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W:O:A 2005 – BERICHT 1

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Ort: Wacken

Datum: 04.08.2005 - 06.08.2005

Es war nass. Nass und schlammig, und man sollte vermuten, dass die Festival Besucher, deren Schuhe, Stiefel und Hosen schon ziemlich in Mitleidenschaft gezogen worden waren, ganz schön genervt wären. Aber dass die weit über 30.000 Besucher des 16. Wacken Open Air trotz allem eine große, friedliche und tolle Party feierten, hat sicher so manchen erstaunt. Natürlich waren einige vom Wetter genervt und auch von der Tatsache, dass so manch Zelt und Pavillon schon viel zu früh seinen Geist aufgab. Aber das stärkte nur den sowieso großen Zusammenhalt. Es wurde sich gegenseitig mit Kohle, Anzünder, Platz unterm Pavillon und sogar Schlafmöglichkeiten ausgeholfen. Autos und Wohnmobile, die sich festgefahren hatten, wurden mit vereinten Kräften aus dem Dreck gezogen und es war den Helfern dabei total egal, wenn sie sich selbst dadurch mit dem Modder besudelten, bei manchen schien dies sogar noch ein extra Ansporn zu sein.

Donnerstag

Aber wenn man es recht betrachtet, hatten eigentlich alle noch Glück mit dem Wetter, denn es hätte ja auch die ganze Zeit durchregnen können. So aber riss beispielsweise am Donnerstag passend zur Eröffnung des Festival-Geländes die Wolkendecke auf und bescherte den Metallern einen zwar etwas kühlen, aber trockenen Beginn mit der Norwegischen Gruppe TRISTANIA. Denen schien aber das Wetter aufs Gemüt geschlagen zu haben, da sie, trotz schöner Melodien und der tollen Stimme der Frontfrau Vibeke Sten, den Eindruck erweckten, als hätten sie nicht so richtig Lust. Dazu kam dann noch, dass weiblicher Chorgesang vom Band eingespielt wurde, was den Live-Charakter doch sehr schmälerte.

Ganz anders dagegen CANDLEMASS. Da sorgte Sänger „Messiah“ durch seine Stampf-Tanzeinlagen und der völligen Hingabe an das, was er tat, dafür, dass so mancher den Begriff Doom-Metal für sich erst mal wieder neu definieren musste.

Nun warteten einige gespannt auf den Auftritt der Gruppe OOMPH!, die viele „richtige“ Metaller vermutlich nur durch den Hit „Augen auf“ kannten. Dabei sind die Jungs aus Braunschweig schon seit 1989 dabei. Mit harten Rockstücken, einer tollen Stimme und einer Wahnsinns Ausstrahlung gelang es der Band auch schnell, das mittlerweile doch recht groß gewordene Publikum zu überzeugen und mitzureißen. Grad der irre Blick des Sängers Dero, sowie seine Publikumsnähe konnten überzeugen. So manches mal versuchte er in die tobende Menge zu springen, wurde aber immer wieder sofort von der Security zurück gezogen. Eigentlich schade, aber die Jungs, die da vorn im Graben für Ordnung sorgen mussten, hatten auch so genügend um die Ohren, als das sie sich auch noch um einen in der Menge badenden Sänger kümmern konnten, und es sollte Ihnen an diesem Abend auch nicht mehr langweilig werden.

Als OOMPH! dann Ihren Auftritt mit eben jenem „Augen auf“ beendeten, wurde es erst so richtig eng, da so ziemlich jeder die Hauptband an diesem Abend unbedingt aus der Nähe ansehen wollte. Kein Wunder, Tarja Turunen, die weibliche Stimme von NIGHTWISH hat ja auch eine umwerfende Ausstrahlung, und wenn sie dann zu den harten Gitarren-Riffs anfängt zu singen, bekommt so manch harter Metaller eine Gänsehaut. Zudem sieht die Frau auch noch umwerfend aus, so dass man sich eigentlich fragen muss, warum die Band noch einen Sänger dabei hat. Es mag zwar sein, dass es durch Ihn ein wenig rockiger klingt, aber das ist nicht mehr NIGHTWISH, wie man sie kennt und liebt. Zum Ende des Konzertes gab es dann noch ein wunderschönes Feuerwerk, nachdem sich dann die Menge zu den Zeltplätzen begab, um sich dort auf den nächsten Tag vorzubereiten, sei es durch schlafen, grillen oder dem systematischen Vernichten von so manchem Liter Bier.

