühne Spaß zu machen und so brachten sie die Pagan/ Folk Stimmung gut rüber. Trotz eines langsamen Titels zum Schluss eine sehr ansehnliche Leistung.

Jetzt wurde es düster. Nicht nur in der Halle, weil von überallher ENDSTILLE T-Shirts auftauchten. Nein auch auf der Bühne, wo „komischerweise“ eben jene Band sich ein Stelldichein gab. Da ich Rasenmäher nur minderinteressant finde, übergebe ich das Wort einfach mal an den Kollegen Skygge.

Kollege Skygge (also ich) findet Rasenmäher dafür umso interessanter. Vor allem, wenn diese auch noch auf den Namen ENDSTILLE hören. Was ich allerdings nicht so ansprechend finde, sind ins Mikro genuschelte Ansagen. Leider war genau das der Fall. So verstand man einfach kein Wort von dem, was Iblis dem Publikum mitteilen wollte. Das tat aber der Energie der Band keinen Abbruch. Der Mensch hinter den Drums, der bekanntlich auf Trigger steht wie Vegetarier auf ein Steak, ballerte der Menge mit voller Kraft das Hirn aus dem Schädel. Für mich ist es immer wieder ein kleines Wunder, wie er das hinbekommt. Dazu noch die von L. Wachtfels sehr monoton gespielte aber fast in Trance versetzende Gitarre, die solide Bassarbeit von Cruor und das hasserfüllte Kreischen von Iblis und fertig ist das Rezept für eine ordentliche Ladung Black Metal. Dieser wurde vom Publikum zu Songs wie „Bastard“ oder „Navigator“ entsprechend zelebriert.

Nach ein paar Bieren draußen war dann die Stunde der Norweger gekommen. Allerdings anders als man vielleicht denken möchte. COMMUNIC haben mit Black Metal so viel zu tun wie George W. Bush mit intelligenter Friedenspolitik. Es war Zeit zu frickeln. Leider ging eben das beim ersten Song schon mal in die Hose. Was nicht an der Band sondern am Mischer lag. Der Sound war wirklich mies vor der Bühne, wurde aber später besser. Ebenso wie COMMUNIC, die doch deutlich mehr Bühnenshow lieferten als noch auf dem Earthshaker Festival. Auch wenn bis zu „Under A Luminous Sky“ das Gefühl aufkam, dass sich die Jungs etwas langweilen würden. Na ja, wer sich bei DEN technischen Muckeleien langweilt. Schade nur, dass sich weniger Nasen in die Halle verirrten als noch bei den „norwegischeren“ Vorgängern.

So, jetzt verschlug uns unsere Reise nach Irland zu PRIMORDIAL. Wer diese Band jemals live erleben durfte, der weiß um ihre Qualität. Und richtig, Alan und seine Bande legten sofort einen furiosen Anfang hin und fesselten damit die Zuschauer. Dieser Bengel ist einfach nur bekloppt. Ich weiß nicht, was man nehmen muss, um so abzugehen, aber ich will das auch haben. Nicht nur, dass er viel Energie durch seine Posen rüberbringt, nein er schafft es auch, die Emotionen des „Pagandoms“ von der grünen Insel einzufangen und auf das Publikum zu übertragen. Dieser Bengel zeigt allen Emos, wie man vernünftig leidet – besonders bei Hits wie „The Coffin Ships“ oder „The Burning Season“. Bei einer solchen Bühnenmacht stört selbst der matschige Sound nichts. Das dachten sich auch die Leute von draußen und so füllte sich die Halle doch ganz ordentlich. Dadurch wurde die Stimmung besser und ließ die Show zu einem intensiven Ereignis werden. Da sollten MOONSPELL erst mal einen drauflegen.

Das konnte schwierig werden, auch wenn man bedenkt, dass die Portugiesen ja alles andere als eine schlechte Liveband sind. Das Intro war dann aber doch eher nettes Klischee-Gereite. Schön Spieluhr. Aber das machten die Jungs mit einem furiosen Anfang wieder wett. Nur seine Zunge sollte der gute Fernando Ribeiro bei sich behalten. Gene Simmons steht ihm einfach nicht. Dafür kommt seine Präsenz aber an den alten Herren durchaus ran. Mächtig ist schon, was er da so abzieht auf der Bühne. Aber auch die Seitenfraktion ließ es sich nicht nehmen, das Haupthaar ein wenig zu schleudern. Für eine Gothic-angehauchte Band waren sie erstaunlich aktiv. Kombiniert mit der Lightshow in weiß und rot gehalten war das ein durchaus ansehnliches Ding, was das Quintett dort ablieferte. Mit „Opium“ wurde ein Hit zwar schon sehr früh im Set gespielt und auch „Alma Ater“ bildete nicht den Schluss, aber dafür gab’s sogar einen Song vom „Wolfheart“ Album. Leider hörten den, ebenso wie „Vampyria“ und „Fullmoon Madness“ sowie die Zugaben nur noch relativ wenige Leute. Die meisten machten sich vorher aus dem Staub. Ob’s am Alter lag oder ob 8 Bands am Stück einfach zu viel sind? Man weiß es nicht. So langte ich noch nach einem Pils und machte mich auch auf den Heimweg.

Fazit: Die Bands gingen überwiegend runter wie kühles Bier und falls es das noch mal gibt (allerdings sicher nicht im Eventcenter, der demnächst umfunktioniert wird), werde ich wieder dabei sein. Nette Sache, so ein Winternoise…

Stefan Thiele & Skygge (OsnaMetal.de) außer SUDDEN DEATH (Karsten Rzehak)

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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