Freitag

Der Freitag begann leider etwas feucht, so dass sich viele erst etwas später aus Ihren Zelten wagten und sich auf den Weg zum Festivalgelände machten, wo auch diesen Tag wieder so mancher Act das Interesse der Metalheads wecken sollte. So zog beispielsweise MARKY RAMONE, der letzte Überlebende der RAMONES einige Schaulustige an und bewies, dass so manch alter Hit noch immer gut rockte. Schade daran war eigentlich nur, dass kaum neues gespielt wurde, aber bei Stücken wie „Rock ’n’ Roll High School“ oder „Blitzkrieg Bob“ werden diese Kleinigkeiten dann auch gern mal übersehen.

Direkt im Anschluss folgte die finnische Band ENSIFERUM, die mit einer Mischung aus traditioneller Folkmusik und Death Metal die sowieso schon gute Stimmung halten und sogar noch ein wenig anheizen konnte, was bei diesem Wetter gar nicht mal so einfach war.

Wem der Regen dann doch zu sehr störte, der konnte sich bei der „W.E.T. Stage“, die sich im Zelt befand, ein wenig aufwärmen und nebenbei auch hier tollen Gruppen lauschen, wie z.B. an diesem Tage SAEKO. Die Japanerin, die sich während eines Europa Aufenthalts im Jahr 2001 vom Wacken Open Air so sehr begeistern ließ, dass sie nur noch Metal machen wollte, konnte nun selbst auf diesem Festival auftrumpfen und riss mit Ihrer Leidenschaft und Stimme die Leute in dem beinahe überfüllten Zelt mit. Da war es schon richtig schade, dass nach 45 Minuten die Show vorbei war.

Das auf so einem großen Festival nicht immer alles ganz so reibungslos laufen kann, wie es die Veranstalter gerne hätte, zeigte sich, als die Gruppe EDGUY spielen sollte. Das Equipment war schon aufgebaut, und auch die Bühnen Dekoration stand, aber wo war die Band? Die steckte noch im Stau, wurde dann aber zügig mit einem Hubschrauber eingeflogen und konnte mit kurzer Verspätung ihr Programm starten. Zuerst zeigte sich der Sänger mit dem ziemlich durchnässten Publikum solidarisch und kippte sich mit den Worten: „Wenn Ihr nass seid, wollen wir auch nass sein!“ eine Flasche Wasser über den Kopf. Die fünf Jungs aus Fulda, die bei manchem Metal-Magazin wohl nicht sonderlich beliebt zu sein scheinen und gern als „Schönlinge“ betitelt werden, zogen alle Register. Tobias Sammet, der Frontmann, kletterte die Bühne hoch und hatte schnell den sehr gut gefüllten Platz vor der Bühne fest im Griff, während der Rest der Band rockte, was das Zeug hielt, eben absolut passend für die „Truemetal-Stage“.

Im Gegensatz zu CORVUS CORAX plus Orchester, die später am Abend eben diese Bretter betraten. Mit der Weltpremiere der „Carmina Burana“, der wohl umfangreichsten Sammlung weltlicher Lieder des deutschen Mittelalters, haben sich die „Könige der Spielleute“ in Wacken wohl keinen Gefallen getan. Es klag gleichzeitig überladen und lahm. Überladen, da neben den 8 Spielleuten, die mit Dudelsäcken, Drehleier und Schlagwerk angerückt waren, ein Orchester und ein großer Chor dafür sorgten, dass die eigentlich schönen Mittelalter-Klänge in einer Geräuschkulisse unterging, aus der man manchmal nicht mehr wirklich die Melodie raushören konnte. Lahm, weil durch die 60 Leute auf der Bühne der Platz sehr knapp geworden war und deshalb auch kaum Show dargeboten werden konnte, allerdings hätte das dann auch vermutlich nicht zu den lateinischen Texten und verhältnismäßig ruhigen Stücken gepasst. Zwar klatschten die Zuhörer am Ende des Konzertes, aber es schien eher ein Anstandsklatschen zu sein, und so manchen Fan sah man ein wenig enttäuscht zu seinem Zeltplatz gehen.

Samstag

Das es auch am Samstag regnete, wunderte fast niemanden mehr, und die meisten ließen sich dadurch auch nicht wirklich stören und da zwischendurch auch mal die Wolkendecke aufriss, wurde das tolle Angebot an Bands auch am letzten Festival Tag gut angenommen.

OVERKILL sorgten beispielsweise für richtig gute Stimmung, was bei Stücken wie „In Union we stand“ und „Fuck You“ ja auch kein Wunder ist. Trotz schlammigem Boden, gegen den die Veranstalter immer wieder Stroh streuen ließen, war es so voll, dass kaum ein Durchkommen möglich war, und das galt ganz besonders für FINNTROLL, die auf der etwas kleineren „Party Stage“ absolut deplaziert waren und weitaus besser auf einer der Hauptbühnen hätten spielen sollen. So mussten sich viele das Konzert der finnischen „Humpaa-Metal-Band“ von weiter hinten ansehen, und da war der Sound dann auch leider nicht mehr so umwerfend. Trotzdem sprang der Funke über, und die 6 Musiker auf der Bühne müssen sich schon fast wie auf einem Volksfest vorgekommen sein, so viele Menschen feierten zu Ihren Hits eine ausgelassene Party mit etlichen „Crowd-Surfing“, Pogo und Polonaise Einlagen.

Dagegen wirkten HAMMERFALL auf der großen „Truemetal-Stage“ beinahe verloren. Eigentlich passte bei den fünf Schweden alles. Tolle Bühnendeko, guter Sound und starke Metal-Stücke, bei denen die meisten Fans von sich aus mitgrölten. Trotzdem wirkte besonders Joacim Cans, der Sänger, ein wenig unbeweglich, woran auch die tolle Licht- und Pyroshow nicht viel ändern konnte. Zwar brüllte das Publikum aus Leibeskräften „Let the Hammer fall“, aber irgendwie schien er an diesem Tag nicht mehr fallen zu wollen.

Dabei geht es auch ganz anders, wie REGICIDE, eine noch nicht ganz so bekannte Formation aus Norddeutschland, eindrucksvoll auf der W.E.T.-Stage bewiesen. Zwar mussten sie mit ein paar Minuten Verspätung starten, weil irgendwas mit der Technik wohl erst nicht so klappte, aber dafür hatten sie die Massen, die sich vor der eher kleinen Bühne drängten, nach nur wenigen Sekunden fest im Griff und ließen sie auch nicht wieder los. Dabei ist der Stil dieser Band schwer zu Beschreiben. Harter Bombastrock und ruhige Balladen, Soliduelle zwischen Bass, Geige und Gitarre und eine perfekte Gesangskombination zwischen „Frauke Richter“ und „Timo Südhoff“. Gänsehaut und gleichzeitig die Lust, wild mit dem Kopf zu bangen ließen die Fans, die das Zelt bis zum letzten Platz füllten, zum Schluss des Konzertes immer lauter „Zugabe“ rufen, doch leider vergeblich, da der Zeitplan zu eng war. Aber ich bin sicher, dass dies nicht das Letzte war, was man von dieser Band in Wacken gesehen hat, und irgendwie habe ich das Gefühl, dass auch sie auf eine der Hauptbühnen gehört hätten.

Wenn man denkt, dass so ein Auftritt wohl kaum noch zu toppen ist, dann sollte man ACCEPT nicht vergessen. Extra für Wacken (und das Rock Hard Open Air 2005) hat sich die Band noch mal in der fast original Besetzung zusammen getan, und dementsprechend voll war der Platz vor der „Truemetal-Stage“. Viele wollten wissen, ob Udo Dirkschneider, Wolf Hoffmann, Peter Baltes, Hermann Frank und Stefan Schwarzmann es noch immer drauf haben. Eindeutige Meinung: Ja, sie können es noch immer. Mit so unvergesslichen Songs wie „Balls to the Wall“, “Princess of the dawn“ und “Turn me on” lieferten sie eine Show ab, die jeder der da war, wohl nicht so schnell vergessen wird. Zwar bleibt auch eine so bekannte Band nicht immer von den Tücken der Technik verschont, aber eine ausgefallene Gitarre konnte Udo und Co nicht aus der Fassung bringen. Die Stimme dieses Frontmannes ist einfach der Hammer, und so kann man eigentlich nur auf weitere Konzerte von ACCEPT hoffen.

Leider fing es kurz nach dem Schlussfeuerwerk dann wieder so heftig an zu regen, dass viele den Zeitpunkt nutzten, um dieses Jahr verfrüht aufzubrechen. Die wenigsten hatten Lust dazu, noch bis zum Sonntag auszuhalten und reisten schon in der Nacht ab. Abschließend muss man aber trotzdem sagen, dass es ein geiles Festival war, mit viel Regen, viel Schlamm und einfach spitzenmäßigen Bands. Leider gab es auch einen tragischen Unfall, der einem 37 jährigen das Leben kostete. Die Verantwortlichen des W:O:A haben sofort reagiert und eine Spendenaktion für die Familie des Verstorbenen ins Leben gerufen (www.wacken.com/de/main-info/spendenaufruf/) In der Hoffnung, dass hierbei viel Geld zusammenkommt, möchte ich an dieser Stelle der Familie mein aufrichtiges Beileid bekunden.

Tja, das war also das 16. Wacken Open Air und worauf freut sich ein wahrer Metaller nach all dem Regen, Schlamm, den defekten Zelten, den nassen Klamotten, dem tagelangen nur Bier und Bratwurstkonsum, den Dixi Toiletten und dem wenigen Schlaf am allermeisten, wenn er wieder zu Hause ist? Natürlich auf W:O:A 2006, das 17. Wacken Open Air…

Copyright Fotos: Ludger Walhorn

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